Welchen Tag schreiben wir?

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Ásaþór

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Seyd gegrüßt Freunde der Antike und des Mittelalters, wißt Ihr welchen Tag wir heute schreiben? Nun, heute ist im Grunde genommen ein ganz normaler Freyjastag (nhd. auch Freitag) im Hornung (nhd. auch Januar) des Jahres 2011 nach der Zeitenwende (oder CE für »Common Era«). Ich möchte Euch jedoch dieses x-beliebige Datum mal genauer vorstellen, denn nicht jeder weiß, daß es sich bei diesem Datum um ein Datum des Gregorianischen Kalenders handelt. Der heute praktisch weltweit gültige Gregorianische Kalender (benannt nach Papst Gregor XIII.) wurde nämlich erst Ende des 16. Jahrhunderts CE entwickelt. Er wurde im Jahre 1582 CE durch die päpstliche Bulle »Inter gravissimas« dekretiert und löste im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche andere Kalenderformen ab. Zuletzt stellte auch die Türkei im Jahre 1926 CE auf den Gregorianischen Kalender um. Gründe für die Gregorianische Kalenderreform waren die zunehmenden Probleme mit der christlichen Osterrechnung nach dem Julianischen Kalender. Der Julianische Kalender – nicht mit dem Julianischen Datum zu verwechseln – wurde von Julius Caesar eingeführt und war in manchen Teilen der Welt noch weit bis ins 20. Jahrhundert CE gültig, im kirchlichen Bereich teilweise noch bis heute. Er wird heute in der Wissenschaft rückwirkend auch für die Jahre vor dem Wirken Caesars verwendet. Das Julianische Datum – nicht mit dem Datum im Julianischen Kalender zu verwechseln – gibt die Zeit in Tagen an, die seit dem 1. Januar 4713 vor der Zeitenwende (oder BCE für »Before Common Era«) 12:00 Uhr UT (»Universal Time«) vergangen ist. Dem 1. Januar 2000 CE um 12:00 Uhr UT entspricht zum Beispiel das Julianische Datum 2'451'545. Als fortlaufende Tageszählung ist das Julianische Datum frei von Unregelmäßigkeiten wie Schalttagen, unterschiedlich langen Monaten und so weiter, wie sie in den meisten Kalendern auftreten. Es wird daher vor allem in der Astronomie zur Beschreibung zeitabhängiger Größen verwendet, da mit ihm sehr leicht Zeitdifferenzen berechnet werden können. Welchen Tag schreiben wir denn aber heute in Anwendung der vielen unterschiedlichen Kalendersysteme?
Lunarkalender (Auswahl) - Keltisches Datum (Gallisch): Digwener, 15. Anagantios NCC 12 (»New Coligny Calendar«) - Keltisches Datum (Gaeilge): Di-Haoine, 15. Naghaid 3110 CCE (»Current Celtic Era«) - Numerisches Datum: 164•12•4•15 Naghaid - Angelsächsisches Lunardatum: Friday, 16. Wolf Moon 2011 CE Solarkalender (Auswahl) - Altrömisches Datum: Dies Veneris, Nonae Februariae 2764 AUC (»Anno Urbis Conditae« für im Jahr seit der Stadtgründung) - Altnordisches Datum: Frjádagr, 29. Þorri 2011 CE - Julianisches Datum: Freyjastag, 5. Hornung 2011 CE - Angelsächsisches Datum: Frigedæg, 30. Solmonað 1567 ASE (»Anglo-Saxon Era«) - Franz. Revolutionsdatum: Décadi, 30. Pluviôse, An 219 de la liberté - Gregorianisches Datum: Freyjastag, 18. Hornung 2011 CE Quellen: Die Sippe der Suna Élivágar, Wikipedia und Time Meddler's Calendarium
Ich hoffe, daß Ihr diesen Beitrag als interessant empfandet und wünsche Óðins Schutz und der Götter Segen. Gehabt Euch wohl, Aonghus
 
Nun, heute ist im Grunde genommen ein ganz normaler Freyjastag (nhd. auch Freitag) im Hornung (nhd. auch Januar) des Jahres 2011 nach der Zeitenwende (oder CE für »Common Era«).
Genau genommen haben wir aber Februar :D
Ja, da hast Du selbstverständlich Recht. Wie komme ich bloß dazu dort Januar zu schreiben? Hornung ist ganz klar Februar und nicht Januar oder Jänner resp. Hartmonat, Hartmond oder Hartung (erfunden 1893 CE). Nein, ist mir das jetzt aber peinlich :kopfwand.
 
Grundsätzlich würde ich die genannten Fakten auch so anerkennen und die allgemeine Verwirrung teilen . Es kommt aber erschwerend noch dazu, dass den katholischen Geistlichen, die damit beauftragt waren, rückwirkend das Jahr der Geburt Jesu zu berechnen ein paar Fehler unterlaufen sind . Johannes Keppler hat auf Grund seiner Berechnungen das Jahr 6 vor unserer Zeitrechnung als den richtigen Zeitpunkt errechnet . Das Hauptkriterium waren dabei der wiederkehrende Komet, der als Stern von Bethlehem bekannt wurde . Dazu wurde eine Konjunktion von Jupiter und Saturn im Sternbild der Fische errechnet , bzw. beobachtet . Was dieses Thema anbetrifft, halte ich mich aber zurück, weil ch mich damit nicht wirklich auskenne , was für die Interessierten unter Euch mit Sicherheit im WWW recherchierbar ist . Die Rechnung ist für mich aber plausibel, weil die außerbiblischen Zeitangaben mit der katholischen Rechen / Zählweise kollidieren. Wenn man die katholische Zeitrechnung hernimmt, fällt auf , dass Herodes der Große zum Zeitpunkt von Jesu Geburt eigentlich schon ein paar Jahre unter der Erde gelegen haben muss, was ja natürlich so nicht gewesen sein kann, da die neutestmentlichen Zeitangaben mit den damals vorherrschenden Zeitangaben der antiken Römer zusammen passen . Als weiteres kommt noch eine Kalenderangleichung aus dem 16. jhd dazu, wobei der 5te auf den 15ten verschoben wurde, die Mo, Die, Mi, usw Anordnung wurde dabei aber nicht verändert . Wie auch immer - heute ist bei mir leider Freitag und ich muss jetzt dann zur Arbeit gehen.... :D
 
@Aonghus: gräm Dich nicht, sowas ist mir auch schon passiert. Aber das Thema ist wirklich klasse und insofern spannend weil man manch eine Datierung nur mit dem nötigen Hintergrundwissen über den jeweilig gültigen Kalender möglich ist. Hier noch ein Nachtrag: Grundlage für die Zeitrechnung ist das Sonnenjahr, d.h. die der Zeitraum, in dem sich die Erde einmal um die Sonne gedreht hat. Ein Tag im Sonnenjahr entspricht der Zeitdauer, die die Erde für eine Umdrehung um die eigene Achse benötigt. J.Caesar hat bei seiner Kalenderreform im Jahre 46 v. Chr. das Sonnenjahr auf 365 Tage festgesetzt. Einen geschätzter Überschuß von 6 Std./ Jahr ( heute wissen wir es sind genau 5 Std. 48.Min und 46 Sek.) versuchte man durch einen alle 4 Jahre einzusetzenden Schalttag auszugleichen. Das Sonnenjahr wird auch Julianisches jahr genannt. Weiterhin ist für die Zeitrechnung auch der Mondzyklus wichtig, z.B. für die Berechnung von ( u.a. christlichen) Festtagen. Für unsere christliche Festrechnung gilt das man 19 Julianische Jahre mit 235 sog. synodischen Mond-Monaten gleichsetzte. Ein synodischer Monat entspricht dem Zeitpunkt der größten Sonnennähe,also dem Neumond, und dauert im Mittel 29 Tage 12 Std., 44 Min und 3 Sek.. Die 235 Mondmonate entsprechen einem Mondzyklus, d.h. alle 19 Jahre beginnt die Mondphase mit gleichen Monatsdaten. ( Auch im Mondzyklus gibt es Schalttage, die habe ich aber mal unterschlagen um hier nicht den Rahmen zu sprengen). Wichtig ist aber die Kenntnis des Mondzyklus um die sog. Goldene Zahl festzulegen.Diese ist eine Zahl von 1-19 die zyklisch fortgeführt wird, und zwar vom Jahre 1 vor Christus. Man erhält die Goldene Zahl des gesuchten Jahres also in dem man zum Jahr 1 hinzufügt und diese Zahl durch 19 teilt, bis ein Rest bleibt, Dieser Rest ist die Goldene Zahl des Jahres, bleibt kein Rest, so ist die Goldene Zahl 19. Die Goldene Zahl des Jahres 2011 ist übrigens 17 > > 2011 + 1= 2012 das sind 105 Mondzyklen und ein Rest von 17. Es gibt aber für die Zeitrechnung auch noch den Sonnenzyklus von 28 Jahren , d.h. alle 28 Jahre fällt ein Wochentag wieder auf das gleiche Monatsdatum. Die Zahl 28 enstand durch die 4 Schaltjahre, die bei der Berechnung berücksichtigt werden müssen ( 7 Zyklen x4) Ausgang für die Datumsberechnung ist diesmal das Jahr 9 vor Christus. man rechnet also wieder Jahreszahl + 9 geteilt durch 28, der verbliebene Rest von 1-28 ist der Sonnezyklus oder Sonnenzirkel. Die Wochentage der Jahre innerhalb des Sonnezirkels werden mit den Buchstaben A-G bezeichnet, den sog. Tagesbuchstaben, beginnend jeweils mit A am 1.Januar. Den Buchstaben des ersten Sonntages des entsprechenden Jahres nennt man den sog. Sonntagsbuchstaben des Jahres. Die Sonntagsbuchstaben kann man aus entsprechenden Tabellen schnell und einfach ablesen, wenn man keine Lust auf Rechenorgien hat. Dieses umfangreiche Vorgeplänkel ist deswegen wichtig, weil man mit dem Wissen der Goldenen Zahl, des Tages- und des Sonntagsbuchstaben die beweglichen Feiertage des Jahres berechnet. Und anhand z.B. des Osterdatums wurden früher, wie auch heute alle übrigen Feste und wichtige Daten berechnet. Heute haben wir es natürlich ein wenig leichter, da es Berechnungstabellen gibt, bzw. online Rechner (Grotefend online). Hier noch einige Links für Interessierte: http://www.manuscripta-mediaevalia.de/gaeste/grotefend/grotefend.htm http://www.adfontes.uzh.ch/1000.php Puh, ich hoffe das war jetzt nicht zu verwirrend, aber man kommt leider um so etwas nicht herum wenn man mittelalterliche Quellen deuten möchte. Nicht berücksichtigt habe ich hier die Korrekturen durch die Gregorianische Kalenderreform. Man muss daher immer darauf achten ob es sich um ein Datum des "alten Stils" handelt, oder gregorianisch ist. Dies gilt jedoch nur für die Zeit nach 1582 für das MA gibt es leider noch genügend andere Fallstricke. Besonders empfehlen möchte ich Euch aber das Taschenbuch von Grotefend, bzw. die online Version. Hier findet man alles was das Herz begehrt zum Themas Zeitrechnung. Es grüßt Euch Anno von Köln Quelle: Hermann Grotefend, Lehrbuch der Zeitrechnung, 14.Aufl. 2007, Hahnsche Buchhandlung Hannover
 
Wow, ich bin schlichtweg überwältigt von diesen ebenfalls sehr interessanten Beitragen von Euch. Da habe ich doch ein richtig gutes und spannendes Thema gefunden. Nun, Mara hat in einem anderen Thread etwas gepostet, was meiner Meinung nach eigentlich ebenfalls hierher gehört.
 
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Na selbstredend ist das ein spannendes Thema, ich hatte auch schon mal dran gedacht etwas dazu zu schreiben, aber irgendwie nicht den rechten Aufhänger dazu gefunden. Und man kann sich ja auch gerade im Fall des MA noch herrlich weiter quälen, in dem man sich nicht nur die Monatsnamen, sondern auch die zahlreichen Tagesnamen der mittelalterlichen Datierungen vornimmt. Von Kalenden und iden etc. ganz zu schweigen. Ein ausführliches Glossar hierzu gibt es im Grotefend. In dem Link zu "ad fontes" den ich oben eingestellt habe, kommt man nach einer unverbindlichen Anmeldung in ein sagenhaft gutes Lernprogramm. Hier gibt es neben schriftkundlichen Übungen auch einen ausführlichen Teil mit Datierungsübungen, wo jeder mal sein Wissen erproben kann. Einfach eine Lösung anklicken und schauen ob es richtig ist. L.G. :bye01 Anno von Köln
 
Hier noch ein Nachtrag zu den Tagesbuchstaben: Ich habe ein Kalenderblatt des Monats Januar eingestellt, und man erkennt problemlos die fortlaufende Reihe der Tagesbuchstaben, beginnend mit dem roten "a" . Jeder der einmal eine mittelalterliche Kalenderabbildung gesehen hat, aber nicht wußte was diese Buchstabenreihe zu bedeuten hat, weiß jetzt also was das für einen Zweck und Ursprung hat. Na ja, ich hoffe nur, daß ich es so halbwegs vernünftig. und nicht allzu wissenschaftlich erklärt habe... :S Sonst dürft ihr gerne schimpfen ;) L.G. :bye01 Anno von Köln Bildquelle: Kalenderblatt aus einer Handschrift, Pergament, um 1420, aus einer privaten Sammlung
 
Danke Anno, das ist wirklich superspannend :thumbsup:! Nun, als ich mich damals angefangen habe intensiver für die skandinavische Vorwikingerzeit zu interessieren, kam auch bald die Frage auf, was für Tages- und Monatnamen es damals gegeben haben mußte und wie wohl das Kalendersystem im allgemeinen ausgesehen haben könnte. Also fing ich an zu recherchieren, zu lesen und zu suchen. Dabei schlug ich mir mehrere schlaflose Nächte um die Ohren, meine Wissensdurst steigerte sich und das Interesse wurde immer größer. Mein größtes Problem dabei bildeten allerdings die fehlenden Informationen zum 6. Jahrhundert CE. Also konzentrierte ich mich voll und ganz auf die altnordische Sprache, welche es meines Erachtens auch schon vor den Wikingern gegeben haben mußte. Dabei halfen mir Bücher, wie »Walter Baetke - Wörterbuch zur altnordischen Prosaliteratur, 1965/68«, »Dr. Theodor Möbius - Altnordisches Glossar, 1866« und natürlich das Internet. Im Internet fand ich auch etliche Listen, doch diese enthielten oft viele Fehler, waren falsch interpretiert, in altisländisch oder unvollständig. Bei meinen Recherchen fand ich heraus, daß auch der altnordische Kalender 12 Monate hat. Dieser unterscheidet zwei Jahreszeiten. Zum einen Skammdegi (kurze Tage resp. Winter) und zum anderen Náttleysi (lange Tage resp. Sommer). Die Skammdegi-Monate sind Gormánuðr, Frermánuðr, Hrútmánuðr, Þorri, Gói und Einmánuðr. Im Vergleich mit dem heutigen Kalender ist Skammdegi von Mitte Oktober bis Mitte April. Die Náttleysi-Monate sind Gaukmánuðr, Eggtíð, Sólmánuðr, Heyannir, Kornskurðarmánuðr und Haustmánuðr. Náttleysi ist im Vergleich mit dem heutigen Kalender von Mitte April bis Mitte Oktober. Jeder Monat hat 30 Tage. Um die Unterschiede auszugleichen, werden jedes Jahr nach Sólmánuðr vier Zusatznächte eingeschaltet, welche Aukanætur heißen. Ein Jahr umfaßt so also insgesamt 364 Tage. Es verbleibt jedoch eine Diskrepanz zum Sonnenjahr, die jeweils immer zu einer ganzen Woche angesammelt und dementsprechend alle 5 bis 7 Jahre als Sumarauki (Sommerzusatz) nach den Zusatznächten eingeschoben wird Am Schluß stellte ich eine komplette Tabelle zusammen und ergänzte diese in der gleichen Vorgehensweise mit den Bezeichnungen und Namen in Gallisch, Gaeilge, Althochdeutsch, Mittelhochdeutsch, Frühneuhochdeutsch und Neuhochdeutsch. Diese Liste kann hier nachgelesen werden, sobald ich unsere Webseite überarbeiten konnte. Ich mußte sie leider nach dem Zerwürfnis der Sippe am Sunnudagr, 9. Gormánuðr 2010 CE für diverse Anpassungen deaktivieren. Solche Dinge passieren eben dann, wenn ein Teil der Mitglieder lieber »Phantasy« oder »GroMi« betreiben will und der andere Teil eine historisch korrekte Darstellung anstrebt. Doch dies ist nun wirklich OT und deshalb kehren wir jetzt wieder zurück zum Thema. Sippenintern geben wir aufgrund meiner Forschungen nun immer das altnordische Datum für Termine und Ereignisse an. Am Sunnudagr, 28. Gói 2011 CE findet zum Beispiel unser Þing statt. Gegen außen kommunizieren wir mit dem Gregorianischen Datum in Frühneuhochdeutsch. Der heutige Tag wäre demnach der Freyjastag, 18. Hornung 2011 CE. Ach ja, die Menschen in Südwestnorwegen des 6. Jahrhunderts CE und auch die späteren Wikinger kannten übrigens keine Jahreszahlen. Man bezog sich vielmehr auf wichtige Ereignisse und rechnete in Jahren resp. in Wintern nach diesem Ereignis. Man nimmt an, daß erstmals der Isländer Ari Þorgilsson im 12. Jahrhundert CE versuchte, die nordischen Zeitangaben nach der Methode des angelsächsischen Historikers Beda Venerabilis in dessen Zeitrechnungssystem umzurechnen.
 
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Zur Ergänzung: Valery Baidina vertritt die Ansicht, dass die Ostslawen vom 4.-10. Jahrhundert folgenden Rhythmus hatten: Eine Woche hatte 9 Tage Ein Monat hatte 40 Tage Ein Jahr hatte 360 Tage 90 Tage waren ein einfaches abzählbares Viertel des Jahres. Ein altes Sprichwort sagt auch: "Früher hatte man 40 und 90"
 
@Ormenwolf: Davon habe ich auch schon gelesen, doch irgendwie fehlen mir da die nötigen Unterlagen und Quellen. Gut, ich habe bis jetzt auch noch nicht wirklich danach gesucht, da ich mich bei meiner Recherche »nur« auf mein Zielgebiet resp. Südwestnorwegen vom 5. bis 11. Jahrhundert CE, Germanien (nhd. auch Deutschland) vom 8. Jahrhundert CE bis heute, Helvetien (nhd. auch Schweiz), Gallien (nhd. auch Frankreich) und Britannien zur Zeit der Kelten beschränkte. Dennoch wäre es sehr spannend mehr davon zu erfahren.
 
@Aonghus + Ormenwolf: Wow, ich bin echt begeistert wenn ich das so lese. Ich muß gestehen, daß ich mich bisher z.B mit der keltischen Zeitrechnung nur ein wenig beschäftigt habe, und das leider auch nur sehr oberflächlich. Deswegen finde ich Eure Beiträge echt "Horizonterweiternd" und genial. Ich habe etwas dazu gelernt, und das macht dieses Forum so einmalig: Der Austausch von Wissen von User zu User auf nette und unkomplizierte Art. :thumbsup: Für die christliche, mittelalterliche Zeitrechnung hätte ich noch einen nicht unwichtigen Nachtrag. Deswegen vielleicht nicht unwichtig, weil wir ja schon festgestellt haben, daß die Datierung z.B. in Dokumenten nicht ohne tückische Fallstricke ist. Ich meine hier nicht den berühmten "Zeitsprung" vom 4.Okt. auf den 15. Okt. 1582 durch Gregor XIII ( eine typische Schreibweise um beide Kalendervarianten einzubringen war übrigens : 5/15.Okt. 1582), sondern ein weiteres Problem der Datierung ist der Jahresanfang. Wenn man sich mit mittelalterlichen Quellen beschäftigt, muß man 6 mögliche Varianten von Jahresanfängen berücksichtigen, und nur die genaue Kenntnis welcher Stil wann und wo gebräuchlich war läßt uns diese Quellen authentisch umsetzen. Hier die 6 mögl. Jahresanfänge im Einzelnen: 1. der 1. Januar, der sog. Circumcisions-Stil ( dies circumcisione domini= Tag der Beschneidung des Herrn) 2. der 1. März, der vorcäsarische Jahresbeginn 3. der 25. März, Annuciations-Stil (oder auch Marienjahr genannt), das ist der Tag der Vekündigung der Maria, modern übersetzt: der Tag des positiven Schwangerschaftstests :D 4. der Oster-Stil, Beginn üblicher weise am sabbato sancto, also der Osternacht, nach der Kerzenweihe . 5. der 1. September, der Byzantinische Jahresanfang 6. der 25. Dezember, der sog. Weihnachts-Stil Warum reite ich jetzt darauf so rum, daß es diese 6 Varianten gab ? Nun, andere Länder, andere Sitten : jede Nation hatte im MA ihren eigenen Jahresbeginn-Stil, groteskerweise gab es selbst in kleineren Regierungsbereichen innerhalb der Nation schon unterschiedlich Zählweisen. Für Deutschland sah es folgendermaßen aus: Die kaiserlichen Kanzleien gebrauchten seit der Karolingerzeit den Weihnachts-Stil, also den 25. Dezember. Es gab jedoch einige kurzzeitige Ausnahmen, z.B. unter den Staufern der Annuciations-Stil und vom Ende des 13.Jhd. bis zum Tode Karls IV auch sporadisch der Circumcisions-Stil. Aber Alles in Allem war der 25. Dez. bis in die 1.Hälfte des 16. Jhd. führendund erst danach setzte sich allmählich der 1. Januar durch. In der Übergangsphase findet man daher gerne die Zusätze: "a nativitate" , oder " des angehenden Jahres an". Im MA war es aber auch durchaus üblich, daß eine Region, mehrfach den Stil wechselte. Im Erzbistum Köln vewandte man Z.B. zunächst den Weihnachts-Stil, von 1222 -1310 den Oster-Stil, und ab 1310 wieder den Weihnachts-Stil. Im Urkundentext findet man dann z.B. die Bezeichnung "stilus curie coloniensis", oder "mos coloniensis". Wir merken also, daß wenn solch ein Begriff in einer Quelle auftaucht, man das exakte Datum nur mit Kenntnis des jeweilgen üblichen Jahresanfang bestimmen kann. Dieses allgemeine Verwirrspiel betrifft jetzt nur die Diözese Köln, wenn man also alle Bistümer oder Herrschaftsbereiche berücksichtigen würde, dann wäre das ein abendfüllendes Programm... ?( Ähnlich sieht es übrigens z.B. in England aus : Hier war bis zum Beginn des 11.Jhd. unter angelsächsischer Herschaft der Weihnachts-Stil führend, welcher unter normannischem Einfluß ab der Mitte des 11. Jhd. durch den Annuciations-Stil abgelöst wurde. Der 25.März war in England bis zum 1.Januar 1752 der offizielle Jahresbeginn :!: ( in Schottland übrigens bis zum 1.Januar 1600 ) Nun, vielleicht hilft Euch ja dieser kleine Exkurs ein wenig, daß wenn Ihr z.B. "A"- Darstellungen bevorzugt letztendlich auch das noch so kleinste Detail stimmt.... Also, in diesem Sinne :bye01 Anno von Köln Quellen: A.v. Brandt: Wekzeug des Historikers, 9.Aufl.1980,Kohlhammer-Verlag Stuttgart; Hermann Grotefend: Lehrbuch der Zeitrechnung, 14.Aufl. 2007, Hahnsche Buchhandlung Hannover
 
@Anno von Köln: Mir geht es ebenso, wenn ich dieses Forum hier lese und darin schreibe. Ein Forum wie dieses hier bietet mit den richtigen Leuten zusammen eine wertvolle und lehrreiche Oberfläche für den Austausch von Wissen und ich bin wirklich froh, daß ich Euch in den Weiten des Netzes gefunden habe :thumbsup:. Nun, betreffend des Jahresanfangs habe ich mir auch schon den Kopf zerbrochen. Dabei stieß ich ebenfalls auf die von Dir genannten Möglichkeiten. Der Vorteil beim Studium der christlichen, mittelalterlichen Zeitrechnung ist natürlich, daß diese im Gegensatz zur vorchristlichen um einiges besser dokumentiert ist. Es gibt vergleichsweise viele Berichte, Belege und Quellen. Mein Augenmerk richtete sich allerdings mehr der vorchristlichen Zeit meiner Region. Auch von dort gibt es verschiedenste Theorien und Ansätze, auf welche ich eventuell zu einem späteren Zeitpunkt zurückkommen werde - ich müßte erst meine Unterlagen prüfen und nachlesen. Wann beginnt nun aber das Jahr für mich, für einen germanischen, vorchristlichen Häuptling des 6. Jahrhunderts CE in Südwestnorwegen? Diese Frage läßt sich irgendwie nicht abschließend beantworten, da die wirklich authentischen Berichte, Belege und Quellen fehlen. Meiner Meinung nach würde einzig die Wintersonnenwende Sinn machen, denn ab diesem Ereignis werden die Tage spürbar und sichtbar wieder länger und ein Neubeginn des Jahres und des Lebens kann starten. Die Wintersonnenwende kann jedoch durch die Unterschiede im Jahr (siehe 11. Beitrag) nicht wirklich auf ein fixes Datum festgelegt werden. Es wird aber immer um den 21. Dezember des Gregorianischen Kalenders herum sein. Aber wie ich schon geschrieben habe, gibt es auch da verschiedenste Theorien und Ansätze für den historisch korrekten Neujahrsbeginn. Ich für meinen Teil feierte den Neujahrsbeginn das letzte Mal vom 30. Frermánuðr (21. Dezember) 2010 CE auf den 01. Hrútmánuðr 2011 CE (22. Dezember 2010 CE) mit einem kleinen Sumbl :trink02.
 
@Aonghus: Na, da hab ich jetzt meinem Sprachschatz ein neues Wort hinzugefügt: Sumbl. :thumbsup: Das gefällt mir echt gut. Ich habe da noch mal was zur Sonnenwende in gemanischer Zeit gefunden: Es gibt auf dem Felsen II der Externsteine bei Horn-Bad Meinberg eine Sonnenwarte mit einem Visurloch. Diese ist auf den Sonnenaufgang der Sommer-Sonnenwende ausgerichtet. Man hatte bis dato zwar immer angenommen , daß es sich um ein christlich-mittelalterliches Bauwerk gehandelt hat, da es zu einer Kapelle umfunktioniert wurde, muß dieses aber wohl in der heutigen Zeit etwas revidieren. Vor allem wenn man die Externsteine als germanische Anlage zur Sonnenbeobachtung ansieht, mit dem Felsen II als Hauptmenhir, wäre das eine wesentlich bessere Erklärung ihrer Funktion. Nur leider können selbst archäologische Befunde, wie vormittelalterlich Scherben vor den Felsen I + II nicht den entscheidenen Beweis liefern, weil auf und an den Steine seit dem MA mehrfach umgebaut wurde. Also auch hier gibt es noch einiges zu forschen... Quelle: E. Künzl: Himmelsgloben und Sternekarten, Theiss-Verlag 2005
 
Machen wir das ganze noch komplizierter;-) sry, kann ich nichts für. Dienstag - Freitag sind Wochentage, die allgemein in mittel, west und Nordeuropa gelten. Sonnabend , Suntag und Montag nicht unbedingt, sie sind , sonnabend, anders benannt. Zwischen den Jahren gibt es von altersher 12 Nächte, gezählt von der längsten Nacht des Jahres. Damit endet das alte sächsische Jahr am 21/22 Dezember und beginnt im Januar. 11 ? Monate zählt Beda auf, aber über die Wochenlänge schweigt er, über die Monatslänge auch. So, nun kommt Ihr
 
Hier die Bezeichnung der mittelalterlichen Wochentage: Sonntag: dominica, dies dominicus, feria prima,dies solis, sonnentag, lux domini, lux dei Montag: feria secunda, dies lunae, guter tag, mentag Dienstag: feria tertia, dies martis, Eritag, Irchtag, Irrtag, Zinstag, Zistag, Cistag, aftermontag Mittwoch: feria quarta, dies mercurii, Wodenstag, Gudenstag, media septimana, mittichen, michten Donnerstag: feria quinta, dies iovis, phincztag, durnstag Freitag: feria sexta, dies veneris, fridach Samstag: feria septima, dies sabbatinus, sabbatum, sambestag, dies saturni, saterdag, snavend,sonnabend, sneund, unsen abend Erschwerend kommt hinzu, das in der mittelalterlichen Tagesbezeichnung häufig Bezug auf Heilige, Tage des kirchenjahres oder Ereignisse genommen wurde, die uns heute aber z.Tl. sogar noch gebräuchlich sind, wie z.B. Himmelfahrt, Johannistag oder der englische St.Stephens-Day... Zu Beda, bzw. Dionysius Exiguus: Die Länge eines Monats beträgt im julianischen Jahr im Schnitt 29 Tage12 Std. 44 Min und 3 Sek.. Innerhalb der 235 Mondmonaten die den Mondzyklus der 19 julianischen Jahre bilden werden die Monate im Wechsel von 29 und 30 Tagen angegeben. Ein Mondjahr dauert daher 354 Tage, ein Sonnenjahr wie schon bekannt 365 Tage, es entsteht somit eine Differenz von 11 Tagen zwischen Sonnen- und Mondjahr. Vielleicht konnte das ja doch etwas Klarheit bringen, vielleicht aber nur noch mehr Verwirrung... Anno von Köln :bye01 Quellen: A.v. Brandt: Wekzeug des Historikers, 9.Aufl.1980,Kohlhammer-Verlag Stuttgart; Hermann Grotefend: Lehrbuch der Zeitrechnung, 14.Aufl. 2007, Hahnsche Buchhandlung Hannover
 
Als Nachtrag noch die gälischen Wochentage, auf gälisch: Làithean na seachdaine Di-luain : Montag Di-màirt : Dienstag Di-ceudaoin: Mittwoch Diardaoin: Donnerstag Di-haoine : Freitag Di-sathairne: Samstag, aber auch [latha] na Sàbaid Di-Dòmhnaich: Sonntag L.G. :bye01 Anno von Köln Quelle: BBC Alba, Beag Air Bheag
 

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