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Diagonalköper - Zeitraum der Verwendung

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    • Diagonalköper - Zeitraum der Verwendung

      Hallo,

      Ich stosse immer mal wieder auf Wollstoff in Diagonalköper- Bindung. Da ich mit den Stoffarten immer etwas unsicher bin, meine Frage:
      Aus dieser Quelle der Uni Heidelberg kann ich erlesen, das es einen Fund für 900 AD gibt.
      Weiss jemand mehr darüber, ob diese Bindung später und wenn ja, wie lange verwendet wurde?

      Danke schon mal im Voraus.
      Die Not muss laufen, wenn der Teufel sie antreibt.
    • Auf die Kürze:
      Diagonalköper ist ein anderes Wort für einen einfachen Köper. Die Diagonale ist für diesen Köper typisch, weil der Schuss versetzt über die Kettfäden läuft und dadurch das Bild einer Schräglinie/Diagonalen ensteht. Ob es jetzt ein Gleichgratköper (2-2Köper) oder 2-1 Köper ist ist dabei egal.
      Köper war die erste Bindung die mit mehr als 2 Schäften gewebt wurde und trat zum ersten Mal im Übergang von der Bronzezeit zur Eisenzeit auf.
      Die Bindung gibt es immer wieder bis heute bis auf wenige Ausnahmen zB bei den Römern, da herrschte Leinwandbindung vor.
      Meines Wissens nach ist ist sie nach der Leinwandbindung die häufigste Bindung, historisch gesehen.
      Marled
      Kleidermotte in historischen Textilien aus Leidenschaft - näheres ist in meinem Blog Archäotechnik - textile Fläche zu finden.
    • Ich habe folgendes gefunden:

      ZITAT
      Für die Qualität und somit auch den Preis von Wollstoffen war aber nicht nur die Herkunftsbezeichnung, die verwendete Rohwolle oder die Anzahl bzw. Dichte der Kettfädenwichtig, sondern auch das jeweilige Webmuster. Während durchschnittlicher Wollstoff inLeinwandbindung gefertigt wurde, bedeutete die Köperbindung einen großen Qualitätszuwachs und somit auch eine Preissteigerung. Denn Köperbindungen waren nicht nur wegen der dekorativen Stoffmuster beliebt. Die Köperbindung, oder auch Diagonal- oder Sergebindung genannt, zeichnete sich durch diagonale Struktur des Stoffes aus. „Drei oder mehr Kettfäden werden mit drei oder mehr Schussfäden so verwoben, dass jeder Kettfaden über oder unter zwei oder mehr aufeinander folgenden Schussfäden oder über demnächst folgenden oder mehreren Schussfäden bindet. Dadurch verschieben sich die Bindungspunkte immer in der gleichen Richtung um einen Kettfaden über aufeinanderfolgende Schüsse, wodurch die diagonalen Grate entstehen.“

      Durch die diagonale Bindung wurde das Gewebe im Gegensatz zur Leinwandbindung elastischer, was gerade bei den hautengen Kleidern, die zu dieser Zeit in Mode waren, sehr geschätzt war. Bekannt waren neben dem geradlinigen Diagonalköper, der spitze Zickzack-Köper, der Fischgrät- und der Diamantköper.
      ZITAT ENDE

      Quelle: academia.edu/10932269/Essen_Tr…h_IV._von_Tirol_1413-1436

      Kann ich das also so verstehen, dass ich Diagonalköper auch fürs 15. Jahrhundert verwenden kann?
      Die Not muss laufen, wenn der Teufel sie antreibt.
    • Dann steuere ich mal Katrin Kania bei (Kleidung im Mittelalter, Köln, Weimar, Wien 2010):

      Kania schrieb:

      Köperbindung mit dem kleinsten Bindungsrapport, nämlich dreibindiger Köper (2/1), ist bis in das 11. Jahrhundert nur selten unter den erhaltenen Textilfunden auszumachen. Erst ab dem 11. Jh. wird Köper generell häufiger hergestellt, im 12. und 13. Jahrhundert ist er die vorherrschende Gewebebindung in der Wollweberei.
      Neben der Tuchbindung ist der vierbindige Köper (2/2) im Mittelalter die häufigste Bindungsart. Die bisher ältesten Funde stammen bereits aus der späten Bronzezeit. In Europa tritt Köper in der Hallstattzeit (800 - 400 v. d. Z.) auf; das älteste Fundstück aus Nordeuropa stammt erst aus dem Übergang von der Bronzezeit zur torrömischen Eisenzeit, etwa 400 v. d. Z.
      Variationen der Köperbindung entstehen durch Umkehr der Gratrichtung, so dass Spitzen oder Karos entstehen. Einfach Umkehr der Gratrichtung ergibt Spitzköper, bei einer Verschiebung der Bindungspunkte im Umbruch um einen oder mehrere Schüsse entsteht ein Fischgratköper. Wird zusätzlich auch an waagerechten Umbruchstellen die Gratrichtung umgekehrt, ergeben sich Rauten mit oder ohne Versatz in den Umbruchpunkten und damit Rauten- und Diamantköper.
      Die ältesten Fischgratköperstoffe aus Norddeutschland stammen aus der Wurtengrabung Federsen Wierde aus der Zeit um Christi Geburt. Nach dem 6. Jahrhundert ist diese Bindungsvariante verhältnismäßig häufig nachweisbar. Ein relativ frühes Beispiel für Rautenköper in Kleidung ist die Hose aus dem Thorsberg-Moor.
      Es folgt die Beschreibung der Atlasbindung, deren früheste Stücke (aus Seide) aus dem 11. und 12. Jahrhundert in Persien bekannt sind. Aus Wolle sind sie erst im ausgehenden 15. Jahrhundert nachweisbar.
      "Der Unterschied zwischen Gott und den Historikern besteht hauptsächlich darin, daß Gott die Vergangenheit nicht mehr ändern kann."
      Samuel Butler der Ältere (1612 - 1680) englischer Satiriker

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