Gefüttertes Kleidungsstück nähen

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    • Gefüttertes Kleidungsstück nähen

      Bonjour, liebes Forum.

      Als nächstes großes Projekt steht bei mir mein erster Surcot an. Obermaterial Wolle, Futter Seidenköper.
      Wie gehe ich am besten an ein gefüttertes Kleidungsstück heran? Seidensurcot ud Wollsurcot einzeln nähen und dann an den Säumen (Kragen, Armlöcher) rechts auf rechts mit Wendeöffnung zusammennähen? Oder nur die Nahtzugaben nach innen umschlagen und zusammensteppen (mit dann sichtbarer Naht)?

      Hat jemand Tipps oder sogar historische Vorbilder?

      Und hat noch jemand einen tollen Shop parat, wo ich Seidengarn zum Nähen des Futterstoffs herbekomme?

      liebe Grüße
      Gerda
      Herzliche Grüße von Gerda!
      (Berlin, 13. Jhd) :bye01
      www.brandenburgunder.de www.diehandmaid.wordpress.com
    • Seidenköper klingt edel! ^^

      Unabhängig von historischen Vorbildern - einfach nur praktisch: Ich schneide Oberstoff + Futter zu, nähe beide Stücke getrennt jeweils rechts auf rechts zusammen und versäubere die Nähte - mit Ausnahme der Halsausschnitte. Dann wird am Halsausschnitt angefangen, den Oberstoff u. das Futter rechts auf rechts zusammen zu nähen. (Besonders gut: Wegen des Futters brauchst Du keinen zusätzlichen Beleg.)

      Manchmal empfiehlt es sich, zusätzlich am Halsausschnitt einen kleinen Zier- / Steppstich zu setzen, damit die 4 Lagen Stoff schön eng aneinander liegen.

      Anschließend das Futter komplett reinziehen und die Ärmel am Handgelenk zusammen nähen. Wenn es mit den Stoffen funktioniert, nehme ich dafür nur den Zier- /Steppstich. Am Handgelenk gibt es nicht viel Zug oder Belastung für Kleidungsstücke, wenn sie nicht gerade mit einer Knopfleiste versehen sind u. auf- u. zu geknöpft werden sollen.

      Als letztes nähe ich den Saum am unten Rand ein... :/ ich gebe zu, dabei zu mogeln, denn ich nähe oft nur die geraden Bahnen von Vorder- u. Rückteil und säume Oberstoff u. Futter an den Gehren getrennt von einander... Das hat mir manche Nachbesserung wegen hängenden oder beulenden Kleidern erspart. :whistling: Das Futter sollte halt nicht rausschauen.
      Der Überlieferung nach durchtrennte Alexander der Große den Gordischen Knoten mit dem Schwert. Wer kein Schwert benutzen will, muß mit dem Knoten leben oder sich etwas anderes ausdenken.
    • Hallo Hendrik,

      ich würde das Futter zumindest an den Ärmeln in Oberarmbereich heften damit du beim An- und Ausziehen nicht immer das Futter mitziehst (eventuel herausreißt) es sei denn du verwendest eine recht glatten Futterstoff.

      Wolle auf Wolle rutscht nicht gut und auch auf Leinen kann es schwieriger werden.

      Ach so, das gilt nur wenn du das Futter nachträglich einbringst!
      Vernähst du es gleichzeitig mit dan anderen Stoffteilen ist es schon fest.
    • Kommt drauf an. Historisch belegt ist stark gerauter Wollstoff als Futtermaterial. Rutscht nicht wirklich gut auf der Wolltunika.

      Alternativ überlege ich, als Futter Leinen zu nehmen.
      Nein, ist als Futter nicht belegt (zumindest nicht bei den Wikis und beim Klappenrock). Ist jetzt rein aus praktischen Erwägungen heraus, weil ich den Klappenrock auch gerne im Sommer tragen möchte. Da sind mir zwei Lagen Wolle (mit Tunika drei) zu warm ;)

      Leinen gleitet ganz gut... Und trägt bei den Nähten auch kaum auf.
    • Ich würde von Leinen als Futterstoff für Wolle eher abraten. Beide Stoffe hängen verschieden aus und dann hat man am Ende ein unschön "beutelndes" Futter, das unten am Saum rauskrabbelt. :) Ausserdem speichertLeinen Wasser anders und fühlt sich eher kalt und klamm an als Wolle, was für ein Futter auch eine eher nicht wünschenswerte Eigenschaft ist.

      Ideal zum Füttern von Wollstoff ist ein leichter Wollkammgarn-Köper wie es ihn zB bei Naturtuche gibt. Der trägt auch kaum auf und kühlt sogar ein wenig und ist glatt genug dass die Wolltunika gut drauf gleitet.

      Ein kurzes :off1 sei mir noch erlaubt, weil ich das Thema gerade anderswo hatte:
      @Wolfram von der Oerz: Satin kann durchaus belegbar sein - denn der Begriff meint eine bestimmte Webart, nicht ein bestimmtes Material. Seidensatin ist also für bestimmte Darstellungen/ Verwendungszwecke denkbar, solcher aus Baumwolle bzw. Polytierchen wäre eher Fantasy, da hast Du recht.
      Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist. (Konfuzius)
    • @Katharina de Lo - die Kühle für den Sommer wäre sogar durchaus erwünscht ;)

      Der Hinweis auf das unterschiedliche Aushängen ist allerdings sehr wertvoll, denn diesen Aspekt hatte ich überhaupt nicht auf dem Schirm.

      Wo wir gerade schon mal dabei sind - als Oberstoff habe ich einen schönen Gleichgratköper mit 320 g/lfm bei 150 cm Breite.

      Wie verhält es sich mit dem Futter, wenn das nun auch aus Wolle besteht? Brauche ich da die gleiche Webart und ein ähnliches Gewicht, damit es nicht unterschiedlich stark ausbeult? Oder ist das beim gleichen Material vernachlässigbar?
    • Nein, für den Gleichgratköper kannst Du sehr gut das leichte Kammgarn als Futter nehmen. Habe ich selbst schon zusammen verarbeitet, das funktioniert tadellos. Bei gleichem Material auch in verschiedener Stärke hast Du das Problem des unterschiedlichen Aushängens erfahrungsgemäß nicht.
      Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist. (Konfuzius)
    • zu GroMi-zeiten habe ich mal einen Klappenrock zusammengesetzt... :rolleyes: (nähen würde ich das heute nicht mehr nennen). Obermaterial Wolle, Futter Ramie. Es hat sich bewährt:

      Da hing auch nach mehrmaligem Tragen nix durch. Warm hielt es sehr gut und bewegte sich angenehm über der Cotte. Das Teil liegt aus nostalgischen Gründen heute noch im Schrank und wird im Winter als Hausjacke getragen.
      Der Überlieferung nach durchtrennte Alexander der Große den Gordischen Knoten mit dem Schwert. Wer kein Schwert benutzen will, muß mit dem Knoten leben oder sich etwas anderes ausdenken.