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Sind diese Farben halbwegs authentisch?

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    • Sind diese Farben halbwegs authentisch?

      Mal eine Frage an die Färbekundigen unter Euch...

      Von Frau Trissl habe ich freundlicherweise zwei Wollstoffproben bekommen, die für eine Wikingerzeitliche (Ober-) Tunika herhalten sollen.

      Beide Stoffe sind nicht pflanzlich gefärbt.

      Ist eine der beiden Farben denn so, dass sie auch pflanzlichen Ursprungs sein könnte? Oder beides völlig daneben?

      mittelalterforum.com/gallery/userImages/f3/2930-f332506a.jpg

      Weissabgleich des Bildes habe ich gemacht, deswegen sind die Farben ziemlich originalgetreu.
    • Bei dem oberen Stoff sind bei näherem Hinsehen kleine farbige Einsprengsel zu erkennen, die mE eher nicht zu einem historisch korrekt gewebten Stoff passen dürften.

      Ob ein Köper mit verschiedenfarbigem Kett- und Schussfaden wie der untere Stoff in Deinem Bild jetzt zu einer frühmittelalterlichen Darstellung passt bzw. durch Funde belegbar ist kann ich leider nicht sagen, weil ich in der Zeit nicht so "zu Hause" bin. Da müssten sich berufenere Leute äußern.
      Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist. (Konfuzius)
    • Der Obere geht nicht wegen der Pünktchen, das ist eher Modern und wird erst gemacht seit es Maschinenparks für so was gibt. So wie bei Tweed Stoffen.

      Den Unteren finde ich OK, wobei ich nicht sehen kann ist das jetzt ein Jeansblau oder Schwarz ? Alles was nach Natur/Schaffarben aussieht sollte machbar sein. So ein dunkles Jeansblau mit Waid ist machbar auf dunkler Wolle, wobei ich keinen Beleg dafür habe.
      Neue Seite mit Blog : zeitensprung-handweberei.de
    • Der untere sieht fast genau so aus wie eine klassische Blue Jeans, nachdem man sie zig Mal gewaschen hat. Also ein (wirklich nur dezent) verblasstes Blau.
      Kettfäden sind auch wie bei einer Jeans, kein weiß, sondern eher Elfenbeinfarben. Schussfäden in besagtem Blau.
      Angegeben sind 220 g/qm - würde vermutlich auch passen, oder?

      Wenn die Farbe machbar war, würde mir das vom Anspruch her reichen.
      Und verschieden farbige Kett- und Schussfäden dürften es doch auch gegeben haben, richtig?
    • Moin Hendrik,

      also die Dicke bzw.das Gewicht ist oft eine Geschmackssache und die Frage ob man schnell friert.
      220g/m² ist dann eher eine mittlere Ware.
      Bei Wolle mag ich es meistens warm (Köper so ab 320g/m²) was die Sache dann auch schwerer macht.

      Zur Zeit versuche ich mich handnähend an einem Wollübergewand für den Sommer wenn es warm ist mit 140g/m².
      Für meinen Geschmack sehr dünn und wird an den Nähten wo mehrere aufeinadertreffen, im vergleich zum Reststoff sehr dick und steif.
    • Wikingerzeitliche unterschiedliche Färbung von Kette und Schuss sind immer so ne Frage, es gibt ein, zwei Funde dazu (müsste jetzt dazu in meinen Büchern graben) die die Annahme bestätigen, dass unterschiedlich gefärbte Garne verwendet wurden.
      Ansonsten ist der obere Stoff mit den beigemischten bunten Einsprengseln eher weniger geeignet, wie meine Vorschreiber schon meinten.
      Marled
      Kleidermotte in historischen Textilien aus Leidenschaft - näheres ist in meinem Blog Archäotechnik - textile Fläche zu finden.
    • Kälte wäre erst einmal unkritisch. Da drunter kommt noch eine Untertunika aus Leinen, und für kältere Tage oben drauf noch ein Klappenrock oder Kaftan, da habe ich mich noch nicht entschieden.
      Oder für den Anfang der klassische Rechteckmantel.

      An anderen Stellen hier im Forum wird meist 200-300 g/qm für das Obergewand genannt. Wäre jetzt untere Grenze, aber noch im Rahmen.

      @Mara - hehe - der oft bemerkte Unterschied Gewicht pro Quadratmeter oder pro laufendem Meter ;)
    • Direkt die nächste Frage - wie viel Stoff brauche ich?

      Langarm-Tunika, Länge bis ungefähr Kniehöhe bei 1,83 m Lebensgröße (Schulter bis Knie sind bei mir rund 1 m, Länge Schulter bis Fingerspitzen ca. 80 cm), der Stoff ist 1,55m breit. Ein grober Richtwert reicht als Anhaltspunkt...

      Ist es bei diesem Gleichgratköper eigentlich bei der Verarbeitung wichtig, ob der längs oder quer verarbeitet wird?
      Das Probestück macht in beide Zugrichtungen einen stabilen und zug-unelastischen Eindruck.
    • Köper mit unterschiedlichen Farben in Kette und Schuss waren in der Wikingerzeit wohl eine (West)Norwegische Eigenheit - sogenannter "Veka-Typ". Stoffe von dem Typ sind entweder blau/blau (aber unterschiedlich stark gefärbt) oder blau/natur.
      Habe mir von @marled erst letztes Jahr einen Mantel angelehnt an diesen Typ Stoff weben lassen :)

      Ich kaufe immer 2lfm für eine Tunika, bei 1,82m. Das ist dann eher zu viel als zu wenig. Bei modernen Stoffen macht längs oder quer meist keinen großen Unterschied, historisch war, glaub ich jedenfalls, immer der Kettfaden parallel zur Längsachse.
      https://www.facebook.com/ormrinn.brands
    • Hendrik1975 schrieb:

      An anderen Stellen hier im Forum wird meist 200-300 g/qm für das Obergewand genannt. Wäre jetzt untere Grenze, aber noch im Rahmen.
      200 - 300 g/m² sind dann schon 300 - 450 g/lfm. Ich persönlich würde 300 g/lfm für eine normale Tunika bevorzugen, 450 g für eine Wintertunika. Da sind meine Erfahrungswerte, aber das muss jeder selbst für sich herausfinden, was ihm angenehm ist.
      Mein Lebensmotto: "Maxime peccantes, quia nihil peccare conantur" - Wer nicht zu sündigen wagt, begeht die grösste Sünde. - Erasmus von Rotterdam

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