Beinlinge und Bruche für kleine Jungs (um 1300)

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Hallo zusammen Ab welchem Alter trugen Buben Beinlinge und Bruche? Junior ist jetzt etwas mehr als 3 Jahre alt und braucht auch keine Windeln mehr. Bis jetzt hab ich ihm Leggins nach modernem Schnitt, aber aus Leinen genäht. Damit sie etwas dehnbar waren im schrägen Fadenlauf zugeschnitten und der Bequemlichkeit wegen im Bund einen Gummizug rein gezogen. Bis jetzt ist das ok gewesen, aber höchst wahrscheinlich wird er im Frühling ein neues Gewand brauchen. Soll ich ihm nochmal solche Leggins nähen oder "darf" er bereits Beinlinge und Bruche tragen? Gehabt euch wohl. Eure Zauberin
 
Haben wir zunächst so ähnlich gemacht. Danach habe ich dann zunächst die "Leinen-Leggins" mit Gummizug und die Beinlinge (ohne Fußteil) so miteinander verbunden, dass man alles zusammen an- und ausziehen konnte. Denn auch wenn sie keine Windeln mehr brauchen ... manchmal muß es dann doch noch recht schnell gehen. Ausserdem kann der Junge Mann sich dann auch anschliessend selbst wieder anziehen.
 
Genau, es muss praktisch sein weil es manchmal schnell gehen muss. Und doch wollen die kleinen Jungs schon wie die Grossen aussehen. Das ist das aktuelle Gewand: http://www.bilder-hochladen.net/files/big/8f66-id-9b69.jpg (Quelle: eigenes Bild) Der grosse Haufen Stohballen in Burgdorf ist immer DAS "Spielzeug" für die Kinder. ;) Das Foto ist vom August 2014, aber seither ist Junior ziemlich gewachsen.
 
Ganz leicht lässt sich das natürlich nicht beantworten, da über die Kleinkinderbekleidung sehr wenig geschrieben wurde, und auf den meisten Abbildungen kann man das Kindesalter schwer abschätzen. In "Kindheit im Mittelalter" von Shulamith Shahar geht sie auf die Phase nach Ende des Wickelns ein, also zur wirklich beginnenden Mobilität. Da wird nur von Kitteln und weiten Hemden gesprochen. Oft, gerade bei Knaben, auch von deren Drang zur Nacktheit. Die zeitgenössischen Abbildungen zeigen Kleinkinder immer in Hemdchen oder knöchellangen Röcken. Schuhfunde für Kleinkinder gibt es, obwohl die Kinder oftmals blossfüßig dargestellt werden. Bruoche und Hosen würde ich in dem Alter ausschließen wenn man wirklich mit Quellen arbeiten will !!! Und moderne Lösungen mit Gummizug sind sowieso ... naja, eh! ;-)
 
Alternative zum Gummizug wäre, dass ich ein Bändchen rein ziehe und dann einfach binde. Nur ist das eigentlich auch nicht so wirklich passend und Junior finden Bändel unglaublich toll zum spielen - und ich bin ständig am zubinden. Es muss nicht 100% authentisch sein, sollte aber doch gut aussehen und einigermassen "passen". Der Gummizug ist dieses Jahr halt einfach gewesen weil er für unterwegs noch Windeln hatte, aber das ist jetzt vorbei. Wie ihr auf dem Bild seht ist sein Kittel langsam aber sicher etwas kurz und im Frühling wird er in der Weite wohl nicht mehr passen. Die Kleinen wachsen ja so schnell... Alternativ könnte er natürlich das Kittelkleidchen von seiner Schwester tragen wenn ich es kürze, aber das hat hinten eine ziemlich lange Schnürung und da müsste ich massiv ändern. Mit 3 Jahren, im August wird er 4, ist Junior absolut mobil, rennt herum, klettert überall rauf und entdeckt die Welt - und geht auch mal an einem Markt allein auf Entdeckungs-Tour. So geschehen in Burgdorf wo er am anderen Ende vom Markt im Lager gefunden und angesprochen wurde - nicht weil er geweint oder nach mir gerufen hat, sondern einfach weil er allein unterwegs war. Auf die Frage wie denn sein Mami heisst hat er wahrheitsgemäss "Mami" geantwortet. Die Frau hat ihn dann auf ihre Schultern gesetzt und ihm gesagt, dass er sagen soll wenn er sein Mami sieht. Warum er davon gelaufen ist? Es ist ihm langweilig gewesen und irgendwie ist es ihm nicht in den Sinn gekommen, dass er es ja mir sagen könnte. Anscheinend sind die Strohballen nur mit seiner Schwester zusammen interessant, denn sonst hätte ich ihn dort gefunden. Wie ihr seht ist er sehr aktiv und da ist ein langer Kittel nicht mehr so passend. Irgendwie sollte er aber doch seine Beine "bedeckt" haben. Besonders wenn wir Anfangs April an den ersten Markt in Luzern gehen wo es schnell mal kühl und/oder windig sein kann.
 
Nun, dieses Thema befindet sich im "Living History und Reenactment"-Bereich, da setze ich ich quellenbezogene Qualität an. Es gibt in der Lilienfelderhandschrift von 1350 eine Übersicht der Lebensalter (Quelle: IMAREAL http://tethys.imareal.sbg.ac.at/realonline/images/7005063.JPG für Säugling bis Kleinkind und http://tethys.imareal.sbg.ac.at/realonline/images/7005064.JPG für ältere Kinder und Jugendliche). Einen 4-Jährigen würde ich klar zwischen der mittleren und oberen Abbildung sehen, denn auf dem zweiten Blatt wirkt der Junge schon deutlich älter (Kreisel treibend), da würde ich schon so gegen 10-12 tendieren. Das ist natürlich Gefühlssache. Jedenfalls braucht ein 4-jähriger auch gemäß der Textquellen gar keine Hosen, die verrichten ihr Geschäft gemäß der Schriftquellen ohnehin jederzeit und überall und müssen dafür nur das Hemdchen heben. Mit langem Pfaid (Unterhemd) und langem Rock, mit Strümpfen (die nicht belegbar aber wohl notwendig sind für die Füße) und einfachen Schuhen ist er hinreichend bekleidet. Wenn es doch zu kalt sein sollte, würd ich ihm eine zweite Schicht Wolle als Überrock machen. Fazit: historische Hosen und Bruoche sind in keinster Weise für das Kleinkindalter belegbar, und Diskussionen über wilde Beinbedeckungskonstruktionen mit welcher Verschlußart auch immer sollten wir dann in den Larp- und Fantasy-Bereich verlegen, das passt hier nicht her :)
 
An Deiner Stelle würde ich auf Bruche und Beinlinge noch verzichten. Ersten ist, wie Niklas schon schrieb für das Kleinkindalter nichts zu finden, was auf diese Kleidung hindeutet und zum zweiten ist es meiner Meinung nach da auch noch extrem unpraktisch. Mach es so, wie Niklas Dir vorgeschlagen hat und zieh dem Kind bei kaltem Wetter dicke Strümpfe an. Irgend ein Provisorium tut dann auch gar nicht nötig. Bei unseren beiden haben wir erst ab sechs Jahren mit Beinlingen angefangen.
 
@Niklas: Historisch betrachtet hat Du natürlich recht. Die Anfrage der Zauberin lief aber am Ende mehr auf die Frage "Leggins, oder Brouche" hinaus. Dazu wollte ich ihr einen praktischen Weg aufzeigen. Natürlich haben wir unserem Junior zunächst auch nur das Hemdchen angezogen. Leider sind mir dann aber bei einer Veranstaltung männliche Besucher aufgefallen die auffällig oft fotografierten wenn das Hemdchen beim Spielen (insb. im Stroh) hochrutschte und die ebenfalls hist. korrekte, nähmlich nicht vorhandene Unterwäsche preisgaben. So etwas muß ich meinem Kind nicht antun!!! "Living History" hin, oder her. Niklas, wie hast Du das Problem denn bei Deinen eigenen Kindern gelöst?
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Historisch gesehen hat es ja gar keine Kinderkleider wie wir sie kennen gegeben. Hosen hat es um 1300 klar noch nicht gegeben. Dass den Kleinen unter dem Kittelchen nichts angezogen wurde ist halt am einfachsten gewesen - besonders wenn sie die Windeln noch nicht lange los waren. Wie Fridebarth sagt gibt es leider immer Leute die ALLES fotografieren müssen - auch was die Kleinen "drunter" tragen oder eben nicht tragen. Und für die ganz Kleinen ist es sehr interessant bei den grösseren Kindern den Saum zu lupfen und drunter zu schauen - hat Junior eine Weile lang bei mir gemacht als er noch jünger war. Und beim klettern sehen Fremde manchmal auch ungewollt "drunter". Solche Sachen möchte ich nicht. Das mit den Leggins ist eine Notlösung gewesen. Es ist zu warm für Strumpfhosen - machen wir wenn es wirklich kühl ist - und doch zu kalt für ohne etwas an den Beinen gewesen. Da ich grad noch genug Leinenstoff und ein passendes - leider modernes - Schnittmuster hatte hab ich ihm die Leggins genäht. Wir sind mehr als nur einmal froh darum gewesen. Alternativ wären wohl auch einfach Wadenwickel etwas gegen kalte Beine. Aber ist das für ein Kind bequem und rutschen die nicht ständig runter?
 
Living History hin oder her, ich finde das Kinder eine Sonderrolle haben ! Es war auch normal die Mädchen früh und gegen ihren Willen zu verheiraten, Kinder mussten früh arbeiten, die Säuglingssterblichkeit war hoch ... Bei aller Authentizität finde ich muss sich niemand dafür entschuldigen, wenn Kinder Sonderrechte haben, und einfach normale moderne Kinder im Kostüm sein dürfen. Ebenso ist zu bedenken, das die Kinder einem manche Dinge später einmal krumm nehmen, dazu gehören ganz gewiss Fotos die für alle Zeit im Internet geistern, die dann Jahre später auch noch einen Ausbilder belustigen. Als Familie steht und fällt das Hobby, wenn die Kinder sich weigern mit zu ziehen, auch das geht oft nicht ohne Zugeständnisse. Gummizug in der Kinderhose ? Nur zu.
 
Es geht mir nicht darum mich für etwas zu rechtfertigen. Es ist einfach so, dass Junior im Frühling wohl ein komplett neues Gewand braucht. Ich werde also sowieso für ihn nähen müssen und mit dem Thema "Beinlinge und Bruche" werde ich mich je länger je mehr auseinander setzen müssen. Ihm gefällt sein Gewand und darum möchte ich es nicht komplett ändern und irgend einen "Murks" machen nur damit es authentisch ist. Im Moment muss es ihm vorallem wohl sein und sollte nicht irgendwo zwicken beim spielen. Die Bruche ist ja eigentlich wie eine weite Unterhose. Wenn ich jetzt statt dem Bruchengürtel einen "unterbrochenen Tunnel" mache und ein Band rein ziehe wäre es für Junior bequemer. Die Beinlinge könnte ich ja auch einfach direkt am "Bein" von der Bruche befestigen - und dafür etwas kürzer machen - damit es für Junior einfacher wird wenn er mal aufs WC muss. Sieht authentisch ist und ist doch bequem und praktisch. Was haltet ihr davon? Hobbys in der Familie sind so eine Sache. Nicht allen gefällt alles. Mein Mann kann mit dem Mittelalter absolut gar nichts anfangen und ist dafür im Schützenverein aktiv, die Kinder kommen bis jetzt sehr gern mit. Töchterchen hat kürzlich gemeint, dass sie ein Gewand haben möchte das so ist wie meines - also mit Unterkleid. Momentan muss sie sich aber noch mit einem "Standard"-Kleidchen das ich secondhand kaufen konnte zufrieden geben. Mal schauen wie es weiter geht und wie lange sie noch mit machen möchte. Junior findet es einfach cool wenn er sein "Röckli" und die "lustigen Hosen" anziehen darf. Und beide finden den Leiterwagen toll zum drin sitzen - und ich verliere die Kinder nicht wenn wir irgendwo umsteigen müssen. ;)
 
Ich habe als "GroMi" hier vermutlich kein Stimmrecht, aber ich kann diesen Beitrag völlig nachvollziehen. Bei der Gesundheit der Darsteller hört das große "A" auf. Das gilt für Antibiotika, Notfallmedizin, aber auch für die seelische Gesundheit der Kinder. Ich würde meine Kinder nicht "unten ohne" über einen Markt laufen lassen. Das ist in der heutigen Gesellschaft ein No-Go. Bei mir im Garten ist das anders, aber da laufen auch keine Touris mit Kamera durch die Gegend. "So authentisch wie möglich", aber nicht auf Kosten der KInder. Das wäre meine Devise.
 
Es geht mir nicht darum mich für etwas zu rechtfertigen.
Das habe ich auch nicht so verstanden. Die Idee eine Lookalike Bruche mit dauerhaft befestigten Beinlingen zu machen, hatte ich damals auch. Umgesetzt habe ich das allerdings nie, weil mein Sohn das Hobby schnell doof fand.
 
Wie lange Junior mit machen möchte ist im Moment noch schwer zu sagen. Er ist ja erst 3 Jahre alt, findet aber halt, dass er schon "ein ganz grosser Bub" ist weil er in die Spielgruppe geht. Und "grosse Buben" dürfen auch so wie die "Grossen" angezogen sein. Ich denke ich werde das mit der Lookalike Bruche mal ausprobieren. Mal schauen wie gut das klappt mit nähen. Vielleicht krieg ich die sogar so hin, dass sie bis zu einem gewissen Grad mit wächst. Das Resultat werde ich euch selbstverständlich dann zeigen. Die Bruche selber ist ja wie alle Unterwäsche aus weissem Leinen, Beinlinge sind aber oft farbig. Gleichzeitig wurde aber soviel ich weiss Leinen nicht gefärbt. Korrigiert mich wenn ihr mehr wisst! Eine "moderne" Farbe möchte ich nicht weil die oft zu knallig sind. Wollstoff möchte ich für Junior noch nicht damit ich die Sachen wenn nötig gut waschen kann. Soll ich den Leinenstoff für die Beinlinge färben lassen?
 
Statt Leinen färben zu lassen würde ich einen farbigen und weißen Stoff kaufen. Oder aber fertig gefärbte günstige Wollstoffe. Vielleicht kann Dir ja auch Jemand etwas anbieten, wo die eigenen Kinder herausgewachsen sind ? (meine sind fast erwachsen, da sind die Sachen längst weiter gewandert)
 
Warum ziehst Du Deinem Sohn nicht einfach eine normale Unterhose satt "looklike" drunter? Wenn es Dir nicht um historisch korrekt geht, sehe ich das eigentlich als geignetste Lösung an. Mit pflanzengefärbt bei Kindern direkt auf der Haut bin ich mitlerweile ein wenig skeptisch. Krapp gilt als Krebsverdächtig, Alaun ist ein AluminiumKaliumsulfat. Hm. Und gefärbtes Leinen gab es zwar, ist aber als Kleidungstoff umstritten und wenn eher selten gewesen.
 
OT : Krapp gilt bei oraler Einnahme als Krebsverdächtig. Krapp ist Bestandteil von Medikamenten zur oralen Einnahme und in diesem Zusammenhang umstritten.
 
OT. Krapp kann aber wie alle anderen Stoffe auch über die Haut aufgenommen werden und in den Körper gelangen. Ansonsten möchte ich noch einmal darauf hinweisen, was Niko auch schon geschrieben hat. Wir sind hier im Living-History-Bereich und die ursprüngliche Frage ging darum, was historisch korekt wäre. Das wäre eben Hemd, Cotte und ansonsten nichts. Daher würde ich auf jegliches Provisorium verzichten und lediglich eine moderne Unterhose und Strümpfe für drunter wählen, da ich für Kinder gewisse Freiheiten auch in der LH akzeptabel finde.
 
Den Gedanken wie Fridebarth hatte ich auch sofort - auf einem Markt und dann auch noch einen kleinen Wirbelwind, mit Erkundungsdrang, den würde ich nie "unten ohne" rumlaufen lassen. Da würde ich auch historisch-korrekt-Abstriche zugunsten der Sicherheit machen.
 

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