Rückbetrachtung Mittelaltermarkt Büdingen 13./14.07.2019

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    • Rückbetrachtung Mittelaltermarkt Büdingen 13./14.07.2019

      Tja, was mache ich gerade? Meine Gewandungen sortieren, die durchgeschwitzte leinene Leibwäsche in die Waschmaschine stecken, das Wollzeug nach dem Lüften wieder ordentlich Mottensicher verpacken und die „Beute“ vom Wochenende auf dem Büdinger Mittelaltermarkt verstauen. Ansonsten rekapitulieren wie der Markt war.

      Vorab: wer Büdingen (Quelle= Wikipedia) nicht kennt- wir haben eine fast vollständig erhaltene mittelalterliche Altstadt die von einer bis auf einen Turm (den Pulverturm) kompletten Befestigungsanlage aus dem frühen 16. Jahrhundert umringt wird. Zusammen mit dem von der Familie Fürst zu Ysenburg und Büdingen bewohnten Schloss bietet die Altstadt ein Ambiente, das für Mittelaltermärkte oder solchen mit späteter Zeitsetzung geradezu prädestiniert ist.

      Kurz und gut, in der weitläufigen Altstadt fanden sich rund um die Festungsmauern die lagernden Gruppen- die sich teilweise leider wie zu oft auf Märkten zu beobachten ist von den Besuchern abschotteten, auf den Plätzen und Gassen sehr viele Händler unterschiedlichster Waren und Qualitätsstufen, darstellendes Handwerk, darunter ein exquisiter Löffelschnitzer und natürlich viele Stände mit Speisen und Getränken. Gaukler, Spielleute, fahrendes Volk fehlte ebenso wenig wie Kinderbetreuung und einen (gestellten) Viehmarkt- welches Kind aus der nahen Großstadt Frankfurt weiß wie ein lebendes Huhn, eine Kuh oder eine Ziege in echt aussieht?

      Für meine Begriffe ein gelungener Markt für den sich die Verantwortlichen der Stadt und der örtliche Mittelaltervereins ziemlich in Zeug legten.

      Doch wo Licht ist, findet sich auch Platz für Verbesserungen. Mich irritierte das meiner Ansicht nach Überangebot an eher nicht als mittelalterlich einzustufenden Angeboten und Kunststoff, wie an zwei Ständen gesehen, hat auf so einem Fest nun rein gar nichts zu suchen. Das dürfte allerdings der sehr großen verfügbaren Fläche geschuldet sein. Die belebt bekommen ist eine nicht ganz triviale Aufgabe. Was ich sehr vermisste war eine bessere Wegführung. Die Stände auf dem ursprünglichen Marktplatz zwischen Schloss und Kirche hätten etwas mehr Aufmerksamkeit verdient, da die Hauptwege daran vorbei laufen. Das ist etwas worauf die nach Aussage einiger Händler nicht sehr präsente Orga für künftige Veranstaltungen achten müsste. Ich als Ortsansässiger wusste wie man dort hin kommt, Fremde liefen einfach dran vorbei, denn der Weg dort hin läuft zwischen eng stehenden Häusern und einer schmalen Gasse am Rand der Altstadt.

      Ebenso waren lediglich zwei Händler vor Ort die ich als erstklassig bezeichnen würde. Einmal Jörg Schifferstein mit seinen spätmittelalterlichen Gürtel- und Knopfreplikaten und „Sir Longpepper“ mit seinen teilweise exquisiten Gewürzen. Ich freue mich schon auf ein gutes Steak mit frisch gehacktem tasmanischem Bergpfeffer und einer Prise Fleur de Sel. Gut, ich stelle mittlerweile andere Ansprüche an Märkte als der „normale“ Marktbesucher, der seine Kleidung und sonstiges Gerödel im Versandhandel bestellt und es als mittelalterlich ansieht. Völlig in Ordnung, in dem Hobby hat jede Spielart ihre Berechtigung… obwohl ich gestern wirklich nach Legolas Ausschau hielt nachdem mir zwei Uruk‘Hai über den Weg liefen. Die öfters gesichteten 1000 Jahren Geschichte an einer Person waren da geschenkt.

      Und doch vermisste ich ein wenig die Ausgewogenheit. Keine Stoffhändler mit Ausnahme des örtlichen Schneidergeschäftes, das zwar wie drei weitere Stände Fertigwaren der bekannten Marken anboten, doch war auch hier die Auswahl an richtigen Stoffen für Eigenanfertigungen sehr beschränkt. Oder einfacher gesagt- nicht vorhanden. Polyester und Baumwollstoffe gehen halt gar nicht. Accessoires waren mit Ausnahme vom bereits genannten Jörg Schifferstein nicht für Geld und gute Worte zu bekommen. Keine guten Lederwaren, kein Schuhmacher für historische Schuhe, dafür eine Korbmacherin, ein Seifensieder, ein Kerzenzieher, ein Töpfer und ein Färber als darstellendes Handwerk. Ansonsten das bekannte Angebot an industriell hergestellten "Mittelalterwaren". Tücher, Kerzen, Holzspielzeug, Schmuck, Steine. Steine??

      „Jungsspielzeug“ gab es an einem Stand im Oberhof, doch auch das war lediglich Handelsware von der Stange. Qualitativ gute Händler bzw. Handwerker in der Sparte waren Fehlanzeige. Schade drum, vielleicht das nächste Mal.

      So genug genörgelt. Obwohl- einen habe ich noch. Ich weiß nicht was in den Köpfen mancher Zeitgenossen vorgeht, wenn sie mitten in der Nacht Absperrungen beiseite räumen um mit ihren motorisierten PIEPverlängerungen der Gattung AMG & Co durch die Gassen mit den eng gestellten Verkaufsständen zu rasen, diese beschädigen und einfach abhauen. Oder später in grölenden Gruppen durch die Altstadt ziehen und versuchen Verkaufsstände umzuwerfen oder Zeltplanen aufzuschlitzen. Dies wurde mir unabhängig voneinander von drei Händlern berichtet.

      Die Störenfriede wurden ziemlich deutlich beschrieben. Undercut, Vollbart, dunkler Teint, sehr teure Autos, nach Ansprache widerlichstes Vokabular. Diese Typen machen sich, seit sie in den Großstädten vermehrt Druck bekommen, in den nahen Kleinstädten breit und verhalten sich letztendlich in Ermangelung empfindlicher Konsequenzen unter aller Granate.

      Wie konnte das kommen? Das Sicherheitskonzept war nach Aussage der Händler mit denen ich sprach suboptimal. Die Organisatoren hatten es wohl versäumt die Sicherheitsfirma für die Nacht von Samstag auf Sonntag zu buchen. Ein Versäumnis, das den an sich interessanten Markt in ein nicht so gutes Licht bringt. Da werden im Nachgang sicher noch einige Gespräche geführt werden.

      Denn unter diesen Voraussetzungen werden es sich einige Händler dreimal überlegen nochmals nach Büdingen zu kommen. Nicht ganz optimale Witterungsbedingungen sind geschenkt, nicht sehr kaufwillige Besucher ebenfalls. Wenn es einige wenige schaffen einen Markt mit ihrem ekelhaften Verhalten zu sabotieren ist alle Mühe, aller Einsatz, aller Enthusiasmus vergebens.
    • mein letzter Besuch in Büdingen ist sehr lange her. Damals war ich begeistert über die offenen Häuser und das Museum. Es hat Spaß gemacht zu Stöbern. Aber schon damals war die Qualität auf auf dem Markt weniger historisch, als ich erwartet hatte.
      Der Überlieferung nach durchtrennte Alexander der Große den Gordischen Knoten mit dem Schwert. Wer kein Schwert benutzen will, muß mit dem Knoten leben oder sich etwas anderes ausdenken.