Almosenbeutel - viele Anfängerfragen

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Almosenbeutel - viele Anfängerfragen

      Hallo liebes Forum!

      Ich mache mich mit meiner Darstellung langsam Schritt für Schritt auf den Weg, die soziale Leiter immer ein bsischen höher ;)
      Für die luftigen Höhen der Gesellschaft brauche ich
      a) noch einen netten Almosenbeutel, vor allem um auf Veranstaltungen mein Handy zu verstecken, wenn ich nicht als Magd mit Korb oder Kiepe unterwegs bin und
      b) eine Beschäftigung für die feune Dame, wenn ich nicht bis zu den Ellenbogen im Abwaschwasser stecken kann ;)

      Passt ja wunderbar zusammen, aber ich habe auch nach anfänglicher Recherche noch viele Fragen, vielleiht könnt ihr mir weiterhelfen (ganz bestimmt sogar!)

      1. Material: ich habe feinen und nicht ganz so feinen Wollstoff, verschiedenste Leinenstoffe und -sobald ich meinen Surcot zugeschnitten habe- auch einen Rest barbiepinke Seide. Außerdem hbe ich in meinem Fundus verschiedene Woll- und Seidengarne sowie ein bisschen Goldlahn.

      2. Stich: Brickstitch scheint für Mitte des 13. Jhd ne sichere Sache zu sein, oder? Vorlagen finden sich ja online einige, aber habt ihr Tipps, worauf man achten sollte?

      3. Verschluss: Tunnelzug oder Nestellöcher zum Band durchziehen?

      4. Rahmen: Ich habe verschiedene Leute und deren Webauftritte gestalkt und der Stickrahmen scheint ja letztlich nur ein Rahmen aus 4 verzapften Leisten zu sein. Der einzige Unterschied, den ich feststellen konnte, war, dass einige die Seitenteile mit Löchern versehen hatten, durch die die Spannfäden gezogen wurden. Andere haben die Fäden einfach um die Leisten gewickelt. Gibt es dazu Quellen oder Erkenntnisse, die ich noch nicht habe?

      Meine Idee wäre, nicht zu feines Leinen als Material zu nehmen und zum Besticken Wollgarn (geht das klar? Oder sollte es Seide sein?). Flächedeckendes geometrisches Muster im Brick Stitch.
      Zum Besticken das ganze auf einen oben beschriebenen Holzrahmen spannen. (Evtl gröberes Leinen um das eigentliche Material herum befestigen, damit nicht so viel Zug auf dem Stoff ist?)

      Wie klingt das? Große Schnitzer drin?

      Ich freue mich über jede Anregung!

      Gerda
      Herzliche Grüße von Gerda!
      (Berlin, 13. Jhd) :bye01
      www.brandenburgunder.de www.diehandmaid.wordpress.com
    • Auf die Gefahr hin jetzt Deinen Plan zu erschüttern, Mitte des 13. wäre ich mit Brick Stitch für Almosenbeutel noch etwas vorsichtig - es gibt zwar da schon die ersten Brick Stitch-Arbeiten, aber Almosenbeutel kenne ich aus der Zeit keine, das liegt dann eher 100 Jahre später soweit mir bekannt ist. Wenn Du Belege für einen Brick Stitch-Beutel für Mitte 13. hast wäre ich dafür sehr dankbar, ich mag diese Stickerei sehr und würde meinen gern öfter "ausführen" als immer nur bei den Ausflügen ins 15. ...

      Je nach Wohlstandsgrad würde ich eher feine Wolle oder Seide bestickt empfehlen, auf jeden Fall mit Seide gefüttert. Für die Verschlussschnüre auf jeden Fall Nestellöcher, für Tunnelzug kenne ich keinen Beleg. Schade eigentlich, das wäre so viel einfacher - vielleicht waren die ja doch doof, damals...? ;)

      Hab ich Dich jetzt sehr aus dem Konzept gebracht...? :/ War keine Absicht! :rolleyes:
      Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist. (Konfuzius)
    • Wenn Du mit Wolle oder Seide auf Leinen stickst, bist Du auf der sicheren Seite. Seide auf Seide paßt auch wunderbar.

      Goldlahn würde ich persönlich an einem Almosenbeutel nur sparsam verwenden. Die Reibung des Beutels am Gewand tut dem Lahn nicht gut.

      Wegen der guten Handhabung mache ich trotzdem meist einen Tunnelzug... War nicht der winzige Reluquienbeutel aus blauer Seide im Kloster Wienhausen mit Tunnel?! Muß ich mal nachblättern... sofern das gute Stück überhaupt im Buch ist.
      Der Überlieferung nach durchtrennte Alexander der Große den Gordischen Knoten mit dem Schwert. Wer kein Schwert benutzen will, muß mit dem Knoten leben oder sich etwas anderes ausdenken.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Raginhild ()

    • Der Reliquienbeutel ist leider nicht abgebildet... Sorry.

      Nach IG Wolf sind Stiel- und Kettenstich im 12. Jh häufig. Dann werden sie wohl für die Darstellung eines Jahrhunderts später noch genutzt werden können.
      Der Überlieferung nach durchtrennte Alexander der Große den Gordischen Knoten mit dem Schwert. Wer kein Schwert benutzen will, muß mit dem Knoten leben oder sich etwas anderes ausdenken.
    • Kettstich kann ich, damit arbeite ich im modernen Bereich gerne.
      Spaltstich ist so ähnlich, oder? Aber man sticht durch den Faden hindurch.
      Wird der dann flächig gearbeitet?
      Ich hab emich mal an einer kurzen Recherche versucht, aber mir fehlen da noch die Orte und Pinterest ist furchtbar, wenn es um verlässliche Datierungen geht :whistling:
      Hättest du vielleicht ein Beispiel für eine solche Stickerei irgendwo?
      Herzliche Grüße von Gerda!
      (Berlin, 13. Jhd) :bye01
      www.brandenburgunder.de www.diehandmaid.wordpress.com
    • Almosenbeutel (Funde) waren vor einigen Monaten hier im Forum verlinkt worden - Da findest Du jede Menge Anregungen. Die Suchfunktion hilft bestimmt, den Link aufzuspüren.

      Sowohl im Kloster St. Marienberg Helmstedt als auch im Kloster Wienhausen sind einige wenige Behänge aus dem 13. Jh erhalten. Da sind Klosterstich, Spaltstich, Anlegetechnik und Stielstich sowie sogar für kleine, einzelne Sterne einer der ältesten Belege für Kreuzstich.
      Der Überlieferung nach durchtrennte Alexander der Große den Gordischen Knoten mit dem Schwert. Wer kein Schwert benutzen will, muß mit dem Knoten leben oder sich etwas anderes ausdenken.
    • Katharina de Lo schrieb:


      Für die Verschlussschnüre auf jeden Fall Nestellöcher, für Tunnelzug kenne ich keinen Beleg. Schade eigentlich, das wäre so viel einfacher - vielleicht waren die ja doch doof, damals...? ;)
      Ja, habe ich auch gedacht, aber bestickter Stoff ist doch etwas dicker und da ist Tunnelzug nicht wirklich toll. Mit Nestellöchern lässt es sich viel einfacher zusammenziehen und öffnen - und man bestimmt durch den Abstand der Löcher genau den Faltenwurf. Also unterm Strich viel schicker. :)

      Brickstich sehe ich auch eher im 15. Jh. Spaltstich spaltet den Faden, genau Gerda. Und beides wird für Konturen benutzt und zum Ausfüllen flächig gearbeitet. Eventuell kommt auch der Klosterstich in Frage, den gab es meines Wissens ab dem 13 Jh. bis ins 16. Jh. (aber möglicher weise eher für großflächigere Werke). Ich schaue mal, ob ich Belege finde.
      "Der Unterschied zwischen Gott und den Historikern besteht hauptsächlich darin, daß Gott die Vergangenheit nicht mehr ändern kann."
      Samuel Butler der Ältere (1612 - 1680) englischer Satiriker

      http://amulunc.de.tl
      http://twerchhau.de
    • Einer der Margaretenbehänge in St. Marienberg wird auf 1300 datiert ebenso wie ein Tristanbehang in Wienhausen. Auch wenn die nicht in voller Fläche bestickt sind, tragen die dargestellten Figuren doch Muster in Brickstitch. Eine Verwendung Ende 13. Jh wäre m.E. damit belegt.

      Das komplette Ausfüllen der Stickgrundes ist m.E. erst im 14. Jahrhundert zu sehen; die Funde sind im Viktoria und Albert Museum in London. Ich meine mich zu erinnern, daß auch Stücke mit der Herkunft Hildesheim dabei waren.
      Der Überlieferung nach durchtrennte Alexander der Große den Gordischen Knoten mit dem Schwert. Wer kein Schwert benutzen will, muß mit dem Knoten leben oder sich etwas anderes ausdenken.
    • Kleiner Tip, Gerda, weil Du ja auch bei FB bist: Da gibts eine Gruppe "Opus anglicanum medieval embroidery" wo es viel um Opus anglicanum (ist im wesentlichen Spaltstich und Anlegetechnik) und Bayeuxstich geht - da finden sich schöne Beispiele für flächige Stickereien in diesen Stichtechniken.

      Klosterstich ist eigentlich eher was für Wandteppiche etc., weil auch der gesamte Hintergrund mit ausgestickt wird.
      Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist. (Konfuzius)
    • Zum Thema Tunnelzug:

      In der Rubrik "Projekte" im Thread "Das mache ich im Winter" hatte Silvia am 19.03.2018 auf Seite 61 nicht nur den tollen Link zur Tiroler Seite mit ganz vielen Beispielen gesetzt, sondern auch einen Link für den Trierer Almosenbeutel von 993, der wohl zur Aufbewahrung für liturgisches Gerät diente. ... und er hatte - nach dem Bild zu urteilen - einen Tunnelzug!

      Das ist zwar kein 13. Jh, aber es gab den Tunnel schon vorher.
      Der Überlieferung nach durchtrennte Alexander der Große den Gordischen Knoten mit dem Schwert. Wer kein Schwert benutzen will, muß mit dem Knoten leben oder sich etwas anderes ausdenken.