Ich sollt dann auch mal anfangen... - Darstellung 2.Hälfte 13. Jahrhundert

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Marschall Maximilian

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Ich habs jetz lange genug vor mir her geschoben und sollt mal anfangen mir meine (zivile) Klamotte zu machen. Der erste Zwischenschritt mit dem ich zufrieden wäre, sollte aus folgendem bestehen: -Bruche & Leibhemd -Beinlinge (braun, Wolle) -Kotte (Blau, Wolle, ca. knielang) -Schuhe von CP (wenn ich wieder bei Kasse bin) -einfacher Ledergürtel -Almosenbeutel -lustige Haube mit albernen Bändeln (Bundhaube) -Kleinkram wie Messer, usw. Anfangen werd ich dann so in ca. 3 Wochen, wenn die Schule nicht mehr stresst, mit Bruche und Beinlingen, bei den Schnittmustern greif ich auf Sarah Thursfield zurück. Wenn noch wer relevante Infos hat dann bitte immer her damit. Das ganze soll dann mit der Zeit soweit ausgebaut/ersetzt werden bis ich einen meiner Vorfahren darstellen kann (niederer Adel, ca.1270, Schwaben). Meine bisherigen Gromi-Sünden seien mir vergeben :p
 
Hallo Ja das hört sich wirklich nach nem Plan an. Vielleicht darf ich deine Aufmerksamkeit auf einen Stoffsparenden Zuschnitt nach einem Fund aus Bremen für die Beinlinge lenken. Ich habe meine auch nach diesem Muster gearbeitet und sie tragen sich sehr bequem. http://www.personal.utulsa.edu/~marc-carlson/cloth/bremen2.html Quelle: Sammlung von Umzeichnungen von Originalfunden von Marc Carlson Eine Anleitung findest du mit einer Suche nach "Berwelf.de Kleidung1300.pdf"
 
ich habe vor ein paar wochen einen Artikel über Mode um 1320 geschriben, http://singalu.com/mode-um-1320.html (quelle: meine Homepage). Wie gesagt, ist 1320 aber mit ein paar einschränkungen lässt sich das warscheinlich auch auf 1270 übertagen
wink.png
. Ich habe mich vorallem mit der Adelskleidung befasst, aber da du ja eh mal da landen willst, Interessiert es dich vielleicht :) . viel spass, Singa
 
dachte ich mir schon. Hab mir nur gedacht das ich dich mit dem Artikel vielleicht 50 jahre später versetzten kann :thumbup: . Naja, muss ich evtl. noch ein paar mehr Löbe für das 14.jh einbringen :D . :back
 
Also für Bilder einer ordentlichen Adelsdarstellung braucht ihr gar nicht weit zu surfen. Schaut Euch mal die Bildergalerie von 'Der Herzog'an. Oder die Bilder auf der Seite von 'Mara'.
 
Kleiner Denkanstoß von mir: "Einfache Darstellung mit der Zeit ausbauen und ersetzen bis es niederer Adel wird" funktioniert nicht wirklich. Nehmen wir an, du legst dir dann eine lange, dunkelrote Kotte aus feiner Wolle mit Borten und kontrastierendem Innenfutter zu, da kannst du dann die braunen Beinlinge vergessen. Auch der einfache Ledergürtel tuts nicht mehr, der muss schon mindestens knielang, mit Endbeschlag und auf ganzer Länge punziert sein. Andersrum sieht der Bauer auf dem Feld mit goldbeschlagenem Gürtel über den er ständig drüberstolpert ziemlich doof aus. Im Endeffekt gibts zwei Wege das umzusetzen. 1.: Du nähst dir die einfache Gewandung, nennst dich dann Handwerker und stellst so lange feines Zeug her, bis du genug zusammen hast einen Adeligen darzustellen. 2.: Du fängst mit adeligen Schnitten, aber einfachen Materialien an, dann kannst du tatsächlich Stück für Stück austauschen, siehst allerdings am Anfang nicht sonderlich "A" aus. So hab ich das gemacht und bin damit überall angeeckt, bereue es aber kein Bisschen und würde es jederzeit wieder so machen. Wie rum dus machst, ist eigentlich egal, aber Hauptsache du fängst an und gibst auch nicht auf halber Strecke auf. Da du einen direkten Vorfahren darstellen möchtest, finde so viel über sie raus wie nur irgendwie möglich. Normalerweise sagt man, wir stellen Geschichte und nicht Geschichten dar, aber hier ist es genau andersrum. Du wirst damit jeden Jens B. in den Wahnsinn treiben, da hat der gar kein verständnis für, aber trotzdem wird deine Darstellung eine ganz andere Qualität erreichen können als erfundene Figuren. Details machen das Rollenspiel aus und das macht eine Veranstaltung erst interessant. Und während du deine verrückten Geschichten erzählst wo du herkommst und warum du so bist wie du bist, lernen die Zuschauer tatsächlich was.
 
Wie ich dann später umstelle weiß ich noch nicht so richtig, aber so in Richtung deiner Version 2 wird es wahrscheinlich schon gehen. Aber bis dahin dauert es ja auch noch ein paar Jährchen. Und für die Sache mit einfacher Klamotte bei Adligen hab ich sogar nen Beleg dafür dass es gar nicht so abwegig ist (jaja, Quellenkritik usw., ich weiß es ist sehr dünnes Eis). Was die Darstellung des Vorfahren angeht hab ich für das 13. Jhdt. leider nur Dinge wie Wappen, Name, Gegend,... jedoch keine für eine einzelne Person spezifische Geschichte, aber immerhin.
 
Klar, auch die Superreichen rennen heutzutage nicht den ganzen Tag im Maßanzug rum, trotzdem tragen die schon ganz andere Klamotten. Die Gammelkluft eines Prinzen dürfte wohl mindestens mal aus feinen Stoffen bestanden haben, die vermutlich auch alle bunt gefärbt waren. Gibt da eine schöne Abbildung von spanischen Adeligen beim Baseball spielen, die haben immernoch Halsborten, Perlenbestickte Gürtel, Schuhe mit Durchbrucharbeiten, schwarze Strümpfe... Aaaaber: irgendwo muss man anfangen. Ich hatte eine bodenlange Kotte aus weißem Leinen mit Surcot aus blauem Leinen und habe angefangen zu regieren. Jetzt, 8 Semester später, bin ich bei Brokat mit Perlenstickerei angekommen. Wenn die Arbeit gut ist, kriegst du die alten Klamotten für einen guten Preis wieder verkauft und kannst dir das nächstbessere Material leisten, die Investition ist also noch durchaus überschaubar. Mit Wappen musst du vorsichtig sein, im 13. Jahrhundert hatte noch nicht unbedingt jeder eins, teilweise wurden auch noch alte Formen verwendet. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, je simpler es ist, desto früher hat es wohl existiert, aber erkundige dich trotzdem mal nach dem ersten Auftreten. Wenn es niederer Adel ist, kann das auch eine nicht regierende Zweiglinie eines hochadeligen Hauses sein. Meine Vorfahren haben zum Beispiel immer gerne Töchter der Burggrafen von Nürnberg(niederer Adel) geheiratet, das waren Zollern(Hochadel), aber mit eigenem, abgewandelten Wappen.
 
Eine etwas andere Variante von LotlBotls Weg bereiben wir. Wir haben auch eine niedere Adelsdarstellung und bei uns ist alles aus schön gefärbten Wollstoffen. Hier und da mal eine Stickerei oder Seide. Aber das ist quasie der Sonntagsstaat. Je nachdem wie groß (und reich) der Haushalt war hat aber sicher auch die Dame mit angepackt, zumindest aber die Mägde persönlich beaufsichtigt. Oder aber wenn man es mal praktisch sehen will: Im Lager muss eigentlich jeder mit anpacken. Ich stehe auch mal am Herd und unser Graf geht auch mal Holzholen. Da trägt man doch nicht die gute Cotte! Also: Arbeitskleidung. Immer noch guter Wollstoff, aber in schlichterer Farbe und etwas einfacherem Schnitt. Was da den Unterschied zu den Mägden macht sind die Details: natürlich bodenlang und nicht nur bis zu den Knöcheln. Ärmel die man zumindest ein bisschen hochschieben kann- aber keine Schlupfärmel! Feines leinernes Gebende oder Wimpel- keine Haube. Und natürlich ein langer punzierter Ledergürtel mit Beschlägen. Und nach dem selben Prinzip könntest du auch anfangen. Erst mal die Arbeitskleidung. Die beschriebenen Wollstoffe klingen da recht gut für mich. Mach die Cotte Lang und spar auf keinen Fall beim Gürtel und den anderen Accesoires. Dann macht es schon einen hochwertigen Eindruck. Das nächste was du dir dann zulegen solltest sind Mantel und Hut. Die gehören dann schon zum Sonntagsstaat, also spar nicht an kräftigen Farben. Die Mäntel habe ich mit einfarbiger Seide gefüttert. Aber dann kannst du sie auch schon mal über die Arbeitskleidung drüberziehen und schon sieht es wieder etwas edler aus. Und die Arbeitskleidung musst du später auch nicht unbedingt weggeben, weil man braucht immer mal etwas was auch schmutzig werden darf.
 
Für eine gute Adelsdarstellung um 1250 (und da liegst Du ja nicht weit entfernt) musst Du Dir z. Bsp. nur die Stifterfiguren im Naumburger Dom anschauen. Gerade für die Details (Gürtel etc.) kann man sich da recht gute Anregungen besorgen. Die Stifter selbst lebten zwar im 11. Jahrhundert, die Figuren sind aber erst um 1250 entstanden und spiegeln daher die Mode des 13. Jh. wieder. z. Bsp.: http://www.kunstforum-matthaeus.de/bilder/naumburg-uta+ekkehard.jpg Hier noch einigen Beispiele: http://img.webme.com/pic/m/mara-vom-nikolassee/andersrum.jpg http://www.historiavivens1300.at/biblio/adel.htm
 
Wolle sollte man mit Wolle nähen, gibts in kleinen Mengen bei Naturtuche, ich hab mir mal eine Kone Maschinenstrickgarn in gleicher Stärke gekauft, das wird mir wohl ein Leben lang nicht mehr ausgehen. Allerdings nähe ich lieber mit Leinengarn(Klöppelgarn ist da sehr günstig und für Kleidung vollkommen ausreichend). Meine Stoffe sind vorgewaschen, da hat man nicht mehr das Problem mit den verschiedenen Schrumpfungen verschiedener Materialien, allerdings gleicht sich so die Farbe natürlich nicht an. Wies mit dem A-Faktor aussieht kann ich nicht belegen, ich bilde mir ein, das schon mehrfach gelesen zu haben. Wenn das Garn fusselt, kannst du leicht mit einem Stück Wachs drüber reiben, dann sollte es beim Nähen nicht mehr auseinanderreißen. Seide nähe ich grundsätzlich mit Seide, wobei ich mir da teilweise vielleicht nicht 100% sicher bin, weil ich das Nähkästchen von meiner Oma aufbrauche.
 
Man muss Wolle nicht unbedingt zwingend mit Wolle nähen - mWn ist z.B. das Busskleid der Hl. Elisabeth mit Leinenfaden genäht. Leinen- und Seidenfaden sind soweit ich weiss als Nähgarn für Wollstoff auch belegbar.
 

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