Seife selber herstellen aus Pottasche, bzw. Buchenasche

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Lex

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So liebe Leut, ich weiß zwar das es hier im Forum unter "Aschenseife" oder so bereits einen Theard gibt, der bringt mich allerdings nicht wirklich weiter, daher frag ich mal hier. (Wenn der Untertheard falsch ist, bitte verschieben) Ich möchte gerne aus Buchenasche, Rindertalg und eventuell Leinenöl Seife herstellen. Dazu hab ich allerdings noch einige offene Fragen. Buchenasche, Pottasche herstellen: Wie filtere ich die Buchenasche am besten damit reine Lauge entsteht? Ich hab nämlich schon einige Filtersysteme probiert, bei denen immer wieder unreinheiten im Wasser zurückgeblieben sind. Reicht ein einfaches Leinentuch aus oder muss das komplizierter sein? Wenn ich dann die reine im Wassergelöste Lauge habe, wie kann ich die konzentration erhöhen(verdunsten)? Ich hab gelesen, dass man das nicht in Glasbehältern oder Zink, Aluminiumgefäßen machen sollte, da die Lauge das Gefäß angreift? Nen alten Topf hab ich leider nicht sonst würd ich den nehmen. So zum Rindertalg hab ich keine Fragen, aber zum Leinenöl: Ich hab gelesen, dass eine Seife aus gleichen Teilen Fett und Öl bestehen muss. Kann ich dazu einfach Leinenöl nehmen oder geht das nicht? Brauch ich Öl überhaupt? Gruß, Alex
 
Daran versuche ich mich auch seit einiger Zeit. Ob die Unreinheiten überhaupt aus der Lauge gefiltert wurden, kann ich nicht sagen - ich denke mal, die ließ man drin. Die richtig gute Seife wurde nämlich aus Natronlauge hergestellt, die sehr viel reiner zu gewinnen ist (fast reines Natron aus der Wüste; veraschte Meeresalgen und eine spezielle Pflanze aus Kastilien). Wie ich gelesen habe,, MUSS man mit Regenwasser arbeiten, weil sonst der Kalk gleich wieder einen Teil der Lauge neutralisiert. Und wie ich es ausprobiert habe, scheint es zu stimmen, der pH-Wert ist höher bei Regenwasser. Das Aufkonzentrieren geht durch Kochen in einem flachen Gefäß. Bitte nur im Freien. Oder man gießt ein wenig Lauge da hinein und lässt verdunsten. Wenn alles Wasser verdunstet ist, bleibt unten ein weißes Pulver. Das ist Pottasche. Ich hab Pottasche und Lauge zusammengeschüttet und das zum Fett gegeben, das ging ab wie Luzie von der Reaktion her. Da ist mir dann die Seife (bzw. der Rindertalg) allerdings verbrannt, weil es so viel Reaktionshitze entwickelt hat. Da hats dann drei Tage in meiner Burg gerochen, als wenn ein Frittenwagen explodiert wär ^^ Seife ist aber dabei rausgekommen, eine ziemliche Pampe, die auch nicht fest geworden ist. Ich hab sie dann nochmal geschmolzen und Kochsalz zugefügt, das ist aber nicht so geworden... Der Topf, in dem du die Seife kochst, muss zwingend aus Edelstahl, unbeschädigtem Email oder so einem modernen Anti-Haft-Werkstoff sein. Durch Zink und Alu frisst sich die Lauge durch und Glas kann platzen, wenn die Hitze durch die Reaktion zu stark wird. So genanntes feuerfestes Glas (Jenaer Glas müsste aber gehen. Du erhitzt das Ganz ja schon, wenn du darin das Fett schmilzt bzw. die Lauge erhitzt. Erzähl mal, was bei dir so rausgekommen ist bzw. rauskommt. Ich werde mich, sobald ich Zeit finde, auch nochmal an mein Seifenprojekt machen.
 
Ich habe das auch noch nicht probiert, aber mal drüber nachgedacht. An Deinen Ergebnissen bin ich also interessiert!
Ich hab gelesen, dass man das nicht in Glasbehältern oder Zink, Aluminiumgefäßen machen sollte, da die Lauge das Gefäß angreift?
Ja. Kalilauge löst auch Glas, aber nur ein bisschen. Ich würde trotzdem Glas oder einen emailierten Topf nehmen, Glas (und folglich auch Emaile) überlebt chemische Reagenzien und Hitze nun mal immer noch am besten. Du brauchst ohnehin einen Seifentopf und da ist ein billiger Emailtopf nicht verkehrt und der bricht nicht, wenn er runterfällt. Von Alugefäßen würde ich überhaupt die Finger lassen.
Wie filtere ich die Buchenasche am besten damit reine Lauge entsteht? Ich hab nämlich schon einige Filtersysteme probiert, bei denen immer wieder unreinheiten im Wasser zurückgeblieben sind. Reicht ein einfaches Leinentuch aus oder muss das komplizierter sein?
Ich würde die trockene (!) Asche zuerst durch ein Mehlsieb und anschliessend durch feines Leinen sieben. Das Ergebnis sollte dem von Mehl entsprechen, so wie man's zum Pizzabacken verwendet. Also ziemlich fein und folglich mit großer Oberfläche in Relation zur Partikelgröße, was den Lösevorgang in Wasser erleichtern sollte.
Wenn ich dann die reine im Wassergelöste Lauge habe, wie kann ich die konzentration erhöhen(verdunsten)?
Gar nicht. Ich würde eine gesättigte Lösung herstellen, also bei der Laugenherstellung die größtmögliche Konzentration einstellen. Das geht am besten durch das Lösen in warmem Wasser (warme Lösungsmittel lösen mehr und schneller) - Du rührst Asche ein, bis sich nichts mehr löst (also am Boden was liegen bleibt). Ich habe keine Ahnung, wie schnell der Lösungsprozess von statten geht, ich würde aber damit rechnen, dass durch den Lösungsvorgang zusätzliche Wärme entsteht und die Reaktion dadurch flott von statten geht. Trotzdem mal lieber ein bisschen länger rumstehen lassen. Wenn das Zeug dann abgekühlt ist abkippen und den Bodensatz (nicht alle Bestandteile der Asche sind wasserlöslich, es bleibt also jedenfalls was zurück) im Behälter lassen. Wenn ich nicht daneben liege mit meinen Überlegungen, sollte es das gewesen sein. Nachdem Du jetzt eine starke Lauge hast empfehle ich Dir - ebenso wie beim gesamten Produktionsvorgang - eine Schutzbrille zu tragen und die Lauge niemals über Kopfhöhe zu halten oder im Regal weit oben zu lagern. Laugen sind ganz gemein zu den Poteinen im Auge.
Ich hab gelesen, dass eine Seife aus gleichen Teilen Fett und Öl bestehen muss.
Nein. Je nach Kettenlänge der der Fettsäuren entstehen durch den Einsatz der Lauge unterschiedlich lange Ester. Folglich wird die Seife dementsprechend härter oder weicher. Interessanter für die Seifenherstellung ist meiner Meinung nach das Verhältnis Lauge : Fettsäuren - danach entscheidet sich, ob die Seife überfettet (also nicht alles verestert - das möchte man für Körperpflegeprodukte) oder ein Laugenüberschuß eingelagert wird (das möchte man so für Putzmittel). Und genau das kann man ohne exakte Zutaten und Rezepte nicht wissen. Genau deshalb ist das Experiment ja so interessant. Früher wusste das jede Hausfrau und wir haben keine Ahnung davon und müssen das erst wieder neu lernen...
 
Lex scheint hier bei einigen einen Nerv getroffen zu haben ;-) Ich denke auch schon seit einiger Zeit an einem Experiment mit Pottasche und Fett herum, allerdings mit gekaufter Pottasche (von den Backzutaten), ich habe einfach den Platz nicht, um mit Asche rumzupülschen. Die gekaufte müsste aber doch theoretiach auch gehen, oder? Wie müsste da dann in ungefähr das Mischungsverhältnis aussehen? Ich habe da so gar keine Vorstellung von den Dimensionen und das Internet gibt nix brauchbares her :-/
 
Wie ich gelesen habe,, MUSS man mit Regenwasser arbeiten, weil sonst der Kalk gleich wieder einen Teil der Lauge neutralisiert. Und wie ich es ausprobiert habe, scheint es zu stimmen, der pH-Wert ist höher bei Regenwasser.
Bei uns, da wo ich wohne, Fulda, gibt es sehr weiches Leitungswasser daher, dachte ich zumindestens das Leitungswasser ausreichen würde. Lieg ich damit falsch?
Ich hab Pottasche und Lauge zusammengeschüttet und [...]
Pottasche und Lauge? Ich dachte das wäre ein und das selbe o_O?
Ich würde die trockene (!) Asche zuerst durch ein Mehlsieb und anschliessend durch feines Leinen sieben. Das Ergebnis sollte dem von Mehl entsprechen, so wie man's zum Pizzabacken verwendet. Also ziemlich fein und folglich mit großer Oberfläche in Relation zur Partikelgröße, was den Lösevorgang in Wasser erleichtern sollte.
Werd ich machen ;) Danke für den Tipp... (*Maaamaaa ich brauch dein Mehlsieb* xD)
Nachdem Du jetzt eine starke Lauge hast empfehle ich Dir - ebenso wie beim gesamten Produktionsvorgang - eine Schutzbrille zu tragen und die Lauge niemals über Kopfhöhe zu halten oder im Regal weit oben zu lagern. Laugen sind ganz gemein zu den Poteinen im Auge.
Werd ich machen!
. Früher wusste das jede Hausfrau und wir haben keine Ahnung davon und müssen das erst wieder neu lernen...
Wie bei so vielem heute...leider.
http://wh1350.at/handwerk/herstellung-ei…chen-talgseife/ (von unsrer eigenen Seite) http://wh1350.at/kleidung/wasche-waschen…uf-der-kanzach/
Die Seite hab ich mir schon mal durchgelesen. Die beiden Artikel haben mir bereits sehr weitergeholfen. Danke! Aber wie ich aus der Erinnerung weiß, hattet ihr ja auch probleme mit der Talgseifenherstellung. Die Seife wurde nicht ganz hart oder? Haben sich da Fortschritte ergeben? Ich meld mich sobald ich Fortschritte verbuchen kann. Gruß, Alex :bye01
 
Also, Pottasche ist das, was übrigbleibt, wenn die Buchenholzaschenlauge (schöns langes Wort, gell ^^ ) verdampft bzw. verdunstet ist. Und "Lauge" ist ja nur die Bezeichnung für eine Flüssigkeit mit einem pH-Wert über 7, da gibt's ja ganz verschiedene Laugen. Ein solcher pH-Wert heißt auch "basisch" oder "alkalisch" und wenn man Pottasche in Wasser gibt, dann wird das auch wieder basisch, also eine lauge. Und Pottasche in der Buchenholzaschenlauge macht noch alkalischer. Wir haben hier auch ganz weiches Wasser und es hat trotzdem mit Regenwasser besser funktioniert. Ich war aber trotzdem noch net ganz zufrieden, hatte die Asche in nem Stoffsäckchen ausgelaugt. Muss demnächst doch mal die Methode mit dem Stroh und dem gelochten Eimer probieren. Die Seife aus Buchenholzaschenlauge wird übrigens deshalb net fest, weil Buchenholzaschenlauge Kalilauge ist. Und aus Kalilauge wird Kaliseife, auch Schmierseife genannt. Wenn die Seife fest werden soll, muss man entweder Natronlauge nehmen (aus Algenasche oder einer speziellen Pflanze, die in Spanien an der Küste wächst. Das ist die berühmte kastilische Seife. Oder eben direkt Natron aus der Apotheke nehmen, aber des ist net "A" ;) ). Oder man muss den Kaliseifenleim mit Kochsalz aussalzen. Dann scheidet sich das überschüssige Wasser und das Glycerin und alle Lauge ab, die nicht verseifen kann, Oben drauf schwimmt dann harte Seife, der Seifenkern - Kernseife. Laut Tacitus hat ein Germanenstamm das so gemacht und deren Seife rühmte er vor allen anderen - außer der gallischen aus der Gegend um Massilia. Die sei noch besser. Das war wohl solche Natronseife aus Algenasche. Soweit bin ich aber noch nicht gediehen. Ich habe zwei gute Seiten entdeckt, nach deren Anweisungen muss ich das Ganze nochmal angehen, wenn ich Muße habe. Die Links stell ich morgen ein, bin jetzt zu faul zum Suchen.
 
Etwas OT, aber wie ich finde wichtig zum Thema Schutzbrille. http://www.youtube.com/watch?v=2jAIr2UaGM8 (Quelle: Youtube) Ich arbeite in der Chemie und die Story hat mich nachdenklich gemacht... Back to Topic
Du hast recht zu warnen. Ich trage Schutzbrille, Langarm-Shirt und Gummihandschuhe beim Seifenexperimentieren. Und es hat sich schon bezahlt gemacht. Gefährlich ist nicht nur die Lauge, auch die Seife selbst hat frisch noch einen pH-Wert, der einem die Haut abzieht. Bei Schmierseife wird das nie besser.
 
Die Haut ist das noch relativ unkritisch. Bearbeite mal ein rohes Eiweiß mit Lauge (oder Säure), dann siehst Du was mit deinem Auge passieren kann.
 
Jo, das wird sozusagen gekocht. Also das Eiweiß gerinnt. Schon klar.
 
Ich würde dir überigens empfehlen das Langarmshirt wegzulassen (sofern nicht imprägniert). Klingt im ersten Moment komisch weil du deine Haut ja schützen willst, aber wenn du Lauge in den Stoff bekommst merkst du das unter Umständen erst später, durch die feuchte Stelle erhöht sich jedoch die Expositionszeit der Haut gegenüber der Lauge deutlich. Ich finde es immer wieder spannend, wie sorglos die Leute im Hobby hier (beim Färben oder anderen Dingen) mit Gefahrstoffen umgehen für die ich auf der Arbeit Vollschutz tragen müsste. Laugen lassen sich generell deutlich schwerer von der Haut abspülen als Säuren, sind daher auch kritischer zu sehen. Wer Daheim mit sowas rumpanschen mag, der sollte sich zumindest schlau machen mit was er da hantiert. Einfach mal den Stoffnamen und Sicherheitsdatenblatt bei google eingeben und sich die R und S Sätze anschauen. Außerdem kann es nicht schaden sich so etwas auszudrucken um es im Falle eines Unfalls beim Arzt vorzeigen zu können. Zur Beständigkeit von Werkstoffen: Emailtöpfe würde ich nicht verwenden weil sie gegen die Lauge nicht auf Dauer beständig sind, Kunststoff würde ich ebenfalls nicht verwenden weil sie nicht beständig gegen die eventuell hohe Reaktionswärme sind, normale Glasgefäße würde ich AUF GAR KEINEN FALL verwenden, die Dinger könnten dir bei der enstehenden Reaktionswärme platzen.... und dann wird es unschön, Verbrühung gepaart mit Verätzung + Glassplitter ist ganz sicher kein Geschenk. Beim Umgang mit Lauge ist (im technischen Bereich) Edelstahl das Mittel der Wahl, im Labormaßstab Glas. In diesem Falle aber spezielles Glas z.B. von der Firma Schott. Das Zeug ist beständig gegen Laugen und hält auch hohen und tiefen Temperaturen sowie starken Temperaturwechseln stand. Und vorallem (das wurde ja schon geschrieben) SCHUTZBRILLE! Wir haben auf der Arbeit alle paar Meter Augenspülflaschen hängen, die Werksfeuerwehr hat einen RTW mit einer Möglichkeit zum kontinuirlichen spülen der Augen bis zur Versorgung im Krankenhaus (Augenklinik) und trotzdem ist die Chance das man hinterher ohne Einschränkungen in der Sehfähigkeit dasteht nicht 100% wenn man Lauge in die Augen bekommt. Wie das bei haushaltsüblichen Möglichkeiten und dem Hausarzt um die Ecke aussieht kann man sich dann ausrechnen.
 

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