Ist Deutschland ein "christliches Land"? (und was bedeutet das für eine MA-Darstellung?)

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Grundsätzlich würde ich das Christentum in Deutschland als "gewachsen" bezeichnen. ...
Persönlich sehe ich es auch,leider kenne ich Zeitgenossen,die da ganz anders denken. Die Kirchengeschichte war immer eine heterogene Geschichte. Einerseits waren es Ordenschristen - im Wesentlichen Benediktiner - die massgeblich dazu beigetragen haben,dass wir heute noch Schriften der antiken Philosophen lesen können,andererseits waren es auch katholische Theologen,die im Hochmittelalter zeitweise die Operation eines Menschen - bereits im Kalifat Cordoba nichts Neues mehr - ablehnten,weil dadurch Gott "ins Handwerk gepfuscht" würde (um einen nicht zeitgemässen Ausdruck zu wählen). Aber ich finde es auch wichtig zu erwähnen dass z.B. Hexenprozesse ein Phänomen der Neuzeit waren und nicht des Mittelalters,ausserdem nicht in Ländern mit überwiegend katholischer Bevölkerung,sondern in Ländern,die von der Reformation geprägt waren. Es gab also zu jeder Zeit und in jedem Land während der Kirchengeschichte Schattenseiten,Mißbrauch des Glauben nd der Macht,bei weltlichen Herrschern ebenso wie bei geistlichen Herren,beim Bürgermeister einer spätmittelalterlichen Stadt ebenso wie beim Abt eines hochmittelalterlichen Klosters oder einem Renaissance-Fürsten.
 
Das die Leute nett, respekt- und vertrauensvoll zu einander sein sollen, war ja keine christliche Erfindung.
Veto,mit Blick auf die germanische Gesellschaft wie auch die der griechischen und römischen Gesellschaft in der (vorchristlichen) Antike sehe ich es anders und behaupte mal,dass das,was Du "nett,respekt- und vertrauensvoll zu einander sein sollen" nennst sehr wohl eine christliche "Erfindung" ist. Ich gehe sogar soweit zu behaupten,dass es ohne (!) das christliche Menschenbild keine Nächstenliebe gäbe.
 
Zum Thema Nächstenliebe möchte ich anmerken, das andere Völker oder eben im FrüMi schon diese gab. Aber der Begriff wurde enger begriffen. Die Familie, die Sippe, das Dorf, der Stamm. Fremde waren im Regelfall keine Nächsten, insofern 1 : 0 für das Christentum.
 
Im übrigen spricht auch die Tora vom "eigenen Volk" und der Tanach setzt im Regelfall bei Nächstenliebe auch eine Beziehung, eine Nähe, voraus. Und das gab und gibt es auch bei Nichtchristen. Erst später und heute noch wird der Nächstenbegriff allumfassend ausgedehnt.
 
@Panzerreiter: "deine" pantheistischen (Wodan, Donar...) sind Naturreligionen.
Jein. Ich würde nicht jede Religion, deren Götter u.a. auch mit irgendwelchen Naturerscheinungen (Blitz, Donner, FRuchtbarkeit...) assoziiert sind, als Naturreligion kategorisieren. Ich habe eine Zeit lang bei einem Volk gelebt, die einer Naturreligion angehörten, vielleicht ist mein Begriff solcher Religionen daher etwas nuancierter als in Mitteleuropa üblich. Aber ich möchte nicht zu theologisch-philosophisch werden, denn wenn wir weit genug zurückgehen, stellen wir fest, dass selbst der Gott des Christentums und in Personalunion auch noch Gott der Juden und der Moslems, dessen Namen man nicht aussprechen darf, weil man sonst gesteinigt wird, auf eine Naturgottheit zurückgeht. ;)
 
Heute ist Deutschland auf jeden Fall ein christlich geprägtes Land. Das muss man wohl nicht erklären. Ob es auch ein christliches Land ist, wie man vielleicht vom Iran als islamisches Land sprechen würde, wäre zu diskutieren. Da wir eine Christlich Soziale Union in der Regierung haben, man um 12 uhr Mittags praktisch keinen Flecken findet, an dem man das Türkenläuten nicht hören kann und laut Wikipedia noch immer 56% der deutschen Bevölkerung Evangelisch oder Katholisch sind, würde ich sagen ja. Zum Glück weniger krass als praktisch im Rest der Welt, aber noch sind wir die Religion nicht los. Im Mittelalter gab es nach der Verdrängung der vorchristlichen Religionen schlicht keine Alternative. Das Christentum hatte das Monopol auf die Antworten zu allen Fragen, die einen Menschen so umtreiben. Es bestand also auch kein Bedarf nach einer Alternative. Wo soll man in so einem Umfeld denn was anderes werden als ein Christ? Es gibt ja kein gegenteiliges Wissen, dass man sich eine andere Meinung hätte bilden können. Juden waen bestenfalls geduldet, aber auch von sich aus sehr hermetisch. Da war es auf jeden Fall ein christliches Land.
 
Ich gehe sogar soweit zu behaupten,dass es ohne (!) das christliche Menschenbild keine Nächstenliebe gäbe.
Warum sollte es keine Nächstenliebe ohne das Christentum geben ??? Das Grundgesetz hat nicht umbedingt einen christlichen Ursprung. Der Code Civil wurde von den Franzosen eingeführt unter Bonaparte. Wenn es nach der Kirche gegangen wäre dürften Frauen immer noch nicht in Führungspositionen arbeiten und müssten noch ein Kopftuch tragen. Selbst Affen haben Empathie und kümmern sich um die Gemeinschaft was für kollektive Wesen normal ist. Das Christentum verwechselt Moral mit Folgsamkeit. Christen sind per se nicht "moralisch", sondern folgen dem weisen Ratschluss Gottes, was auch immer es sei. Abraham wollte sogar seinen Sohn Isaak opfern -- das war für ihn moralisch, weil Gott es verlangte. Aber heutzutage versteht man unter Moral etwas anderes als Folgsamkeit Haben Menschen aus nichtchristlichen Nationen keine Nächstenliebe ? Buddhisten,Hindus,Moslems Ich konnte das nicht so stehen lassen. Eigentlich wollte ich mich zu theologischen Dingen hier nicht mehr äußern.
 
Bitte den Kontext meines Beitrages beachten. Ja,Nächstenliebe gab es auch schon vor den Christen,nur unterschied sie sich erheblich,denn sowohl Germanen/Kelten als auch Römer und Griechen bezogen Nächstenliebe auf die Menshen ihrer eigenen Sippe/Familie,ihres eigenen Stammes oder auch ihres eigenen Volkes,sahen sie also als Nächstenliebe den eigenen "Volksgenossen" gegenüber,nicht aber gegenüber Fremden.
 
Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit sind entstanden als eine Gegenbewegung zur Feudalherrschaft der Könige und Kirchenfürsten, weil die Menschen diese grausame und ungerechte Welt nicht mehr hinnehmen wollten. Die Werte sind nicht das Ergebnis des Christentums, sondern sie sind eine Zurückweisung des Christentums.
 
Christen sind per se nicht "moralisch", sondern folgen dem weisen Ratschluss Gottes, was auch immer es sei.
Stimmt vollkommen,Christen sind nicht "moralisch" (im Sinne von ethisch vollkommen) nur weil sie Christen sind. Im Gegenteil,wer als Christ aus seinem Glauben heraus lebt ist sich bewusst,dass er alles andere als vollkommen ist,sondern immer wieder Dreck am Stecken hat. Hm,dem Ratschluss Gottes folgen,das liesst sich für mich wie "Egal was Du tust,handel nur nach dem Willen Gottes und was das ist sagt Dir die Kirche. Kurz:Wenn Du handelst tu nur das,was die Kirche dazu sagt!" aber: Katholisch ist das nicht,denn der Katholik hat - eben wenn er seiner Glaubensüberzeugung nach lebt - mehr Entscheidungshilfen als die Lehre der Kirche. Katholiken laufen nicht immer mit dem Katechismus unter dem Arm durch die Gegend um bei jeder unsicheren Entscheidung den Katechismus zu befragen.
 
Persönlich bin ich (und ich bin überzeugter Katholik) der Überzeugung,dass Deutschland kein christliches Land ist sondern ein durch den christlichen Glauben geprägtes Land.
Dein Eingangspost bezieht sich doch auf die Gegenwart. Aber lassen wir das... es könnte dich nur zutiefst verunsichern, und ich wollte lieb sein. Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.
 
Zum Thema Nächstenliebe möchte ich anmerken, das andere Völker oder eben im FrüMi schon diese gab. Aber der Begriff wurde enger begriffen. Die Familie, die Sippe, das Dorf, der Stamm. Fremde waren im Regelfall keine Nächsten
Richtig,deswegen haben oft gerade die einfachen Leute,die nicht zu den germanischen Kriegern gehörten,freiwillig den christlichen Glauben angenommen.
 
Natürlich, Juden gab auch schon damals, aber in Deutschland zu sagen "Ja, ich stell einen reichen jüdischen Händler da" kommt nicht gaaanz so gut, da müssen noch ein paar Jahre vergehen und das Nachkriegstrauma etwas weiter verheilen...
Sehe ich anders... gerade so eine Darstellung "Stadtjude" fände ich sehr spannend und die die Erklärungen für/ Diskussionen mit Besuchern hätten was. Und im Übrigen: Wer eine "normale deutsche" Darstellung im HoMi oder SpäMi macht, kommt am Christentum nicht vorbei... dazu war Kirche und ihre Vertreter zu omnipräsent.
 
Es spielt doch eigentlich keine Rolle ob jemand zu seiner Darstellung auch das religiöse Weltbild vertritt. Oder glauben Wikingerdarsteller oder Frühmi's noch an die alten Götter. Wichtig ist doch nur ob du über die Zeit Bescheid weißt. Wäre ich nicht Geistlicher, hätte ich auch den Jüdischen Kaufmann genommen. Viele der über 600 Gesetze der Semiten kenne ich und die Thora habe ich auch schon gelesen. Ich finde Juden gibt es zu wenige auf den Märkten... ich kenne nur einen.
 

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