Reenactment Werkstatt

Rekonstruktion eines rituell-religiösen Kultgegenstandes

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    • Rekonstruktion eines rituell-religiösen Kultgegenstandes

      Rekonstruktion eines rituell-religiösen Kultgegenstandes
      Region: westlicher Teil der eurasischen Lithosphäre
      Zeit: ca. 35. Jh. nach Thutmosis I
      Anspruch: de humoris causae

      Für das vorliegende Objekt fehlen leider jegliche zeitgenössischen schriftlichen Zeugnisse. Es finden sich lediglich verstreute Einzelhinweise in Form von lichtmalerischen Abbildungen auf Wänden vom Pin-Typ.

      Eine erste wissenschaftliche Zusammenfassung wurde von den beiden Anthropophagen A. Uderzo und R. Goscinny in ihrem Aufsatz "The effect of peanut-butter on earth-rotation" geliefert. Ein früher Interpretationsversuch findet sich dort in Kapitel A-38, welches allerdings zu meinem großen Leidwesen in altindischem Sanskrit verfasst ist. Man möge mir deswegen bitte etwaige Schwächen bei meiner folgenden Übersetzung nachsehen. Sinngemäß schreiben die beiden:

      "Beim vorliegenden Objekt handelt es sich zweifelsohne um einen religiösen Kultgegenstand mit möglicherweise rituellem Charakter in Form eines Anhängers. Die Symbolik erscheint überaus vielschichtig und konnte bislang noch nicht restlos geklärt werden.

      Die Grundform der Scheibe stellt den Kreis dar. Er steht für die Einheit des menschlich-göttlichen im ewigen Kreislauf des Universums. Seine unregelmäßige äußere Form dürfte nicht dem Unvermögen des Handwerkers geschuldet sein, sondern vielmehr als stetiges Mahnmal für die Unvollkommenheit des Menschen verstanden werden.
      Augenfällig ist die klare Trennung in hell und dunkel, erzielt durch zwei Hälften, und die jeweiligen verwendeten - sehr unterschiedlichen - Materialien der beiden.
      Auf der - vom Träger aus gesehen - rechten (= rechtschaffenen, 'guten' ) Seite findet sich Silber, während die linke (= 'falsche') Seite aus dunklem Holz gefertigt wurde.
      Somit dürfte die silberne Seite für das helle und damit himmlische / göttlich-Gute stehen, die dunkle Seite hingegen für das Irdische.

      Beide Seiten werden klar durch einen keilförmigen Spalt getrennt, der die Kluft zwischen irdischem und himmlischem Dasein, zwischen menschlich und göttlich, zwischen Gut und Böse symbolisiert.

      Beide Hälften berühren sich im unteren Teil des Objekts. Es ist anzunehmen, dass an dieser Stelle die Geburt des Individuums dargestellt werden soll, welches zu diesem Zeitpunkt noch die freie Wahl zwischen beiden Wegen hat.
      Diese Vermutung wird durch den auf der Scheibe zu findenden Ring gestützt, der zweifelsfrei in diesem Kontext als 'Kreislauf des Lebens' interpretiert werden muss.

      Auf der dunklen Hälfte findet sich ein golden schimmerndes Fragment. Wir können davon ausgehen, dass damit die 'Versuchung' charakterisiert werden soll. Analogien hierzu finden sich u.a. im biblischen Kontext beim Sündenfall.
      Gestützt wird diese These durch den kurzen und direkten 'Weg' dorthin im 'Kreislauf des Lebens'.
      Genauere Untersuchungen haben gezeigt, dass das Fragment aus verschiedenen Metallen gebildet wird, die Damast-ähnlich ineinander verwoben sind. Eventuell soll hierdurch die Vielschichtigkeit von 'Versuchung' und 'Sünde' dargestellt werden.
      Interessanterweise endet der 'Kreislauf des Lebens' an dieser Stelle - soll dies vielleicht eine Art Warnung an den Betrachter richten?
      Äußerst fragmentarisch - möglicherweise auch nur durch Spuren von Benutzung - findet sich eine dünne, geschwungene Linie, die den Kreislauf zu vollenden versucht. Deutet diese unter Umständen einen schmalen Ausweg von der dunklen Seite an, eine letzte Hoffnung?

      Wendet man sich nun der hellen Seite zu, fallen als erstes die hürdenartigen Verzierungen auf, die den Kreislauf schon sehr früh durchbrechen. Auch hier bietet die christliche Literatur im Buch Hesekiel eine Parallele: "Der Pfad der Gerechten ist zu beiden Seiten gesäumt mit Freveleien der Selbstsüchtigen und der Tyrannei böser Männer [...]".
      Es dürfte außer Frage stehen, dass die Verzierungen die mannigfaltigen Hindernisse auf dem Weg des Lebens charakterisieren sollen, die der Erreichung des himmlisch-göttlichen Zustandes entgegen stehen.

      Den obersten Scheitelpunkt des Objekts bildet ein streng vertikal verlaufender Abschnitt, der als 'Aufstieg in den Himmel' gedeutet werden könnte. Gestützt wird diese Möglichkeit durch den tunnelförmigen Abschluss. Richtet man diesen an einem beliebigen Tag des Jahres auf die Sonne aus, fällt deren Licht in gerader Linie auf die Netzhaut des Betrachters. Dieses Phänomen kann wohl kaum anders als 'Licht am Ende des Tunnels' interpretiert werden, und zeigt zugleich das hohe astronomische Niveau und die präzisen Beobachtungen der damaligen Zeit."

      Diesen Ausführungen ist im Grunde nicht viel hinzuzufügen.

      Wie beim 'Original' habe ich Silber verwendet, und für die andere Hälfte ein Stück Mangrovenwurzel (diese ist übrigens aufgrund ihrer Härte extrem bescheiden zu bearbeiten…). Per Hand gesägt und geschliffen, danach auf Hochglanz poliert.
      Für das 'goldene' Objekt habe ich aus Bronze, Messing und Neusilber eine Art Damast hergestellt (ähnlich dem japanischen Mokume Gane). Mangels Equipment allerdings nicht verschweißt, sondern die Schichten hart verlötet. Danach immer wieder ausgeglüht, verdreht, gefaltet, gehämmert, und am Ende mit etwas Eisen-III-Chlorid die Strukturen betont.

      Wer meinem geschwurbelten Schwachsinn bis hierher gefolgt ist - Respekt fürs Durchhalten ^^ ;)
      Ein sehr ähnliches Schmuckstück habe ich mal irgendwann irgendwo im Netz gefunden. Meine Mutter steht total auf sowas, deswegen habe ich ihr das letztens zum Geburtstag nachgebaut. Völlig ohne jeglichen esoterischen Bullshit dazu, einfach nur, weil mir das Ding gefallen hat.

      Nur nochmal zur Sicherheit: historischer Anspruch ist natürlich gleich Null, das Teil ist reine Fantasy ;-D

      Danke fürs Lesen und vielleicht etwas Schmunzeln.
      Bilder
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