Tips für den Anfang einer Wikingerdarstellung

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Ragnar Ormenwolf

Guest
So, liebe Forenwikinger, nun haben wir hier die Anleitung für den angehenden Nordmann. Erstellt hat das ganze die Alwina (A.v.W.de.): eine saubere und sehr gute Arbeit! Ich werde diesen Therad erstmal geschlossen halten, so daß er erstmal beitragsfrei bleiben wird. Im Bedarfsfall kann er ja jederzeit für Diskussionen geöffnet werden. Viel Spaß beim Schmökern!
 
Anfängerleitfaden für die Wikingerdarstellung Als erstes muß man wissen, d e n Wikinger gab es nicht. Der Name leitet sich von dem Wort Viking ab und bezeichnet die Bewohner des damaligen skandinavischen Raumes, die auf große weite Fahrt gingen. Bekannt wurden sie dann durch die zahlreichen Wikingerüberfälle und es endete mit der Schlacht von Hasting 1066. Dieser Leitfaden kann also nur eine Starthilfe und Unterstützung sein, sich für eine bestimmte Wikingerdarstellung zu entscheiden. Das setzt dann aber auch weitere Eigenrecherche voraus. 1) Living Historie und die Probleme mit der Authentizität Living Historie, lebendige Geschichte, heißt, eine bestimmte Zeitepoche eines bestimmten Ortes oder Person möglichst auhentisch nachzustellen. Das bedeutet, sich dieser Zeitepoche mit Hilfe von Funden, bzw. Fundberichten, bildlichen Darstellungen (zeitgenössischer Literatur, Bildsteine etc.) und schriftlichen Aussagen aus dieser Zeit sich der Darstellung anzunähern. Dazu gehören Besuche in Museen, das Lesen von Fach-Literatur usw., aber auch das immer kritische Hinterfragen sämtlicher Informationen. Niemand ist und kann perfekt sein. Denn man sollte sich auch immer bewußt sein, Authentizität ist immer nur je nach den eigenen Möglichkeiten und Ambitionen eingeschränkt möglich. Auch leben wir nicht mehr in der damaligen Zeit, haben nicht mehr die selben Werkzeuge, Rohstoffe usw. zur Verfügung und können immer nur Versuche darstellen, wie es gewesen sein könnte. 2) Welche „Wikinger“ gab es? Dabei richten wir uns nach den Fundorten und ihrem Standort. Hier seht ihr erst einmal die bekanntesten, es gibt natürlich noch mehr: a) Haithabu/Schleswig Holstein war eine internationale Handelsstadt mit unterschiedlichen Bewohnern (Sachsen, Friesen, Dänen etc), welche sich überwiegend in dänischer Hand befand. b) Ribe/Dänemark c) Birka/Schweden war ebenfalls eine internationale Handelsstadt mit Handelsbeziehungen in den asiatischen Raum. Die Händler kamen vor allem aus dem heutigen russischen Raum und wurden in Birka auch bestattet. d) Gotland/Schweden ist eine Insel mit eigenständiger Tracht gewesen. Aber man muß bedenken, die Fundlage ist sehr unterschiedlich und vor allem vergängliche Materialien wie Textilien sind kaum bis garnicht vorhanden. Das macht die Darstellung umso schwerer. 3) Wie fange ich an? Als erstes sollte man sich folgende Fragen stellen: WAS? möchte ich darstellen, was kann ich darstellen, was für Möglichkeiten für meine Darstellung habe ich. - Mann: Bauer, Handwerker, Händler, Krieger, wobei dieses noch kein „Beruf“ war, sondern ursprünglich aus der Not heraus entstand wegen Mangel an Land, Geld usw., Adliger/Jarl - Frau: Gattin/Tochter eines Bauern, Handwerkers, Händlers, Kriegers, eines Adligen/Jarl. WANN? Die Blütezeit der Wikingerkultur war in den Städten wie z. B. Haithabu und Birka das 9. – 10. Jh. WO? Haithabu (Schleswig Holstein), Ribe (Dänemark), Birka (Schweden), Gotland, (Schweden, Insel) und York(England) sind die bekanntesten wegen ihrer Fundlage. WIE? Kann ich einen Adeligen darstellen und das entsprechende Gesinde/Gefolge auch vorweisen? Als Krieger: Habe ich überhaupt eine Ahnung wie man ein Schwert hält? Und lebte er wirklich ständig in der Rüstung mit der Waffenkammer am Rücken Als Handwerker: Welche Fertigkeiten besitze ich? Sind die auch auf einem Markt darstellerisch umsetzbar? usw. WELCHE MITTEL? Wie sind meine finanziellen und handwerklichen Möglichkeiten? Über welche Recherchequellen verfüge ich (Eigene Bücher, Bibliothek, Fernleihe, Internet, Kontakte, Anschauungsobjekte in Museen etc.) 4) Quellen und Recherche a) Museen, Fundberichte, Museumskataloge, Internet (aber hierbei besonders kritisch bleiben und alles hinterfragen, da alle Aussagen und Inhalte der Websites die Angaben vom jeweiligen Seitenbetreiber sind und nicht unbedingt immer richtig sein müssen) b) Bücher. Nicht alles ist mehr erhältlich, vor allem bei den Fundberichten, deshalb über die Fernleihe der Bücherei besorgen, über www.Antikmakler.de oder über Büchersuchmaschinen, z.B. ZVAB
 
Leitfaden Teil 2 4) Quellen und Recherche a) Museen, Fundberichte, Museumskataloge, Internet (aber hierbei besonders kritisch bleiben und alles hinterfragen, da alle Aussagen und Inhalte der Websites die Angaben vom jeweiligen Seitenbetreiber sind und nicht unbedingt immer richtig sein müssen) b) Bücher. Nicht alles ist mehr erhältlich, vor allem bei den Fundberichten, deshalb über die Fernleihe der Bücherei besorgen, über Antikmakler oder über Büchersuchmaschinen, z.B. ZVAB 5) Was geht und was geht gar nicht? Der typische Anfängerfehler ist häufig, sich erst einmal alles mögliche zusammenzukaufen, um dann festzustellen, das einem das Falsche verkauft wurde. Denn häufig heißt es, das ist„mittelalterlich“, das sind „Wikinger-Stiefel, - Kleider usw.“ oder ist nach Fundlage z.B. „Haithabu“, aber bei näherer Betrachtung kann man dann feststellen, das es meist aber nur mehr in Richtung Fantasy geht. Es verkauft sich aber unter diesen Schlagwörtern besser...und du als Neuling bist erst einmal viel Geld für „Nichts“ losgeworden.. Deshalb als Tipp: Bevor ihr euch teure Schwerter, Schmuck usw. kauft, arbeitet euch erst in die Materie besser ein. Fangt lieber erst einmal einfacher an, wenn ihr schon als Besucher oder Mitwirkender einer Gruppe o.ä. mitmachen möchtet. Für den Anfang reichen beim Mann eine schlichte Leinen-/Wolltunika mit seitlichen Schlitzen oder Keilen, aber ohne Borten, eine einfache Hose aus Wolle oder Leinen und Wendeschuhe. Bei der Frau sollte erst einmal ein Kleid ebenfalls aus Wolle und/oder Leinen sowie wendegenähte Schuhe reichen. Sollte es mal zu kalt werden, dann kann man sich noch einen Rechteckmantel umlegen. Das ist ein rechteckiges großes Stück Wolltuch. Und anstelle einer prunkvollen und marktüblichen Gürteltasche nehmt ihr besser einen rechteckigen oder runden Lederbeutel, den ihr an den Gürtel hängt. Der ist außerdem einfach selber herzustellen. a) das geht - Stoffe für die Kleidung aus reinem Leinen, reiner (Schur-)Wolle - wendegenähte Schuhe - Trachtbestandteile wie Schmuck und brettchengewebte Borten nach vorheriger Recherche und Fundort passend zur Darstellung - dasselbe gilt auch für Waffen - Tonbecher statt Trinkhörner - Gürteltaschen nach vorheriiger Recherche passend zur Darstellung b) das geht eingeschränkt - Seide nur bei reicher Darstellung - Baumwolle nur als Mischgewebe und bei reicher Darstellung c) das geht absolut nicht - Stoffe mit Synthetikanteilen - Stoffe, die elastisch sind oder keine Webware sondern Strickware sind - reine Bauwolle, Nesselstoff - Fuchsfelle, die sich um den Hals gelegt gelegt werden - Fuchsfelle an Beinstulpen - Leider auch keine Felle an den Mützen - Bundschuhe und Holzschuhe - (Afrikanische) Steckstühle - Trinkhörner, Trinkhornständer, Gürtelhalterungen für das Horn - Schnürhemden - Lederhosen - Ledermützen - Schmuck mit keltischen Motiven - prunkvoll verzierte und martkübliche Gürteltaschen 6) Zu guter Letzt Nun seid ihr hoffentlich nicht von dem Ganzen abgeschreckt, sondern neugierig geworden. Für weitere und detaillierte Fragen sind hier im Forum viele liebe nette Leute, die euch gerne weiterhelfen werden. Und nun viel Spaß beim Entdecken des neuen Hobbies wünschen euch alle vom Mittelalterforum.
 
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