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Ein blasses Grün färben

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    • Ein blasses Grün färben

      Meine nächste Tunika soll grün gefärbt werden, erst mit Birke, dann mit Eisensulfat nachbehandeln.

      Der Grünton soll aber nicht kräftig und leuchtend sein, sondern eher dezent und blass. Vergleichbar vielleicht mit einem heutigen Olivton, der schon hundertmal gewaschen wurde.

      Nun heißt es ja, dass kaltes Beizen und kaltes Färben blassere Farben ergibt als die heiße Methode. Wäre also in meinem Fall genau wunschgemäß (und auch praktisch, weil ich eh keinen so großen Topf habe).

      Hat das schon mal jemand von Euch in der Form gemacht?

      Also die Beize normal (heiß) ansetzen, abkühlen lassen, Wolle rein, und lange einwirken lassen.

      Danach dann die Birkenblätter auskochen, abkühlen lassen, Stoff rein, lange stehen lassen.

      Stoff raus, aufkochen, Eisensulfat rein, abkühlen lassen, Stoff wieder rein, und beim richtigen Grünton wieder raus nehmen.

      Am Schluß mit Essigwasser fixieren.

      Wäre meine erste Färbung - funktioniert das wohl?
    • Wie wäre es wenn du einfach nur die Hälfte des Färbeguts nimmst?
      Wenn es deine erste Färbung überhaupt ist, empfehle ich das traditionelle Heißfärben.
      Ich färbe meine Garne alle heiß weil sie dann gleichmäßiger die Farbe annehmen.
      Während des Färbens schaue ich immer, ob der gewünschte Farbton schon erreicht ist und nehme dann ggfs das Färbegut raus.
      Beim Eisensulfat ist das übrigens nicht so einfach, das Eisen reagiert mit dem Sauerstoff und dunkelt beim Rausnehmen aus der Flotte immer nach.
      "Mit Essig fixieren" lässt sich wohl nicht ausrotten. Essig fixiert bei Pflanzenfarben überhaupt nix, das kommt aus der Färberei mit Säurefarben. Trotzdem ist ein Schuss Essig im letzten Spülwasser nicht schlecht, weil es das für Wolle wichtige saure Milieu wieder herstellt, die Wolle also pflegt.
      Marled
      Kleidermotte in historischen Textilien aus Leidenschaft - näheres ist in meinem Blog Archäotechnik - textile Fläche zu finden.
    • Na ja, heiß färben haut mangels großem Topf nicht hin. Und nur für einmal färben ausprobieren einen kaufen, gäbe Knatsch mit meiner besseren Hälfte ;)

      Stimmt, einfach weniger Pflanzen nehmen ist natürlich das einfachste. Hätte ich auch selbst drauf kommen können 8|

      Klappt das Nachdunkeln bzw. der Farbumschlag mit dem Eisensulfat denn trotzdem? Soll ja schon ein dunkler Grünton werden, nur eben in blass...

      Oder ist der Grünton von der vorherigen Gelb-Intensität abhängig?

      Da es halt zwangsläufig auf 'kalt' hinausläuft - funktioniert das Ganze trotzdem?

      Danke für die Aufklärung mit dem Essig. Wie man an mir sieht, plappert es einfach jeder nach, und keiner hinterfragt es :D
    • wo willst du denn dann drin färben? In einem Kübel? Achte dann darauf, den Stoff regelmäßig zu bewegen, sonst gibts Flecke, vor allem beim Nachdunkeln mit Eisensulfat.
      Ich würde an deiner Stelle mal ein wenig üben mit kleinen Stoffstücken und einem alten Topf, die gibts schon mal für wenig Geld auf dem Flohmarkt.
      Viel Erfolg
      Marled
      Kleidermotte in historischen Textilien aus Leidenschaft - näheres ist in meinem Blog Archäotechnik - textile Fläche zu finden.
    • Im Keller habe ich eine 50-Liter-Curver-Kiste.
      Vorher an einem kleinen Stück testen auf jeden Fall, wäre sonst schade um das ganze Material, falls es schief geht.

      Der Stoff ist Wolle in Leinwandbindung, "direkt vom Webstuhl", ungewaschen, unbehandelt, und unentspannt.

      Die muss vorher in die Waschmaschine im Wollprogramm, richtig?
      Normales Waschmittel, keinen Weichspüler?
    • Schritt 1 - Wolle gewaschen. Meine Befürchtung, dass 6 Quadratmeter in die Maschine rein gehen, und nur zwei Topflappen wieder raus kommen, hat sich nicht bewahrheitet.
      Nur die offenen Schnittkanten sind etwas aufgedröselt, aber weder verfilzt noch eingelaufen.
      Ich werte das nun als gutes Omen hinsichtlich späterer Färbeversuche ;)
    • Erster Zwischenstand:

      Kaltbeize angesetzt, Stoffstücke rein, 12 Stunden drin gelassen.
      In der Zwischenzeit drei Färberkisten vorbereitet. Birkenblätter, Krappwurzel, und getrocknete Walnussschale.
      Jeweils in einen Nylonstrumpf, dann mit kochendem Wasser bedeckt. Ebenfalls 12 Stunden ziehen lassen. Zwischendurch immer wieder etwas geknetet und durchgerührt.

      Dann die Wollstücke rein, und von oben etwas beschwert, damit der Stoff nicht oben auf schwimmt. Die Pflanzensäckchen an der Seite drin gelassen, aber ohne direkten Kontakt zum Stoff.
      Alle paar Stunden bewegt, geschwenkt, gerührt.
      Der Stoff ist nun seit rund 36 Stunden drin, und so schaut es aktuell aus:

      Birke ist erkennbar gelblich geworden, aber (noch) nicht sehr intensiv.
      Krapp schaut recht rot aus, Walnuss ist derzeit noch hellbraun.

      Bleibt noch für 2-3 Tage drin, mal schauen, was da noch kommt.

      Auf den ersten Blick ist die Färbung jeweils sehr gleichmäßig, keine Flecken, keine Unregelmäßigkeiten. Ob es so bleibt, zeigt sich dann wohl erst nach dem Trocknen.
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    • Ergebnis nach drei Tagen Kaltfärbung:

      Oberste Reihe Walnuss, Krapp, Birke.
      Gespült, noch einmal kurz in Essigwasser gebadet, und nochmal gespült.

      Für die untere Reihe habe ich Eisensulfat in warmem Wasser gelöst, und dann mit kaltem Wasser aufgefüllt. Die drei gefärbten Stoffe dann zusammen da mit rein gelegt und eine Stunde drin gelassen.

      Reihenfolge wieder Walnuss, Krapp, Birke.

      Bei der Birke habe ich zwei weitere Versuche gestartet. Frisches Eisensulfat angesetzt, dieses Mal in den Birkensud gegeben (der sofortige Farbumschlag ist schon sehr beeindruckend ;) ), und zwei weitere Stücke Stoff mit Birkenfärbung rein gelegt.
      Das erste nach einer Stunde wieder raus genommen, das zweite für 12 Stunden drin gelassen.

      Wie man an den drei grünen Stücken sieht, gibt es kaum einen Unterschied im Ergebnis.
      Das 12-Stunden-Stück ist ein klein wenig dunkler, aber nur minimal.

      Zum Vergleich als Untergrund das Ausgangsmaterial, der naturfarbene und ungebleichte Wollstoff.

      Walnuss hätte ich mir eigentlich ein wenig intensiver vorgestellt, insgesamt bin ich mit dem Ergebnis aber sehr zufrieden.

      Morgen kommt noch Reseda und Indigo an die Reihe :)

      Und ich muß sagen - selber färben macht echt Spaß :)
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    • Endergebnis nach 5 Tagen...
      Für sehr wenig Aufwand - zweimal am Tag 'umrühren' und sehr geringe Kosten ein zufriedenstellendes Ergebnis :)

      Hängt noch zum Trocknen auf dem Balkon und wird dadurch noch etwas blasser. Hat aber definitiv in den letzten beiden Tagen noch deutlich an Intensität gewonnen.
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    • Also Indigo mit Entfärber ist von der Einfachheit her absolut nicht zu toppen :thumbsup:

      10 Liter warmes Wasser, nen Löffel Indigo Pulver rein rühren, zwei Packungen Entfärber hinterher, und einen Teelöffel Salz.

      Stoff rein, kurz warten, Stoff raus, trocknen lassen, fertig.
      Der spontane Umschlag von gelb über grün zu blau ist der Hammer.

      Links im Bild Wolle, rechts Leinen, unten das Sumpfwasser ist das Indigobad.

      Während ich schreibe, wurde aus dem Leinen auch ein tiefes Blau. Da kann man echt zugucken, so schnell geht das ;)
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    • Ja, ich hab nen Fehler gemacht.
      Das Indigopulver habe ich mit dem Schneebesen ins Wasser gerührt, und das mit dem Entfärberpulver dann auch gemacht. Und so lange weiter rein, bis die Brühe heller wurde.
      Da ich mit dem Schneebesen auch viel Sauerstoff untergemischt habe, konnte die Lösung gar nicht gelb werden.

      Nachdem die abgedeckt ein paar Stunden stand, ist die jetzt auch gelb, mit dünner blauer Schicht oben drauf.

      Erst da fiel mir der Fehler auf.

      Hab aber noch genug Indigo, um es beim nächsten Mal richtig zu machen :)