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Cristan von Wolfrum

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1

Dienstag, 12. Juni 2012, 20:41

Widschweindecke pflanzlich gerben

Ich kann in den nächsten Monaten Wildschweinfelle bekommen vom Jäger. Der Jäger würde die wegschmeissen.
Ich hab ihn durch Zufall heute getroffen und er meinte am besten sind die Felle im August da die Borsten länger sind.

Nun, wenn ich diese bekomme, wollte ich diese gerne pflanzlich gerben. Nur womit und wie viel usw?
Hat jemand von euch schon pflanzlich gegerbt und kann mir eine kurze Anleitung geben?

Ich habe bisher dieses gefunden: http://felle-gerben.blogspot.de/2008/08/…bst-gerben.html
jedoch wird dort auch mit Chemie gegerbt, ausserdem war es ein Schafsfell, muss man bei einem Wildschweinfell auf etwas achten?

Ich hab mich damit noch nie versucht, aber wenn ich die Schwarte haben kann, kann man sich ja mal daran versuchen.
CONVICTIO ex Radestowe - Interessengemeinschaft Mittelalter e.V.

Lycidas

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2

Dienstag, 12. Juni 2012, 22:23

Also die älteste Gerbart ist die sämischgerbung. Damit könntest du dein Fell auch gerben. Dazu wird Fischtran verwendet. Ich denke da gibts sicher auch Anleitungen zu Googeln.

Eine andere Möglichkeit wäre die gerbung mit Eichenlohe. Auch da könntest du Googeln. Genaue Anleitungen kann ich dir da leider nicht geben...

Die von dir gepostete Anleitung wäre aber im Bezug auf "A" auch nicht falsch. Die Alaungerbung hat man auch schon im Mittelalter gekannt. Das ist die sogenannte Weißgerbung. Die ganzen weißen Schwertgehänge wurden z.B. auf diese Art gegerbt. Natürlich kannten die solchen Begriffe wie Kaliumsulfat noch nicht aber trotzdem haben die damals, wenn mans genau nimmt, auch schon chemisch gegerbt..

Nur die Chromgerbung, das ist die Gerbart die meist mit dem Begriff chemische Gerbung gemeint ist, wäre historisch gegehen nicht richtig. Außerdem ist die aufgrund der hochgiftigen Gerbmittel zuhause nicht durchfürbar..
LG Alex

Gunnólfur

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3

Mittwoch, 13. Juni 2012, 19:41

Darf ich fragen wofür du das Wildschweinfell brauchst? Weich und kuschelig ists bestimmt nicht :D

Bei Wildscheinfellen gibt es in der Tat eine besonderheit: Im gegensatz zu den anderen gängigen Tierfellen durchwachsen die Borsten des Wildschweins nicht nur die Oberhaut, sondern auch die Lederhaut und die Unterhaut. Die Unterhaut müsstest du aber eig entfernen wenn du das Fell gerben willst.

Zur Alaungerbung: Die Alaungerbung ist sogar noch viel älter, sowohl die antiken Ägypter wie auch die Griechen kannten bereits diese Form der Gerbung.
Sie ist, zumindestens theoretisch :D , mit die einfachste Gerbung für einen Anfänger. Hat mir zumindestens ein Mann vom Fach gesagt. Außerdem ist sie recht günstig und relativ schnell durchzuführen.
Was zur Alaungerbung allerdings auch noch zu sagen ist: Sie ist genau wie die normale Fettgerbung keine "echte" Gerbung. D.h. es läuft wärend der Gerbung kein chemischer Prozess in dem Sinne ab, Sondern das Alaunsalz besetzt so zu sagen die Zellen. Vorteil: geht schnell, Nachteil: nicht wasserfest und auswaschbar. Lässt sich mit regelmäßiger Fettung allerdings recht gut "beheben".

Zur pflanzlichen Gerbung: wenn ich dich richtig verstehe möchtest du mit Pflanzen gerben. Das allerdings ist viel schwerer und langwieriger als viele denken. Je nach Gerbstoff (z.B. Eichenrinde) kann die ganze Prozedur bis zu zwei Jahre dauern. Und es kann seeeeeeeeeeeeehr viel schiefgehen in der Zeit. Außerdem für Felle nicht besonders geeignet.

Als absoluter Anfänger kann ich dir nur das empfehlen was mir empfohlen wurde: Alaungerbung und am besten mit einem Rehfell.
Und als Literatur kann ich dir von Helmut Ottiger das Buch "Gerben - Leder und Fell" ans Herz legen. Ist für den Anfang sehr gut und auch als Laie leicht verständlich. Auch wenn er teils sehr gewöhnungsbedürftige Methoden hat :rolleyes:
Wer Wind sät, erntet Sturm

Cristan von Wolfrum

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4

Mittwoch, 13. Juni 2012, 22:59

Darf ich fragen wofür du das Wildschweinfell brauchst? Weich und kuschelig ists bestimmt nicht :D

Ich möchte es auf den Fussboden legen, davon 4-5 Stück irgendwann sehen bestimmt nicht schlecht aus.
CONVICTIO ex Radestowe - Interessengemeinschaft Mittelalter e.V.

teamaster

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5

Donnerstag, 14. Juni 2012, 08:57

Dann reicht die Gerbung mit Alaun doch völlig aus!
Ich habe das vor ein paar Wochen selbst mit 2 Rehfellen ausprobiert, und es ging gut! Die Felle riechen zwar noch ein bisschen nach Reh, aber hin und wieder ein kleiner Nebel Geruchsentferner verbessert die Situation deutlich. Die Kosten waren ausserdem mit ca. 2 Euro für nen Eimer, 4,50 für ein Pfund Alaun (Apotheke) und 2 Euro für 1,5 Kilo Salz und sonstiges Verbrauchsmaterial sowie 5 für das (wiederverwendbare) Holz zum Trockenrahmenbau definitiv noch überschaubar. Intensiv gerochen hat es bei mir auch nicht!

Wochen/Monatelang mit irgendwelche Pflanzenlohen rumzusauen wäre mir persönlich zu anstrengend, und das Ergebnis/der Verwendungszweck den Aufwand nicht wert.

Für einen reinen Machbarkeitsversuch, den ich durchaus verstehen kann, würde ich auch kein ganzes Fell nehmen, sondern dann eher mit kleinen Teilen vom Ganzen Fell oder Kleinfellen arbeiten. Das verkleinert den Aufwand deutlich und auch das Risiko! Zum Gerben eignen sich neben der erwähnten Eichenlohe auch Fichte, Kastanie, Mimose und andere Pflanzen, einfach mal googeln! Zur Gewinnung der Rohstoffe sei noch gesagt, etweder kaufen, aus dem eigenen Garten oder in Zusammenarbeit mit dem Förster! Der wird sich nämlich herzlich bedanken, wenn du ihm die Rinde von einer ca. 10.000 Euro/Hektar- Investition (Eichenkultur) klaust!

ALs "Behältnis" für die Gerbun habe ich einen 10l- Haushaltseimer mit einer Abdeckung aus nem einfachen Fichtenleimholz verwendet. Für größere Mengen würde ich aber auf die schwarzen Mörteleimer/Wannen aus dem Baumarkt zurückgreifen. Die sind nicht teuer und schön, dafür dicht und robust! Solltest Du nicht alle Felle gleichzeitig verarbeiten können, kann man die auch gut einfrieren. Was Du dabei noch bedenken musst ist, Du musst während der ganzen Gerbereiam besten mehrmals täglich dabei sein und umrühren, also zwischendrin mal ne Woche in den Urlaub fahren ist nicht drin! Somit nur gerben, wenn die Zeit dafür auch vorhanden ist!

Viele Grüße

Christian

6

Donnerstag, 14. Juni 2012, 10:27

Ich gerbe so....

Hallo,

vor einem Jahr war auch ich auf der Suche nach einer guten Anleitung, wo ich ohne weitere Zusätze gerben konnte, habe aber nichts gescheites gefunden, und die Sache mit Alaun wollte ich gar nicht anfangen :) (ich bin halt "komplizierter als andere")

Ich mache es folgendermassen (habe es mit Kanninchen-, Ziegen-, und Kälberfelle gemacht):

-Felle waschen, damit der grösste Dreck weggeht.
-Haare kurz antrocknen lassen (ca 1/2 Stunde an der Sonne legen)
-Auf der Fleischseite eine dicke Schicht Salz streuen (ich nehme/nahm Industriesalz)
-Nach einigen Wochen nachschauen ob das Fleisch eingetrocknet ist (Fell ist hart)
-Wenn es trocken ist, dann einen "Handlichen" rauen Stein nehmen und das trockene Fleisch abreiben, danach ev noch mit Schleifpapier darüber
-Wenn das Fleisch weg ist, einfach Eigelb mit Sonnenblumen-,oder Olivenöl mischen und wieder mit einem Stein einreiben, danach Fell bearbeiten damit alles schön weich wird...
-Am schluss das fertige produkt bewundern :D


Meine Erfahrung:
Billige variante, einfach aber kraftraubend beim abschleifen ;) , KEINE stinkenden Felle, KEINE Geruchsbelästigung beim Gerben....
Einziges Problem: Meine Katzen haben mehr von den Fellen als ich, da sie diese zum Schlafen missbrauchen :)


Gestern haben wir ein Rind geschlachtet und das Fell liegt unter dem Scheunendach am Trocknen, jetzt versuche ich es ohne Salz, so wie es mein Grossvater machte, einfach an der Luft trocknen lassen...


Liebe Grüsse

Flavia

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7

Samstag, 23. Juni 2012, 22:50

Hallo Flay,

hast Du Deine Felle dann aufgespannt beim Trocknen und nach dem Einsalzen, hast Du sie zusammengelegt und in eine Tüte/Plastiksack oder hast Du sie offen liegen/hängen lassen.

Könnte man das Fleisch (sofern groß vorhanden) nicht auch noch vor dem endgültigen Trocknen/Salzen mit einem scharfen Messer vorsichtig abschaben?

Viele Grüße
Wiebke

8

Montag, 9. Juli 2012, 14:38

@Wiebke

Hallo Wiebke:)

Sorry für die späte Antowort...haben einiges zu tun hier und ich hatte keine Zeit zum Antworten.

Ich habe die Felle am boden ausgelegt, und mit Salz bedeckt, danach wurden die Felle sofort weiterverarbeitet. Mein momentanes Kalbfell ist auf einem Holzbalken ausgelegt und hängt zum Trocken an einer Hunde und Katzensichere stelle :P

Eigendlich kannst du das Fell, wenn es trocken ist noch lange so aufbewahren, aber aufpassen das es nicht Feucht wird!!Plastiksack würde ich nicht nehmen. Ich habe es selber nicht probiert, da ich sofort weitergearbeitet habe.

Wegen den Fleischresten: die kann man auch mit dem Messer vorsichtig runter nehmen. Habe ich auch probiert (bei Kanninchen) und da kann schnell was schief gehen, ich bevorzuge es länger trocknen zu lassen und danach mit einem Stein wegkratzen...


Wenn du noch Fragen hast, einfach melden.

Liebe Grüsse.
Flavia

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