Die Reenactment Werkstatt - Schildbau, Pflanzen-Färberei, Holz- und Lederarbeiten!

Schwertgurt zum schnüren - ohne Schnalle

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    • Das meinte ich ja, den Knauf finde ich ein wenig zu früh für den Naumburger Typ.
      Würde den Kunden zumindest im Vorfeld drauf hin weißen.
      Wenn er es unbedingt so möchte kann man halt auch nichts machen.

      Aber wie gesagt schöne Arbeit und soll jetzt auch keine Kritik an selbiger sein :thumbup:
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    • Ich wärme das Thema mal wieder auf, brauche ich keinen neuen thread.

      Für den Schwertgurt habe ich sämisch gegerbtes helles Rindleder. Auf den Bildern im Codex Manesse sind diese Gurte weiß dargestellt.
      Da das sämische Leder gelblich-hell ist gibt es zwei Optionen:
      1. es so lassen
      2. weißen (mit egal welchen Rezepturen/ Farben auch immer)

      Zum weißen gibt es folgende Überlegungen. Viel Militärausrüstung lange nach dem MA war aus Sämischleder: Koppel, Säbelgehänge, Karabiner- und Patronentaschenriemen bis etwa 1914. Die wurden geweißt. Ein neuer Anstrich nachdem sie im Feldgebrauch angeschmuddelt waren machte sie wieder neu für z.B. eine Parade.

      Sämischleder in einer entsprechenden Stärke - meines hat 3,3 mm - ist ideal für so einen Gurt. Er ist stabil und wird da wo er beansprucht wird, etwa bei den Bändseln zum Knoten auch geschmeidig. Muß man durch knulchen oder walken von Hand etwas nachhelfen.
      Ich habe die Riemen durch Bearbeitung mit dem Dampfbügeleisen verdichtet. Er schrumpft dadurch, das muß man beachten. Durch die nun höhere Dichte wird er stabiler.

      Soweit, so gut. Bleibt die Frage nach der Farbe. Wurde damals geweißt wie auf zeitgenössischen Malereien zu sehen?
      Für das Weißen spricht dass Sämischleder fusselt, vor allem auf der Fleischseite. Deshalb und weil diese rauer ist kam sie bei o.g. Militärzeug auch nach außen, die glattere Haarseite hatte damit Klamottenkontakt. Und schonte die Wolle der Montur.
      Macht auch bei einer MA-Wollklamotte Sinn.
      Durch den Anstrich unterbinde ich das Fusseln, weil die Fasern verklebt werden. Allerdings leidet darunter die Geschmeidigkeit. Beim Riemen für eine Patronentasche ist das egal, aber wenn ich Schnürbändsel brauche eben nicht.
      Ein Versuch zu fetten mit Lederfett und mit Niveacreme bindet die Fasern auch, macht das Leder aber noch dunkler, weil nun feucht.
      Momentan läuft noch ein Versuch mit stark verdünntem Holzleim. Aufgetragen und mit einem Lappen mehrmals abgezogen.

      Komplett reinweiß durchgegerbtes Leder gibt es natürlich auch, ist aber meist kein sämisch gegerbtes. Da kenne ich mich so gut auch nicht aus. Fraglich ob das im 13.Jhdt. auch schon so gegerbt wurde.
      Originale erhaltene weiße Schwertgurte aus der Zeit sind mir keine bekannt.

      Auf dem Bild seht Ihr meinen sämischen Gurt im Rohzustand. Darunter das Lederstück ist zwar schön weiß, aber anders (modern?) gegerbt. Ist eigentlich nur zum Farbvergleich.



      Über hilfreiche Anregungen würde ich mich sehr freuen.
      Lieber eine starke Behauptung als ein schwacher Beweis!
    • Wilfried Tenneberg schrieb:

      Komplett reinweiß durchgegerbtes Leder gibt es natürlich auch, ist aber meist kein sämisch gegerbtes. Da kenne ich mich so gut auch nicht aus. Fraglich ob das im 13.Jhdt. auch schon so gegerbt wurde.
      Originale erhaltene weiße Schwertgurte aus der Zeit sind mir keine bekannt.
      Sämisch gegerbtes Leder ist niemals "weiß". Und wenn es wirklich nach alter Methode sämisch gegerbt ist bekommt man auch keine glatte Oberfläche auf der Narbenseite. Das liegt einfach am Gerbverfahren. Bei original sämischer Gerbung ohne chemische Zusätze wird der Fischtran über schwere Hämmer in das Leder hineingeschlagen. Aufgrund dieser mechanischen Beanspruchung wird die Oberfläche beschädigt und anschließend abgeschabt.
      Auch die Farbe ist im Original eher ein dunkleres Braun. Das Helle braun auf deinem Bild bekommt man nur über bleichen mit Wasserstoffperoxid.

      Wenn man wirklich weißes Leder haben möchte nimmt man Alaun gegerbtes Leder.

      Das bekannteste erhaltene Exemplar ist das Schwert von Fernando de la Cerda (Grabbeigaben datiert um 1275) [1]. Nicht zu verwechseln mit Ferdinand de la Cerda (das war sein Sohn).
      Sieht man bspw. hier: saber.es/web/biblioteca/libros…2-2002/html/fotos/f22.htm

      und etwas besser aufgelöst hier: i.pinimg.com/736x/ca/3a/4c/ca3…cb589c81a8e12a4188d61.jpg

      Der Schwertgurt ist aus weißem Leder. Die genaue Gerbung und Ledersorte weiß ich nicht mehr auswendig. Lässt sicha ber in dem Buch nachlesen.

      [1] Bruhn Hoffmeyer, Ada. 1982. Arms & armour in Spain: a short survey [vol.] 2, [vol.] 2. Jarandilla: Instituto de estudios sobre armas antiguas.
      Pinterest Alben: https://de.pinterest.com/adalbert_sch/
      Website: https://www.adalbert-shouster.com
    • Danke @Adalbert.

      Soll ich das sämische Leder so verarbeiten wie es ist?

      Mein Versuch mit dem stark verdünnten Holzliem hat gefruchtet.
      Leder noch flexibel, aber "glatt". Kein fusseln mehr.
      Was mich wundert ist der Fischtran und die schweren Hämmer.
      Sämtliche Indianerklamotten aus Leder vor 100 und mehr Jahren sind sämisch gegerbt. Wie das?

      Fragen über Fragen...
      Lieber eine starke Behauptung als ein schwacher Beweis!
    • Adalbert. schrieb:

      Schwert von Fernando de la Cerda (Grabbeigaben datiert um 1275)
      Auf dem Foto sieht es aus als wären die breiten Riemen aus sämischen Leder (gelblich) und die dünne Verschnürung aus Rohhaut ???

      Hatte mit sowas auch schon geliebäugelt, einfach weil das Material da ist, aber ist das A bzw en vogue?
      Lieber eine starke Behauptung als ein schwacher Beweis!
    • Wilfried Tenneberg schrieb:

      Soll ich das sämische Leder so verarbeiten wie es ist?
      Das kannst du machen. Einfärben würde ich es nicht. Einfach da mir keine Methode bekannt ist um das ohne moderne chemische Hilfsmittel hin zu bekommen.

      Wilfried Tenneberg schrieb:

      Was mich wundert ist der Fischtran und die schweren Hämmer.
      Sämtliche Indianerklamotten aus Leder vor 100 und mehr Jahren sind sämisch gegerbt. Wie das?
      Hier wird der Begriff sämischer Gerbung gerne fälschlicherweise benutzt. Sämisch beschreibt genau die Verwendung des Gerbmittels (Fischtran von bspw. der Leber des Dorsch). Es gehört aber zur Kategorie der Fettgerbungen.Und da gibt es auch andere mittel wie bspw. Hirn. Dies hat ein sehr ähnliches Ergebnis und bei den Indianern wurde wie hier bei uns für diese Fettgerbungen gerne Hirsch verwendet. Der Vorteil der anderen Arten der Fettgerbung ist, das die Bearbeitung über schwere Hämmer entfällt.

      Sämische Gerbung: Aufgrund der Verwendung von Tran, welches ein Öl ist, und eine Haut zu weiten Teilen aus Wasser besteht, verbindet sich das Gerbmittel nicht mit der Haut und muss mechanisch eignebracht werden. Bei genaueren Fragen mal bei der Gerberei Kollesch nachfragen. Dort habe ich mein Wissen diesbezüglich her.

      Fettgerbung über Hirn: Zum Gerben reicht typischerweise das Hirn des Tieres (außer vl. beim Krokodil...) und wird zerkleinert und in heißem Wasser gekocht bis ein Dicker Brei entsteht. Dieser Brei wird (nach abkühlen) in die vorbereitete Haut eingerieben/durchgedrückt. Durch anschließende Räucherung (welche einer Aldehydgerbugn entspricht) bekommt man ein sehr weiches und Atmungsaktives Leder.

      Wenn man also sagt "Die Indianer haben keine schweren Hämmer benutzt" dann können sie keine sämischgerbung verwendet haben. Eine Fettgerbung mit Hirn, die ein ähnliches Ergebnis produziert, hingegen schon. Und das ist auch die Variante die man heute für "Indianerleder" verwendet.
      Natürlich könnten die Indianer auch sämisch gegerbt haben, schließlich gibt es Dorsche (Kabeljau) auch an der Amerikanischen Ostküste. Aber dann müssten sie den Tran einhämmern, oder erhalten ein Minderwertiges Ergebnis. Gibt es keine Funde von schweren Hämmern bei indianern? Da kenne ich mich null aus.

      Wilfried Tenneberg schrieb:

      Adalbert. schrieb:

      Schwert von Fernando de la Cerda (Grabbeigaben datiert um 1275)
      Auf dem Foto sieht es aus als wären die breiten Riemen aus sämischen Leder (gelblich) und die dünne Verschnürung aus Rohhaut ???
      Hatte mit sowas auch schon geliebäugelt, einfach weil das Material da ist, aber ist das A bzw en vogue?
      Hier wäre ich vorsichtig. Die Scheide und damit das Material ist fast 750 Jahre alt. Eine Verfärbung ist hierbei zu erwarten. Um die genaue Lederart heraus zu bekommen würde ich mir das angegebene Buch besorgen und dort nachlesen.
      Pinterest Alben: https://de.pinterest.com/adalbert_sch/
      Website: https://www.adalbert-shouster.com
    • Adalbert. schrieb:

      Die Scheide und damit das Material ist fast 750 Jahre alt. Eine Verfärbung ist hierbei zu erwarten. Um die genaue Lederart heraus zu bekommen würde ich mir das angegebene Buch besorgen und dort nachlesen.
      Werde sehen ob ich die Bücher über Fernleihe bekomme.
      Danke für den Tipp und Deine erklärenden Worte!!!

      Ja hast recht, Hirngerbung bei die Indianers... Werde langsam alt. Verwechslung daher weil die Hobbyindianer auch immer von Sämischleder reden wenn sie hirngegerbtes Hirschleder meinen.

      Nee die hatten keine Hämmer - die alten Indianerweiber sollen angeblich darauf rumgekaut haben, naja... Gewalkt wurde es aber auf jedem Fall durch wringen an einem Tau o.ä. Das nur nebenbei.

      Dank Deiner Ausführungen habe ich mich nun entschieden das Leder so zu verwenden wie es ist. Ob ich zur Befestigung Rohhaut als "Bindefaden" verwende weiß ich wenn ich mehr weiß. Bis jetzt weiß ich nur dass ich noch nicht genug weiß. Auf jeden Fall mache ich das Leder nicht weiß. So, jetzt weißt Du Bescheid... ^^

      Nochmals Danke!!! :thumbsup:
      Lieber eine starke Behauptung als ein schwacher Beweis!