Reenactment Werkstatt

Tunika mit seitlichen Gêren fällt nicht schön

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    • Tunika mit seitlichen Gêren fällt nicht schön

      Hallo allerseits!

      Ich habe mich nun mal an eine Tunika mit seitlichen Gêren herangewagt.
      Nachdem ich den Rock provisorisch versäumt hatte, kam bei der Anprobe jedoch die Ernüchterung: die Tunika fällt nun überhaupt nicht mehr schön. Die seitlichen Gêren werfen überhaupt keine Falten, statt dessen steht der Rocksaum nach vorne hin (also in Bauchrichtung) schräg ab.

      Die Gêren habe ich aus jeweils zwei rechtwinkligen Dreiecken konstruiert, die ich zu einem gleichschenkligen Dreieck zusammengenäht habe. Die Naht habe ich als Schmetterlingsnaht ausgeführt, indem ich die Nahtzugabe zu beiden Seiten umgeschlagen und mit zwei zusätzlichen Saumstichnähten links und rechts der Verbindungsnaht versäubert habe.
      Die zusammengenähten Gêren habe ich dann mit Kappnähten in den Rock eingefügt. Den Rocksaum habe ich zweimal umgeschlagen und so provisorisch versäumt.

      Da ich die Saumverdickung an der Schmetterlingsnaht als Problemursache im Verdacht hatte, habe ich versuchsweise m
      al die Verbindungsnähte der Gêren ein Stück weit aufgetrennt (quasi als seitliche Schlitze), doch das Problem verringert sich nur marginal. Mittlerweile habe ich eher den sehr steifen Übergang an der Spitze der Gêren in Verdacht. Vielleicht probier ich mal, die zweiteiligen Gêren durch einfache Keile aus nur einem Stoffstück zu ersetzen... (Das kommt mir nun so in den Sinn, während ich mein Problem beschreibe. ^^ )

      Trotzdem würde mich interessieren, wie ihr bei seitlichen Gêren vorgeht
      .

      Mit freundlichem Grinsen
      Ilka/Fífill :bye01




    • Hallo Ilka,
      grundsätzlich kommen mehrere Ursachen in Frage:

      1) der Stoff ist zu dick und damit zu steif
      2) der untere Saum ist zu fest/steif gesäumt, so dass der Stoff gar nicht erst frei fallen kann
      3) es sind - relativ zur Stoffdicke und zur Stärke des Saums - zu wenig Geren einvesetzt
      4) die Geren sind - relativ zur Stoffdicke und zur Stärke des Saums - zu kurz

      Meistens ist es eine Kombination mehrerer Faktoren.
      Ist der Stoff sehr dünn und sehr leicht (Seide bspw.), fällt das auch bei wenigen kurzen Geren relativ gut.
      Je dicker und schwerer der Stoff, desto länger und zahlreicher sollten die Geren sein.

      Bei den in Haithabu gefundenen Geren/Schurzteilen kann man messen, dass sie oben an der Taille einen Umfang von rund einem Meter ergaben, und unten am Saum deutlich über zwei Meter (eher schon Richtung 2,50m...).

      Bei Deiner Tunika erst einmal Hut ab für die mega saubere Verarbeitung :thumbup:
      Tiptop gemacht, ganz großen Respekt!

      Aufgrund der Bilder wäre meine Vermutung, dass die geschlossene Kappnaht am Saum unten der Hauptübeltäter ist, in Kombination mit einer vergleichsweise geringen Verbreiterung von Taille zu Saum.
      Dazu passt Deine Beschreibung, dass sich auch beim Auftrennen der vertikalen Nähte am Faltenwurf nichts geändert hat.

      Wenn Du Lust hast, trenn' einmal den kompletten Saum unten auf. Du wirst sehen, dass dann ringsum der Saum viel schöner und gleichmäßiger fällt.
    • Wirklich sehr sauber und mit viel Mühe genäht!

      Die Vermutung von @Hendrik1975 teile ich, dass es an der Kappnaht liegen könnte. Warum hast Du Dich für eine Kappnaht entschieden? M.E. tut es da auch eine Schmetterlingsnaht.
      An den "Ecken" verringere ich die Dicke, indem ich die Nahtzugabe etwas einkürze. Bei sehr dicken Stoffen, schneide ich sogar den Saums ein, so dass ich die Nahtzugabe so falten kann, dass sie innen dem Winkel der Naht folgt. Dann entstehen keine Falten im Saum. Das sichere ich dann überwendlich mit ein paar feinen Stichen. Ich hoffe, dass ich das verständlich beschrieben habe.
      "Der Unterschied zwischen Gott und den Historikern besteht hauptsächlich darin, daß Gott die Vergangenheit nicht mehr ändern kann."
      Samuel Butler der Ältere (1612 - 1680) englischer Satiriker

      https://contubernium-berlin.net --- :bye01 Wer in Berlin/Brandenburg Anschluss an eine Gruppe sucht: Bei Interesse bitte bei mir per PN melden!
    • Zuerst einmal herzlichen Dank für euer Lob hinsichtlich der Verarbeitungsqualität! ^^
      Mein innerer Kritiker erspäht - zumindest bei meinen eigenen Werkstücken - ja treffsicher jede noch so kleine Unsauberkeit in der Verarbeitung (Variation der Stichweite, des Stichwinkels... was sich aufgrund der Struktur des Stoffes ja teilweise gar nicht vermeiden lässt) und redet mir dann allen ernstes ein, dass das garantiert jedem, der mich in dem Gewand herumlaufen sieht, selbst noch mit 3 Meter Abstand sofort ins Auge springen muss. :pinch:

      Und vielen Dank für eure Hinweise und Tipps!
      :danke

      Ich vermute ebenfalls, dass es sich um eine Kombination von Ursachen handelt. Bislang habe ich folgendes ausprobiert:

      Rocksaum aufgetrennt (der war eh nur provisorisch umgenäht)

      Die beiden seitlichen Nähte der Schmetterlingsnaht in der Gêrenmitte aufgetrennt und die Nahtzugabe frei stehend versäubert. Auf diese Weise ist die Spitze der Gêre nun viel flexibler und kann leichter Falten werfen.


      Beide Maßnahmen haben zu einer leichten Verbesserung der Problematik geführt, das Problem jedoch nicht gänzlich behoben.

      Als nächstes will ich mal versuchsweise die zweite Gêre durch einen einteiligen Keil ersetzen.

      Ewaldt von Amulunc schrieb:

      Warum hast Du Dich für eine Kappnaht entschieden? M.E. tut es da auch eine Schmetterlingsnaht.
      Für die Kappnähte an den Seiten der Gêren und die Schmetterlingsnaht in deren Mitte habe ich mich anhand dieser Beschreibung entschieden:
      stonetracery.blogspot.com/2014…itching.html?spref=fb&m=1
      Quelle: Stone Tracery Threads

      Die Kappnähte an den Seiten gefallen mir an sich auch gut. Allerdings muss ich die am Saum wohl doch so modifizieren, dass dort weniger Stofflagen aufeinander zu liegen kommen (wie von @Ewaldt von Amulunc beschrieben). Die Kappnähte durch Schmetterlingsnäht zu ersetzen, halte ich eher nicht für zielführend, da dann ja wieder weitere Nähte auf den Gêren hinzukommen, die diese (und insbesondere deren Spitze) "versteifen".

      Ich werde berichten...

      MfG Ilka/Fífill :bye01
    • Ich mache es normalerweise so dass ich soweit möglich einteilige Geren einsetze und dann die Nahtzugaben nur nach einer Seite hin umschlage und versäubere, nämlich zur Vorder-/Rückseite hin. Dadurch sinkt die Gere eine Idee weit gegenüber dem Gesamtkleidungsstück ein und der Stoff fällt schöner.
      Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist. (Konfuzius)
    • Einige Male habe ich schon gelesen, dass manch einer auch zuerst jedes einzelne Teil ringsum mit einer einfachen Kappnaht versäubert, und dann erst alle Teile mittels Überwendlichstich miteinander verbindet.
      Das sorgt wohl zwischen den einzelnen Teilen für einen Scharnier-Effekt, wodurch die Verbindungen deutlich flexibler werden.
      Das könnte eventuell oben an der Spitze hilfreich sein und jede Menge Steifigkeit raus nehmen.

      Der Stoff schaut nach Leinen aus, liege ich da richtig?
      Wenn das Leinen noch neu und steif ist, wirkt das einem schönen Faltenwurf ebenfalls entgegen.

      Vergleich' das einfach mal mit einem älteren Geschirrtuch aus Leinen, wie schön und geschmeidig sich das von selbst in Falten legt ;)