Elchleder - für Schuhe? - Nutzung des Elchs im Frühmittelalter in Skandinavien

This site may earn a commission from merchant affiliate links, including eBay, Amazon, and others.

Dvergr

Well-known member
Registriert
12. Okt. 2013
Beiträge
318
Reaktionspunkte
161
Ort
24103 Kiel
Ich habe bisher nicht viel dazu gefunden, also frage ich mal die Mitforennutzer. Hat jemand von euch Erfahrung mit Elchleder? Wenn ja: eignet sich Elchleder zur Herstellung von Wendeschuhen? Es soll recht weich und dehnbar sein, gleichzeitig aber auch stark und robust, vor allem gegenüber dem Einfluss von Salzwasser - klingt für mich nach optimalen Eigenschaften für Schuhoberleder. Konkret geht es mir dabei nicht um Velour- und Spaltleder, sondern natürlich um Vollleder, das eine durchschnittliche Dicke von 1,0 bis 2,0 mm hat. Weiß jemand von euch von Funden, bei denen Elchleder zum Einsatz kam? Insbesondere interessiert mich die Region Skandinavien (und deren näheres Einzugsgebiet) vom 8.-10. Jahrhundert und insbesondere natürlich Schuhe, aber auch Taschen, Gürtel etc. Das einzige, was ich fand, war ein Lederkoller von Gustav II. Adolf von Schweden aus dem Dreißigjährigen Krieg, der aus Elchleder gefertigt war, aber das ist natürlich nicht die richtige Zeit, ebenso wie die russischen Militäruniformen des 18. Jahrhunderts. Sind euch ansonsten außerhalb des Zeitraums 8.-10. Jhd. sonstige Funde bekannt, z.B. Schuhe, Taschen, Gürtel etc.? Soweit ich weiß, waren Elche in früherer Zeit (Spätantike, Zeit der Völkerwanderung) auch in Mitteleuropa verbreiteter (und in Nordeuropa/Russland ohnehin), die Frage ist nur, inwiefern sie gejagt und genutz wurden. Auch für mich interessant (ebenso skandinavisches Frühmittelalter): Elchgeweih und -knochenfunde und Produkte daraus Elchfelle Rentierfelle, -leder, -geweihe etc. Für gute Antworten, auch mit Verweisen auf Quellen, wäre ich sehr dankbar. Beste Grüße, Dvergr
 
Also.... bei Elch fällt mir in erster Linie ein, dass so ein Elch ja nicht viel was anderes ist, als ein Hirsch, nur ein bisserl größer halt. Hirsch ist das, woran man denkt, wenn man eine gute Lederhose will. Also zumindest bei uns hier und in Bayern. Hirsch als Bekleidungsleder ist über jeden Zweifel erhaben, vererbt man seinen Enkeln und so. Wenn meine Wendeschuhnähversuche nicht so erbärmlich gescheitert wären, könnte ich mir das Leder von Hirsch/Elch gut für das Oberleder vorstellen, weil haltbar und bequem. Zur früheren Nutzung: Ich weiss nur von den Haithabu-Funden, wo Knochen von Wildtieren kaum vorkommen. Ich kann mir aber vorstellen, dass das weiter nördlich oder auch weiter östlich (Rus) anders ausgesehen hat. Das Vorhandensein von Geweihprodukten ist übrigens kein Beleg für die Jagd (und somit für Leder), weil Abwurfstangen gesammelt werden können. Bei Produkten vom Ren muss man sicher aufpassen, ob es Dinge von Wikingern oder von Lappen sind, wer von den beiden sie hergestellt und wer sie benutzt hat.
 
Hallo Dvergr, für Lederfunde vom 8.-10. JHD in Skandinavien "und Einzugsgebiet" und insbesondere Schuhe fällt mir natürlich Haithabu und da dann natürlich "von Waateringe, Willy Grönmann: Die Lederfunde von Haithabu. Neumünster 1984." an. Das ist natürlich für Dich schon sehr südlich - vielleicht sogar zu südlich. Aber vielleicht ist es trotzdem interessant: Dort findet sich auf Seite 13 eine Grafik zum quantitativen Verhältnis der Funde zueinander, deren Lederart noch bestimmbar ist. Die überragende Mehrheit fällt da auf Ziegenleder. Gerade mal ein Drittel so oft wurde Kalb festgestellt und noch ein wenig weniger Rind. Sehr selten (etwa 1/10el mal so oft wie Ziege) ist Hirsch bestimmbar und damit ähnlich selten nachgewiesen, wie Leder vom Schaf.
 
Haithabu passt schon, danke Arché. Ich wälze gerade das Buch, um eventuell mehr herauszufinden, guter Tipp, danke. Und wenn's mit dem Elch doch nicht passt, mach ich mir testweise eben welche für meine Fantasydarstellung. ;)
 

Neueste Beiträge

Oben