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Schuhwerk im Herbst/Winter

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    • Schuhwerk im Herbst/Winter

      Hallo zusammen. Hier ein weiteres Beispiel zum Thema (Die Saison fällt aus und mir ist öd ;-)" Ich habe die Tage hin und her überlegt, was der geneigte Germane denn als Schuhwerk trug, wenn es richtig nass und kalt wurde. Wadenwickel als Sockenersatz ist klar, aber die werden auch ganz doll naß irgendwann. Hat irgendwer Funde oder Links parat wo drüber spekuliert wird? Die Bundschuhe sind ja jetzt nicht sooo die dichten welchen ;) und ob es im 1.-3. Jahrhundert schon Wendeschuhe gab? Vielleicht hat ja wer nen Tip?
    • Ich habe gerade mal kurz Archaeologgical footware von Volken durch geblättert: Aus dem 1.-3. Jhd. gibt es einiges an Bundschuhe, auch aus dem germanischen Bereich. Geschlossene Schuhfunde gibt es dann eher in römischen Gebieten (Saalburg, Mainz, Welzheim) verschiedene, die meistens mehrteilig mit angesetzter Sohle sind.
      Was ich an Wendeschuhen oder geschlossene, einteilige Schuhe in Erinnerung habe, so treten sie dann eher ab dem fünften Jahrhundert auf.
      Viele Grüße, Anya
    • In Archaeological Footwear werde ich auch reinschauen und dann noch in STEPPING THROUGH TIME. Würde mich nicht nur auf Funde im Germanische Raum beziehen. Besonders im Grenzraum wurde auch zwischen den beiden Handel getrieben. Vor allem einfache Schuhe findet man oft im ganzen europäischen Raum.
      Wäre nur eine Religion in der Welt, so würde sie stolz und zügellos despotisch sein.
      (Friedrich der Große)

      Lis und Hermann
      Lisabeth und Hermann - Reiseerlebnisse
    • Hier habe ich zwei Schuhtypen die in Frage kommen könnten. Vor allem der Fund aus Welzheim ist sehr naheliegend, dass er auch von den Germanen getragen wurde. Welzheim war in der Nähe einer Grenzanlage der Römer.
      Man sollte sich aber eher fragen, wie haben sie ihre Füße und Schuhe geschützt gegen Nässe und Kälte?
      (Quelle: Archaeological Footwear: Development of Shoe Patterns and Styles from Prehistory Til the 1600's)
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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Hermann ()

    • Ich habe mal schnell online geschaut und habe welche bei "Primitive shoes by Margrethe Hald" gefunden. Von der Zeit her sollten sie passen.
      Fund Ort ist Trondheim, aber es soll wohl Vergleichfunde in Süd Schleswig und Holstein geben.
      (Quelle:primitive shoes by margrethe hald)

      Gesamtes PDF findet ihr hier:

      Primitive shoes by Margrethe Hald
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    • Aber wenn vorrömisch, dann etwas zu früh. Es gibt noch einFund aus Mainz von einen Halbstiefel, aber da habe ich kein Fundbild. Der Fund soll aus dem 1. JH stammen.
      (Quelle: knieriem.net/)
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    • Nun, ich denke, ich werde meine Darstellung ein paar Jahrhunderte später ansetzen müssen, wenn ich so wenige Kompromisse wie möglich eingehen will. Das wäre insofern noch nicht so tragisch, da ich mich mit meinen bisherigen Klamotten noch nicht sooo arg auf eine Zeit festgelegt habe. Ich entsinne mich vage, irgendwo etwas über Wendeschuhe gelesen zu haben, die auf das 4./5. Jahrhundert hindeuten. Der Lechrain, eine Gegend, die an meine Geburtsstadt Schongau angrenzt, wurde ja bereits im 5 Jahrhundert von den Alamannen besiedelt. Das wäre ja dann eine Möglichkeit, da ich keine große Lust mehr habe, Kompromisse einzugehen ;)
    • Stichwort Einlagen - geht eigentlich recht vieles. Habe da auch schon eine Menge gemacht wie zB. für meinen Sohn Schafsfell passend ausgeschnitten, das Fell entwas kürzer geschnitten. Bei "Kämpfern", die in ihren Schuhen rutschen, Ledersohle mit der rauhen Seite nach oben. Gekämmte Wolle gleichmäßig verteilen, ergibt dann durch den walk eine schöne Filzsohle. Aber auch Blätter, Gräser oder Moose sind möglich. Da sollte man einfach mal was ausprobieren. Zu bedenken ist lediglich, je nach dem wie viel Füllung als Sohle genommen wird, kann der Schuh gedehnt werden. Einfach was ausprobieren & Erfahrungen sammeln. Das ist eine ganz gute Methode.

      Was Schuhwerk im Winter angeht, erzähle ich gerne folgende Geschichte: mein alter Herr Baujahr 1941 hatte 10 Geschwister. Die sind auch im Winter barfuß unterwegs gewesen, weil es mitten im 2. WK im ehem. Jugoslawien keine Schuhe gab. Der Mensch ist recht anpassungsfähig. Heutzutage kann man sich das sicher schwer vorstellen - man bedenke, wie viele Menschen auch heute noch barfuß unterwegs sind. War damals sicher immer abhängig vom Geldbeutel & verfügbaren Ressourcen. Wenn kein Leder gegerbt wird, kann man sich keine Schuhe machen....
    • Mit den Schuhen ganzjährig in den Stallungen zu arbeiten, könnte auch einen Effekt auf die Wetterfestigkeit haben. Aber was durchaus zu überlegen wäre, welchen Grund der damalige Mensch gehabt haben könnte, sich bei schlechter Witterung im Freien aufzuhalten und wie lang die jeweilige Arbeit gedauert haben könnte... Machen da Winterschuhe überhaupt Sinn?
      ...alle sagten immer: "Das geht nicht!" - doch dann kam einer, der wusste das nicht und hat es einfach getan...
      ...diese Signatur kann Spuren von Soja oder Erdnüssen enthalten...
    • Je länger ich drüber nachdenke, desto eher gebe ich Dunio Recht. Ich denke, ich bin vom falschen Standpunkt ausgegangen, nämlich von der Sichtweise des modernen Menschen, der auch bei schlechtem Wetter mal rausgeht, weil jede Grippe/Erkältung nicht unbedingt ein großes medizinisches Problem darstellt. Ich könnte mir vorstellen, das man die Wege im Freien auf ein Minimum beschränkt hat, und sich dann wohl auf irgendeine Art und Weise, wie weiter oben vorgeschlagen, beholfen hat. Nur werden wir das nicht rauskriegen, weil die Beweismittel bestimmt schon den Weg alles Irdischen gegangen sind. Somit bleibt hier wohl nur theoretisieren über. Tacitus hätte ja mal über die wirklich wichtigen Dinge schreiben können ;)
    • Wenn man einen Großteil seiner Zeit draußen verbringt, härtet das ziemlich ab. Deswegen zweifele ich gerade ein wenig, ob die Menschen damals sich genauso schnell eine Grippe eingefangen haben wie die 'verweichlichten' Büromenschen heutzutage.

      Auch im Winter muss man raus... Holz holen, Fischen, Jagen...

      Wenn man den Erfahrungen aus dem Reenactement glauben schenken darf, wirkt schon eine Handvoll Stroh in den Schuhen wahre Wunder gegen Kälte und Nässe, und z.B. in Haithabu gibt's einen Fund von einer Einlegesohle aus grobem Wollstoff.