Suche Bauanleitung oder Maße von einem Klappstuhl Anfang 15Jh

    • Suche Bauanleitung oder Maße von einem Klappstuhl Anfang 15Jh

      Hi, ich suche Bauanleitung oder Maße von einem Klappstuhl Anfang 15 Jahrhundert

      Anbei die Bilder. Ich weis das ein Original auch in Nürnberger Museum und in der Waldburg steht.

      Aber hat hierzu jemand Maße damit ich den Stuhl für meine Stizgarnitur mit Tisch fürs Zelt nachbauen kann?

      Viele Grüsse und ein gutes Neues Jahr
      Andreas
      Bilder
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    • Hi, Hermann
      ohne bei Dir jetzt anecken zu wollen, aber es ist schon sehr schwer etwas nachzubauen ohne das 100 andere dir auf dem Markt (vor den Zuschauern) erzählen das das nicht so gehört. Und das Hauptsächlich mit hobbyisten.

      - Materialen seine fasch!
      - das Holz wurde nicht verwendet!
      - Masse stimmen nicht!
      - usw.

      Das macht den Nachbau sehr schwer und manchmal denkt man sich "für setzt man sich Stundenlang hin recherchiert und Baut etwas nach seinen besten gewissen nach". Dann kann man ja gleich mit einem Campingstuhl kommen!

      Entschuldige meinen Frust am Rande.
    • Nee nee mit so etwas eckst du bei mir nicht an. Aber wennich mich an einen neuen Typ von Schuh mache, muss ich mir auch den Kopf ersteinmal zerbrechen. Wie sind die Maße? Wie muss ich das Schnittmuster machen?Welches Material brauche ich?
      Das ist doch das interessante an dem Hobby, es gibt keinefertigen Bauanleitungen/Schnittmuster von damals und man kann etwas auch mitdem Kopf machen.
      Wäre nur eine Religion in der Welt, so würde sie stolz und zügellos despotisch sein.
      (Friedrich der Große)

      Turmhügelburg Lütjenburg
      Lis und Hermann
    • Hi, wie wäre es wenn Du es von der pragmatischen Seite her siehst? Du willst etwas nachbauen, das einem Stück aus dem 15. Jhd nahe kommt bzw. optisch und von der Funktion identisch ist. Gleichzeitig möchtest du es regelmäßig nutzen, es muss folglich einigermaßen bequem sein. Also scheiden originale Maße i.d.R. aus, die Leute waren vor 500 Jahren oft kleiner als heute.

      Ich würde so vorgehen:
      Nimm ein Sitzmaß das für dich bequem ist. Heutzutage haben sich in Abhängigkeit der Körpergröße Höhen zwischen 43 und 50cm als ergonomisch herausgestellt. Das würde ich als Grundmaß nehmen. Dem Bild nach zu urteilen käme der Stuhl damit auf eine Gesamthöhe von etwas mehr als der doppelten Sitzhöhe + kleiner Zugabe für Lehne und Oberleiste.

      Die Scharniere sind durchgehende Eisenstäbe, also eine relativ einfache Geschichte. Bohrung, Stab durch, umbiegen, fertig.

      Die Scharniere in den Beinen sind etwas außerhälftig gesetzt, das untere (Höhe Sitzfläche 50cm angenommen) auf 30 cm, das obere auf 49 cm sollte passen. Damit ergibt sich eine Stärke der Leisten von 2 cm, die Länge der Leisten für die Sitzfläche 22 cm. Damit musst du experimentieren- je länger die Leisten sind, desto weiter spreizt sich der Stuhl auf. Zu weit darf es nicht sein, sonst wird durch Scherkräfte die Belastung für die Scharniere der Sitzfläche zu groß. Das Scharnier in der Sitzfläche sollte mittig sitzen.

      Bei neun Leisten in der Breite würde ich 5 cm pro Stück ansetzen. Damit kommst Du auf eine Gesamtbreite von 45cm ohne Kopf- und Fußleiste, die Sitzfläche hat damit 35 cm.

      Bis auf das Höhenmaß der Sitzfläche habe ich die restlichen Maße anhand des Bildes in Relation geschätzt! Hier kannst Du die Höhe der Sitzfläche anhand der Körpergröße berechnen. Der Rest ist eine Rechenaufgabe. Noch ein Tipp: bau Dir ein Modell aus Pappe im Verhältnis 1:1. Da kannst Du ohne teures Holz zu verschwenden die Maße abstimmen. Passt es ist der Übertrag auf Holz ein Kinderspiel.

      Beim Holz würde ich mir keinen Kopf machen und das an Laubhölzern nehmen was in unseren Wäldern vorhanden ist. Die A- Päpste sollen bei Kritik nachweisen, dass die verwendete Holzart für genau diesen Zweck nicht genutzt wurde. Zudem sollen sie es besser machen. Das etwas nicht belegt ist, heißt nur, dass es noch nicht gefunden wurde.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Thoralf Hiltjuson ()

    • Ok, weiter mit dem Aufbau. Die einzelnen Leisten herstellen dürfte einfach sein, die sehen ziemlich gerade mit gebrochenen Kanten aus. Etwas schwieriger wird es mit den Bodenleisten. Die stehen parallel zur aufgeklappten Sitzfläche und somit schräg zu den einzelnen Leisten. Damit können sie erst angepasst werden wenn die Winkel Sitzfläche/ Beine festgelegt sind. Deswegen auch das Probestück aus Pappe.

      Für die Befestigung der unteren Leisten würde ich die "Beine" auf Winkel sägen, mit Schraubzwingen die Fußleisten daran befestigen und komplett von der Bodenleister her durchbohren. Damit die Abstände passen, evtl. die Leisten für die Sitzflächen als Abstandshalter zwischen die Beinleisten legen. Wenn Du im unteren Teil alles fertig gebohrt und die Teile versäubert hast hast arbeite am oberen Ende der Lehnenleisten und der Kopfleiste eine Zapfenverbindung heraus. Hier müssen die Abstände ebenfalls genau passen. Hier würde ich auf eine Bohrung mit rundem Zapfen setzen, die ist leichter herzustellen als eine eckige Verbindung.

      Wenn du alle Teile passend hast, stecke den Stuhl lose zusammen und prüfe die Winkel. Anschließend Knochenleim anrühren und von oben nach unten arbeiten. Wenn etwas nicht ganz passen sollte ist eine gerade Fläche unten schneller bearbeitet als die obere die du erst mühsam in Zapfenform gebracht hast. Also erst das Kopfteil ansetzen, verleimen und sichern- auf dem Bild sind über der Kopfleiste Punkte zu sehen, das interpretiere ich als Sicherungsdübel- sobald der Leim im oberen Teil abgebunden ist die Fußleiste ansetzen und mit von unten her eingeschlagenen Holzdübeln sichern. Leim nicht vergessen.

      Mit dem kürzeren Teil gehst du genauso vor. Dann noch die abschließende Versäuberung, Oberflächenbehandlung, Scharnierstange rein und fertig ist dein Scherenstuhl.

      Noch ein paar Worte zum Knochenleim- ich weiss nicht ob du schon mal damit gearbeitet hast, deswegen gehe ich von "eher nicht" aus und spiele den Erklärbären. Wenn doch interessiert sich vielleicht jemand anders dafür.

      Erster Tipp: rühre nicht zu viel davon an. Knochenleim gibt es als Granulat bei den einschlägigen Händlern mit feinen Werkzeugen oder im Künstlerbedarf. Nimm ein mittleres geradewandiges Glas mit Schraubdeckel, fülle es zur Hälfte mit dem Granulat und füge Wasser hinzu bis das Granulat bedeckt ist. Dann lasse es über Nacht stehen. Das Zeug quillt dann etwas auf. Um den Leim nutzen zu können besorge Dir eine Heizquelle und einen alten Topf. In den füllst du Wasser und stellst das Glas mit der Leimpampe ab besten mit einem Abstandhalter zum Boden rein. Heize das Wasser langsam hoch bis die leicht perlige Pampe eine leicht dickflüssige Konsistenz hat. Das Wasser darf nicht kochen! Die beste Verarbeitungstemperatur liegt bei ungefähr 60-70°C. Ach so- der Leim riecht flüssig irgendwie nach schon länger totem Tier, ist er abgebunden ist der Muffel weg.

      Dann muss es zügig gehen. Das Zeug bindet relativ schnell ab. Nach 10-15 Minuten ist der Leim fest, also musst du schnell arbeiten. Mehr Zeit hast du wenn dein Holz vorher gut angewärmt wurde. Ich nehme dafür meinen großen Holzkohlegrill mit einem kleinen Feuer und einer über den Rost gelegten Stahlplatte mit drei Backsteinen als Abstandhalter. (Ich stelle da auch mein Wasserbad mit dem Leim drauf)
      Warmes Holz erhöht die Bearbeitungszeit in der du Korrekturen vornehmen kannst um etwa 10 Minuten. Wenn der Leim abgebunden hat bekommst du den nur noch mit Wärme und Wasser wieder auseinander. Überschüssigen Leim solltest du vor dem Abbinden abwischen oder mit einer Ziehklinge entfernen.

      Wenn Du Zeit hast lasse den Leim über Nacht durchhärten bevor du mit deinem Werkstück weiter arbeitest, dabei sollte es in der Werkstatt nicht zu kalt sein. 15-20°C sind ein Richtwert, ansonsten kristallisiert er zu schnell aus und geht keine Verbindung mit dem Holz ein.

      Den restlichen Leim im Glas kannst du fest werden lassen und jederzeit durch Wärme wieder flüssig bekommen. Damit er nicht schimmelig wird gebe ich vor dem Gelieren ein paar Spritzer Zitronensäure rein. Wichtig ist auf keinen Fall mit Eisenwerkzeugen im Leim zu arbeiten- das mag er irgendwie nicht. Verfärbt ihn und klebt dann auch nicht mehr so gut.

      So. Kann das eventuell in "Holzbearbeitung" verschoben werden? ;)
    • Vielen, vielen Dank Thoralf,

      für den doch ausführliche Herangehensweise. Mit Knochenlein selbst habe ich noch nicht gearbeitet aber mit Hasenleim. Den Brauch ich für meine Leder und Fellarbeiten.

      Eiche und Esche habe ich zwar nicht aber eine Menge Buche! Mal wieder bei meinen Schreiner im Lager umschauen / vorbeischauen ob er zufällig getrocknete Esche da hat.

      Ich werd mich nun mal die nächsten Tage ans Reisbrett machen und die benötigten Hölzer heraus Schreiben.

      Gruß Andreas
    • Hallo!
      Vielleicht passt es nicht ganz zum Thema, dann aber doch wieder irgendwie:
      Ich habe einen Stuhl in Anlehnung an das oben eingestellte Foto gebaut, also ohne Maßtabelle. Allerdings fast ganz aus Rohholz (Esche, Haselnuss, Lärche, Kiefer und Fichte / was eben so als Reste in der Werkstatt stand) und die Sitzfläche etwas größer (der Bequemlichkeit im Lager halber) und aus Brettware. Das Rückenteil habe ich aus Querstäben gearbeitet, damit der Stuhl stabiler ist und trotzdem zerlegbar. Das war insgesamt ein Messen und Testen, weil ja auch unterschiedliche Holzstärken und auch Krümmungen zu überwältigen waren.
      Kurzum: Den Stuhl kann ich für den Transport klappen oder auch zerlegen. Und sitzen ist eine Wonne. Leider fehlen mir die Armlehnen etwas! (Ein Foto habe ich in meiner Galerie eingestellt)

      Gruß Gilge
      Gilge von Hockeleve (Gaukler & Narr)