HEMA CB etc

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user9467

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Ich habe ein wenig rumgeguckt und dann sind mir die Begriffe HEMA,CB,Buhurt und Huscarl entgegengehüpft?Was muss ich da drunter verstehen?
 
CB und Huscarl sind Regelwerke für Reenactmentkämpfe. Buhurt ist bewaffneter Gruppenkampf zu Fuß. Und Hema ist die Rekonstruktion von Kampftechniken nach Handschriften alter Fechtmeister - in letzter Zeit mit Tendenz zur Versportlichung. Nur als schnelle Antwort.
 
Codex Beli ist darauf ausgelegt, sicher zu sein. Anhänger anderer Systeme sind oft der Meinung, dass genau das nicht der Fall ist. Weder Kopf noch Unterarme sind Trefferzone. In meinen Augen wären das in einem realen Kampf in Antike oder Frühmittelalter aber die bevorzugten Ziele gewesen. Mit Huscarl bin ich nicht besonders vertraut. Aber ich glaube, wenn ich sage, dass es CB mit erweiterten Trefferzonen und besserer Schutzkleidung ist, liege ich nicht ganz falsch. Sowohl Codex Beli und Huscarl sind oft auf Mittelalterveranstaltungen anzutreffen, wo Schlachtreihen bzw. Schildwälle gegeneinander antreten. Buhurt ist, wie Dunio scho schrieb, auf den Kampf zwischen Teams ausgerichtet. Man kann es als Vollkontaktkampf in Rüstung zusammenfassen. Der Begriff bezeichnete eine bestimmte Form des Turniers im Hochmittelalter. Moderne Buhurtkämpfer sind in aller Regel gut gepanzert und legen Wert darauf, keine modernen Protektoren zu tragen. Oft sind die Rüstungen aber pseudohistorisch. Da man hier nicht zimperlich ist, müssen sich die Kämpfer gut schützen. Buhurt wird heute als Sport betrieben. Es gibt eine Weltmeisterschaft. HEMA oder Historical European Martial Arts (Historische Europäische Kampfkünste) bezeichnet die Umsetzung, der in spätmittelalterlichen (vereinzelt auch hochmittelalterlichen?) und frühneuzeitlichen Fechtbüchern, überlieferten Techniken. Dabei wird überwiegend moderne Schutzausrüstung getragen. Standardmäßig werden Duelle gefochten und keine Gruppenkämpfe. Ein grundlegender Unterschied zwischen HEMA und den anderen Kampfsystemen ist, dass HEMA mehr Wert auf historische Techniken legt und weniger auf historisch korrekte Schutzausrüstung. Das eine bedingt das andere. Die Vertreter der anderen Systeme tragen jedoch sehr oft auch nur pseudohistorische Bekleidung und Rüstung.
 
Alles klar, so kriegt das ganze ein Bild. Danke
 
Und Hema ist die Rekonstruktion von Kampftechniken nach Handschriften alter Fechtmeister - in letzter Zeit mit Tendenz zur Versportlichung.
:eek:ff: Das nehme ich so auch wahr, zumindest, was das Turnierwesen betrifft. :back
 
@Ewaldt von Amulunc Die Ausgangsfrage scheint mir beantwortet zu sein - und da es im weiteren Sinne themenbezogen ist, spricht eigentlich nichts dagegen einzelne Bereiche näher zu besprechen... Wobei ich glaube, das es schon irgendwo angesprochen wurde, dass sich das historische Fechten in eine nicht so gute Richtung entwickelt...
 
Stimmt, würde zur Überschrift durchaus passen - nur nicht zur Fragestellung - und ich glaube ebenfalls, dass es hier im Forum schon hinreichend besprochen wurde. Daher wollte ich es nicht vertiefen. Aber lassen konnte ich es auch irgendwie nicht. *zucktindenFingern*
 
Zu deiner Beruhigung kann ich aber sagen, dass es durchaus noch Gruppen gibt, die Graduierungen lächerlich finden, deren Training nicht turnierrelevant ausgelegt ist und Sparring größtenteils nur mit Maske und leichten Handschuhen im T-shirt gefochten wird. Technisch abwechslungsreich gefochten zu haben und trotzdem getroffen werden macht halt mehr Spaß als wie ein Büffel nach Punkten zu jagen... Und ich freue mich, wenn es woanders noch mehr solcher Leute gibt und man sich vielleicht in Zukunft vernetzt um die Kunst zu erhalten...
 
Um zur Urspungsfrage zurückzukommen: Hier die sehr ausführliche Antwort mit Beispielen. Wie hier schon geschrieben ist HEMA das Trainieren nach historischen Quellen. Das ist aber der kleinste gemeinsame Nenner, es unterscheidet sich von Verein zu Verein ob an eigenen Quelleninterpretationen gearbeitet, oder andere übernommen werden, ebenso wie sehr das Training auf den Quellen aufbaut, wie stark es eher sportlich-wettkampforientiert ausgerichtet ist, oder sich eher als Kampf"Kunst" versteht und Wettkämpfe abgelehnt werden. Die Waffen und ebenso die Zeit sind sehr divers (die Quellen beginnen im frühen 14. Jh. und die meisten Leute sind sich einig, dass noch das Fechten um 1900 als "historisch", gezählt wird, manche gehen da sogar bis zum Bajonettkampf des zweiten Weltkriegs). Die Spanne geht da von den Leuten die eigentlich eine moderne Sportfechterische Haltung und Bewegungsart haben und da halt leichte Rapiere und ein Bisschen Historische Techniken dazu nehmen, bis zu denen die selber Texte transkipieren, originale Waffen vermessen und sich Trainignswaffen exat nach diesen Maßen anfertigen. Der Fokus ist (den Quellen geschuldet) meistens auf Zweikämpfen ohne Rüstung und entsprechend wird moderne Schutzausrüstung getragen. [media]https://www.youtube.com/watch?v=_-MBZyPwsaY[/media] (Quelle: Academy for historical Fencing) Allerdings gibt es auch Gruppen (wegen den Kosten deutlich weniger), die historisches Harnsichfechten Rekonstruieren, das kann dann so aussehen. [media]https://www.youtube.com/watch?v=wI_jd90sOc4[/media] Oder Leute die gelegentlich in historisch korrektem Kit fechten, um die Umstände ihrer Rekonstruktion so nah am Original, wie nur möglich zu halten. [media]https://www.youtube.com/watch?v=oDQUKZVtWmg[/media] (Quelle: Roland Warzecha) Buhurt ist in der heutigen Form ein moderner Kampfsport, bei dem die Waffen und deren Verwendung oft nicht so Viel mit ihren Historischen Vorlagen zu tun haben (etwa die Verwendung von Schwertern als Perkussionswaffe), der sich aber an historische Kampfspiele anlehnt. Hier ein Promovideo von einem Großen Turnier als Beispiel [media]https://www.youtube.com/watch?v=0QZ4NMHV2nk[/media] (Quelle: Battle of the Nations) Daneben gibt es Systeme die Reenactment Kämpfe sicher machen sollen (CB und Huscarl etwa), gerade im Früh und Hochmittelalter verwenden viele Kämpfer trotzdem gerne noch nicht historisch belegte (etwa diese dicken Leder Fäustlinge), oder moderne, unter dem Gewand versteckte, Protektoren. Als letztes Kampfsystem sei hier die SCA (society for creative Anachronism) erwähnt. Wie der Name schon sagt, steckt da in der Gestaltung der Ausrüstung viel mehr Freiheit, als etwa beim Reenactment/Living History. Gekämpft wird in nicht authentischen, für dies Art des Kampfes optimierten Rüstungen (etwa Gesichtsgitter, bei offenen Helmen) und die Waffen sind aus Holz. [media]https://www.youtube.com/watch?v=c-iSCnMvJ2Q[/media] (Quelle SCATally)
 
Kleine Korrektur: Bei der SCA sind die Waffen aus Rattan, nicht aus Holz.
 

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