Schraubzwingen im Mittelalter

This site may earn a commission from merchant affiliate links, including eBay, Amazon, and others.
Siehst du, da sieht man wieder wie viel - oder vielmehr wenig - ich von Werkzeug verstehe. Zumindest von denen die für Holz gedacht sind. ;-) Aber eben, jemand muss halt recherchieren und Bilder/Texte suchen wenn mein Mann arbeitet. Und am Morgen wenn die Kinder in der Schule sind habe ich Ruhe...
 
Hallo! ich bin zwar ganz neu hier im Forum, wage es aber trotzdem mal mich einzumischen. Das rührt daher, dass ich mich speziell mit Fragen der Holzverarbeitung im Mittelalter gern beschäftige. Und ich hab mich auch schon, z.B. beim Schildbau, gefragt wie ich die planken jetzt zusammengedrückt bekomme. Ich bezweifle aus verschiedenen Gründen, dass Schraubzwingen vor 1500 allgemein Anwendung fanden, was nicht heißt, dass ein paar spezialisten da schon was ausgetüftelt hatten... Für die Zeit bis Ende 15.jhdt habe bisher auch noch keine bildliche Darstellung gefunden. Heute können wir uns holzwerken ohne Schraubzwingen nichtmehr vorstellen, allerdings haben sich ja (auch wegen der Verfügbarkeit von zwingen) die Bauweisen seit dem Mittelalter entsprechend Viele für uns heute offentsichtliche Verwendungszwecke für schraubzwingen ergeben sich bei klassischen Verbindungen und Bauweisen nicht zwangsweise, wie Ulf schon sschrieb(post 13). So wurden viele Möbelstücke lange in Brettbauweise gefertigt, das bedeutet ohne Verleimung in der Breite, wozu man eine Spannvorrichtung bräuchte. Viele Truhenfunde sind auch "nur" zusammengenagelt mit Holz- oder Eisennägeln. Dazu kann man die zu verbindenden bretter in ihrer endposition aufeinander mittels schwanenhals oder spannseil fixieren, dann in beide hindurchbohren, ggf einen tropfen Leim angeben und einen dübel hinterherschlagen. Zusätzlichen halt geben falls vorhanden auch die sogenannten Beschläge oder Bänder aus Metall. Auch bei Holzverbindungen wie zum beispiel dem durchgestemmten Zapfen kann man, wenn man die Teile ersmal "zusammengekloppt" hat den Zapfen anbohren und festnageln, oder den Zapfen gleich von vornherein zum Keilen vorbereiten. Da gibts ja viele möglichkeiten, je nach Vorbild und was man machen will. Will man allerdings mehrere Bretter in der Breite zu einer "Platte" für z.B. Altarfüllungen (oder Schilde) verleimen, wie zum Beispiel von Theophilus Presbyter in "De Diversis Artibus" beschrieben, wirds schon komplizierter. Für meinen gebogenen Reiterschild habe ich mir letztendlich eine schablone gebaut, und darin dann gleich die Seile zum quer verspannen vorgesehen. Hat zwar prima geklappt, ging auch sehr schnell, gibt aber soweit ich weiß keinen Beleg dafür. Auch für gerade Flächen nimmt der Tischler heute oft eine stationäre Verleimpresse/Rahmenpresse. der Spannmechanismus variiert dabei. das könnte ich mir in einer hochmittelalterlichen werkstatt auch vorstellen. Aber auch hier ist es eher eine Vermutung, und der Versuch mit den damals vorhandenen und naheliegenden Mitteln ein Ergebnis zu erzielen wie die Funde der jeweiligen Zeit. Dabei kann ich zwar versuchen mich in unsere Vorfahren einzudenken, habe aber nie Gewissheit nicht doch was übersehen zu haben oder falsch einzuschätzen. Wovon ich auf jeden fall Abstand nehmen würde, um auf die letzten Posts zurück zu kommen, ist irgendwelches vermeintlich "altes" Werkzeug als mittelalterlich auszugeben. Natürlich, einen einfachen Hobel z.B. hat es schon früh gegeben, und wenn mir einer von der Machart her nach Handarbeit aussieht und keine modernen Artefakte wie z.B. Schlitzschrauben aufweist (durchaus noch zu finden auf flohmärkten und bei trödlern) Verwende ich ihn schon. Allerdings nur solange ich nicht selbst einen nach genauen Quellen/funden/Vorstellungen gebaut habe. @zauberer ich würde mir erst überlegen, was gebaut werden soll und dann ob und wie du es zusammendrückst. Belege kann ich wie gesagt nicht bieten, allerdings sollte man evtl. den o.g. Presbyter nochmal bemühen. der erwähnt die Holzverabeitung am Rande. Leider liegt mir zurzeit der Text nicht vor. gibts aber an Uni-Bibliotheken wo z.B. Restauratoren/Goldschmiede studieren. oder hier:http://schedula.uni-koeln.de/index.shtml Freu mich auf Kommentare, Jonatan
 
oder hier:schedula.uni-koeln.de/index.shtml
Oje, english! Da hat mein Mann keine Chance - ich werde mal schauen ob ich da was übersetzen kann...
Unter Darstellung und Ausrüstung Lütjenburg 07.15 und Lütjenburg 09.15 - jeweils oben rechts ist die Bohrwinde.
Und ich habe gestern als wir bei der Wohnungsräumung von meinen Grosseltern weiter gemacht haben im Keller eine Säge entdeckt wie sie hinten rechts auf dem Bild sind - mit dem Seil zum spannen und dem Holzknebel der es dann fixiert und so die Spannung aufrecht erhält. Ich sie mir kurz angeschaut und nirgends ein Logo oder etwas ähnliches entdeckt und lackiert ist die Säge auch nicht. :) Jetzt muss ich nur noch schauen wie die Säge dann zu uns kommt.
 
Vor ein paar Wochen war ich in der Colonia Ulpia Traiana in Xanten. http://www.apx.lvr.de Dort wurde eine Bügelsäge gefunden die genau nach diesem Prinzip gespannt wurde. Muss aber nicht heißen, daß man es im Früh/Spätmittelalter noch kannte. Wasserversorgung und Abwasserkanäle wurden ja auch erst sehr spät wiederentdeckt. Gewinde kannten die Römer auch schon, aber speziell Schraubzwingen habe ich da nicht entdecken können.
 
Oje, english! Da hat mein Mann keine Chance - ich werde mal schauen ob ich da was übersetzen kann...
Also ich hab gestern auch eine deutsche übersetzung gefunden (Editions>Ilg) spannend wirds dann ab CAPITEL XVII. Von Altartafeln und -Thüren, und von dem Käseleim. Oder halt der lateinische text... :D
Und ich habe gestern als wir bei der Wohnungsräumung von meinen Grosseltern weiter gemacht haben im Keller eine Säge entdeckt wie sie hinten rechts auf dem Bild sind - mit dem Seil zum spannen und dem Holzknebel der es dann fixiert und so die Spannung aufrecht erhält.
Das klingt doch auch ganz nett. ist auf jeden fall besser als eine Japansäge :p . Diese sog. Gestellsägen sind bis heute in Varianten anscheinend die Brot-und-Butter-Sägen der Holzhandwerker gewesen, besonders weil man ein dünneres Sägeblatt verwenden kann als bei z.B. Fuchsschwanz und Rückensäge, die wohl eher nicht üblich waren. Dünnes Blatt bedeutet: wenig Eisenverbrauch (häufig teuer) und ein schmaler Schnitt. Achte auch darauf möglichst keine zusätzlichen Eisenteile (bis auf Sägeblatt) dran zu haben. Häufig sind am Sägeblatt nochmal Schlitzschrauben oder Nieten oderso und man sieht, dass es aus industrieblech ist. Aber das kann man ja tauschen. Wie auch auf den Bildern von Gryphan zu sehen, sind die Gestellsägen vor allem im SpäMi mit geschwungenen Armen ausgeführt. Moderne Modelle haben meist gerade Teile (Maschinenfertigung). Vielleicht gab es auch ähnlich wie Gestellsägen aufgebaute Klemmzwingen. evtl. mal danach in Bilddarstellungen ausschau halten... Die Bilder in der Galerie zu meiner Verleimform sind jetzt auch freigeschaltet, falls es Interressiert.[album]81[/album]
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:

Neueste Beiträge

Oben