Reenactment Werkstatt

Lederbehältnisse (transportabel) für Dokumente usw. im späten 12.Jahrhundert?

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    • Lederbehältnisse (transportabel) für Dokumente usw. im späten 12.Jahrhundert?

      Hallo,

      wie hier schon bekannt sein dürfte arbeite ich an der - möglichst historisch korrekten - Darstellung eines Krämers aus Münster/Westfalen,Zeitraum zwischen 1180 und 1210/20.
      Nun dachte ich daran mir eine Art Lederfutteral oder so anzufertigen in dem ich am Gürtel Dokumente mittragen könnte,die ich damals als Krämer "am Mann" hatte,wenn ich unterwegs war.
      (Und ich denke nur an die Dokumente,die ich eben schnell zur Hand haben musste.)
      Für spätere Zeiten - 14.z.B. - gibt es eine Quellenlage,aber für das ausgehende 12.,frühe 13. habe ich bisher keine Quellen gefunden.)
      Falls mir jemand weiterhelfen kann (gab es solche Transportmöglichkeiten,gibt es vieleicht Quellen,auch spätere mit Bezug zur Zeit?) - für Tips bin ich sehr empfänglich.

      LG
      Peter
    • Hast Du schon den Hortus Deliciarum nach Bildbelegen abgesucht ? Da habe ich immerhin schlichte kleine Beutelchen die am Gürtel getragen werden gefunden. Solch ein Beutelchen hat sich in Schleswig erhalten.
      Das nächste was mir so einfällt,wäre sich das Buch über die Lederfunde in Schleswig zu besorgen.(Fernleihe, das gibt es nicht mehr zu kaufen)
      Hast Du den großen Katalog "im Reich der Stauffer" schon durch gesucht ?

      Lederbehältnisse die mehrlagig aufgebaut und schön verziert sind, kommen im 15ten sehr oft vor, aber das hilft Dir im 12ten nicht.
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    • Heinrich schrieb:

      ausser den üblichen Rechteckbeuteln.
      Und genau so einen Rechteckbeutel habe ich schon.
      Ein Freund von mir ist gelernter Sattler und hat ihn mir nach meinen Angaben angefertigt.
      Er - also der Beutel ;) - ist gut geeignet für diversen "Kleinkram" den ich bei mir tragen möchte,aber eben nicht für "Dokumente" die ich als Krämer des späten 12."am Mann haben" musste.
    • Heinrich schrieb:

      Um was für Dokumente handelt es sich nach Deinen Recherchen.
      Exakte Hiweise konnte ich nicht finden,bisher meistens "Querverweise" aber danach gab wohl hin und wieder den Fall,dass einem Krämer durch den örtlichen Pfarrer oder den städtischen Magistrat sein guter Leumund bescheinigt wurde,einfach damit deutlich wurde,dass er nicht mit "Hausierern" usw. verwechselt wurde,wenn er eben z.B. mal nicht mit dem Fuhrwerk oder Lasttier unterwegs war.
      Und mir hat ein Bekannter mal gesagt - dafür fand ich bisher aber keine Quellen,die es belegen - dass ein Krämer,wenn er - z.B. um Ware(n) einzukaufen - regelmässig durch das Territorium eines anderen Landesherren musste,eine Bescheinigung des eigenen Landesherren hatte,dass er nicht jedes Mal den vollen Zollbetrag entrichten musste (und es nebenbei für den eigenen Landesherrn vorteilhaft war).
    • Im Museum Schnütgen war mal ein Taschen Kalender (?) ausgestellt, der war kleiner als eine Zigarettenschachtel-Front zusammen gefaltet. Möglich das die nötigen Dokumente eine handliche Form hatten ?
      Es war ein Pergament farbig bemalt und wie gesagt auf kleines Format faltbar. So was passt auch in eine kleine Gürteltasche.
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    • Silvia schrieb:

      Möglich das die nötigen Dokumente eine handliche Form hatten ?
      Es war ein Pergament farbig bemalt und wie gesagt auf kleines Format faltbar. So was passt auch in eine kleine Gürteltasche.
      Interessant! :)
      Und Dokumente wie die,die ich genannt habe,hätten auch nicht viel Platz (auf dem Pergament) gebraucht,so dass das Pergament selber eher kleiner gewesen wäre ... und eben auf noch kleineres Format faltbar.
      Und bei Originalen kann man oft erkennen,dass sie gefaltet worden waren.
    • Man muss sich von den Klischees frei machen, die man trotz aller Bemühungen dauerhaft eingebrannt hat, hört man Dokument hat direkt eine riesen Rolle mit Siegel vorm Auge. Die gab es zwar auch aber halt nicht nur. Ein Dokument das nur etwas größer ist als eine Scheckkarte passt halt ohne Aufsehen in alle möglichen Taschen, da war evtl gar keine extra Tasche nötig, sondern man packt es zusammen mit Münzen,Würfeln und Glücksbringer in die Gürteltasche.
      In der Runneburgtasche waren ein paar Brakteaten und ein Würfel. Die Orignal Runneburgtasche ist erstaunlich klein, wenn man vorher nur Repliken gesehen hat. In Schleswig gibt es einen weiteren Fund in dieser Form, weniger auffällig und markant aber auch halbrund und ziemlich klein.
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    • Die Überlegungen von Raginhild und Silvia decken sich mit meinen.
      In einer weitestgehend ausserhalb des Klerus schriftlosen Zeit sind Pässe o.ä. nicht unbedingt zu erwarten. Eher würde ich kleine Pergamente mit Zeichnungen oder Siegeln erwarten. Vielleicht auch Zinnteile ähnlich wie Pilgerzeichen. Ich denke die Regionalen Händler kannte man einfach.

      Ausserdem würde ich so etwas auch nicht an einem Gürtel hängend durch die Gegend schleppen. In meiner Jugend (schon etwas her aber nicht Mittelalter) hatte man dafür einen Brustbeutel. Später dann tauchte ein eigentlich altes Teil, der Gürtel mit Geheimfach auf. Entsprechende Lederteile, also Schlauchförmig genähte Lederröhren wurden, mit nicht klarer Zuschreibung, in Schleswig gefunden.
      An Stelle eines alleine durch die Gegend ziehenden würde ich so etwas wichtiges und eigentlich wertvolles im Gepäck verstecken. Ich denke unsere heutige Vorstellung vom schnellen Zugriff spielte früher eine wesentlich geringere Rolle.

      Vorläufiges Fazit. Es wird etwas gesucht, was es vorraussichtlich nicht gab da nicht erforderlich.


      PS der grosse Händler wird für so etwas eine Schatulle oder Truhe dabei gehabt haben. Baulich in etwa wie die bekannten Reliquientruhen oder das Quendlinburger Wappenkästchen.

      Soweit meine Gedanken.
      Im Kopf Geschichtsnah
      In der Praxis eher GroMi
      Letztes Viertel 12tes Jh.
      Tippfehler? Ich schreibe meist vom Mobiltelefon
    • Silvia schrieb:

      Ein Dokument das nur etwas größer ist als eine Scheckkarte passt halt ohne Aufsehen in alle möglichen Taschen, da war evtl gar keine extra Tasche nötig, sondern man packt es zusammen mit Münzen,Würfeln und Glücksbringer in die Gürteltasche.
      Und ein Dokument wie ich es erwähnte (Stichwort:Leumundsbescheinigung) musste auch nicht gross sein weil es nur relativ wenig Text brauchte.
      Und dann könnte ich es als Krämer(sdarsteller) gut in meiner Pilgertasche unterbringen und hervorholen.
    • Heinrich schrieb:

      Ausserdem würde ich so etwas auch nicht an einem Gürtel hängend durch die Gegend schleppen.
      Wenn überhaupt dürfte so ein Dokument so klein gewesen sein (Vermutung/Schlussfolgerung ohne zeitgenössischen Beleg),dass es (wie Silvia erwähnte) leicht in der Tasche (Gürtel-/Pilgertasche) verstaut werden konnte.
      Und dann nehme ich an,dass so ein Dokument,wenn man es bei sich trug,also "am Mann",solange man unterwegs war unter (!) der Kleidung,genauer der Cotte/dem Surcot,getragen wurde...aus Sicherheitsgründen.