Militarisierung der Johanniter

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    • Militarisierung der Johanniter

      Haben wir nicht hier in der Nummer 527 aus dem Cartulaire (Band I.) den Hinweis, dass zur Zeit von Raimond du Puy die Johanniter schon militärisch tätig waren ?

      Die Zusammenfassung mit google übersetzt.

      Papst Alexander III erinnert Roger de Molins, Großmeister der Johanniter,zur Sorge der Armen, deren Großmeister Raymond die Regeln und die Ermahnung verfolgt hatteum die Johanniter nur zu den Waffen zu bringen, wenn Vecillum vom Heiligen Kreuzwird bereitgestellt.
    • Bei diesem Thema sind sich die Historiker, zumindest die, die ich gelesen habe, sehr uneinig.

      Die neuere Literatur ist sich allerdings einig, dass eine frühe Militarisierung der Brüder neu überdacht werden muß.

      Kein Zweifel, dass spätestens ab ca. 1140 Söldner oder Ritter bezahlt wurden um die Burgen zu besetzen und Pilgerschutz zu betreiben.

      Auch kein Zweifel, dass mit bezahlten Söldnern und Rittern offensive Aktionen und nicht nur Verteidigung betrieben wurde, so z.B. um 1170 oder um 1178/79.

      Ich habe mich mit dem Thema sehr lange beschäftigt und könnte locker 10-15 Seiten füllen um die einzelenen Quellen, die noch erhalten sind, zusammenzufassen. Evtl. tu ich das mal.

      Eine aktive Beteildigung bei der Schlacht von Hattin lässt sich nicht belegen.

      Am Ende lassen sich kämpfende Brüder bzw. Ritterbrüder nicht vor dem Fall von Jerusalem nachweisen.

      In den Statuten tauchen sie erstmals 1206 auf.
    • Der erste Marschall der offensichtlich ein Bruder ist ist 1194. 1180 werden die Fratres unter Waffen das erste Mal genannt. Davor gibt es keinen Beleg. Ausser dass eben der Hospitaliter-Meister eine Truppe führte (wie Bischöfe auch mussten wohl auch die Meister Kontingente stellen).

      Hier ist der Bruder Guillelmus de Marolh als Marescalcus Hospitalis gelistet als Zeuge im Dokument.
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      Kaufmann
      Comthurey Alpinum
      1180 n.Chr.

      A-Bischof (zum Papst reichts noch nicht).
    • Wir haben also auf der einen Seite Brüder des Ordens, die im Hospital tätig sind und auf der anderen Seite haben wir Ritter und Sergeanten, die keine Brüder waren und vom Orden bezahlt wurden. Das soll über 40 Jahre so gewesen sein ohne, dass da auch mal Kämpfer Brüder im Orden wurden?

      Und wenn es nur angeheuerte Truppen waren, der Orden aber selbst karitativ tätig war, könnte es dem Papst dann nicht egal gewesen sein, was die Johanniter da so machten?
      Denn in dem Schreiben von Alexander III. geht es doch wohl darum, dass die Johanniter auf eigene Faust militärisch tätig waren und halt nicht nur, wenn im Königreich Jerusalem Krieg war, oder sehe ich das falsch?

      Der Orden hatte die Mittel in den 1160ern eine Truppe von 1000 Mann zu bezahlen? Bzw. noch mehr, denn sie hatten da ja auch schon einige Burgen.
      Wie argumentieren da die Historiker?

      Und vor 1194 war der Marschall auch nur ein "Söldner" ?

      Der Vergleich zu Bischöfen. Diese waren ja Landesherren mit Vasallen. Hatten die Johanniter so viele Vasallen?
    • Meister Daniel schrieb:

      Der erste Marschall der offensichtlich ein Bruder ist ist 1194.
      Nein, im Oktober 1188 wird ein gewisser Bruder Lambert als Marschall benannt.

      Quelle: Cart. I Nr. 860 und Sebastiano Paoli; Codice Diplomatico S.313

      Bei den beiden Urkunden geht es um die Bestätigung der Regel der Schwestern von Sigena.

      Meister Daniel schrieb:

      1180 werden die Fratres unter Waffen das erste Mal genannt.
      Meinst Du damit die 'Conformenca' des Roger des Molins, die auf 1181/82 datiert wird? Wenn ja, dann gibt es dazu zwei Sachen:

      1. Dort wird geschrieben, dass die 'frere d'armes' durch gesammelte Almosen bezahlt werden. Sind hier wirklich 'Ordensbrüder unter Waffen' gemeint oder doch eher 'Waffenbrüder'?

      2. Muß man heute, nach neuen Erkenntnissen, sagen, dass die 'Conformenca' nicht von 1181/ 82 stammt sondern in Margat (ca. 1204/ 1206) zusammengefasst wurde.

      Heinrich von Hohenfels schrieb:

      Und wenn es nur angeheuerte Truppen waren, der Orden aber selbst karitativ tätig war, könnte es dem Papst dann nicht egal gewesen sein, was die Johanniter da so machten?
      Denn in dem Schreiben von Alexander III. geht es doch wohl darum, dass die Johanniter auf eigene Faust militärisch tätig waren und halt nicht nur, wenn im Königreich Jerusalem Krieg war, oder sehe ich das falsch?
      Richtig! Aber ich glaube sie waren nicht nur karitativ tätig sondern versuchten natürlich ihren Einflußbereich zu erweitern. Druch Intriegen oder kriegerisch (siehe Gilbert de Assalit um 1170).

      Heinrich von Hohenfels schrieb:

      Der Orden hatte die Mittel in den 1160ern eine Truppe von 1000 Mann zu bezahlen? Bzw. noch mehr, denn sie hatten da ja auch schon einige Burgen.
      Wie argumentieren da die Historiker?
      Ja, 500 Ritter und 500 Turcopolen, die dann unter das Banner von König Alamrich gestellt wurden um im Süden Land zu gewinnen. Eine Finanzielle Katastrophe für den Orden, da die Unternehmung schief ging.

      Heinrich von Hohenfels schrieb:

      Und vor 1194 war der Marschall auch nur ein "Söldner" ?
      Weis ich nicht. Die Bischöfe setzten zu diesem Zweck Domvögte ein, die sich dann um die militärischen Belange kümmerten. Gut Möglich, dass es bei den Hospitalitern auch so war, nur unter einer andern Bezeichnung....

      Heinrich von Hohenfels schrieb:

      Der Vergleich zu Bischöfen. Diese waren ja Landesherren mit Vasallen. Hatten die Johanniter so viele Vasallen?
      Ja, die Hospitaliter hatten im 12. Jahrundert viele Güter, Dörfer und Burgen.
    • Super Input, danke! Den Marschall von 1188 kannte ich noch nicht. Danke! :) Auch sonst voll deiner Meinung.
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      Kaufmann
      Comthurey Alpinum
      1180 n.Chr.

      A-Bischof (zum Papst reichts noch nicht).
    • Heinrich von Hohenfels schrieb:

      Bei welchen Historikern kann man nachlesen, wie die das so sehen mit der Militarisierung? Also, dass es wohl keine Ordenbrüder waren?
      z.B. in Gottes Gastgeber wird ziemlich genau drauf eingegangen.

      Oder bei 'The Hospitaller's Early Written Records' von Anthony Luttrell; ein Auszug davon:

      'Various texts cited here required publication and collection, following which the present hypotheses will need revision. The many registers at Malta and the forthcoming inventory of numerous unexplored texts. The habitual reliance on the European priories have preserved numerous unexplored texts. The habitual reliance on the sometimes misleading Cartulaire should be abandoned and account taken of new materials. To give just one example, the redating of many statutes shoulc lead to the revision of accepted chronologies for the evolution of knight-brethren and sergeants within the Hospital.'


      Das ist genau der Punkt, den ich immer wieder bemeckere: Es wird vieles als selbstverständlich angesehen oder von den anderen Orden einfach übertragen. Fakt ist aber, dass nachweislich etliche Dokumente zwar auf ein frühes Jahr datiert sind, sogar mit dem Namen des jeweiligen Meisters, der z.B. die Statuten erlies, diese Dokumente aber zu späterer Zeit geändert oder erweitert wurden oder sogar einige Punkte gestrichen wurden. Da kenne ich viele Beispiele.

      Ich hoffe, dass da die nächste Zeit einiges neues von den Historikern kommen wird.
    • ist doch heute nicht anders wenn ich mir z.B. die Regeln und Kleiderordnung des Deutschen Roten Kreuzes in den letzten 20 Jahren anschaue hat sich die auch in Teilen geändert und altes würde übernommen.
      Anderes ist verschwunden
      War damals mit Sicherheit nicht anders als es heute ist.
      Mit freundlichen Grüßen
      Fra Marc
      http://www.kreuzfahrergemeinschaft-damiette.de
    • Hoffen wir mal dass es nochmals Historiker gibt die das angehen. Sarnowsky ist der Letzte der noch vertieft geforscht hat. Riley-Smith ist gestorben und Nicolle ist in Rente und nicht mehr erreichbar.
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      1180 n.Chr.

      A-Bischof (zum Papst reichts noch nicht).
    • Michael schrieb:

      Auch kein Zweifel, dass mit bezahlten Söldnern und Rittern offensive Aktionen und nicht nur Verteidigung betrieben wurde, so z.B. um 1170 oder um 1178/79.

      Ich habe mich mit dem Thema sehr lange beschäftigt und könnte locker 10-15 Seiten füllen um die einzelenen Quellen, die noch erhalten sind, zusammenzufassen. Evtl. tu ich das mal.
      Nur zum Verständnis - will nicht alles aufgelistet haben...

      Welcher Art sind diese Quellen? Kann ich mir das als Verträge zwischen dem Orden und diesen Söldnerführern vorstellen?
      Haben die sarazenischen Gegner dies schriftlich festgehalten? Existieren Lohnlisten für diese Söldner?

      Das wäre mal mehr als interessant.

      Heinrich von Hohenfels schrieb:

      Haben wir nicht hier in der Nummer 527 aus dem Cartulaire (Band I.) den Hinweis, dass zur Zeit von Raimond du Puy die Johanniter schon militärisch tätig waren ?
      Ja und dieser Erlaß gehört in die Zeit der Erwerbung von Margat, was ja wohl bedeutet dass das kriegerische Element noch stärker ausgebaut wurde als bisher.

      Weiterhin darf man auch nicht vergessen, dass jüngere Adelssöhne als Ritter dem Orden beitraten.
      "Eben dahin gehört es, wenn junge Edelleute, die, wie häufig geschah, in einem Ordenshause erzogen waren, nach Erreichung des vorgeschriebenen Alters ohne weiteres den Mantel der Ordensritter erhielten. Später geschah das namentlich, wenn sie sich bereit erklärten, alsbald "übers Meer zu fahren", d.h. im Morgenlande gegen die Ungläubigen zu fechten. ... Daraus erwuchs die Gefahr, daß durch den Eintritt in den Orden mittellose Edelleute sich gewissermaßen als Söldner höherer Ordnung eine gesicherte Existenz gründeten. Der in dem Orden herrschende Geist hatte von solchen Leuten eine Hebung nicht zu erwarten..." Prutz, S. 44

      Auf Grund dieser Entwicklung (und dem Verlust des Heiligen Landes) wurde ja auch auf dem Generalkapitel zu Limisso am 6. Oktober 1292 beschlossen dass nur der Meister neue Brüder aufnehmen durfte. Außer auf der iberischen Halbinsel wo noch gegen die Moslems gefochten wurde.
      Cartulaire, Nr. 4171 (III, S. 600)
      Lieber eine starke Behauptung als ein schwacher Beweis!
    • Wilfried Tenneberg schrieb:

      Welcher Art sind diese Quellen? Kann ich mir das als Verträge zwischen dem Orden und diesen Söldnerführern vorstellen?
      Nein, z.B. hat Gilber Assalit (1168) eine sehr große Menge Geld investiert um 500 Ritter und 500 Tukopolen unter das Banner von König Almarich zu stellen welcher dann Land im Süden erobern wollte wovon dann der Orden etwas abbekommen sollte.

      Zum Anderen steht in den Statuten (ca. 1181), dass die 'frere d'armes', welche nicht mit den 'frere chevaliers' (Ritterbrüdern) oder den 'freres sergens qui servent d'armes' (dienende Brüder unter Waffen) verwechselt werden dürfen, mit den gesammelten Almosen bezahlt werden. Also auch eine Art Regelung der Bezahlung, aber kein Vertrag.

      Weiter wurden bei Schenkungen von Burgen oder Gebieten diese natürlich nicht menschenleer verschenkt sondern eben mit z.B. der Burgbesatzung (s. Schenkungsurkunde von Margat).

      Wilfried Tenneberg schrieb:

      Ja und dieser Erlaß gehört in die Zeit der Erwerbung von Margat, was ja wohl bedeutet dass das kriegerische Element noch stärker ausgebaut wurde als bisher.
      Möglich, aber nicht Zwingend. Was war denn der Grund warum Margat an die Hospitaliter ging?


      Es gibt drei erhaltene Briefe von Ranghohen Hospitaliern, die die Schalcht bei Hattin und den Verlust von Jerusalem dokumentieren. Kein Wort darin vom glorreichen Kampf der Hospitaliter-Ritterbrüder. Allerdings wird der Kampf der Templer bei Hattin festgehalten.

      Ganz anders der Brief des Meisters Jean de Villiers, der die Verteidigung von Akkon (1291) beschreibt. Hier wird der Kampf der Hospitaliter und auch der Templer sehr detailiert beschrieben.

      usw. usw.
    • Heinrich von Hohenfels schrieb:

      Wir haben also auf der einen Seite Brüder des Ordens, die im Hospital tätig sind und auf der anderen Seite haben wir Ritter und Sergeanten, die keine Brüder waren und vom Orden bezahlt wurden. Das soll über 40 Jahre so gewesen sein ohne, dass da auch mal Kämpfer Brüder im Orden wurden?

      Michael schrieb:

      Kein Zweifel, dass spätestens ab ca. 1140 Söldner oder Ritter bezahlt wurden um die Burgen zu besetzen und Pilgerschutz zu betreiben.
      Ich möchte zur "Militarisierung des Ordens" noch eine Passage aus "Die Ordensregel der Johanniter/Malteser" von Gerad Tonque Lagleder (S. 41) hier im Thema lassen.

      Lagleder schreibt, dass König Fulko III. von Jerusalem im Jahre 1131 Raimund de Puys mit der Verteidigung der Stadt Beereseba betraut. Weiterhin übertrug er 1136 die Grenzburg Beit Dschibrin und 1142 die Burg Krak des Chevaliers dem Orden. Diese sollten ebenfalls durch den Orden verteidigt werden.

      Er schreibt weiterhin, dass unter der Leitung Raimund's der Orden (nach dem Vorbild des Templerordens) neben den sozial-caritativen eben auch militärische Aufgaben übernahm (vgl. die Bulle Papst Innozenz II. *Quam amabilis Deo* 1131, deutsche Übersetzung bei WIENAND, a.a.O., S. 599f). Unter der Leitung von Raimund de Puys sei es (laut seiner Einschätzung) zur Dreiteilung der Ordensmitglieder in Priester, Ritter und "dienende Brüder" gekommen.
      Beste Grüsse, Thomas :bye01
    • Ja, aber die allgemeine Meinung ist der Auffassung dass es sich um Söldner handelt, Gastritter, verpflichtete Zeitsoldaten - was auch immer.
      Dass der Orden Mitte 12. Jhdt. militärisch aktiv war steht außer Frage.

      Es gibt wohl erhaltene Verträge über die Verpflichtung von Söldnern. (Auf Malta haben auch nicht nur die Ritter gekämpft...)

      (Ich habe einen alten Vertrag über die zeitlich begrenzte Miete eines Autos.
      Heißt das automatisch dass ich kein Auto besitze?)

      Bei Hans Prutz steht viel zum Thema Militarisierung des Ordens, habe ich ja teilweise schon angeführt.
      Von Prutz gibt es aber noch mehr Publikationen, evtl. findet sich da was.
      Lieber eine starke Behauptung als ein schwacher Beweis!
    • 10 Historiker, 10 Meinungen :)

      Aber eben nur 'Meinungen'. Wie schon geschrieben ist in der Vergangenheit immer davon ausgegangen worden, dass es schon sehr früh Ritterbrüder im Orden gab. Dies sollte durch alle Möglichen Quellen, zum Teil auch aus dem 14. und 17. Jahrhundert belegt werden. Die neuere Forschung sieht, wie oben schon geschrieben, ein frühes Auftauchen von Ritterbrüdern eher skeptisch.

      Quam Amabilis Deo von 1131 hat sich als Fäschung aus den 1180ern herausgestellt. Trotzdem wirft diese Bulle einige Fragen auf:
      - Bei Übersetzungen ist stehts die Rede von Pilgern, die auf den Wegen durch bezahlte und gut ausgebildete 'Diener' beschützt werden sollen. Im Original steht aber an der Stelle nicht Pilger sondern 'fratres', also Brüder. Jetzt könnte man annehmen, dass im christlichen Glauben eben jeder männliche Christ ein Bruder im Sinne der christlichen Gemeinschaft ist. Dann würde es passen, dass man in diesen Fall fratres mit Pilger übersetzt. Aber dann stellen sich wieder zwei neue Fragen:
      1. Gab es nur männliche Pilger? Möglich?
      2. Muss man auch an anderen Stellen fratres nicht mit 'Bruder des Ordens' sondern eher mit männlichen Christ übersetzen (ist natürlich Kontextabhängig)?

      Ich sehe es eher skeptisch, dass der Besitz einer Burg im Grenzland ein Beleg dafür ist, dass es Ritterbrüder im Orden gab, die die Profeß ablegten. Ich bekomme die beiden Sachen irgendwie nicht zusammen...

      Ausserdem sehe ich es nicht als Beleg für Ritterbrüder wenn ein weltlicher Ritter in den Orden eintritt (s. Riley Smith). Hatten dann die Benediktiner auch Ritterbrüder wenn ein Adliger oder Ritter dort eintrat? Sicher nicht!

      Dass die Burgen zur Verteidigung übergeben wurden ist nur Annahme. In den Verträgen konnte ich da nichts finden. Aber das ergibt sich natürlich Aufgrund der Lage der Burgen. Allerdings wurde nicht nur die Burg an sich sondern zusammen mit Dörfern die dazugehörten übergeben. Diese waren wohl für den Orden eher interessant, da diese Rohstoffe lieferten (s. Brotverordnung von 1176).

      Wilfried Tenneberg schrieb:

      (Ich habe einen alten Vertrag über die zeitlich begrenzte Miete eines Autos.
      Heißt das automatisch dass ich kein Auto besitze?)
      :thumbsup:
      Wenn aber alle, die Dich kennen immer nur sagen, dass Du ein Auto gemietet hattest, Du keine Werkstattrechnungen für dieses Auto hast, keine Steuerbescheide, keinen Versicherungsnachweis und auch keinen Kaufvertrag, keine Bilder, dann wird es schwierig zu beweisen, dass Du selbst ein Auto hattest...???
    • Wenn ich den Prutz jetzt richtig in Erinnerung habe (er ist mal wieder in der Bibliothek und ich habe jetzt sowieso keine Zeit reinzulesen)
      dann liegt die Wiege der Hospital-Ritterbrüder in Spanien.

      Ja - Spanien der Sonderfall. Aber mitnichten uninteressant.
      Evtl. sollte jemand von Euch auch in dieser Richtung recherchieren.
      Lieber eine starke Behauptung als ein schwacher Beweis!
    • Ich glaube Du meinst diese Stelle bei Prutz:

      'Welche Bedeutung der Orden bereits für den kampf gegen die Ungläubigen hatte, zeigt das im Oktober 1131 während der Belagerung von Bahonne aufgesetzte Testament des Königs, das ihn, die Templer und das Heilige Grab zu Erben von je einem Drittel seines Reiches einsetzte. Das hätte doch aber keinen Sinn gehabt, wäre der Orden nicht schon in einer Weise militärisch organisiert gewesen, die eine Bürgschaft dafür gab, er werde das ihm
      zugefallene Land auch gegen die Ungläubigen zu behaupten vermögen.'


      Quelle:
      Die geistlichen Ritterorden; Ihre Stellung zur kirchlichen, politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung des Mittelalters
      Hans Prutz; 1908; Berlin; S.299

      Wenn man der Meinung von H. Prutz glaubt, dann würde das bedeuten, dass die Kanoniker vom Heiligen Grab ebenfalls militarisiert waren, da diese eben auch ein Drittel des Königreichs geerbt hätten...

      Im dem besagten Testament des Königs steht folgendes:

      '...Itaque post obitum meum heredem et successorem relinquo michi Sepulcrum Domini quod est Jherosolimis et eos qui observant et custodiunt illud et ibidem serviunt Deo, et Ospitale pauperum quod Jhierosolimis est, et Templum Domini cum militibus qui ad defendendum christianitatis nomen ibi vigilant. His tribus totum regnum meum concedo. Dominicatum quoque, quem habeo in tota terra regni mei, principatum quoque et jus quod habeo in omnibus hominibus terre mee, tam in clericis quam in laicis, episcopis, abbatibus, canonicis, monachis, obtimatibus, militibus, burgensibus, rusticis et mercatoribus, viris et mulieribus, pusillis et magnis, divitibus ac pauperibus, Judeis etiam ac Sarracenis, cum tali lege et
      consuetudine quali pater meus et frater meus et ego actenus habuimus et habere debemus. Addo etiam militie Templi equum meum cum omnibus armis meis; et, si Deus dederit michi Tortosam, tota sit Ospitalis Ihierosolimitani.....'


      Quelle:
      Cartulaire I; S.85; Nr.95

      Übersetzung:

      '...Deshalb überlasse ich nach meinen Tod mein Erbe und meine Nachfolge dem Grab des Herrn, welches in Jerusalem ist, und jenen die es dort verehren und bewahren und daselbst Gott dienen, und dem Hospital der Armen welches in Jerusalem ist, und dem Tempel des Herrn mit den Rittern die im Namen des Christentums dort schützend wachen. Diesen Dreien überlasse ich mein ganzes Königreich. Auch die Grundherrschaft, die ich im ganzen Land des Königreichs habe, auch die Herrscherwürde und das Recht aller Menschen, die ich in meinen Land habe, an Klerikern sowie an Laien, Bischöfen, Äbten, Kanonikern, Mönchen, Optimaten, Rittern, Freien (Bürger), Bauern und Händlern, Männer und Frauen, Schwachen und Starken, Reichen wie Armen, Juden und auch Sarazenen, sollen sie mit solchen Recht und Gewonheit besitzen, wie sie mein Vater und mein Bruder und ich bisher innehatten. Auch gewähre ich den Templern meine Pferde und alle meine Waffen; und, wenn Gott mir Tortosa gegeben haben wird, gehöre es ganz dem Jerusalemer Hospital....'

      Von einer bereits erfolgten Militarisierung kann nicht die Rede sein. Er beschreibt genau die Aufgaben der drei Gemeinschaften:
      - Heiliges Garb => geistliche Aufgaben
      - Hospital => Armenfürsorge
      - Templer => Schutz und Kampf

      Nur die Templer bekommen Pferde und Waffen (Rüstungen). Auch war die Präsenz der Templer und Hospitaliter um 1130 im Spanien verschwindend gering (siehe: Die Ritterorden und der Orden vom Heiligen Grab auf der Iberischen Halbinsel; Nikolas Jaspert; 1998; S.391).

      Richtig gut finde ich die Aufzählung der Kleriker und Weltlichen nach Wertigkeit. Das war im Mittelalter stets Gewohnheit oder Pflicht, die Höhergestellten zuerst zu nennen. Man sieht aus diesem Testament die verschiedenen Schichten an Leuten, die sich im Königreich aufhielten. Interessant ist, dass zu dieser Zeit (1131) das Wort 'obtimatibus' und noch nicht 'nobilibus' (die Adligen) für den höchsten weltlichen Rang nach dem König genutzt wurde.
      Auch die 'burgensibus' sind in dieser Zeit wohl eher die 'Freien' als die 'Bürger', wie man es heute nennen würde. Was mir fehlt sind allerdings die
      Handwerker (z.B. Schmied, Zimmerer usw.). Waren diese Freie?

      Wilfried Tenneberg schrieb:

      Ja - Spanien der Sonderfall.
      Ja, Spanien war ein Sonderfall im Vergleich zu Frankreich oder England, da sie im Gegensatz zu diesen Ländern eine umkämpfte Grenze hatten. Aber im Vergleich zum Heiligen Land war es eher kein Sonderfall sondern ähnlich. Ich bin davon überzeugt, dass die Ritterbrüder eher im Umfeld des
      Meisters, und wahrscheinlich auch mit Zustimmung des Papstes, auftraten. Spanien würde ich ausschliessen, denn dort gab es genügend andere Orden, die den Kampf aufnahmen.

      Ich befürchte, dass man im Moment dabei bleiben muss, dass die ersten Ritterbrüder nach dem Fall von Jerusalem (1187) und vor den Statuten von Margt (ca. 1205) auftraten. Eine Militarisierung, also das anwerben von Rittern oder Kampffähigen, fand schon deutlich vorher statt (1168: Angriff auf Ägypten bzw. ca. 1178: Schreiben vom Papst).

      Viele der Bekannten Quellen halten einer genaueren Untersuchung nicht stand:
      - Statuten von Roger des Moulins mit der Erwähnung der 'Waffenbrüder'.
      - Schlacht von Cresson (1187) mit dem heroischen Tod von Roger des Moulins (nach arabischen Quellen wurde der Meister des Hospitals gefangen genommen)
      - Schlacht bei Hattin (1187) mit der anschließender Hinrichtung von Templern und Hospitalitern

      Was vor 1188 noch bleibt:
      - Zum Einen die Annales Cameracenses (G. H. Pertz, MGH SS, 16, 1859; S. 547) von Lambert Wattrelos. Er schreibt, über den Meister Gilbert von Assalit (1168) und bezeichnet ihn als starken Krieger und dass er die Stadt Bilbais eingenommen hätte. Aber er bezeichnet Gilbert als 'Herr des Hospitals' und als 'princeps'. Ganz davon abgesehen, dass Gilbert höchstwahrscheinlich gar nicht bei dem Ägyptenfeldzug dabei war, sondern das Hospital nur Ritter und Turkopolen bereitstellte, die unter König Almarich gestellt wurden (siehe Brief von König Almarich an Meister Gilbert). Stellt sich die Frage warum Lambert nicht den Titel 'Meister' nutzte? Hatte der Mönch überhaupt das Wissen darüber oder bekam er seine Informationen eher von Dritten? Zumindest hielt er sich, wahrscheinlich die meiste Zeit seines Lebens (-1170), in Nordfrankreich auf.

      - Zum Zweiten, die mehrmalige Erwähnung von Raimund (von Tiberias) als Marschall (oder auch nicht) unter dem Meister Gilbert von Assalit (Meister von 1163 - 1169). Doch diese Erwähnungen sind sehr schwammig und meiner Meinung nach nicht wiklich aussagekräftig (ich werd da bei Gelegenheit noch was dazu schreiben).

      Aber diese zwei Punkte lassen sich bisher nicht Eindeutig wegdiskutieren aber auch nicht Eindeutig bestätigen...