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Wikinger Mantel nach Haithabu, Frage zum Besatz

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    • Wikinger Mantel nach Haithabu, Frage zum Besatz

      Guten Mittag alle miteinander.

      Uch möchte einen Mantel für das Weib nähen, welcher mich auch an kalten Tagen tatsächlich schützt. Funktionalität hat Vorrang, daher verwende ich einen dicken Loden von 800g aus naturfarbener Schurwolle. Wir gehen überwiegend in Frühjahr und Herbst auf Märkte, höchstens 1x im Sommer.

      Nun wäre ein Besatz natürlich schön... nur habe ich Bedenken, dass dieser eine Nässebrücke bildet und ich deshalb nass werde.

      Denke ich da zu kompliziert oder kann dies tatsächlich ein Problem werden? Alternativ einfach ein Besatz aus andersfarbenem Loden?
    • Von "dickem Loden" würde ich absehen, wenn sich der Mantel an den Funden von Haithabu - oder allgemein frühmittelalterlichen Mantelfunden - orientieren soll.

      Dazu kommt, dass so ein schwerer Stoff normalerweise nicht so schön fällt. Deshalb wurde ich auch auf jeden Fall keinen Besatz anbringen - der macht den Mantel nur unnötig steif.
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    • Die Funde deuten mehrheitlich Richtung mittelfeine 2/2 Wollköper. Füttern würde ich auch nicht unbedingt, aber wenn man sich die Größen der Mäntel der - deutlich früher datierten (!) - germanischen Moorfunde ansieht, kann man davon ausgehen, dass diese Mäntel doppelt gelegt wurden.

      Meine Mäntel sind alle so ca. 1,5m x 2,5m groß und zum Tragen falte ich sie einmal in der Hälfte auf 1,5m x 1,25m. Ausgebreitet hat man so immer noch eine schön große Decke und kann im Notfall sogar ein kleines Zelt daraus machen.
      Stoffgewicht sagt zwar nicht so viel aus, aber als Richtwert schlage ich mal so ca. 400-500g/lfm bzw. 270-350g/m² vor. Doppelt gelegt hast Du dann also eh ca. gleich viel Wolle, wie bei dem von Dir genannten 800g-Loden.

      Den Loden der Tuchwebery kenn ich nicht, aber den Bildern nach wäre mir der für einen Mantel auch zu stark gewalkt. Die frühmittelalterlichen Mantelfunde sind, soweit ich weiß, alle nicht gewalkt.
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    • Anspruch auf "A" hat der jetzt nicht 100%ig, ist aber in Anlehnung an die Klappenmäntel entstanden. Da ich auch so eine Frostbeule bin, hab ich einfach bei ebay mal nach einem Innenpelz geschaut, den überflüssigen Mantel außen rum entfernt, aber die Einzelteile schon als Schnittmuster für den Wollstoff genommen. Die Wolle zugeschnitten, bestickt, dann mit dem Innenpelz verbunden. Hält warm und sieht auch noch schick aus. Innenpelze kann man manchmal recht günstig schießen.

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    • Schöne Upcycling Idee, gefällt mir!!!

      Frieren ist auch mein größtes Problem.... das schaffe ich leider sogar im Sommer :thumbdown:

      Also ich werde wohl, auch wenn es nicht belegt ist, einen Mantel für nachts anfertigen. Im schlimmsten Falle möchte ich einfach nicht für die gute Optik da sitzen und bibbern und mich ärgern...
      So einen Rechteckmantel werde ich mir schon herstellen, wenn ich etwas passendes finde. Am Valentinswochenende ist hier der Stoffmarkt Holland um die Ecke. Mal schauen, ob sich was ergattern lässt....
    • Kann ich schlecht sagen, je nachdem wie viel Zeit ich habe, wieviel Lust und wie es gerade von der Hand geht. Den Mantel habe ich an einem Wochenende +2 Abende gearbeitet, ohne Futter. Allerdings musste ich 1 Teil doppelt versäubern, da der Mann beim zuschneiden ein Vorderteil falsch zugeschnitten hat. Was natürlich erst nach dem versäubern auffiel. (ich versäubere erst bevor ich alles zusammen nähe)
      Aber so lange braucht man eigentlich nicht, wenn man ordentlich arbeitet und nicht immer alles schleifen lässt
      Brauch gerade für eine Babyhose Wochen, davon habe ich aber gerade mal 3 Stunden genäht, den Rest der Zeit liegt das alles nur rum
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    • Schlagt mich bitte nicht, aber ich habe noch keinen eindeutigen Nachweis gefunden, dass auch Frauen Klappenröcke getragen haben.... zumal die Funde der Klappenröcke aus Haithabu auch recht kurz sind, so dass es nicht den langen überlappenden Mäntel entspricht, die man meistens sieht.

      Für 'angelehnt' ist ein Klappenrock prima, da man ja nicht krank werden will, aber für mich habe ich mich für ein Schultertuch entschieden, dass ich an meinen Schalenfibeln befestige (ja, Birka, Grab 824 auch die Befestigung...)
      Ich bin nett, höflich, liebenswert und zuvorkommend...
      wenn ich schlafe.

      Meine Seite übers Brettchenweben http://www.aisling.biz
    • Ich habe auch nach viel Gesuche nichts gefunden, was die Existenz dieses Kleidungsstückes belegt. Das ließ mir ja nun keine Ruhe....

      Ich werde wohl erstmal ein Mantelkleid (keinen Klappenrock) anfertigen zwecks Wärmeerhalt. Ein Rechteckmantel wird für den Sommer irgendwann dazu kommen, aber die Aprillager haben mich durchaus schon mal mit Frost beglückt. Da war ich um jedes dicke Stück Stoff dankbar....
    • Mein Mantel ist auch ein Mantelkleid , habe es aus rein praktischen Gründen überlappen lassen, so kann kein Wind rein greifen, was am Wasser schon Sinn macht, und kein Klappenrock.
      Außerdem habe ich 2Wolltücher und einen Rechteckmantel, der mir aber nicht reicht.
      Ich bin keine Textilwissenschaftlerin und halte mich da auch an Interpretationen von Archäologen und Leuten vom Fach.
      Erlaube mir aber, für meine Gesundheit hier und da selbst zu interpretieren. Aber das ist ja meine subjektive Meinung, andere mögen das anders sehen.
      Darstellung: Haithabu um 900
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    • Im Prinzip übernimmt man einfach den Schnitt eines Kleides und lässt dieses vorne offen - entsprechend hast du einen Mantel.

      Es gibt diese Interpretation im Buch
      Wikinger Museum Haithabu : Schaufenster einer frühen Stadt S. 47

      Wie ich bereits oben schrieb, es ist eine Interpretation. Sagen das wurde genau dann und dort getragen, kann man nicht ;)
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    • Merilli schrieb:

      Darf ich fragen, wie lange man per Hand an so einem guten Stück arbeitet?

      Ich befasse mich seit gut einem Jahr mit der Planung für das neue Outfit (und hab die alte Idee schon wieder verworfen ).

      Per Hand nähen wäre neu für mich, reizt sich aber sehr.
      Hat es lange gedauert? Was für Stiche hast du genommen?
      Das kann man pauschal nicht beantworten. Wir haben gerade auf FB die Diskussion, wie lange man an einem Kleid näht. Manche schreiben da was von 50 Stunden, ich brauche gerade mal 15 (wenn es ein einfaches Wollkleid ohne Besätze ist). Ich versäubere auch erst einmal alle Stücke einzeln, erst mit einem Heftstich, dann mit Überwendingstiche mit max. 2 mm Abstand. Dann werden die Einzelteile mit einer Überwendlingnaht zusammen genäht. Zum Schluss der Saum versäubert. Wie gesagt, wie lange man dafür benötigt, hängt von der Übung ab, die man hat. Ich nähe jetzt seit ca. 9 Jahren ausschließlich mit Handnaht, da geht das entsprechend schnell. Bin aber sicherlich kein Maßstab. Für meinen Mantel habe ich inkl. der Stickerei sicherlich auch um die 35-40 Stunden benötigt, hab aber nicht mitgestoppt.
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