Reenactment Werkstatt

Neues Projekt - Stoff für eine Wintermütze

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Hat bestimmt was Meditatives mit dem Lesestab die Bindung auszulesen. Ich wäre da ungeduldiger und hätte mir schon längst Litzenstäbe gebastelt. Aber viel Erfolg bei deiner Arbeit.
      Marled
      Kleidermotte in historischen Textilien aus Leidenschaft - meinen kleinen Laden mit pflanzengefärbtem Garn und mehr findet ihr hier: https://www.textileflaeche.de/
    • Das ist gar nicht so schlimm wie es sich vielleicht anhört. Ist ja immer nur "zwei hoch, zwei runter".
      Lediglich die 16 Fäden beim Fischgrat haben ihr eigenes Muster.

      Und Deine Vermutung ist schon ganz richtig. Ich mache das auch zur Entspannung. Das macht abends am Ende des Tages den Kopf frei vom Stress tagsüber und holt einen emotional wieder runter.
    • Lisabeth schrieb:

      Unglaublich! 8o

      Du bist für mich das beste Beispiel für „Geht nicht, gibts nicht“
      :thumbup:
      Und zeigst eindrucksvoll, dass kleinere Web-Projekte auch mit minimalem Equipment - also ohne einen richtigen Webstuhl mit Litzen, Schäften etc... - realisierbar sind.
      Da komme ich glatt in Versuchung, es auch mal mit dieser "Meditationsform" zu probieren - und mich von der praktischen Seite dem Themenfeld "Weben" anzunähern. Diese textile Technik beeindruckt mich immer mehr mit ihrer Komplexität, je länger ich mich damit befasse.

      @Hendrik1975: Magst du mal ein Bild von deinem kompletten Webrahmen posten (als Vorbild zum Nachbauen)?
    • @Fifill Aber klar, gerne doch :)
      Der Rahmen besteht einfach nur aus zwei seitlichen Rechteckleisten mit 100cm Länge, und oben und unten jeweils ein Rundholz (bei mir 50cm mit 10mm Durchmesser) eingeschraubt.

      Für die Mütze brauche ich nicht die komplette Länge und wollte nicht unnötig Unmengen von Garn verschwenden, deswegen habe ich bei der benötigten Länge ein Querholz eingespannt und dort die Kette befestigt.

      Gerade der 2/2 Köper ist zum Abzählen gut geeignet.
      Ich fange immer rechts an meine (vorne rund geschliffene) Aluleiste durch zu schieben.
      Zwei hoch, zwei runter, zwei hoch, zwei runter, etc.
      In der nächsten Reihe dann das ganze um einen Kettfaden versetzt, also EINEN hoch, zwei runter, zwei hoch, zwei runter, zwei hoch, zwei runter...
      Dritte Reihe wieder einen versetzt: zwei runter, zwei hoch, zwei runter, zwei hoch,...
      Vierte Reihe: EINEN runter, zwei hoch, zwei runter, zwei hoch, zwei runter,...
      Ab der fünften Reihe dann alles wieder von vorne.

      Um nicht durcheinander zu kommen, hab ich mir (siehe oben) aus Pappe eine Hilfe gebaut, wo ich das Muster in jeder Reihe aufgemalt habe. Wird nach jeder Reihe einfach eins weiter gedreht.
      Bevor ich abends den Rahmen weg stelle, arbeite ich immer bis zur vierten Reihe. Dann weiß ich, dass ich am nächsten Tag einfach wieder mit Nummer Eins anfangen kann ;)

    • Das ganze hat sich mittlerweile gut eingespielt und geht immer flüssiger von der Hand.
      Insgesamt habe ich rund 50 cm fertig und dafür bis jetzt 8 Stunden gebraucht.

      Den Fischgrat an der Seite habe ich nach ein paar Zentimetern weg gelassen. Er fällt nicht wirklich als dekoratives Element auf, verzieht das Gewebe, und hat dafür gesorgt, dass ich mich immer wieder verzählt und Webfehler produziert habe.

      Ich werde ihn hinterher separat als schmales Band weben und einfach annähen.

    • Heute Abend stehen die letzten Reihen an.
      Wie geht's danach weiter?

      Erst einmal einweichen, mit Lanolin waschen, entspannen und trockenen lassen?
      Und im zweiten Durchang dann walken?

      Oder beim waschen direkt schon mit walken und danach trocknen lassen?

      Und womit walken? Mit der Hand? Bürste? Irgendeinem flachen Gegenstand?

      Ideen oder Erfahrungen?
    • ich würde erst einmal schwimmen lassen und dann mit warmen Wasser und Seife walken, muss ja flutschen. Ich denke das Lanolin dann erst danach. Aber wirklich Erfarung habe ich nicht.
      Anschließend würde ichnach dem trocknen aufrauhen, ganz vorsichtig mit einer Bürste, schau was Du da hast, vorstellen könnte ich mir einer Nagelbürste möglicherweise geht es auch mit einem Hundekamm ? Musst Du ausbrobieren. Ziel ist es einzelne feine Härchen aus dem Gewebe hoch stehen zu lassen, man muss auch sicherlich Schauen wie dicht das Gewebe gewalkt ist und wie glatt es ist. Es kann auch sein das Dein Islandgarn von ganz alleine störrisch wird und Einzelhaare hoch stehen. Also so das es einen feinen Flaum hat.
      Neue Seite mit Blog : zeitensprung-handweberei.de
    • Jut, drei Stunden im Entspannungsbad mit Lanolin sind geschafft. Jetzt erstmal trocknen lassen.
      Auf dem Webrahmen hatte das Gewebe sich in der Mitte deutlich zusammen gezogen.
      Nach dem Waschen sind die Kanten wieder nahezu parallel. Erstaunt mich jedes Mal aufs Neue...

      Die Kettfäden hatte ich auf dem Rahmen so stark gezwirnt, dass sie nur noch 3/4 der ursprünglichen Länge hatten. Danach hatte ich sie auf die komplette Länge gestrafft.

      Beim Abnehmen ist alles um knapp zehn Zentimeter geschrumpft. War mir vorher klar und so auch mit einkalkuliert.

      Nach dem Baden ist die ursprüngliche Länge wieder da, UUUUUUND der (gehoffte) Gummiband-Effekt ist zusätzlich noch geblieben. Sehr geil ;)

      Mit jedem Mal mag ich Wolle noch etwas mehr, ein wirklich erstaunliches Naturprodukt.

      Jetzt kann man auf der Rückseite auch ganz deutlich den Diagonalköper erkennen.
      Vorher war der nur angedeutet, und dazu noch krumm und schief.

      Jetzt liegen die Linien perfekt parallel. Echt der Hammer...



    • Okay, weil es so schön war, lege ich noch ein Schippchen drauf ;)

      Beim Abmessen und Weben hatte ich doch glatt vergessen, eine gewisse Nahtzugabe zu berücksichtigen... Somit wird die Mütze nach unten hin etwas kurz.

      Also einfach noch einen Streifen Köper weben und ringsum unten ansetzen.

      Na gut, wenn ich schon mal dabei bin, kann auch etwas Deko nicht schaden. Da kam mir die wahnwitzige Idee, zusammen mit dem Köper direkt noch eine Brettchenborte in Angriff zu nehmen. Natürlich nicht separat gewebt, sondern beides in einem Stück.

      Echtes Brettchenweben hab ich noch nie gemacht. Aber hey - kann ja so schwer nicht sein ^^

      Meine Wahl fiel auf die Oseberg-Borte von Fragment 12 L 1. Simples Muster, und alle Brettchen werden immer zusammen in eine Richtung gedreht.
      Weil mein Garn deutlich dicker ist als das Original, habe ich die Interpretation von @Aisling verwendet. Also statt drei Musterbrettchen vier. Dadurch wird das Muster etwas breiter und fällt auch bei dem dicken Garn noch gut auf.

      Insgesamt muss ich nach den ersten zwanzig Zentimetern sagen, dass die Kombi doch nicht ganz ohne ist. Aber wenigstens ist bisher alles schön gleichmäßig, und das Gewebe hat eine gleichbleibende Breite.

      Beim Köper verzichte ich wieder einmal auf Schäfte und fädele jede Reihe manuell auf. Ist bei 20 Kettfäden aber kein echtes Problem.
      Die angesetzte Borte habe ich auf 7 Brettchen reduziert (statt 10 bzw. 11 wie beim Original), weil es mir nur um das Muster geht.

      Fazit bisher: Macht Spaß, das Ergebnis ist für mich zufriedenstellend, und geht unter dem Strich doch sogar noch etwas schneller als gedacht.
      Momentan liege ich bei einer Stunde Arbeit für 10cm. Finde ich okay.


    • So langsam aber sicher tut sich ein echtes Problem auf.
      Die Fäden für die Brettchenborte habe ich genauso fest gezwirnt auf dem Rahmen aufgespannt wie die Kette für den Köper.
      Echt blöd, dass das Verdrehen viel mehr Länge fordert als das Weben...
      Die Borte ist zur Hälfte fertig, steht aber jetzt schon unter einer Mordsspannung.
      Da muss ich echt mal überlegen, wie ich das in den Griff bekomme. Blöd irgendwie.

      Allerdings hat das einfache Oseberg-Muster immerhin einen großen Vorteil - wenn die Fäden zu verdreht sind, kann man das Muster einfach umkehren. Alle Brettchen statt vorwärts rückwärts drehen. Kein Umklappen der Brettchen, kein Abzählen - einfach nur die Drehrichtung ändern.
      Wenigstens etwas... ;)

      Ach ja, wer sich über die vielen Punkte auf meinen Hilfs-Muster-Pappdings wundert - das ist die 'Bindungspatrone' für einen Diamantköper.
      Das war nämlich meine erste Idee für das Zusatzstück. Fand ich dann aber doch zu kitschig.
      Allerdings zeigt es, dass sich mit der primitiven Auffädelmethode ohne Schäfte auch ein Diamantköper weben lässt.
      Dauert nur halt relativ lange wegen dem Abzählen in jeder Reihe ;)



    • @marled Das ist schon klar ;)

      Bei einigen Mustern hatte ich nur relativ komplexe Anweisungen gesehen. "Klappe erst Brettchen 3, 4, 9 und 12, drehe diese dann vorwärts, aber Brettchen 2, 7 und 8 rückwärts, in der nächsten Reihe klappst Du Brettchen 1 und 17 um, drehst diese zweimal vor, dafür 5 und 6 zurück, etc..."

      Dagegen ist die Oseberg-Borte echt Kindergeburtstag :)
    • Du hast jetzt eine zu hohe Spannung am Rahmen ? Kannst Du eins der Hölzer auf dem Deine Arbeit sitzt versetzen ? Die Spannung wird Du nicht lockern können, durch den Knick den der einzelne Faden im Gewebe macht, wird er ja kürzer. Beim Brettchen Webgeräten gibt es extra etwas zum nachlassen der Spannung und bei Webstühlen reduziert man die Spannung einfach durch das weiter geben der Kette.

      Borte und Grundgewebe im Einklang miteinander zu verweben ist eine Erfarungssache, denn jede Technik hat eine eigene Spannung und Dynamik auch dann wenn man ein und den selben Typ Garn verarbeitet.
      Neue Seite mit Blog : zeitensprung-handweberei.de
    • Bei mir ist der Rahmen leider fest montiert und ohne jede Einstellmöglichkeit.
      Ich hab es jetzt so gelöst: die Fäden von jedem Brettchen habe ich vom Rahmen gelöst und am Ende verknotet. Da dran einen Bindfaden befestigt, und den dann am Rahmen mit einer Schleife angebracht. So konnte ich die Spannung recht einfach immer wieder nachjustieren.

      Köper und Borte waren gar nicht so einfach in Einklang zu bringen. Durch das Verdrehen der Fäden bei der Borte ist jede Reihe ein kleines bisschen breiter als der Köper.
      Ist also ein minimaler Versatz in jeder Reihe, der bei meinem dicken Garn natürlich relativ stark ins Gewicht fällt.
      Dadurch ist das Muster des Körpers etwas in die Länge gestreckt und das Gewebe lockerer geworden. Na gut, ist nicht so dramatisch, weil es ja nur ein angesetztes Stück ist.

      Hab den Streifen nun auch fertig und schon mal mit dem Rest vernäht.
      Sehr praktisch, wenn man Webkante an Webkante näht, das ist schön stabil ;)

    • So, innen und außen nun kräftig gewalkt, und innen zusätzlich etwas flauschiger gemacht.
      Zum Walken habe ich warmes Wasser mit einem kräftigen Schuss Wollwaschmittel mit Lanolin genommen, und den Stoff eine halbe Stunde lang mit der Hand auf sich selbst gerubbelt.
      Innen dann noch zusätzlich mit der Handbürste so lange gebürstet, bis ein ordentlicher Flaum entstanden ist.

      Durch das Walken haben sich auch die Nähte soweit verfestigt, dass sie sich nicht mehr so leicht aufribbeln dürften.

      Zum Vergleich habe ich ein Stück des ungewalkten Gewebes daneben gelegt, da sieht man den Unterschied recht gut.