Englischer Centenar, 14. Jahrhundert

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Agroman

Guest
N‘Abend Leute, nach einigem Überlegen hab ich mich jetzt für eine Darstellung entschieden. Ich komme ja ursprünglich eigentlich nicht aus der Reenactment-Ecke, sondern bin schon lange traditioneller Bogenschütze. Seit ich mich auch noch fürs Reenactment interessiere, steht sowieso meine Darstellung als englischer Kriegsbogenschütze fest, da ich ja sowieso schon Schütze dieser Art bin. Ich war nur lange unsicher, ob es jetzt ein Waliser oder ein Engländer sein sollte, welchen Rang meine Darstellung anzeigen sollte und besonders, aus welchem Zeitraum ich genau kommen wollte, also ob wohl eher frühes 13. Jahrhundert, 14./15. Oder gar frühes 16.? Inzwischen hab ich mich für das 14. Jahrhundert entschieden, Zeitraum ca. zwischen 1320 und 1360. Ich möchte einen englischen Bogenschützen-Centenar darstellen, d.h. einen „Bogenschützen-Offizier“, der selbst Schütze war und in der Regel, wie der Name schon sagt, bis zu 100 Mann stellvertretend für seinen Herrn kommandierte. Der Bogen und die Pfeile hier mal explizit außen vor, ich bin als waschechter Bogenfanatiker schon genug mit meiner Ausrüstung beschäftigt, diese Angelegenheiten handhabe ich selbst recht gut. Eine Leinenhülle für den Bogen habe ich auch schon und die Pfeiltasche möchte ich mir unter Zuhilfenahme der Nähkünste von meiner Mutter und meiner Oma selbst machen^^. Ihr dürft in nächster Zeit mit der ausgereiften Vorstellung meiner Darstellung rechnen, d.h. meine Geschichte/Einordnung etc., da ist mir schon was Nettes zu eingefallen. Hier geht es aber mal nur um sonstige Ausrüstung, d.h. Kleidung, Schutzkleidung, Abzeichen, Zweitwaffen (Letzteres von den dreien ist mir aber eher unwichtig, ich interessiere mich nicht wirklich für den Nahkampf), etc. . Ich bin in Sachen mittelalterlicher Kleidung noch ziemlich dünn ausgestattet, verfüge derzeit nur über ein schlichtes braunes Hemd, das man eigentlich fast überall einordnen könnte, und eine ebenfalls braune Hose, die aber nicht wirklich authentisch ausschaut und deshalb nicht wirklich für weitere Verwendung infrage kommt. Was ich also an Kleidung noch wirklich brauche, sind: Hose (bitte keine Strumpfhose, uaaah^^), Schuhe, Gürtel, eventuell Armschienen (bin mir aber unsicher, ob die historisch berechtigt sind), Unterhose/Bruche und vll. Auch ne schlichte Gugel, wenn das noch passt. Dazu bräuchte ich jetzt reichlich Ratschläge, ich möchte mich nicht nur auf Kleidungsangaben aus dem Osprey-Buch und anderer Fachliteratur zum Thema verlassen, in denen die Kleidung erwähnt wird. Außerdem möchte ich noch unbedingt einen Gambeson haben. Der sollte von guter, praktischer Machart sein, die Oberschenkel größtenteils bedecken und eine schlichte Farbe haben (beige, grau, weiß, etc.). Ob inklusive Ärmel oder nicht, bin ich mir auch unsicher, aber ich hätte ihn gern so, dass der sowohl im 14. Als auch im 15. Jahrhundert noch als passend gelten kann. Kennt da jemand passende Spezifikationen bzw. Leute, die Gambesons verkaufen? Das Ding sollte normal, aber nicht zu billig aussehen, schließlich will ich einen Centenar darstellen. Die Kopfbedeckung steht noch nicht fest, da ich sowas eher nicht mag, denn ich hab meinen Schopf am liebsten unbedeckt! :D Allerdings lege ich mir irgendwann vielleicht Eine Beckenhaue mit Kettenbrünne zu. Hüte jeglicher Art kommen für mich nicht infrage, kann ich nicht leiden an mir, da es mir einfach überhaupt nicht steht. Dann wollte ich mir eigentlich auch ganz gern ein eigenes, kleines Wappen zulegen, das storybedingt mit meinem Ruf zusammenhängt. Ich würde das zusammen mit einem kleinen St.-Georgskreuz und evtl. dem verkleinerten Wappen meines Herrn auf den Gambeson nähen wollen. Jetzt stellt sich die Frage, ob das im 14. Jahrhundert überhaupt schon passt, denn das Kreuz ist ja eher von Agincourt und die kleinen Abzeichen ja eher aus den Rosenkriegen bekannt. Was meint ihr dazu? Und was meint ihr, wie der Rang eines Centenaren wohl gekennzeichnet werden sollte? Außerdem würde ich mir gerne noch einen Buckler zulegen, also einen kleinen Faustschild aus Stahl. Kennt jemand einen Händler/Schmied, der sowas anbietet? Daran läge mir was, sollte aber nicht so extrem teuer sein… Schlussendlich diese Sache mit der Zweitwaffe. Ich dachte da an ein Cledd. Das Wort „Cledd“ ist zwar der allgemeine walisische Ausdruck für Schwert, bezeichnet aber vor allem ein bestimmtes bauchiges Kurzschwert/Langmesser, das die Waliser gerne trugen und die Engländer teils von ihnen übernahmen. Nun gibt es aber nur sehr, sehr wenig Infos zu diesem Cledd zu finden. Kennt da noch jemand gute Ansprechpartner? Ansonsten käm noch ein normales Messer infrage. Ich hatte auch mal ein Falchion in Erwägung gezogen, aber da Nahkampf nicht mein Stil ist, wollte ich diesbezüglich eher bescheiden bleiben. Sorry für den ganzen Text & Danke im Vorraus! Euer Agroman
 
Agroman mach erst mal Deinen Kopf leer. Vergiss den ganzen Krempel aus den Cornwell Roman. Vergiss den ganzen Militärkrempel, das kommt später. Wenn Du es wirklich als Reenactment machen möchtest dann leg dir als allererstes mal die grundlegen Bücher zu. Als erstes "Daily life in chaucers england für den gaaanz groben Überblick" Dann überleg Dir das nochmal mit der Darstellungszeit 1320-1360 ist für das 14 Jhd zu weit. 1340-1360 ist schon grenzwertig, weil es mitten in einem Modewechsel ist. Wenn Du mit dem ersten durch bist, kümmer Dich mal um die Grundausstattung an Klamotten. z.B "Fashion in the age of the black prince" und medieval custom in England and France und medieval custom and fashion. Wenn Du damit durch bist, dann frag mal rum wer einen guten Ruf hat und wer eventuell sogar einen englischen Bogenschützen darstellt um Dir praktische Tips zu geben wo man das erarbeitete kaufen oder selber machen kann. Ich will nicht rummaulen, aber höre auf meine Worte die sparen Dir viel Zeit und noch mehr Geld. Wenn es einfach was ambientiges sein soll. Dann vergiss die Sätze von oben einfach ;-)
 
Hehe^^, witzig, dass du wegen "Centenar" gleich an Bernard Cornwell denkst. Dessen Romane zum Thema habe ich tatsächlich gelesen (allerdings erst, als ich sowieso schon lange Feuer und Flamme für diese Bögen war). Aber habe ich mich jetzt gar nicht so arg darauf gestützt, ist schon n' Weilchen her, dass ich die Bücher gelesen hab, sondern viel mehr auf die Angaben aus dem Sachbuch "The Medieval Archer" von Jim Bradbury, das ich mir unter anderem zusammen mit einiger weiterer Sachliteratur zum Thema gekauft habe. Der spricht auch den Centenar an, der normalerweise ca. 100 Mann kommandiert, und der spricht ja aufgrund von fundierten Quellen. Denk jetzt bitte nicht, ich wollte alles überstürzen und mir massenweise tolle Ausrüstung kaufen, indem du das unterbewusst auf mein Alter schiebst^^. Abr du hast schon Recht, es ist noch einiges an Recherche angesagt. Und nein, es soll nicht nur was ambientiges sein. Ich hätte gern eine richtig passende, authentische Darstellung. Das mit dem Cledd hab ich inzwischen übrigens verworfen, nach einiger Recherche ist mir klar geworden, dass es da kaum historische Anhaltspunkte und Berichte zu gibt. Das ist mir noch zu vage.
 
Oder nochmal anders:The medieval archer ist naja ein leidliches Sachbuch über Bogenschießen. Aber das reicht leider nicht. Die Nummer mit dem Centenar ist auch so eine lustige olle Kamelle, bei der ich auch noch nicht herausgefunden habe, wie man zu dieser Weisheit gekommen ist. Aber lassen wird das. Selbst wenn es das so gab, dann denk mal darüber nach ob das 1. in deinem jugendlichen Alterglaubhaft ist , und ob Du Dir 2. darüber im klaren bist was Du alles an Geraffel brauchst um das glaubhaft darzustellen. Ich mach es nochmal klarer. Nimm Dir William Smith, 12 Reihe hinten links als Ziel. Am besten so was um 1330-1345 . Ne schöne große Stadt wie York oder Lincoln. Und leg Dir die einfache Grundausstattung zu. Dann bist Du erstmal je nach Engagement und handwerklichen Fähigkeiten mit 1 Jahr und ner echten Stange Geld dabei.
 
Hast wahrscheinlich Recht, vll. ist ein Truppführer etwas übertrieben. Ich hatte es sowieso darauf angelegt, meinen Gambeson und die Klamotten bissle schmuddelig und mit Flicken benäht zu gestalten, das passt dann wohl eher zum ganz einfachen Kerl. Was "the Medieval Archer" angeht...naja, ich hab es auch noch nicht ganz durch, und es ist nur eines von den Werken, die ich zu Weihnachten gekriegt hab:D. Aber es stimmt, Bradbury zielt weniger auf den Schützen selbst als auf die Taktiken im Krieg ab. "Longbow -A Social and Military History" von Robert Hardy ist z.B. auch noch mit drin. Der Zeitraum...hmmmm...sollte vll. eher 1345/50-60 als 1330-1345 sein. Ich plane übrigens nicht, meine komplette Ausrüstung selbst herzustellen (teilweise natürlich schon), ich bin schließlich kein Handwerker. Aber ich werde versuchen, es möglichst persönlich zu gestalten. Evtl. werd ich mir auch mal eins oder beide von den Büchern holen, die du mir empfohlen hast, um etwas nachzuhelfen. Das Ganze hat schließlich noch Zeit und ich will, dass es gut wird, nicht irgend ein Lari-Fari, wo die Leute hinterher noch denken, ich sei LARPer oder so.
 
Hallo, ich hab mir jetzt mal alles durchgelesen und hab jetzt selber ein paar fragen.. Und zwar arbeite eich schon an der Kriegsbogner darstellung (was leider nur sehr langsam vorrankommt) Wie ist das jetzt mit dem walisischen Kurzschwert das Cledd ? Passt das jetzt doch nicht zum Englischen Langbogenschützen des 15 Jahrhundert ? gruss Thomas
 
Sorry für meine späte Antwort. Das Cledd könnte passen, aber eher ins 14. Jahrhundert. Da ich außer aus "der gefiederte Tod"(welcher sich auf informativer Ebene im Nachhinein nicht wirklich als nützlich erweist, aber dazu hab ich dann einfach noch bessere und akuratere Literatur gelesen) aber nur wenig bis gar keine Infos zum mittelalterlichen Cledd gefunden habe, würde ich dir davon abraten. Es lässt sich einfach nicht belegen, soweit ich da bisher vorgedrungen bin, aber ich mache mir auch nicht so viele Gedanken über Nahkampf.
 
Nur als kurzer Einwurf: "Strumpfhosen" musst Du nicht tragen, aber um Beinlinge wirst Du, wenn es wirklich was Ernsthaftes sein soll, nicht herumkommen.
 
Das weiß ich inzwischen auch schon ;)! Evtl. werde ich mir die Beinlinge ganz dreist einfach ne Nummer zu groß zulegen :thumbsup: , das wäre mir evtl. angenhmer. Ich bin mir nicht sicher, ob damals alle einfachen Männer die besten, fest(eng) sitzenden Beinlinge hatten. Wenn doch, dann belehre mich ruhig eines Besseren!
 
Zumindest die zweite Zeichnung ist allerdings ein Dürer und daher nicht ganz verlässlich, da Künstler immerhin dazu tendieren, ihre eigene Epoche im Kleidungsstil der dargestellten Figuren anzudeuten, und in Dürers Fall ist das das späte 15. bis frühe 16. Jahrhundert, ich stelle aber das mittlere 14. Jahrhundert dar! Mir ist allerdings schon klar, dass die Dinger in der Regel eng sind, aber das muss ja nicht immer so extrem sein, oder? Aber wahrscheinlich stehe ich da auf verlorenem Boden...
 
Na ja, was heißt verlorenem Boden? Letzendlich bleibt es ja dir überlassen, wie Du es anstellst bzw. darstellst. Hier möchte dir mit Sicherheit niemand Vorschriften machen :)
 
Was die Beinlinge angeht: DIe Müssen nicht eng sein. SIe müssen nur so aussehen^^ und ein paar Millimeter Platz für die Beine, das wird keinem auffallen....
 
Wenn von "eng" gesprochen wird versteht sich natürlich von selbst, dass man sich darin noch bewegen kann und die Knie abbiegen kann darin ^^ Flexibler wird ein Kleidungsstück aus einem nicht-stretchigen Stoff dann, wenn man nicht parallel zur Webrichtung (bzw im 90° Winkel) die Schnitteile auflegt, sondern diagonal.
 
Ich fürchte, du verstehst nicht ganz, wo mein eigentlicher Problemfaktor liegt^^, na gut, für eine Frau ist das vielleicht nicht nachvollziehbar, aber ich würde mir in derart enger Beinkleidung, hmmmm, naja, etwas tuntig vorkommen (ich weiß, es klingt unreif, aber ich werde das Gefühl einfach nicht los), um es auf den Punkt zu bringen. Wenn es aber für die Darstellung sein muss *seufz*, dann werde ich evtl. nicht drum herum kommen.
 
:D Du wirst nicht drumherumkommen. Deine Bedenken sind legitim und sollten auch von niemanden ins lächerliche gezogen werden. Aber sei Dir mal sicher, dort wo Du Dich darstellst, laufen viele mit Beinlingen rum, von denen denkt sicher niemand, dass es bei Dir tuntig aussieht und auf die Meinung derer, die des denken sollten -sind wohl eh nur Marktbesucher- kannste auch verzichten.
 

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