Muschelgruskeramik (erst essen dann töpfern?)

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    • Muschelgruskeramik (erst essen dann töpfern?)

      Hallo,
      stecke in den Vorbereitungen für Muschelgruskeramik.
      Habe gestern abend Muscheln gesammelt. Erster Orts musste ich sie Einzeln aus Algen sammeln,
      zweiterorts konnte ich sie einfach in die Tüte schaufeln. Heute wünschte ich mir ich hätte mir nur einzelne Muschaln aus den Algen gesammelt.
      Als ich heute begann sie zu waschen musste ich feststellen, dass viele noch geschlossen waren und sich in anderen Muschelfleisch befand.
      Es stinkt und ist wiederlich. Man gewöhnt sich nur sehr langsam dran.
      Meine Überlegung hierzu stammten die in Haithabu und im Nordseeraum verwendete Muschelschalen vielleicht von bereits verzehrten muscheln.
      Weiß jemand ob es nachvollziehbar ist, das im Nordseebereich+Haithabu mehr muscheln als im Ostseebereich verzehrt wurden/werden.
      Ich habe leider keine Idee ob und welche Arten überhaupt konsumiert werden/werden können.

      Glymur

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Glymur ()

    • Weiß jemand ob es nachvollziehbar ist, das im Nordseebereich+Haithabu mehr muscheln als im Ostseebereich verzehrt wurden/werden.
      Nur zum Verständniss für mich, kleiner Himmelsrichtungsverdreher? Haithabu liegt an der Ostsee ;)
      Ich stell mir das schwer vor, für Küstenregionen Aussagen zu machen, ob da mehr Muscheln gegessen wurden, immerhin ist der meiste Abfall im Hafen gelandet. Im Hafen tauchen auch immer mal mehr, mal weniger Muscheln auf, selbst wenn das Gebiet mittlerweile verlandet ist, möchte ich nicht einordnen wollen, ob die Kaltschicht in der Grabung nun natürlich ist, oder ein Haufen Müll.
      Ansonsten klingts logisch, erst sammeln, dann essen, dann Reste verarbeiten.
      woelfin-anne.de mein kleiner aber feiner was-ich-so-treibe Blog
    • Genau, Glymur, stärk dich vor Deinem Werk erstmal mit einem zünftigen Muschelessen. Kleiner Tip vom Koch: Zur Zeit ist Muschelsaison, ich bin sicher in Deiner Umgebung haben einige Gaststätten Miesmuscheln auf der Karte stehen. Frag einfach, ob die so nett wären, die Schalen für dich zu sammeln, da kommt in einer Woche verdammt viel zusammen. Dürfte für dich kein Problem sein, ihnen etwas interessantes als "Entschädigung" für die Mühe anzubieten...
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    • Moin Glymur,

      was ich schon wieder vergessen hatte und in einem Gespräch wieder daran erinnert wurde:

      In der Muschelgrus-Keramik der Friesen wurden außer den Muscheln auch Pflanzenreste und Sand gefunden. Es gibt sogar einen Fund mit einem fast vollständigen Schneckengehäuse.

      Das spricht dafür, daß die Muscheln am Strand zusammengescharrt wurden (es werden ja immer genug angespült, die schon von anderen Tieren "entleert" wurden :D ) und mit all dem, was dann mit dabei war, verarbeitet wurde.

      LG Hrefna
      Min Klüüter Dööns

      Darstellung: Nordfriesin spätes 8. Jhd. und 11. Jhd.
    • Danke Hrefna,
      genau das interessiert mich momentan. Ich habe bereits selbst Ton aufbereitet und festgestellt. dass dieser in kombination mit Glasur/hochbrand (1100°C) porös-blasig wird, wofür warscheinlich der natürliche anteil im Ton sorgt. An eine muscheleinarbeitung in bereits schamottierten ton habe ich bereits gedacht. Hast du eventuell eine Quelle oder weitere angaben zur magerung?
    • Moin Glymur,

      also Muschelgruskeramik ist recht weich und wird nicht sehr hoch gebrannt (- und auch nicht glasiert.... :D )

      Kennst Du schon die 3 Bände "Handbuch zur mittelalterlichen Keramik in Nordeuropa" - darüber gibt es hier auch einen Fred: mittelalterforum.com/index.php?page=Thread&threadID=995

      Dann noch zu empfehlen: Die "Archäometrischen Untersuchungen Schortens"

      Ein büschen was zur Magerung steht auch immer bei den jeweiligen Fundberichten.


      Auf jeden Fall bin ich sehr gespannt auf Deine Muschelgrus-Versuche.

      .... ich bräuchte da noch das ein oder andere......... :D :D


      LG Hrefna
      Min Klüüter Dööns

      Darstellung: Nordfriesin spätes 8. Jhd. und 11. Jhd.
    • @ Hrefna: ich bin mir der Temperaturen bewußt. ;) Das Handbuch kenne ich. Muß es mir das nächste mal wohl komplett kopieren ;).
      Bis es ein endgültiges Ergebnis gibt wird es wohl noch bis zum nächsten Grubenbrand im Frühjahr dauern. Aber nächsten Monat werde ich wohl Schrühbrennen.
    • Hallo
      ich bin an der Nordsee aufgewachsen und wäre nie auf die Idee gekommen die Muscheln erst mühsam zu ernten und dann nach dem Verzehr deren Schalen zu verwenden. Diese müsste man ja erst noch zerstossen.
      Muschelgrus bekommt man im Spülsaum eimerweise in Minuten. Je nach Stelle kann man sich sogar die Feinheit/Körnung aussuchen.
      Vermutlich wurden auch damals schon Muscheln gegessen, aber deren Schalen direkt zu verwenden wäre ein Mehraufwand ohne entsprechenden Nutzen. Muschelgrus ist ja an der Nordsee nicht knapp und durch die (im Vergleich zur Ostsee) stärkere Brandung wird der auch in ausreichenden Mengen nachproduziert.

      @ Woelfin-Anne
      Haitabu lag ja an einer Landenge und war vom Westen (also von der Nordsee) über die Treene fast zu erreichen. Es blieb nur noch ein sehr kurzer Landweg.
      Hier
      [Blockierte Grafik: http://www.wikingerzeitliche-schifffahrt.de/wikinger/Bilder/haithabu-5.jpg]
      kann man das schön sehen
    • Aber Haithabu lag an der Schlei und die mündet in die Ostsee ;)

      Für Mehraufwand halte ich erst essen, dann verarbeiten nicht umbedingt. Klar, will man viel herstellen sammelt man nicht nur um sie erst zu essen, sondern sucht sich andere Quellen, aber isst man die Muscheln sowieso, kann man die Schalen danach ja gleich verarbeiten.
      Man isst ja auch kein Schaf, um dann das Fell weg zu werfen und zum spinnen die Wolle von einem anderen Schaf zu nehmen ... ok, der Vergleich harkt ein bischen, aber warum in die Ferne schweifen, wenn man das Material schon gleich da hat?
      woelfin-anne.de mein kleiner aber feiner was-ich-so-treibe Blog
    • Hmmm.

      Ich denke da auch gerade daran, wieviel Muscheln man erst essen muß, um dann töpfern zu können.

      Muschelgrus-Keramik war (ist) nicht besonders langlebig, und ist mal etwas darin angebrannt, hat man eher wohl einen neuen Topf genommen, als den zu reinigen...

      ... aalso man braucht wirklich sehr viel Muscheln dafür - und für 2 - 3 Töpfe wurde bestimmt auch kein Grubenbrand angesetzt .... :D


      ....wobei ja nicht auszuschließen ist, daß auch ausgegessene Muscheln in der Keramik landeten - wenn sie denn schon mal da waren. (und das Zerstoßen geht wirklich schnell und ohne großen Kraftaufwand....)

      LG Hrefna
      Min Klüüter Dööns

      Darstellung: Nordfriesin spätes 8. Jhd. und 11. Jhd.
    • Ich halte die Theorie von Svarthals für sehr wahrscheinlich, was die Herkunft des Muschelgruses (oder grus'?) angeht. Ganz einfach, weil diese Keramikform aus dem Nordseeraum stammt und vermutlich friesisch ist. Die Verbreitung im Ostseeraum ist nachträglich durch den Handel passiert und wurde dort nicht hergestellt.

      Und wozu etwas bearbeiten, wenn ich das fertige Produkt einfach aufsammeln muss?
    • Grettir schrieb:

      Und wozu etwas bearbeiten, wenn ich das fertige Produkt einfach aufsammeln muss?
      Es ist noch kein fertiges Produkt das wird man beim brennen merken (Conchionin ist beim brennen böse)



      Hrefna schrieb:

      In der Muschelgrus-Keramik der Friesen wurden außer den Muscheln auch Pflanzenreste und Sand gefunden. Es gibt sogar einen Fund mit einem fast vollständigen Schneckengehäuse.

      Das spricht dafür, daß die Muscheln am Strand zusammengescharrt wurden (es werden ja immer genug angespült, die schon von anderen Tieren "entleert" wurden ) und mit all dem, was dann mit dabei war, verarbeitet wurde.
      Sand kann ach anders in die Keramik rein gekommen sein wie auch die Pflanzen also nicht über den Magerungszuschlag sondern über den Ton