Reenactment Werkstatt

Original vs Reproduktion - Wie "perfekt" darf eine Reproduktion gearbeitet sein?

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      Noch eine kurze Ergänzung zum Thema "Privatbesitz/Erwerb von Originalen", an dem sich der Streit entzündete - und dann leider von einer Seite derart ausfallend wurde, dass dem nur mit dem großen Wischmob beizukommen war (s.o.):

      Gerade habe ich auf Patreon einen schon etwas älteren (12/2019) Podcast von Kaptorga zum Thema "Archäologie und Raubgräber" angehört - wie so oft nebenher beim Nähen an meiner nächsten Tunika. ^^
      Darin gehen Adam und Philipp an mehreren Stellen darauf ein, wie unsinnig es unter gleich mehreren Gesichtspunkten - im Allgemeinen - ist, sich als Privatperson historische Originale (z.B. Schwerter) zuzulegen. Demgegenüber kann es durchaus sinnvoll sein, sich eine hochwertige Replik zu einem Preis anfertigen zu lassen, für den man auch ein Originalstück erwerben könnte. Angefangen bei den Erkenntnissen, die man während des Herstellungsprozesses gewinnt, bis zur Möglichkeit, die Funktionalität der Waffe zu erproben.
      An anderer Stelle wird zudem darauf eingegangen, dass nicht einmal der sachkundige Archäologe mit Sicherheit bestimmen kann, ob es sich bei einer Metallwaffe aus unbekannter Quelle um ein Original oder eine - sehr gute - Fälschung handelt, da die Datierung von Metallgegenständen nur anhand des Fundkontextes erfolgen kann. Zwar kann man mittels chemischer Analyse des Metalls Hinweise darauf erhalten, aus welcher Zeit dieses stammt. Macht sich ein Fälscher jedoch die Mühe, eine perfekte Replik aus entsprechend altem Eisen zu schmieden und die Waffe dann künstlich zu altern, ist es mit den derzeitigen Analysemethoden schlichtweg nicht möglich Original und Fälschung auseinanderzuhalten. (Für den Privatkäufer, der nicht mal eben eine metallurgische Untersuchung in Auftrag geben kann, dürfte vermutlich schon eine mit deutlich geringerem Aufwand gefertigte Waffe nicht vom Original unterscheidbar sein.)
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      Fifill schrieb:

      An anderer Stelle wird zudem darauf eingegangen, dass nicht einmal der sachkundige Archäologe mit Sicherheit bestimmen kann, ob es sich bei einer Metallwaffe aus unbekannter Quelle um ein Original oder eine - sehr gute - Fälschung handelt, da die Datierung von Metallgegenständen nur anhand des Fundkontextes erfolgen kann. Zwar kann man mittels chemischer Analyse des Metalls Hinweise darauf erhalten, aus welcher Zeit dieses stammt. Macht sich ein Fälscher jedoch die Mühe, eine perfekte Replik aus entsprechend altem Eisen zu schmieden und die Waffe dann künstlich zu altern, ist es mit den derzeitigen Analysemethoden schlichtweg nicht möglich Original und Fälschung auseinanderzuhalten. (Für den Privatkäufer, der nicht mal eben eine metallurgische Untersuchung in Auftrag geben kann, dürfte vermutlich schon eine mit deutlich geringerem Aufwand gefertigte Waffe nicht vom Original unterscheidbar sein.)
      Zumindest da ist es so, dass man bei vielen Objekten doch sagen kann, ob sie künstlich patiniert/gealtert sind etc. Es gibt tatsächlich einige extrem gute (und dann nicht mehr identifizierbare) Fälschungen, aber bei vielen erkennt man es schon. Eine "gewachsene" Patina lässt sich nämlich nur sehr schlecht bzw. teils gar nicht richtig imitieren, besonders wenn die Fälschung einen Bodenfund darstellen soll. Es kommt auf das geübte Auge an, welches aber (gerade durch das Nischenthema Waffen) nicht so viele Personen haben. Manche Fälschungen fallen aber auch schon durch ihre unpassenden Formen und Arbeitsweisen auf - zum Glück. Generell sollte man beim Ankauf von solchen Objekten vorsichtig sein. EIn anderes Problem sind Zusammenstellungen aus Originalteilen oder gute Arbeiten aus dem Historismus, die ja auch mittlerweile die Patina von über 100 Jahren haben. Lustig ist die Tatsache, dass einige "Fälscherschulen" teils einen erkennbaren "Stil" haben, der sich dann über mehrere Stücke (teils unterschiedlicher Epochen) nachverfolgen lässt (dazu gibt es hin und wieder nette Ausführungen von Peter Johnson in der Medieval Sword Group auf FB :D ).

      Warum man Originale besitzen möchte (ggf. sogar lieber als Repliken) kann ich schon verstehen, weil man z.B. bei Blankwaffen ein schönes Gefühl für die Führigkeit der Originalstücke bekommen kann usw. Oder man freut sich über die Handwerkskunst oder das Studium entsprechender Stücke. Manche Leute sehen es es sogar nur als Geldanlage. Anders verhält es sich mit Bodenfunden, deren Besitz z.T. sogar illegal und deren langfristige Erhaltung für Privatpersonen teils mehr oder weniger unmöglich ist.

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von Patty ()