Knochenleim und andere tierische Leime

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user2442

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Hallo Ihr Lieben, gerade bei der Arbeit frage ich mich seit wann man wohl Knochenleim nutzt. Birkenpech ist ja schon sehr früh nachgewiesen und so frage ich mich ob man wohl auch schon Knochenleime genutzt haben könnte. Wobei ich Knochenleim als Sammelbegriff für Hautleim, Fischleim, Hasenleim,Hausenleim und Knochenleim verwende. Die Benutzung ist heute recht einfach, man kauft es als Granulat, weicht es ein und erwärmt es im Wasserbad. Die Verwendung eines Babykostwärmers bewährt sich gut im Werkstattalltag. Meine nächste Frage ist : wie gewinnt man Knochenleime, bzw wie stellt man sie her ? Heute und im historischen Kontext ? (Zeitstellung erst mal egal) Der Nachweis von technischen Hilfsmitteln/Materialien ist immer schwer und selten analysiert - gibt es evtl einen frühen Nachweis dieser Klebstoffe ?
 
Hallo! ich nutze Knochenleim bei Holz und Leinen auf Holz ( ähnlich Einsatz von Weissleim ) Er wird recht hart. Birkenpech habe ich zum Einsetzen/Schäften von Spiess und Streitkolben benutzt, das ist bleibt flexibler. Fisch und Hasenleim wurde wohl im Bogenbau gern genutzt (habe da keine Erfahrung) Gruss Christoph
 
Im Bogenbau nutzt man eher Birkenpech weil das Wetterbeständiger ist.
 
Moin.... Was Fisch und Hasenleim betrifft wurde und wird das im Kompositbogenbau verwendet... Birkenpech benutzte und benutzt man eher zum befestigen der Pfeilspitzen und der Befiederung.... Wenn Quellen zum Thema gewünscht sind, liefere ich die gerne
 
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Im Bogenbau nutzt man eher Birkenpech weil das Wetterbeständiger ist.
Wo am Bogen ???????????????????????? So und nun der Klugschei..... modus: Sammelbegriff ist Glutinleim. Zur Verwendung: Wie Reiner schon geschrieben hat für historischen Bogenbau Fisch- bzw. Hasen- oder Hausenleim. Auch fürs Bogenbackin mit Rohhaut verwendbar. Glutinleime wurden zum Bespannen von Pavesen, und zur Holzverleimung verwendet. In der Buchbinderei. Als Zusatz für Gasso (Kreidegrund) in der Bildmalerei, Im Musikinstrumentenbau uvm. Meine Kenntnis vom frühesten Beleg für Knochenleim ist für das Jahr 580 in Süddeutschland.
 
ist Fisch und Hasenleim wasserfest ?
Gluinleime sind nicht wasserfest. Zu einem bestimmten Grade wasserbeständig. Knochenleim kann man durch Auskochen von Schweine- bzw. Rinderknochen selbst herstellen. Persönlich rate ich dazu ab. Außer man möchte Ärger mit den Mitbewohnern bzw. Nachbarn.
 
Im Bogenbau nutzt man eher Birkenpech weil das Wetterbeständiger ist.
Wo am Bogen ????????????????????????(.)
Am Bogen ist mir Birkenpech nicht bekannt. Flexible Leime, wie Hasen oder Fischblasenleim werden auf der Vorderseite des Bohens genutzt, um die Sehnenpakete zu leimen. Wasserdicht sind diese Leime nicht, daher wurden Bögen (Armbrust) gern mit einer Schicht aus Birkenrinde ( weisse Schicht ) beklebt.
 
Sorry - Unwissenheit von mir, zum Bogen gehören die Pfeile für mich mit dazu. Mögt Ihr Diskusionen über Bögen und Pfeile in eine andere Ecke verlegen bitte ? Eigentlich ging es mir um Nachweise für diese Leime, ab wann man sie verwendet hat. In der Weberei ist eine Variante eine Kette zu imprägnieren, sie in verdünntem Knochenleim zu tauchen und dann wieder zu trocknen. Wenn die Mischung stimmt, dann verkleben die Fäden nicht zum Klotz, machen die Garne aber deutlich reißfester gegen die mechanische Reibung am Webstuhl. Da sich die Gluteinleime rückstandslos aus den fertigen Textilien auswaschen lassen, findet sich daher kein Nachweis für diese Art der Schlichte (so nennt man diese Appretur). Spannend wäre nun also zu wissen ab wann solche Leime hier bekannt waren.
 
Ich habe ja in meinem ersten Leben Restaurierung studiert. Kann dir also einiges beantworten, wenn ich mich mal wieder durch die Unterlagen wühle :) Die Herstellung ist im Prinzip eigentlich recht einfach: Man kocht Knochen oder Haut so lange, bis man den Punkt erreicht, an dem das Collagen komplett rausgelöst ist. Dieses gießt man dann aus auf zB ein Backblech/Antihaftfläche und lässt es trocknen. Da eignet sich der Backofen oder ein Trockenschrank, damit das nicht anfängt beim Trockenprozess zu schimmeln. Man erhält dann eine bernsteinartige "Scheibe", die man zuschneiden, zerschlagen/zerbröseln kann, um diese dann wie Graupen etc. leicht dosieren und quellen lassen zu können. Ich habe selbst schon aus Knochen, Schweineohren und Störblase Leime hergestellt. Die alten Ägypter benutzten schon Glutinleime. Inwiefern das aber Verwendung in der Textilherstellung gefunden hat, müsste man anderweitig recherchieren.
 
Habe mich mit dem Thema Leim ein wenig beschäftig, nicht extrem tief. Habe aber nichts gefunden in Bezug auf Stoffverarbeitung ausser bei Schild und Holzbespannung.
 
Ohh das ist auch ein guter Ansatz - womit waren denn die Textil-Panzer der Kelten verklebt, weiß das Jemand aus dem Stehgreif ?
 
Da ist es aber auch nur eine Vermutung. Ob sich das auflöst, wenn man schwitzt oder in den Regen kommt ? Aber da sind wir immerhin in der Eisenzeit wie im Artikel der Chemie Schule geschrieben. @GenovefaM also ist das im Grunde genommen eine stark eingedickte Bullion ohne Suppengrün und Gewürze ? Das war mir so nicht klar. Obwohl ich das Endprodikt schon oft benutzt habe. Den Nachweis für eine Schlichte suche ich seit Jahren, da sich dieses Hilfsmittel ja rückstandslos auswaschen lässt, müsste man schon ein unfertiges Textil oder einen Schriftbeleg finden. So etwas ist bisher nicht aufgetaucht. Bei meiner Arbeit verwende ich "moderne" Rezepte, da es auf das Endprodukt und nicht auf die Arbeitsschritte ankommt. Neben Gluteinleimen wäre auch Stärkebrei oder ein Sud aus abgeseihten Leinsamen möglich.
 
Unter dem Brustpanzer wurde vermutlich noch ein Untergewand getragen, sonst scheuert es auf der blanken Haut....Das würde dann den Schweiß absorbieren...Aber bei Regen hm... Ich glaub den Brustpanzer brauchen wir dann nicht weiter verfolgen...
 
@Reiner - Im Mittelmeerraum herrschen andere klimatische Bedingungen. Da ist das Risiko, bei Regen kämpfen zu müssen, vermutlich geringer. Ansonsten kann ein Linothorax auch einfach mit Eitempera bemalt gewesen sein, das ist nach dem Trocknen wasserfest. Aber das ist jetzt reine Spekulation meinerseits. Die antiken Griechen sind zwar unheimlich interessant, aber so gar nicht mein Fachgebiet ;-)
 
ich bin jetzt auf dünnem Eis, aber die hiesigen "Kelten" hatten wohl auch Leinenpanzer ? Hat der Mann mit dem Mickeymaus-Helm nicht so etwas an ? (Steinskulptur) Aber klar, Ei-Tempera wird auch noch mal fest und dann wasserfest.
 

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