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Fragen zum Zelt

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    • Fragen zum Zelt

      Hallo,
      ich habe das Forum schon durchsucht, aber leider noch nicht die Antworten auf meine Fragen gefunden. Vielleicht könnt ihr mir sonst auch einen Tipp geben, wo ich dazu Informationen finde. (Bin noch neu .)

      Ich hätte Lust mir ein Zelt selber zu bauen, doch bevor ich solch ein Projekt beginnen sollte, möchte ich mich zunächst genauer darüber informieren.

      Mir ist es wichtig bei einem Zelt, nur zeitgenössische Materialien zu verwenden, also natürliche. Welche Zeit es im Mittelalter ist, ist mir dabei relativ egal. Was ich nicht im Zelt haben möchte, ist zum Beispiel eine Plastikfolie, ohne jemanden zu nahe treten zu wollen, für mich ist das etwas geschummelt. Ich kann mir jedoch kaum vorstellen, dass zum Beispiel Adlige keinen Boden in ihren Zelten hatten und den Rasen direkt unter den Füßen. Irgendwas werden die doch bestimmt auf dem Boden liegen gehabt haben oder? Wen ja, was hatten sie dann als Zeltboden?

      Eine weitere Frage ist, wie sie ihre Zelte abgedichtet haben? Schließlich haben die bei Wind und Wetter in ihren Zelten gehaust. Hatten die einfach kein Problem mit einem undichten Zelt oder hatten die Spezielle Methoden? Ich laß einige Male vom Ausräuchern der Zelte. Hilft das wirklich? Wie sind eure Erfahrungen damit? Was brauche ich dafür für einen Stoff, damit es besonders gut funktioniert und wie oft muss ich das wiederholen?

      Außerdem, was haben die gemacht, wenn es dann mal geschneit hat, wie haben sie dann ihre Zelte abgedichtet? Und auch von unten mussten sie dann ja isolieren, wie haben sie das angestellt?

      Ich hoffe, ich habe es richtig eingeordnet . Sonst bitte verschieben . Freue mich über jede hilfreiche Antwort. :danke
      Liebe Grüße
      Philina
    • Für den Bodenbelag Teppiche, Decken, Felle, ggf. darunter eine Lage Stroh. Das isoliert und schützt recht gut.
      Als Bespannung dürfte das gleiche Material taugen, welches auch für wetterfeste Kleidung verwendet wurde - Wollstoffe. Solange man das natürliche Wollfett nicht heraus wäscht, ist es Wind- und Wetterabweisend.
    • Guten Morgen Philina,

      Zelte sind zumindest nachweistechnische ein heikeles Thema.
      Es gibt einige Abbildungen aber über die Materialien wird leider mehr oder weniger spekuliert.

      Es sind Leinen und Wolle immer wieder im Gespräch für das Mittelalter obwohl man nicht weis ob die Tradition der Römer mit Lederzelten zu arbeiten weiter geführt wurde zumindest eine gewisse Zeit.

      Hergestellt mit Handnähten warscheinlich aus dem selben Material wie die Zelthaut auch.

      Ob es Dichtungsmaterialien gab ist auch spekulation von Segeln für Schiffe weis man von teer"Farbe".

      Leinen ist durch seine quellenden Eigenschaften größtenteiels selbstabdichtend. Wolle ist sofern nnoch Wollfett vorhanden ist wasserabweisend.

      Sonst gibt es noch Diskussionen über Zeltbemalungen wie man sie auf Abbildungen sieht
      in wiefern die dichtene Wirkung hatten ist von der benutzen "Farbe" abhängig.

      Das "Ausräuchern" von Zelten funktioniert gut.
      Ob es eine gewollter oder eher ein zufälliger und genutzter Effekt ist kann ich nicht sagen.

      Was isolation angeht ist leider im Europäischen Raum nichts bekannt aber ich weis von den Mongolischen Jurten das diese für die kühlere Jahreszeit auch über eine Isolation verfügen also mehr eine dickeres Innenzelt.

      Über reguläre Fusbodenbeläge ist mir eigentlich nichts bekannt.
      Sicherlich kann man über Strohhechsel wie man es auch in Wohnhäusen zu bestimmten Zeiten hatte nachdenken.

      Vielleicht solltest Du grundsätzlich davon ausgehen das das Zelt nicht die Regel sondern die Ausnahme war. Wer sich ein Zelt leisten konnte war schon besser begütert.

      Ergänzend sei hier gesagt das dies nur ein sehr kurzer grober Abriss zu diesem Thema ist.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Wolfram von der Oerz ()

    • Wie Wolfram schon sagte: der Gebrauch von Zelten ist insgesamt belegtechnisch eher fraglich. Auf Reisen hat sich Otto Normalmensch eher nicht mit sowas abgeschleppt sondern in Herbergen bzw. Klöstern (die dafür extra Gästehäuser unterhielten) übernachtet - oder notfalls eben in den Mantel gewickelt unter irgendeinem Gebüsch.
      Auch und gerade Adlige konnten eh fast immer auf die Gastfreundschaft in Burgen, Pfalzen und Klöstern am Weg vertrauen, nur in Ausnahmefällen (zB bei größeren Hoftagen) wurde auf Zelte ausgewichen wenn der Platz nicht für alle reichte. Diese waren dann laut Beschreibungen in zeitgenössischen Texten auch mal aus bunter Seide, eine Textstelle spricht da sogar von einem "Überzug" aus Leder für schlechtes Wetter. In solchen Zelten mag es dann auch Teppiche als Bodenbelag gegeben haben.
      Zusammenfassend gesagt sind die Zelte die heute im Hobby für Märkte genutzt werden eigentlich sowieso ein Notbehelf, den es so damals nicht gegeben hätte und der eigentlich ein falsches Bild erzeugt.
      Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist. (Konfuzius)
    • Gutes Zeltleinen hat ein Gewicht von ca. 600g/m². Dabei bleibt zu beachten dass der Stoff mit Wasser vollgesogen sein Gewicht ca. verdoppelt, das kann das Abbauen eines nassen Zeltes zu einem echten Kraftakt machen. Außerdem sollte man diesen Fakt bei der Planung des Zeltgestänges berücksichtigen.
      Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist. (Konfuzius)
    • Philina schrieb:

      ...Was benutze ich eigentlich am besten für ein gutes Gestänge?
      Wenn Du Dir die Mühe machen willst, ein Zelt selbst zu bauen, dann sollte es dann auch nicht 0815-Fantasie sein.. dafür ist das Geld und die Mühe zu schade.
      Es gibt typische Zeltformen in verschiedenen Darstellungszeiten und daher ist eine Entscheidung für eine solche wichtig.
      Aufwändig zu bauen ist die eher späte Speichenradzeltform, dafür bietet sie nach dem Aufbau den meisten nutzbaren Platz (und auf den Speichen kann man auch das Geraffel ablegen). Die A-Zeltform ist quer durch Mittelalter belegt... und hier unterscheiden sich die Formen an den Seiten (Aspis) und natürlich im Gestänge.
      Kegelzelte sind am einfachsten zu fertigen und bieten auch für kleine Menschen oder nur für 1-2 Personen ausreichend Platz (zum Stehen).
      Ohne Festlegung auf eine bestimmte Form für die von Dir bevorzugte Darstellungszeit wird es aber mühsam, weitere Tipps zu geben.
      Ich bin kein direkter Rüpel, aber die Brennnessel unter den Liebesblumen. immergut: Karl Valentin
    • Wolfram von der Oerz schrieb:

      Soll es praktisch oder original sein?
      Zunächst interessiert mich, wie es original war.

      das Lorb schrieb:

      Es gibt typische Zeltformen in verschiedenen Darstellungszeiten und daher ist eine Entscheidung für eine solche wichtig.
      Das mit der Darstellungszeit ist noch so ein Problem für mich. :bahnhof Wie entscheide ich mich für eine Darstellungszeit? Davon ist dann ja auch abhängig, wie ich mich kleide und ähnliches oder?
    • Ich finde es sehr interessant das du mit dem Zelt anfängst ?(

      Das nennt man "das Pferd von hinten aufzäumen" oder besser noch hinter dem Pferd anzufangen.

      Ich empfehle Dir den Anfängerleitfanden einmal durchzulesen! ;)

      Es ist immer wichtig zu wissen wohin man sich orientiert bei einem angenommenen Zeitraum ca. 1000 Jahren die das sogenannnte Mittelalter lang war.

      Es passt eben nicht alles überall hin.

      hier zum Thema Gestänge:

      Es wird angenommen das man ganz allgemein Holzstangen verwendt hat.
      Wieviele ist dann vom Zelttyp abhängig

      Ob roh, gehobelt, gesägt oder geschält
      rund oder eckig
      mit oder ohne spitze....

      ist dann vom Zelt-Typ und von der Fundlage abhängig
    • Hallo @Philina da ich selbst noch am Anfang bin.
      Kann ich Sagen, das Thema Zelt ist wirklich etwas für Fortgeschrittene.
      Wenn es um die Darstellung geht, so Schaue dir erstmal in Ruhe Verschiedene Märkte an.
      Am Besten wäre etwas, das zu deinem Naturell passt.
      Wenn du gern Handarbeit machst, dann lässt es sich gut Kombinieren.
      Der Einstieg kann, wie gesagt kann sehr Kostenintensiv werden.
      Daher wäre mit dem zu Beginnen, was du selber schon hast oder Günstig Organisieren kannst.
      Bringt ja nicht's sich zu Verschulden.
      Du kannst in den Zeiten auch Wechseln :)

      Lg Tamara :bye01