Reenactment Werkstatt

Neues Projekt - Stoff für eine Wintermütze

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    • Neues Projekt - Stoff für eine Wintermütze

      Von meinem letzten Web-Projekt habe ich noch genügend Island-Garn übrig, was noch verarbeitet werden möchte.
      Es soll nun der Stoff für eine Wintermütze entstehen.

      Macht ein 2/2 Köper dafür Sinn?
      Zum Einen soll der Stoff ein wenig elastisch werden, um sich dem Kopf anpassen zu können, zum anderen soll es recht dicht werden, um keinen Wind durch zu lassen.
      Außen werde ich den Stoff hinterher noch kräftig walken, und innen flauschig kardieren.

      Ich webe ein Stück von ca. 65 x 25 cm, daraus schneide ich hinterher vier Keilstücke. Die geben dann die Mütze. Die Kettfäden verlaufen dabei horizontal um den Kopf.

      Beim Aufziehen werde ich die Kette deswegen sehr stark nachzwirnen. Ich erhoffe mir davon eine zusätzliche Elastizität.

      Da das Garn eh schon leicht Z-gezwirnt ist, bleibe ich auch dabei.

      Der Schuss wird aus dem gleichen Garn - soll ich das so (locker) lassen wie es ist, noch ein wenig weiter Z-zwirnen, oder lieber gegenläufig in S-Drehung?

      Was davon passt Eurer Meinung nach am besten zu einem warmen Mützengewebe?
    • Also umpolen des Garns wird nicht klappen, das habe ich versucht und am Nullpunkt* reißt es.
      *Nullpunkt die Stelle wo alles Drehung weg ist. bevor man in die andere Richtung drehen würde.
      Wenn Du Kette und Schuss nachdrehst läufst Du Gefahr das sich das Gewebe später schief zieht, also lieber nur die Kette nachspinnen.

      öper ist ein gute Plan, weil er weniger steif ist, als Leinwandbindung.

      Und auf welchem Webgerät arbeitest Du diesmal ? Wieder mit 2 Loch Brettchen ?
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    • 2/2 Köper passt gut zu einem leicht elastischen Stoff.
      Wenn das Kettgarn stark nachgedreht wird, solltest du den Schuss so lassen wie er ist, sonst könnte es schwierig werden, beim Aufflauschen genügend Fasern aus dem Garn zu ziehen und beim Walken wird es schwieriger ein wirklich dichtes festes Gewebe zu erzielen.
      Wenn du mit isländischerm Einband webst, solltest du den Sett (die Kettfadendichte) recht eng wählen, also 8 - 9 Fäden pro cm, mit festem (doppelten) Anschlagen erreichst du einen festen Stoff.
      Marled
      Kleidermotte in historischen Textilien aus Leidenschaft - meinen kleinen Laden mit pflanzengefärbtem Garn und mehr findet ihr hier: https://www.textileflaeche.de/
    • @Silvia - Das mit dem Nullpunkt klingt logisch. Dann lasse ich das Garn beim Schuss so wie es ist.

      Ich nehme meinen Rahmen vom letzten Mal.
      Brettchen und Köperbindung wird vermutlich nicht funktionieren. Für mein Zottengewebe-Band hatte ich es gemäß Deinem Tipp mit einem Schaft versucht. Ich hatte dabei aber das Gefühl, dass die zusätzlich gedrehte Kette bei dem Island-Garn dadurch noch rauer wurde. Trotz Schaft haben sich fast immer alle Kettfäden gleichzeitig gehoben, und ich musste die dann Faden für Faden per Hand trennen.
      Deswegen wollte ich mir das dieses Mal ersparen.
      Ich geh mit meiner Aluleiste einfach seitlich durch, immer zwei Fäden oben, zwei Fäden unten, und am Ende stelle ich die Leiste hochkant, um mit dem Schuss durch zu gehen.
      In der nächsten Reihe das Ganze dann um einen Faden versetzt, und so weiter.
      Kommt bei der geringen benötigten Größe des Stoffs ja nicht auf Geschwindigkeit an ;)

      @marled - Hoffentlich klappen 8-9 Fäden pro Zentimeter. Beim letzten Mal kam ich gerade mal auf 6-7, weil das Garn doch recht dick ist. Aber ich gebe mein bestes ;)

      Macht es Sinn, nur den Schuss quasi doppelt als zS-Garn zu zwirnen? Ist das der Dichte des Gewebes zuträglich, oder gibt das eher einen gegenteiligen Effekt?
    • Für einen gezwirnten Schuss kenne ich keinen Beleg. Das würde ich nicht machen.
      Ich würde gegensätzlich zu Marled die Kette nicht zu eng einstellen,eben weil es dann ein kratziges Brett wird, Du kannst das Gewebe ja durch walken verdichten. Beim walken kannst Du ein wenig steuern wie dicht es wird indem Du bei der gewünschten Dichte aufhörst zu walken. Hast Du von Anbeginn ein hartes Gewebe ist dazu kein Spielraum mehr.
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    • Wieder was dazu gelernt :)
      Dass Kette und Schuss immer nur einfach und nicht gezwirnt sind wusste ich noch nicht.

      Rein aus Interesse... Gibt es Belege für einen 'Doppelschuss', also bei jedem Schuss zwei Fäden statt nur einem?
      Das hatte ich auf der Rückseite meiner Haithabu-Tasche auf dem letzten Stück so gemacht, weil die Kette unter dem Brettchendrehen doch etwas gelitten hatte.
      Zwei Fäden statt einem hat die Anzahl der Drehungen halbiert, und auf der Rückseite fand ich etwas 'schummeln' vertretbar.

      Nach Belegen hatte ich dann auch nicht mehr geschaut...
    • Hendrik1975 schrieb:


      Gibt es Belege für einen 'Doppelschuss', also bei jedem Schuss zwei Fäden statt nur einem?
      Es gibt sogenannten Halbpanama, Beispiele aus dem FrühMi fallen mir allerdings nur mit einer Verdopplung in der Kette so auf Anhieb ein.
      Marled
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    • Silvia hat natürlich recht, wenn ein enger Sett und kräftiges Anschlagen eine weniger flexibles Gewebe ergeben, da das aber eine Mütze werden soll und kein weich fallender Kleidungsstoff, halte ich das sogar für sinnvoll, um dem Kleidungsstück mehr Stand zu geben. Es gibt da etliche Beispiele aus den Funden mit einem dichten Sett aus eng gestellten dünnen Kettfäden und einem dickeren Schuss. Allerdings wird das mühsam mit deinen Geräten, dazu bräuchtest du schon einen Gewichtswebstuhl. du könntest dir da auch ein paar Litzenstäbe basteln, die dir das Einlesen nach jedem Schuss ersparen. Das geht bei Köperbindung einfacher weil die Lücken zwischen den Fäden ja größer sind als bei Leinwandbindung und die Fäden dann nicht so kleben.
      Marled
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    • Es kommt wohl auf einen Versuch an. Wenn es weniger hart ist lässt es sich besser aufrauhen, es stehen mehr Härchen aus dem Gewebe und das Wasser platscht nicht gleich aufs Gewebe sondern kann besser abperlen. Wie ist das denn bei den Herjolfness Funden ? Sind die Mützenstoffe da enger eingestellt als die Bekleidung ? Das habe ich noch nie verglichen.
      Am besten macht Hendrik 2 Mützen und vergleicht dann. :D

      Hmm und dann könnte man noch mal die Mützen aus Holland gucken, die passen zeitlich besser. Hendrik hast Du das ?
      CLOTHES MAKE THE MAN
      Early medieval textiles from the Netherlands
      Chrystel R. Brandenburg
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    • Nein so eine Mütze ist in den Niederlanden nicht gefunden worden, es gibt die Mütze aus Oostrum und aus Dookum
      zeitensprung-handweberei.de/20…4/m%C3%BCtze-aus-oostrum/
      zeitensprung-handweberei.de/2018/07/24/haube-aus-dookum/
      die aus Oostrum ist das Modell das gerne auch anders rum als Schirmmütze getragen wird. Je nach dem ob man beim sitzen auf der Bank die Sonne im Gesicht, oder bei der Arbeit eher im Nacken hat. ;)
      Das nette an dem Buch ist, das sämtliche Funde aus den NL zusammen getragen wurden, es ist in englischer Sprache. Zumindest leihweise könnte das mal spannend für Dich sein.
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    • Aber noch mal zum eigentlichen Projekt, mach doch eine Webprobe bevor Du das Material verbräts und dich dann später ärgerst.Habe ich auch gerade gemacht um zu schauen nimm ich den einen oder den anderen Faden als Schuss :
      Du könntest etwas Garn um eine kleine Schachtel spannen, zB eine kleine flache Gefrierdose aus dem Ikea Set und mit einer Stopfnadel ein Minigewebe anfertigen, kostet Dich etwa eine Stunde Gefummel. Dann vermisst Du das Stückchen notiert die Maße machts ein Foto und wäschst das Stückchen, nach dem trocknen wieder vermessen und gucken ob es Dir gefällt. Natürlich kannst Du da auch im Miniformat so weit das möglich ist, eine Nachbehnadlung versuchen.

      Falls Du etwas nachgeschlagen haben magst, sag bescheid.
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    • Stimmt schon, eine kleine Webprobe kann vermutlich nicht schaden.

      Wahrscheinlich hatte ich ganz leise gehofft, dass es irgendwo eine Art Nachschlagewerk gibt, in dem irgendjemand alle möglichen Kombinationen schon mal ausprobiert und bewertet hat.

      So nach dem Motto:
      "Wenn Du einen 2/2 Köper webst, bei dem abwechselnd die Kette Z- und S-gedreht aufgezogen ist und vom Islandschaf stammt, Du dann einen Doppelschuss mit beiden Schüssen in Z-Drehung verwendest, wo einer von der Skudde und der andere vom Soay - geschoren am Neumond im April - kommt, und Kette und Schuss im Verhältnis 2:1 stehen, DAAAAAANN hat das fertige Gewebe Eigenschaften XYZ und eignet sich perfekt als Walpenislederersatz."

      Jaaaaaa, hätte doch mal sein können, oder? :D
    • Hendrik1975 schrieb:





      "Wenn Du einen 2/2 Köper webst, bei dem abwechselnd die Kette Z- und S-gedreht aufgezogen ist und vom Islandschaf stammt, Du dann einen Doppelschuss mit beiden Schüssen in Z-Drehung verwendest, wo einer von der Skudde und der andere vom Soay - geschoren am Neumond im April - kommt, und Kette und Schuss im Verhältnis 2:1 stehen, DAAAAAANN hat das fertige Gewebe Eigenschaften XYZ und eignet sich perfekt als Walpenislederersatz."
      zusammengestellt für Hendik 1975 von Prof.Dr YXZ mit Widmung im Buchdeckel genau !
      auf solche Werke warte ich auch immer :)
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    • So, die ersten Zentimeter sind gewebt.
      Wie beim letzten Mal habe ich jeden Kettfaden auf dem Webrahmen noch einmal ordentlich gezwirnt bevor ich ihn befestigt habe.
      Ich arbeite ohne Schäfte. Stattdessen fädele ich in jeder Reihe eine Aluleiste durch die Kettfäden, stelle diese dann senkrecht, und schiebe den Schussfaden durch dieses Fach.

      Am rechten Rand des Stoffs webe ich einen 3cm breiten Streifen im Fischgrat-Muster, und setze den Rest als 2/2-Köper fort.
      Die Fischgrat-Seite wird später der untere Rand der Mütze, aus dem Köper wird die Kalotte.
      Beide Muster kann man auf dem mittleren Bild bei genauem Hinsehen erkennen. Schwarz auf schwarz hat leider keinen guten optischen Kontrast.

      Um beim Muster nicht durcheinander zu kommen, habe ich aus Pappe eine viereckige Röhre geklebt, und darauf das Webmuster für jede Reihe gemalt. Nach jedem Schuss wird das Ding eins weiter gedreht. Primitiv, aber tut seinen Dienst ;)

      Ach ja - das Chaos auf dem Webrahmen bitte ignorieren. Da hängen momentan noch drei andere Projekte drauf, die ich einfach an den Rand geschoben habe.
      Bilder
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