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Homosexualität (Sodomie) im MA

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    • ich finde es stark, wenn du dir für uns soviel Mühe machst. So habe ich einen sehr guten und literarisch fundierten Eindruck bekommen. Die Mühe hätte ich mir alleine nie gemacht. Mehr davon. Wäre klasse, wenn so etwas öfter kommt...zu den verschiedensten Themen und hey: selbst der Toilettengang im MA war interessant.
    • Sind denn aus dem MA Personen/Persönlichkeiten bekannt, die nachweislich homosexuell geneigt waren und aufgrund dessen verurteilt wurden?


      Mir fällt aus dem Stegreif der englische König William II "Rufus" ein, der zweite Sohn von Wilhelm dem Eroberer. Bei dem dürfte es ziemlich unstrittig sein, daß er homosexuelle Liebschaften hatte, zumindest wird es in der Geschichtsschreibung ganz offen gesagt.

      Und nachgesagt hat man es ja einem etwas späteren Sproß derselben Familie, nämlich Richard Löwenherz, zumindest auch. Wobei es bei dem allerhöchstens ganz vorsichtige Hinweise gibt. (Aber 'nen schönen Film, in dem das eine Rolle spielt ;).)
    • @Adelgunde...... :D

      Ich hab mich nicht mehr bemüht zum Thema beizutragen als andere.
      Der Unterschied liegt nur zwischen dem Posten eines Links und dem Posten eines Zitates mit Quellenangabe.

      Ich mag eben die Zitate lieber.


      Original von Perchta
      Sind denn aus dem MA Personen/Persönlichkeiten bekannt, die nachweislich homosexuell geneigt waren und aufgrund dessen verurteilt wurden?


      Mir fällt aus dem Stegreif der englische König William II "Rufus" ein, der zweite Sohn von Wilhelm dem Eroberer. Bei dem dürfte es ziemlich unstrittig sein, daß er homosexuelle Liebschaften hatte, zumindest wird es in der Geschichtsschreibung ganz offen gesagt.

      Und nachgesagt hat man es ja einem etwas späteren Sproß derselben Familie, nämlich Richard Löwenherz, zumindest auch. Wobei es bei dem allerhöchstens ganz vorsichtige Hinweise gibt. (Aber 'nen schönen Film, in dem das eine Rolle spielt ;).)


      Hierzu hab ich auch noch was gefunden:

      Im außgehenden Mittelalter bis zur Neuzeit des Westens schließlich, überlebte Homosexualität größten Teils im Untergrund; sichtbar nur, wenn ein Liebespaar das Pech hatte erwischt zu werden oder wenn von Künstlern darauf aufmerksam gemacht wurde, die mutig genug waren sich den Konventionen zu widersetzen. Viele Schriftsteller, Musiker, Maler und Dichter stellten die männliche Liebe dar, aber immer in verschlüsselter Form: Michelangelo, der die Sixtinische Kapelle mit dynamischen, nackten Männerkörpern verzierte; Shakespeare, der seinen Liebsten in seinen Sonetten besang; Blake, der gegen Priester wetterte "welche meine Freuden und Leidenschaften mit Dornenbüschen fesseln"; Whitman, der den Körper mit seinem Gesang elektrisierte. Die Liste von Berühmtheiten, Künstlern, Staatsmännern, Geistlichen, Rittern und Schurken, die sich der männlichen Liebe hingaben - außschließlich oder neben der Liebe mit Frauen - ist endlos.
      Quelle: schwule-kunst-geschichte.org/
    • Der Herr Whitman sagt mir zwar nichts (Schande über mich und meine miese Allemeinbildung, ich weiß... :whistling: ), aber die anderen Herren gehören wirklich nicht mehr ins Mittelalter, insofern sagen sie über die damalige Lebenswirklichkeit (mal unabhängig von kirchlichen Lehrmeinungen und weltlichen Gesetzen) wenig aus. :(

      Nebenbei: Ich meine mich auch zu erinnern, gelesen zu haben, daß die Meinungen darüber, ob die Shakespeare-Sonette sich tatsächlich an einen konkreten, real existierenden Geliebten richteten, ziemlich weit auseinander gehen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Perchta ()

    • Original von Perchta
      Der Herr Whitman sagt mir zwar nichts (Schande über mich und meine miese Allemeinbildung, ich weiß... :whistling: ), aber die anderen Herren gehören wirklich nicht mehr ins Mittelalter, insofern sagen sie über die damalige Lebenswirklichkeit (mal unabhängig von kirchlichen Lehrmeinungen und weltlichen Gesetzen) wenig aus. :(

      Nebenbei: Ich meine mich auch zu erinnern, gelesen zu haben, daß die Meinungen darüber, ob die Shakespeare-Sonette sich tatsächlich an einen konkreten, real existierenden Geliebten richteten, ziemlich weit auseinander gehen.


      Ja, da hab ich wohl gepennt. "Uuups, sorry ....sprach der Igel und stieg vom Kaktus"[Blockierte Grafik: http://www.smilies.4-user.de/include/Verlegen/smilie_verl_025.gif]
      Es schein so, dass der einzige der o.g.Herrn, den man dem ausgehenden MA zuordnen kann, wohl Michelangelo ist.

      Whitman kenn ich auch nicht.
      Kennst Du Blake?

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Welfin ()

    • Original von Welfin
      Bernd-Ulrich Hergemöller

      Sodom und Gomorrha
      Zur Alltagswirklichkeit und Verfolgung
      der Homosexuellen im Mittelalter

      Überarbeitete und ergänzte Neuausgabe
      kart., 240 Seiten,
      € (D) 19,00
      ISBN 3 928983 81 4

      [...]

      Chorknaben und Bäckerknechte : homosexuelle Kleriker im mittelalterlichen Basel, 1. Aufl. MännerschwarmSkript-Verlag, Hamburg 2004, ISBN 3-935596-60-X

      Die beiden Bücher habe ich auch, kann man jederzeit weiterempfehlen.

      Neben den bereits genannten Wilhelm II. und Eduard II. von England gibt es auch Gerüchte bzgl. Richard Löwenherz von England und Philipp II. Augustus von Frankreich. Und auch in der päpstlichen Propaganda des 13. Jahrhunderts wurde Kaiser Friedrich II. dessen bezichtigt.

    • Vielleicht DaniC fragen, ob sie mehr über den Herrn weiß.


      na so bewandert bin ich nun auchnich :P

      ich kenn bloß den William Blake, der wäre aber im späteren 18. jahrhundert anzusiedeln, kann aber das obige Zitat keinem zuordnen.
    • Original von Perchta
      … nämlich Richard Löwenherz, zumindest auch. Wobei es bei dem allerhöchstens ganz vorsichtige Hinweise gibt.


      Original von HRR
      Neben den bereits genannten Wilhelm II. und Eduard II. von England gibt es auch Gerüchte bzgl. Richard Löwenherz von England und Philipp II. Augustus von Frankreich. Und auch in der päpstlichen Propaganda des 13. Jahrhunderts wurde Kaiser Friedrich II. dessen bezichtigt.


      Meiner Meinung nach, war die Freundschaft zwischen Richard und Philipp nicht durch Sexualität geprägt. Das erschließt sich mir allein schon aus der Tatsache, dass Philipp die Plantagenets eh lieber gegrillt hätte, als sie zu lieben.
      Richard und Philipp stärkten sich lediglich bei der Durchsetzung ihres gemeinsamen Zieles, Heinrich II. in die Knie zu zwingen. Was sie ja auch geschafft hatten. Danach haben sich ihre gemeinsamen Wege auch sehr schnell getrennt und die Feindschaft zwischen Frankreich und England entflammte aufs Neue.
      HRR brachte ja die Propaganda an. Unser Wissen über das Mittelalter und der Menschen, die es bevölkerten, haben wir ja eigentlich ja nur aus Aufzeichnungen, die ja von irgendjemand mal in Auftrag gegeben wurden. Wenn ein Auftraggeber einen Gegner in Misskredit bringen wollte, sagte er zu seinem Schreiber halt, ‚Schreib mal ne schöne widerliche Geschichte, vielleicht, das XY mit Männern ins Bett geht.’ Und sobald das Dokument draußen war, war XY auch schon verschrieen. Ich wäre vorsichtig mit den Behauptungen, dass irgendwer schwul oder lesbisch war.
    • Original von JuliavonGroßgarnstadt

      Meiner Meinung nach, war die Freundschaft zwischen Richard und Philipp nicht durch Sexualität geprägt. Das erschließt sich mir allein schon aus der Tatsache, dass Philipp die Plantagenets eh lieber gegrillt hätte, als sie zu lieben.
      Richard und Philipp stärkten sich lediglich bei der Durchsetzung ihres gemeinsamen Zieles, Heinrich II. in die Knie zu zwingen. Was sie ja auch geschafft hatten. Danach haben sich ihre gemeinsamen Wege auch sehr schnell getrennt und die Feindschaft zwischen Frankreich und England entflammte aufs Neue.
      HRR brachte ja die Propaganda an. Unser Wissen über das Mittelalter und der Menschen, die es bevölkerten, haben wir ja eigentlich ja nur aus Aufzeichnungen, die ja von irgendjemand mal in Auftrag gegeben wurden. Wenn ein Auftraggeber einen Gegner in Misskredit bringen wollte, sagte er zu seinem Schreiber halt, ‚Schreib mal ne schöne widerliche Geschichte, vielleicht, das XY mit Männern ins Bett geht.’ Und sobald das Dokument draußen war, war XY auch schon verschrieen. Ich wäre vorsichtig mit den Behauptungen, dass irgendwer schwul oder lesbisch war.



      Original von HRR
      Und auch in der päpstlichen Propaganda des 13. Jahrhunderts wurde Kaiser Friedrich II. dessen bezichtigt.


      Kann mich da Julia nur anschließen.... Rufmord war damals ein geeignetes Stilmittel um Gegner unbeliebt zu machen. Davon gibt es massenhafte Beispiele. Alleine aus der Richtung "heiliger Stuhl" wie es HRR schon gut angedeutet hat....
    • @welfin Ich weiß das ist nun alles schon ein paar Jahre her, aber für mich im Moment außerordentlich interessant! Ich schreibe zurzeit eine Hausarbeit in der Uni über Homosexualität im Mittelalter... zurzeit suche ich eine gute Quelle (die auch auf englisch oder deutsch übersetzt wurde), die ich in meine Hausarbeit mit einbeziehen kann. Der Benediktinermönch Petrus Damianus scheint da zum Beispiel ganz gut zu passen, stimmt`s? Hättest du da ein paar Ideen, die mir helfen könnten?

      Ich würde mich sehr über Hilfe freuen, falls jemandem noch was einfällt!
    • mittelaltergirl schrieb:

      ... zurzeit suche ich eine gute Quelle (die auch auf englisch oder deutsch übersetzt wurde), die ich in meine Hausarbeit mit einbeziehen kann...


      Ich würde mich sehr über Hilfe freuen, falls jemandem noch was einfällt!
      Hast Du die oben genannten Werke schon durchgearbeitet?
      Ich bin kein direkter Rüpel, aber die Brennnessel unter den Liebesblumen. immergut: Karl Valentin