Mein erstes Wikinger-Gewand

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    • @Gerard da bist Du nicht auf dem Laufenden, Gniedelsteine sind im Fundgut mindestens seit dem frühen Mittelalter im Fundgut vertreten. Man wird dort nicht gebügelt haben wie wir es heute verstehen, jedoch Nähte glätten das geht damit hervorragend !
      zeitensprung-handweberei.de/20…gl%C3%A4ttstein-aus-glas/
      (Quelle mein Blog )
      Neue Seite mit Blog : zeitensprung-handweberei.de
    • Wolfram von der Oerz schrieb:

      Das mag sein das der Stoff vorgewaschen ist aber der Stoff schrumpft immer noch und das nicht schlecht
      Wie schon erwähnt auch nicht gleichmäßig.
      Laut Herstellerangabe hat der vorgewaschenen Stoff noch ca. 2% Krumpf, also 2 cm auf 100 cm. Damit kann ich gut leben. Habe auch beim Hersteller angerufen und nachgefragt, ob auf Basis von deren Erfahrung irgendwas dagegen spricht, den Stoff direkt zu verarbeiten, die sagen "Nein, kein Problem."

      Ungleichmäßiges Einlaufen wird ja im Wesentlichen davon abhängen, wie die Kett- und Webfäden in den jeweiligen Stoffteilen orientiert sind. Deshalb habe ich die beiden Ärmel so aus der Stoffbahn geschnitten, dass die Orientierung übereinstimmt. Der Rumpf besteht ja ohnehin nur aus einer langen Stoffbahn.

      Mein Problem beim erneuten Waschen wäre, dass ich eine Stoffbahn von der Größe (150cm x 300cm) bei mir nicht so ohne Weiteres getrocknet und glatt bekomme. Deshalb werde ich es bei diesem sehr unkritischen Gewand (weil bewusst sehr weit und lang geschnitten) ohne erneutes Vorwaschen probieren und schauen, wie gut es auf diese Weise mit diesem Stoff funktioniert. Dann habe ich einen Erfahrungswert für Folgeprojekte.

      Falls es doch schiefgehen sollte, dürfen alle, die mich gewarnt haben, einmal "Ich hab's ja gesagt!" unken und mit den Augen rollen. ;)
    • Also das Wetter ist zur Zeit sehr gut...

      du könntest die klassische Methode des draußen ,am Besten auf der Wiese liegend; trocknen verwenden

      voll "A" :D

      Du musst auch nicht waschen es war nur ein Tip aus Erfahrung.

      Bügeln ist meist auch nicht notwendig wenn der Stoff noch feucht glatt aufgehängt oder gelegt wird.

      Bei Leinen kann man die Kanten auch nur umlegen und mit der Finger nachstreifen sonst hilft der Glättestein ;)
    • Hmmm, es wurden auch noch andere Methoden, Wäsche mit Druck zu glätten, genutzt. Knitterfalten gehören nicht zwingend zu eine historischen Darstellung.
      Ich würde auch immer vorgewaschenen Stoff nochmal waschen und wie gesagt, Leinen verträgt gut 95 °.
      Marled
      Kleidermotte in historischen Textilien aus Leidenschaft - näheres ist in meinem Blog Archäotechnik - textile Fläche zu finden.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von marled ()

    • Nachdem alle Teile zusammengenäht waren, habe ich die Tunika nun erstmalig gewaschen (bei 40°C entsprechend den Herstellerangaben).

      [Blockierte Grafik: http://drekariddarar.bplaced.net/middleages/img/Mittelalter-Forum/Tunika_nach_W%e4sche.jpg]

      Vor und nach der Wäsche habe ich einige Maße der Tunika aufgenommen und kann nun erfreut feststellen, dass der Stoff nur minimal eingelaufen ist. Auf der Gesamtlänge von den Schultern bis zum Saum (in Laufrichtung der Kettfäden) ist der Stoff um 2 cm (von 98 cm auf 96 cm) eingelaufen, was genau der Herstellerangabe von 2% Krumpf entspricht. In Richtung der Schussfäden ist der Stoff praktisch überhaupt nicht eingelaufen. Da ich die Ärmel in Richtung der Schussfäden ausgeschnitten hatte, sind diese also ebenfalls nicht in der Länge (und auch nicht messbar in der Weite) eingelaufen.
      Das Experiment, den vom Hersteller vorgewaschenen Stoff direkt zu verarbeiten, scheint also geglückt zu sein. :D

      Nun steht noch aus, die Ärmel auf die passende Länge zu säumen, sowie den Halsausschnitt richtig auszuschneiden und ebenfalls zu säumen. Ggf. werde ich auch noch die Ärmel an den Handgelenken etwas enger machen (hatte ich sicherheitshalber erstmal sehr weit ausgelegt).

      Bis auf ein paaf kniffelige Stelllen, hat bislang alles gut geklappt, und das Nähen von Hand finde ich sehr entspannend. Hab daher schon ein weiteres Projekt im Sinne - aber erstmal mach ich dieses hier fertig.
    • Bei den ersten Anproben ist nun leider eine Schwachstelle aufgetaucht: der Heftstich der Längsnaht an den Ärmeln ist zu wenig elastisch, so dass diese Nähte schon mehrfach gerissen sind, wenn ich versucht habe, mit der Untertunika in eine Übertunika hineinzuschlüpfen. :(
      Voraussichtlich werde ich die beiden Nähte noch mal neu machen und dafür den Rückstich verwenden, um der Naht mehr Elastizität zu verleihen.
      Meinen (in diesem Punkt allerdings nur sehr oberflächlichen) Recherchen zufolge kann man wohl davon ausgehen, dass der Rückstich auch im wikingerzeitlichen Skandinavien verwendet wurde, wenn auch weitaus seltener als der einfache Heftstich. Das bringt mich zu der Frage, wie es den Menschen damals gelungen ist, den Heftstich so stabil hinzubekommen, dass der eben nicht ständig gerissen ist. ?(
      Ich hatte schon beim Nähen das Dilemma, dass ich die Naht einerseits "dicht" haben möchte, wenn ich den Ärmel auf rechts ziehe, sich der Heftstich aber ja nur bedingt stramm ziehen lässt - und dann auch noch das letzte Bisschen Elastizität einbüßt.
      Habt ihr damit Erfahrung und könnt mir nen Tipp geben, wie man den Heftstich vernünftig macht?
    • @Fifill - Gerissene Nähte kenne ich in erster Linie von Hosen. Je nach Bewegung sind die sehr hohen Belastungen ausgesetzt.
      Gerissene Nähte am Ärmel (gerade bei dem nicht-hautengen Schnitt der klassischen FrüMi-Tunika) und dann bereits beim Überziehen der Obertunika - das ist mir relativ neu.

      Deine Muster-Nähte, die Du letztens gezeigt hattest, sahen (per Ferndiagnose) genau richtig aus.
      Nicht zu stramm, nicht zu locker, schön gleichmäßig, und ordentliche Abstände.
      Wenn dabei jetzt (mehrfach) was reisst, ist entweder die Belastung viel zu groß, oder das Nähgarn zu dünn bzw. zu schwach.
      Würde ich bei dem Nähgarn, was Du gepostet hattest, aber fast schon ausschließen wollen.

      Nur nochmal um sicher zu gehen: der Heftstich wird nur handfest angezogen, ohne dass Spannung auf Faden oder Nähten liegt.
      Dadurch ergibt sich automatisch eine gewisse Flexibilität.
      Zieht man die Naht zu stramm, gibt's einerseits unschöne Falten im Gewebe, und andererseits besteht die Gefahr, dass Naht oder Stoff bei Belastung reißen.
      Sofern Du die Tunika nicht vollkommen anders und deutlich schlechter genäht hast als Deine gezeigten Muster, verstehe ich das Ganze nicht.

      Sei bitte so lieb und zeig' mal die betroffenen/gerissenen Nähte. Dann können wir die Ursache vielleicht etwas einkreisen.

      Der Rückstich macht das Ganze leider kein bisschen flexibler, eher im Gegenteil.
      Beim Heftstich kann sich das Gewebe auf dem Faden ein kleines Stück vor- und zurück schieben.
      Zusätzlich hat die Stoffseite, wo der Faden gerade nicht drüber läuft, die Chance, sich ein wenig von der Naht weg zu dehnen.
      Das sieht man beides sehr schön in dieser Musternaht von Dir:
      drekariddarar.bplaced.net/midd…m/Heftnaht_von_rechts.jpg
      Gerade im unteren Bereich erkennt man in der Nahtlinie eine schöne S-Form. Genau die ist es, die die Naht flexibel werden lässt.

      Daran erkennst Du auch, ob die Spannung des Fadens richtig ist. Ohne bzw. bei nur geringer Belastung liegen beide Stoffteile gut und gerade aufeinander, bei Zug zu beiden Seiten muss sich diese S-Linie bilden, und wieder komplett verschwinden, wenn der Zug nachlässt. Die richtige Spannung hat man mit ein wenig Übung schnell raus.

      Beim Rückstich 'schnürst' Du das Gewebe durch die Schlaufen von beiden Seiten fest ein. Da kann sich dann nicht mehr viel Bewegen, und mit der Flexibilität hat es sich erledigt. Also genau das Gegenteil von dem, was Du erreichen willst. Erspar' Dir die Zeit für einen Versuch :)

      Belege für den Rückstich im FrüMi wüsste ich jetzt keinen...

      Der mit Abstand größte Teil aller Verbindungsnähte wurde zu der Zeit wirklich nur mit Heftstich und Überwendlichstich (bzw. den Varianten der beiden) ausgeführt. Also zu einer Zeit, wo die Klamotten lange halten sollten, man sie tagtäglich getragen und darin auch noch gearbeitet hat.
      Ich wage die Behauptung, dass dies einen sehr praktischen Grund hatte - die waren ja nicht doof damals :D

      Langer Rede kurzer Sinn: Rückstich sein lassen, Reißfestigkeit Deines Garns überprüfen, korrekte Fadenspannung üben.
      Und bitte ein Bild Deiner kaputten Nähte zeigen, das hilft uns bei der Fehlersuche.
    • So schaut's aus, das Malheur:

      [Blockierte Grafik: http://drekariddarar.bplaced.net/middleages/img/Mittelalter-Forum/Gerissene_Naht.jpg]

      Die Ursache ist mir schon klar: beim Hineinschlüpfen in den Ärmel der Übertunika muss ich den Ärmel der Untertunika ja mitnehmen. Dabei wird die Heftnaht in Längsrichtung belastet. Da der Faden ja bereits praktisch gerade liegt, weist die Heftnaht in Längsrichtung so gut wid keine Elastizität auf und der Faden reißt.
      Eine Naht mit Rückstich ist in Längsrichtung wesentlich elastischer, da sich die vielen Schlaufen ja erstmal zusammenziehen können.
      Womöglich habe ich den Heftstich aber auch zu fest gezogen. Ich werde wohl erstmal probieren, die Naht mit einem lockereren Heftstich, dafür mit kürzeren Stichen neu zu nähen. Sollte ich dann immernoch das gleiche Problem haben, werde ich's mit einem in Längsrichtung elastischeren Stich probieren.
    • @Fifill - Gerade in Längsrichtung sollte Zugspannung immer erst das Gewebe belasten, und erst sobald sich das dehnt, die Fäden der Nähte. Leinenstoff ist entlang der Kett- bzw. Schussfäden nahezu völlig unelastisch.
      Wenn jetzt so schnell die Naht reißt, ist der Faden deutlich zu straff gezogen gewesen.

      Was Du zum Rückstich sagst, ist zwar richtig, bezieht sich aber auf flexible und elastische Gewebe. Leinenstoff ist genau das Gegenteil davon ;)

      Auf Deinem Bild schaut die Versäuberung der Naht etwas ungewöhnlich aus. Üblicherweise würde man die zu einer Seite hin flach legen und mit dem Stoff darunter vernähen. Das gibt mehr Stabilität und entlastet die Heftnaht.

      Die hier scheint frei nach oben zu stehen...
    • Hallo Fifill,

      kannes sein das du dein Nahtzugabe zu "großzügig" ausgelegt hast und
      deshalb der Ärmel enger geworden ist als geplant?

      Sollte es so sein, dann öffne die Heftnaht ,lege beide Nahtzugaben auf die jehweilig zugehörende Stoffseite und hefte dann jede Nahrzugabe einzeln auf der jehweiligen Seite.
      Dann hast du Platz gewonnen müsstest aber dann noch einmal zwei Helftnähte machen und die Last der Naht würde dann auf dem Überwendstich außen liegen
    • Hendrik1975 schrieb:

      @Fifill - Gerade in Längsrichtung sollte Zugspannung immer erst das Gewebe belasten, und erst sobald sich das dehnt, die Fäden der Nähte. Leinenstoff ist entlang der Kett- bzw. Schussfäden nahezu völlig unelastisch.
      Wenn jetzt so schnell die Naht reißt, ist der Faden deutlich zu straff gezogen gewesen.
      Ja, ich glaube, das war tatsächlich das Problem.
      Ursprünglich hatte ich die Naht mit einer relativ großen Stichweite (ca. 7 mm von Einstich zu Einstich) ausgeführt und den Faden recht stramm gezogen, damit sich die Naht beim auf rechts Drehen nicht zu sehr auseinanderzieht. Dadurch wurde beim Ziehen am Ärmel nicht zuerst der Stoff, sondern der Nahtfaden belastet, was dieser nicht lange überlebt hat.
      Nun habe ich die Naht nochmal neu genäht und den Faden diesmal gerade so fest gezogen, dass er auch bei maximal gedehntem Stoff nur mäßig stramm liegt. Um zu verhindern, dass sich die Naht beim auf rechts Drehen nun zu sehr auseinanderzieht, habe ich die Stichlänge auf ca. 5 mm verkürzt. Bislang hält es so.
      Was die Elastizität des Leinenstoffes angeht: In Richtung der Kettfäden gibt der Stoff tatsächlich kaum nach, in Richtung der Schussfäden dehnt er sich jedoch erstaunlich weit. Da die Längsnaht der Ärmel in Schussrichtung verläuft, hat diese Elastizität das Problem der Belastung des Nahtfadens noch verstärkt.

      Hendrik1975 schrieb:

      Auf Deinem Bild schaut die Versäuberung der Naht etwas ungewöhnlich aus. Üblicherweise würde man die zu einer Seite hin flach legen und mit dem Stoff darunter vernähen. Das gibt mehr Stabilität und entlastet die Heftnaht.
      Die hier scheint frei nach oben zu stehen...
      Ja, an den Ärmeln und Seitennähten am Rumpf habe ich die Nahtzugabe frei stehen lassen und mit nach innen geschlagenen Schnittkanten per Überwendstich versäubert (siehe auch familia-ministerialis.de/naehte.html Nr. 11). Lediglich den Ärmelansatz habe ich als Kappnaht ausgeführt. Für das Problem der Belastung in Längsrichtung der Naht sollte das jedoch unerheblich sein.
      Jeweils bei den Treffpunkten mehrerer Nähte haben mir die Nahtzugaben einiges Gefrickel beschehrt. Das will ich mir beim nächsten Projekt mal genauer anschauen und sauberere Lösungen finden. Womöglich versuche ich mich dann mal an einer Schmetterlingsnaht.

      Wolfram von der Oerz schrieb:

      wenn sich Fifill an Frau Hägg orientiert hat dann soll das so
      Siehe Nr.7 ;)
      Aus dieser Abbildung Nr. 7 (hier in höherer Auflösung: damehelen.com/images/Stitchsamples.jpg) werde ich irgendwie nicht recht schlau. Wenn ich's mir genau betrachte, sieht das für mich nicht wie eine Verbindungsnaht aus, sondern eher wie ein Abnäher, um ein Stoffstück zu kürzen oder zu strukturieren.

      Wolfram von der Oerz schrieb:

      kannes sein das du dein Nahtzugabe zu "großzügig" ausgelegt hast und
      deshalb der Ärmel enger geworden ist als geplant?
      Nein, das kann ich definitiv ausschließen. Die Ärmel sind so weit geworden, dass ich sie sogar problemlos hochkrempeln kann. Und der Nahtfaden ist jeweils bei Längsbelastung gerissen. Wahrscheinlich habe ich die ursprüngliche Heftnaht tatsächlich zu stramm gezogen.

      Ich hoffe mal, dass meine überarbeitete Heftnaht nun besser hält. Auf jeden Fall hab ich so schon wieder viel dazugelernt. ^^
    • @Fifill Sehr gut, Fehler schnell gefunden ;)

      Kleiner Tipp noch zur Heftnaht, wobei Du es im Grunde bereits geschrieben hast: nachdem Du so 5-6 cm genäht hast, den Stoff unter dem gerade genähten Stück einmal kräftig in Längsrichtung ziehen. Nur den Stoff, nicht den Faden. Dadurch ziehst Du den Stoff etwas auf (die später maximal mögliche) Spannung, und der Faden kann durch die Stichlöcher auf die perfekte Länge und Spannung rutschen.
      Ist blöd zu beschreiben, sorry... Mach das einfach mal an einem Teststück und schau, was passiert. Dann erklärt sich das von selbst ;)

      Die Abbildung der möglichen Nähte stammt aus der Arbeit von Frau Hägg. Da beschreibt sie alles was gefunden wurde. Die Nr. 7 ist in der Tat keine Verbindungsnaht, sondern - wie richtig vermutet - ein Abnäher.