Gürtelrückseite 'unsichtbar' füttern - wie?

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    • Gürtelrückseite 'unsichtbar' füttern - wie?

      Derzeit habe ich den Gürtel aus Bj. 716 in Arbeit - den mit den 52 Bronzebeschlägen.
      Dafür werde ich die Beschläge hinten mit je vier Stiften versehen, durch das Leder vom Gürtel führen, und auf der Rückseite umbiegen (das Original hat je 3-4 Nieten, aber da ich zum Nieten setzen echt zu blöd bin, muss ich auf Stifte ausweichen).

      Bei insgesamt ca. 150 Stiften mache ich mir echt Sorgen um die Kleidung unter dem Gürtel. Das Risiko, dass irgendwas an den Stiften hängen bleibt und Fäden zieht, erscheint mir recht groß.

      Deswegen möchte ich den Gürtel auf der Rückseite gerne mit Stoff oder Leder füttern.
      Am Einfachsten wäre es natürlich, Futter und Gürtel über die gesamte Länge miteinander zu vernähen. Dann würde man allerdings auf der Vorderseite des Gürtels die Nähte sehen, und das passt irgendwie überhaupt nicht zum Design.

      Gibt es eine Möglichkeit, das Futter ohne vorne oder an der Seite erkennbare Nähte auf der Rückseite zu befestigen?
    • z.B Kleben
      ich weis zwar nicht ob es mit Gummi Arabikum funktioniert aber damit wärest du noch halbwegs "A"

      Entwerder komplett bekleben oder nur dort wo die Niete sind.

      Andere alternative
      Dort wor die Niete hinkommen das Leder tiefer prägen oder Aus-"Fräsen".
      Bei 3-4mm Gürteldicke können locker 2mm weg.
      Wenn es dann ganz toll sein soll mit dem Locheisen passende Lederstück ausschneiden und in die Vertiefungen kleben

      Du kannst mit einem Dünnen Leder oder Stoff die Naht auf der Rückseite führen.
      Wie beim Wendeschuh zwischen Sohle und Oberleder dann die obere Naht setzen dann das Leder umklappen und untenmit der gleichen Naht wieder befestigen.

      Leider kann man den Gürtel mit den Beschlägen nicht wie einen Wendeschuh umschalgen dann wäre die Nähte ganz verschwunden

      Da du so ein Drehmelbegeisteter bist könntes Du auch alle Nietköpfe schleifen und polieren :D
    • Hallo Hendrik,

      ich befürchte bzw. vermute das es außer mit kleben - dies könnte dich weiderum lösen , nur mit vernähen geht - sofern die Gefahr des hängen bleibens und Faqden ziehen besteht.

      Zu vermeiden wäre es ggf. indem Du die überstehenden Kanten sehr gut beschleifst, möglichst ballig bzw. rund. Bei allen deinen guten Arbeiten, solltest Du das auch schaffen.

      Ansonsten vosichtig und gleichmäßig seitlich Löscher vorstechen und knapp an der Kante entlang eine dünne Stoff oder Lederlage annähen, einfacher aber wie du schon schreibst wird dies sichtbar ist es mit präzisen stichen z.B.: je 3-4 mm eine saubere aber sichtrbare Naht zu nutzen. Diese kann dann in Leinengarn erfolgen und ggf. noch nachgefäbt werden damit die Naht nicht so sehr hervorsticht.
      Doch die "Wiinger" waren sehr farbenfreudig - sofern sie es sich liesten konnten somit ist ggf. gerade eine andersfarbige und präzise gesetzte Naht ein zusätzlicher Blickfang.

      Beim Ledernähen ist Dir sicherlich bekannt das Ledernadeln geschliffene Kanten besitzen und daher nach dem vorstechen mit zwei (vorn gerundeten - stumpfen) Sattlernadeln genäht wird, bzw. erst mit der Ledernadel und anschließend mit der Sattlernadel (auf der Faden gegenseite Aufgefädelten Nadel) genäht wird.

      Gruß Olegsson
    • @Wolfram von der Oerz und @Olegsson - danke Euch beiden für die guten und kreativen Ideen.

      Die Enden der umgebogenen Stifte im Leder zu versenken klingt gut, auch wenn das Leder nur knapp 2mm dick ist. Werde ich mal testen.

      Wie schaut es eigentlich mit der Belegbarkeit aus, falls das Futter doch quer durch das Leder hindurch vernäht werden müsste, und man vorne die Nähte sehen würde? Gibt's dafür irgendwelche Nachweise?
    • Theoretisch hätte ich dir beliebig lang machen können ;)

      Dazu hab ich gestern Abend aus 1mm Bronzedraht U-förmige Abschnitte hinten auf die Beschläge aufgelötet, und die Stifte sind nun ca. 1 cm lang bei 2mm Lederdicke.
      Hab die lieber etwas länger gelassen - denn kürzen kann ich die später immer noch.

      Müsste doch eigentlich reichen, oder?
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    • Ich persönlich würde sie ähnlich den Heftklammern so umbiegen, dass die Spitze hinterher wieder ins Leder "sticht".
      Kann man so realisieren, dass man sie über einen Messerrücken mit Gefühl winklig abknickt und anschließend mit Gefühl zur Mitte hin ins Leder schlägt.
      Ob das belegt ist, kann ich beim Besten Willen nicht sagen. Aber rein von der Logik her spricht nichts dagegen, dass auch schon in früherer Zeit ein solches Verfahren zur Anwendung gekommen sein kann.
      Falls diese Aussage zu spekulativ ist, dann bitte einfach ignorieren. ^^
    • @woodworker - Ja genau, so ähnlich hatte ich es bei den (gekauften) Beschlägen meiner Birka-Tasche gemacht. Da waren die Stifte auch sehr lang, und ich hab einfach den letzten Millimeter rechtwinklig umgebogen und beim Hämmern mit im Leder versenkt.

      Ob sich diese Methode nun belegen lässt oder nicht, finde ich bei einem derartigen Detail recht irrelevant (nur persönliche Meinung). Das Auflöten der Stifte mit modernem Lötwasser und Lötzinn ist ja auch völlig un-A, und da man beim fertigen Gürtel nichts mehr davon sieht, finde ich es auch nicht dramatisch. Da kann man auf Nachfrage immer noch erzählen, wie es historisch korrekt gewesen wäre, und warum man es selbst anders gemacht hat.
    • Löten ist aber an den frühmittelalterlichen Knaufkappen der Schwerter belegbar und ein Umschlagen der Nägel an Schildfesseln mit Versenken der Spitzen zurück ins Material auch.
      Also wäre deine Lösung durchaus plausibel, wenn ich jetzt auch nichts zu damaligen Flussmitteln und dem verwendeten Lötdraht sagen kann. Zu letzterem könnte ich vielleicht nach meinem Urlaub mal nachschlagen, ob ich das finde...
      ...alle sagten immer: "Das geht nicht!" - doch dann kam einer, der wusste das nicht und hat es einfach getan...
      ...diese Signatur kann Spuren von Soja oder Erdnüssen enthalten...
    • Danke Dir @Dunio für die Bestätigung dieser beiden kleinen Details :)
      Das sind so feine Puzzleteile, die das Gesamtbild abrunden.

      Die Beschläge sind ja eh schon hinsichtlich der Fertigung nur ein Kompromiss. Im Original waren die gegossen - das kann ich selbst mangels Ausrüstung nicht machen. Dabei hatte man die Stifte entweder direkt mit gegossen, per Überfangguss nachträglich angefügt (kann ich ebenfalls nicht hier daheim), oder es wurden Löcher gebohrt und Nieten gesetzt (zum Nieten kloppen bin ich irgendwie zu doof). Deswegen ging es nicht anders als mit den Blechen und gelöteten Stiften.

      Aber es gibt mir ein echt gutes Gefühl, dass Du meine Methode gerade eben einigermaßen historisch legitimiert hast - danke Dir ganz herzlich :thumbsup: