Ausrüstung eines Ritters im 12. Jahrhunderts auf Reisen

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Kleiner Tipp Benno, mach ich immer so. Schreibs erst in Word und kopiers dann in die Antwort. Hat den Vorteil, wenn man ausgeloggt wird, was auch mir öfter mal passiert, is es nicht verloren.
 
So, ich hoffe, dass es diesmal klappt und dass ich jetzt nichts vergessen habe. Gut, also wir haben zum einen zwei Erben im gräflichen Stand und zwei Dienstritter. Die gräflichen Väter als Vasallen und die Dienstritter als Dienstmannen eines Herzogs. Damit lässt sich arbeiten. Also, auf Reisen, alleine oder mit einem Begleiter, zum Rapport, zu einem Fest, mit einer Botschaft ect... ist die Sache recht einfach. Man reiste zu der Zeit eher von fester Übernachtungsmöglichkeit zu fester Übernachtungsmöglichkeit, als in der Pampa zu campieren. Unter Adligen nahm man einen Standesgenossen sowieso für ein Weilchen bei sich auf und versorgte ihn. Das gehörte sich einfach so. Zudem gab es in Städten und Klöstern auch eigentlich immer die Möglichkeit, für klingende Münze versteht sich, einen Schlafplatz und eine warme Mahlzeit zu bekommen. Von daher ist auf Reisen nicht SO viel trara notwendig. Das eigene Reitpferd, eventuell noch ein Klepper, der das Gepäck schleppt, der Grafensohn hätte wohl noch einen Diener dabei. Im Gepäck finden sich dann Dinge wie: Kleidung zum wechseln, die Reisekasse, was zu Essen für den Tag, Flickzeug, im Gräflichen Stand zu der Zeit auch durchaus mal ein Buch... im Prinzip nichts anderes, als das, was man noch heute mit auf Reisen nimmt. Und natürlich der alltägliche Krimskrams, den man sowieso immer bei sich hat. Der Unterschied im Stand macht sich hier eher durch die Qualität, als durch die Menge der Ausrüstung bemerkbar. Im Krieg hingegen sieht die Sache anders aus. Hier ist gerade im Hochadel (zu dem man als Graf eindeutig gehört oder wenigstens nur knapp davon entfernt ist), ganz großes Damentennis angesagt. Nehmen wir an, die beiden Grafensöhne befinden sich im jeweiligen väterlichen Aufgebot, um dem Aufruf des Herzogs zum Heerbann zu folgen. Nehmen wir weiterhin an, die beiden Dienstritter, wären im selben Banner. (das macht die Sache einfacher) Die Größe des Aufgebots kann stark variieren, Graf ist nicht gleich Graf. Ein Beispiel aus dem Limburgischen Erbfolgestreit rund 100 Jahre später: Ein Graf schwört in einer Urkunde seinem Lehnsherren, dem Grafen von Kleve, ihn im Kriegsdienst mit 12 Rittern, 12 Knappen und 6 Bogenschützen zu unterstützen. Im Gegensatz dazu erscheint der Graf von Berg 1288 auf dem Schlachtfeld von Worringen mit 1500 bis 2000 Mann unter Waffen und kommandiert in der Schlacht den linken Flügel des Brabantischen Heeres. Unsere Grafensöhne Tragen auf jeden Fall, das Beste und Modernste, was es zu dieser Zeit an Kleidung, Rüstung und Bewaffnung gibt. Die Dienstritter können etwas einfachere und altmodischere Ausrüstung tragen. (etwas ist hier das Stichwort) Pro Ritter (und das gilt ebenso für die Dienstritter) gelten 3 Pferde als absolutes Minimum. Ein Dextrier (Das Schlachtross, das bis zum Kampf so wenig wie möglich belastet wird), ein Zelter (das Reitpferd, das seinen Nahmen vom "Zelt" oder "Tölt", der vierten Gangart hat) und ein Packpferd. Die Grafensöhne haben wohl noch ein - zwei Dextrier in Reserve, falls ein Tier im Gefecht ermüdet oder getötet wird. Die Grafensöhne haben je mindestens einen (ebenfalls berittenen) Knappen dabei, welcher als Adliger in der Ausbildung zum Ritter zwar Bewaffnet und Gerüstet ist, aber im 12. Jahrhundert noch nicht aktiv am Kampfgeschehen teilnimmt. Die Knappen bleiben hinter der Schlachtreihe zurück, kümmern sich um die Pferde, und helfen notfalls bei der Verteidigung des Trosses. Die Dienstritter verfügen zu diesem Zweck eher über einen Knecht, der entweder ebenfalls beritten ist, das Packpferd reitet oder Läuft und entweder garnicht oder nur leicht bewaffnet ist. Im Heerlager Schlafen die Grafensöhne wohl in einem Spiechenrad- oder bei einem sehr reichen Papi sogar in einem Pavillion-Zelt, welches bei diesem Stand auch recht komfortabel eingerichtet sein darf. Oft teilten sich mehrere befreundete Ritter ein Zelt. Gehen wir der Einfachheit halber davon aus, das sei hier ebenso. Die Knappen schlafen meist bei ihren Herren mit im Zelt, um immer zur Stelle zu sein. Die Dienstritter werden eher in einem rudimentär eingerichteten Kegelzelt nächtigen, aber ebenfalls gemeinsam mit den Knechten. Normalerweise wird so eine Truppe noch von 2 - 4 Fussknechten begleitet (die Infanterie stand als Hilfswaffe für die Kavallerie, gerade in Feldarmeen, meist in einem Zahlenverhältnis von 1/2 oder 1/1 zu dieser). Bei diesen Fussknechten wird es sich wohl um Waffenknechte handeln, bezahlte und einigermaßen gut ausgebildete und bewaffnete Berufskämpfer, die aus den nachgeborenen Söhnen von Bauern, Handwerkern und Knechten rekrutiert werden, und zusammen mit den Rittern die feste Besatzung der Burg / des Herrenhofes bilden. Im 12. und 13. Jahrhundert bilden diese Waffenknechte den Großteil der feudalen Infanterie. Eventuell wird das Heer noch von einem bürgerlichen Aufgebot begleitet. Die Bauernaufgebote werden schon im 12. und erst recht im 13. jhdt. eigentlich nurnoch zur Landesverteidigung herangezogen, und spielen in Feldzugsarmeen keine Rolle mehr. Die Fussknechte schlafen dann entweder allein oder in Gruppen in mehr oder weniger großen A-Zelten (auch Dreieckszelte genannt). Abgerundet wird das Ganze durch einen mehr oder weniger gro?en Wagen (im 13. Jahrhundert wäre das ein 1 bis 2 achsiger Leiterwagen, wie man ihn in der Kreuzfahrerbibel sieht. Fürs 12. weiss ich es nicht.), welcher den Proviant, das Kochzeug, die Zelte + Inventar und ,wenn die Fussknechte Glück haben, auch noch das Meiste von deren Krempel transportiert und je nach Region, Größe des Gefährts und Geldbeutel von einem oder mehreren Pferden, Eseln, Ochsen oder, wenn die Fussknechte Pech haben, von Ebendiesen gezogen wird. Das ist die Aufzählung, was alles historisch gesehen dazu gehört hat. Was ihr davon wie in der Darstellung umsetzen wollt, müsst ihr wissen. Ich weiss auf jeden Fall, warum ich keinen Ritter (schon lange keinen Hochadeligen) darstelle, sondern einen Täschnergesellen im Waffendienst für seine Stadt. Hoffe, geholfen zu haben. Benno
 
Als kleiner Nachtrag: "Ritter und Söldner im Mittelalter" von Garry Embleton zitiert ein Buch aus dem frühen 16. jhdt., welches beschreibt, was ein Diener seinem Herrn als Reiseausstattung mitgeben soll: "Börse, Dolch, Mantel, Nachtmütze, Halstuch, Horn mit Fett für die Schuhe, Brieftasche, Schuhe, Speer, Beutel, Gugel, Pferdegeschirr, Satteltuch, Sporen, Hut, Pferdekamm, Bogen, Pfeile, Schwert, Faustschild, Handschuhe, Ersatzsehne, Armschutz, Stift, Papier, Tinte, Pergament, Radierer, Rotes Wachs, Bücher, Federmesser, Kamm, Fingerhut, Nadel und Faden, Ersatznestel, Ahle, Messer, Schuhmacherzwirn." Natürlich ist diese Liste nicht direkt auf das 12. jhdt. übertragbar. Aber vielleicht kann sie als Denkanstoss dienen, was alles zu dem Bereich gehört, den ich in meinem letzten Beitrag hier als "Sonstigen Krimskrams" bezeichnet habe.
 
Hallo Benno, eine echt geile Aufzählung. Hochachtung für Deine Mühe! Da ich selbst ebenfalls einen Grafen darstelle, weiss ich ja jetzt, was mir noch alles fehlt ;( Viele Grüße Mangold
 
Neben der Überlebensausrüstung eventuell persönliche Talismanne, die sie von zuhause mitnahmen. Erinnerungstücke an Heimat und Famile. Vielleicht auch religiöse Symbole, Amulette gegen Flüche. Wow, Benno, das war aber viel das die rumgeschleppt haben 8| Fast soviel wie in heutigen Frauenhandtaschen ;)
 
Was für Talismane oder Amulette sollte ein Ritter mit sich rumtragen? Ich gehe doch davon aus das wir hier vom Ritter des europäischen Mittelalters reden und der dürfte wohl kaum etwas anderes als das Kreuz mit sich geführt haben.
 
Richitg, Lord Michael, meine Frage bezog sich auf das europäische Mittelalter, von dem wir wissen, dass es christlich geprägt war. Als einzige Talismanne kann ich mir daher auch nur ein Kreuz oder ein Schmuckstück vorstellen, dass mein Ritter vielleicht von Vater, Mutter oder jemand anderes einmal bekommen hat. (@ Kättchen: Erinnerungsstücke an Familie und Heimat) Ein Amulett gegen Flüche braucht ein Ritter, der christlich erzogen wird nicht und für diesen ist das Kreuz und der Rosenkranz Symbol genug.
 
Wollt ich doch sagen. Mir war ganz dunkel in Erinnerung das im 12. Jhr. praktisch überall in Europa die Christenheit vorherrschte und sich dadurch andere Talismane oder Amulette regelrecht verbieten. Das schliesst natürlich Erinnerungsstücke der Familie nicht ein denn diese haben entweder auch Bezug zum Christentum oder ganz einfach sentimentalen Wert
 
Nja, Jein... Es gab schon noch einen stark verbreiteten Volksaberglauben, den die Kirche da, wo Verbote eh nichts genutzt hätten so gut wie eben möglich in ihre Lehre mit einzubeziehen versuchte. (Wie sie das ja mit fast allen heidnischen Traditionen gemacht hat) Es gibt doch z.B. aus dem 12. Jhdt die Merseburger Zaubersprüche, wenn ich mich richtig entsinne? Dann gabs noch die Zwiebel irgendeiner Blume, die laut volksglauben unverwundbar machen sollte (frag mich jetzt nich, welche genau) und die weitverbreitete Tradition der Heilsbriefchen: Kleine Beutelchen auf der Haut getragen, in denen sich Kleine reliquienstücke, Heiligenbildchen, Zettel mit Bibelsprüchen und alles mögliche befinden Konnte, von dem der Besitzer glaubte, es brächte was. (gewissermassen die Vitaminpräperate des Mittelalters: Bringt nix, kostet viel Geld, aber man hat ein gutes Gefühl dabei.) Auch der Glaube an die Steinheilkunde war weit verbreitet: Hildegard von Bingen betrachtet sie gleichwertig neben der Kräuterkunde und im Parzival des Wolfram von Eschenbach werden lang und breit die Edelsteine beschrieben, mit denen Feirefis Rüstung besetzt ist, mitsamt den dazugehörigen Schutz- und Stärkungswirkungen. Fragt sich natürlich, inwieweit diese Völkische Aberglaube auch für einen Ritter, oder gar Hochadeligen von Interesse war.
 
"Mann darf den "Ritter" auch nicht nach heutigen militärischen Maßstäben beurteilen. Die Ritterwürde war schließlich ein Adelstitel, vergleichbar mit einer Amtswürde und keine genormte Truppengattung nach "Z.D.V.Dienstnorm". Wenn ein Ritter keinen Bock hatte als Ideal-Standard Ritter mit Schwert und Lanze zu kämpfen weil ihm z.B. Bardiche und Rabenschnabel schlichtweg besser gefielen, dann wird er die auch benutzt haben. Auch die Armbrust wurde meines Wissens oft und gerne eingesetzt, auch wenn es der Papst nicht gerne sah. Ja, auch im Mittelalter gab es Menschen die sich einen feuchten Kehricht um die Meinungen anderer geschert haben und da wird sicher auch der eine oder andere Exzentriker bei gewesen sein. Ich lese übrigends gerade "Don Quijote" in der deutschen Übersetzung von "Pahsch Basteln von der Sohle" von 1621 und ich muss sagen ich mag diesen exzentrischen Kerl mit dem selbst gebastelten Eisenhut. Es ist im Grunde ein Roman über den ersten Reenactor der Geschichte, der all sein Wissen nur aus Büchern hat und glaubt mit seinem Wissenstand das Maß aller Dinge zu sein. (Ein kleiner Schelm wer da Parallelen zieht, und ein großer wer es nicht tut) :kopfstreichel Aber im Ernst: Wer das Buch nicht gelesen hat hat wirklich was verpasst :ritter07
 
Sicher gab es solche Exentriker zu allen Zeiten, dies ist unbestritten. Aber er lebte in einer Welt voller Normen die wir heut nicht verstehen und lief sicher mehr Gefahr seinen Status zu verlieren wenn er diesen Normen nicht entsprach als unsereiner heute. Benno schreibt da auch etwas davon wie weit diese Völkische Aberglaube auch für einen Ritter, oder gar Hochadeligen von Interesse waren. Ich würde diese Frage nur leicht umformulieren und fragen in wie weit es gut war wenn es bekannt wurde das nicht der bestehenden Norm entspricht. War er z.b. für seinen Lehensherren tragbar oder brachte dieser sich selbst in Misskredit bei seinen Übergeordneten Herren? Es war nicht einfach die Ritterwürde zu erlangen aber man konnte sie bestimmt sehr schnell verlieren wenn man "anders war als alle anderen" Im anderen Thread "Wie reagiert eure Umgebung..." sieht man ja das sogar heute nicht ganz einfach ist wenn man sich allein durch Schmuck von der breiten Masse abgrenzt.
 
@Benno: Ich revidiere meine Aussage, dass Kreuz und Rosenkranz für den christlichen Ritter ausreichend waren. Du hast Recht, dass es noch einen starken Volksglauben gab. Den gibt es ja heute noch. Ich werde mich da jetzt nicht näher dazu äußern und verweise auf Lord Michaels Thema „Ein Mythos entsteht“.
Dann gab’s noch die Zwiebel irgendeiner Blume, die laut Volksglauben unverwundbar machen sollte (frag mich jetzt nicht, welche genau)…
Auch das soll nur ein kurzer Exkurs werden: Es gibt u.a. die Siegwurz, deren Hülle zu früherer Zeit mit einem Panzerhemd verglichen wurde und der Träger „dieser Hülle“ –genannt Harnisch- sollte unverwundbar gewesen sein.
Auch der Glaube an die Steinheilkunde war weit verbreitet: Hildegard von Bingen betrachtet sie gleichwertig neben der Kräuterkunde und im Parzival des Wolfram von Eschenbach werden lang und breit die Edelsteine beschrieben, mit denen Feirefis Rüstung besetzt ist, mitsamt den dazugehörigen Schutz- und Stärkungswirkungen. Fragt sich natürlich, inwieweit diese Völkische Aberglaube auch für einen Ritter, oder gar Hochadeligen von Interesse war.
Ich denke nun, da ich mal richtig nachgedacht habe, dass der völkische Aberglaube bei Rittern wie bei allen anderen Menschen noch sehr tief verwurzelt war auch deshalb, weil eben die Kirche diesen für sich vereinnahmt und dem Kind nur einen anderen Namen gegeben hat. Hildegard von Bingen war eine angesehene Persönlichkeit, auch in den Reihen der Mächtigen –ob weltlich oder kirchlich- und ihre Lehre hatte sicherlich nicht nur Auswirkung auf die Medizin sondern auch auf das kulturelle Leben, genau wie die Dichtung Wolfram von Eschenbachs und anderer. @ Geri Ich denke, wenn ein Ritter gsacht hat, „Ihr könnt mich mal mit Eurem Heiligen Lanzen, ich streite da mal lieber mit der Hilfe der alten Götter, die meine Mutter in irgendeiner Weise immer noch anbetet und sei es, weil sie im Februar eine Räucherung in ihren Räumen durchführt…“, der war zeit seines Lebens Ritter gewesen. Kein Dienstherr wird sich ein solches Lästermaul in seine Reihen gesteckt haben. Müsste dann doch der Priester, Laienbruder oder sonst wer, der für die Pfarrei zuständig ist, denken, dass auch dieser ein solches Lästermaul sei. Nicht so platt ausgedrückt, wenn ein Ritter in irgendeiner Weise mit Ketzerei in Verbindung gebracht wurde, war er Ritter gewesen. Und deshalb Geri, halte ich Deine Meinung (‚Ja, auch im Mittelalter gab es Menschen die sich einen feuchten Kehricht um die Meinungen anderer geschert haben und da wird sicher auch der eine oder andere Exzentriker bei gewesen sein.’) nicht aufrecht.
 
Ääääh hallo! Wo hab ich den bitte behauptet ein Ritter hätte was mit "alten Göttern" oder "Ketzerei" zu tun gehabt? Das hätte ich gern zitiert ! Mein Beitrag bezog sich, und das hab ich glaub ich deutlich geschrieben, auf die Ausrüstung und Bewaffnung. Es war ein Hinweis darauf dass eben diese Ausrüstung je nach persönlichem Gusto stark variieren konnte und nicht jeder Ritter ein Schwert oder eine (Kampf)Lanze mit sich führte, wenn ihm andere Waffen besser gefielen. Die Waffenarsenale des Mittelalters waren reich gefüllt und nicht jeder verzichtet auf seine geliebte Bardiche oder seinen Rabenschnabel nur weil Schwert und Lanze gerade in Ritterkreisen "In" sind. Allein der Gedanke an einen Ritter, der morgens aufsteht und sich denkt: "ach herrje, mein altes Scheibenkaufschwert ist ja gar nicht mehr im Trend, Ich muss unbedingt zum Schmied und mir die neue Sommerkollektion ansehn!", bringt mich zum lachen, Obwohl es solche sicher auch gab ^^. Des weiteren könnte es ja auch sein, das gerade dieser eigenwillige starrköpfige Brummschädel von einem Ritter, seinem Fürsten oder König aus eben diesem Grund sehr sympathisch war. Nicht jeder Anführer liebt es von Bücklingen und Speichelleckern umgeben zu sein, besonders wenn er diesen In der Schlacht sein Leben anvertrauen soll. Deiner Meinung folgend hätte Kurfürst Friedrich III von Sachsen seinerzeit niemals einen gewissen exzentrischen und eigenwilligen Mönch (Luther), in der Wartburg Zuflucht vor den Häschern des Papstes bieten dürfen. Er hat es aber doch getan, und sich dem Höchsten widersetzt, dem man sich nur widersetzen konnte, dem PAPST. (böser Kurfürst) Aber zurück zum Ursprung, wenn man den Unterschied zischen einen Exzentriker und einem Ketzer nicht kennt, einfach mal im Duden nachschlagen den man sich irgendwann mal bei Weltbild bestellt hat um Besucher zu beeindrucken. Zur Not tuts auch Google, (obwohl Google von Wissenschaftlern meist als Bezugsquelle abgelehnt wird.)
 
Ääääh hallo! Wo hab ich den bitte behauptet ein Ritter hätte was mit "alten Göttern" oder "Ketzerei" zu tun gehabt? Das hätte ich gern zitiert ! Mein Beitrag bezog sich, und das hab ich glaub ich deutlich geschrieben, auf die Ausrüstung und Bewaffnung.
Die Ausgangsfrage bezog sich nicht auf die militärische Ausrüstung sondern auf die private. „Alte Götter“ und „Ketzerei“ hast Du nicht geschrieben, dass stimmt. Ich habe diese lediglich als Untergrabung meiner Aussage angeführt, weil ich nicht wusste, wie ich diese ansonsten deutlich machen sollte. Ein Exzentriker hat es selbst in unserer Zeit schwer und wird in irgendeine Schublade gesteckt. Lord Michael hat ja bereits auf das Thema „Wie reagiert eure Umgebung...“ hingewiesen. Wie mochte es dann einem Individualisten in einer Zeit ergangen sein, in der es ganz klare und auch starre Regeln gab und es bedeutete, wenn man aus diesen ausbrach, dass man ziemlich alleine dastand? Regeln, die hauptsächlich von der kirchlichen Macht aufgestellt wurden und man sehr schnell in der Schublade „Ketzer“ war, wenn man nicht so funktionierte, wie es sich diese Herren gedacht haben. Mehr will ich dazu aber nicht sagen. Diese Frage gehört hier nicht rein. Und auch nicht Martin Luther und Kurfürst Friedrich III. Hier ging es nämlich nicht nur um einen exzentrischen und eigenwilligen Mönch, sondern um die „Neugestaltung“ eines Reiches und (zum wiederholten Male) um die Frage, wie viel Macht der Papst und der Kaiser wirklich über die Landesfürsten hätten.
 
Ich glaub grad das ihr beide ein wenig aneinander vorbei redet. Gerri bezog sich bei seinem Beispiel "Ich will nicht mit der Lanze, nehm lieber mein..." auf die reine Waffentechnik und das war sicher legitim denn man gewinnt am leichtesten mit der Waffe die man am besten beherrscht. Du Julia, hast das aber wohl als bildliche Darstellung aufgefasst "Ich will nicht mit euren *heiligen* Lanzen kämpfen" was natürlich dann ganz klar ketzerisch gewesen wäre ;)
 
Ich habe nicht behauptet der Ritter hätte in einer rosa Bruche auf dem Bergfried Aristoteles zitiert, sondern das er seine Waffenwahl seinem persönlichen Geschmack entsprechend angepasst haben wird. Und als exzentrisch habe ich einen Mann beschreiben wollen, der aufgrund seiner Lebenserfahrung die er womöglich in Schlachten und anderen Ereignissen gesammelt hat, es einfach nicht nötig hat jeder höfischen Mode hinterher zu laufen wie ein kleines dummes Hündchen. So ein Ritter hat womöglich mehrmals dem Tod ins Auge geblickt, ist verwundet worden, hat Freunde und Kameraden in der Schlacht verloren. Dieser Mann spuckt höchstens verächtlich in den Staub wenn irgend ein flaumbärtiger Höfling ihm erzählt seine Axt entspreche nicht dem Zeitgeist. Spätestens wenn du vor dem toten und zerfetzten Körper eines Freundes oder Kameraden stehst, dessen Motorrad (oder Pferd) über die halbe Strasse verteilt liegt, fängst du an über gewisse Dinge wie Oberflächlichkeiten und Gesellschaftsnormen nachzudenken, die uns in unserer ach so behüteten und genormten Welt so wichtig vorkommen. Nichts von alledem rettet dir deinen Ar*** wenn alles den Bach runter geht. Man kann in solch einer Situation zum Exzentriker werden, damals wie heute, und man kann dabei ganz eigenwillige Macken entwickeln. Und ja, man kann damit leben, denn man entwickelt dabei enorm viel Rückrad und manchmal eine beängstigende Gleichgültigkeit gegenüber dem Rest der Welt. Tausende von Rittern sind in hunderte von Schlachten und Kreuzzügen gezogen, haben Mit ihren eigenen Händen anderen Menschen die Schädel zertrümmert, Gliedmaßen abgehackt, mit Widerhaken die Gedärme aus dem Laib gerissen, Köpfe abgetrennt und teilweise auf flachem Gelände Knie-hoch in Blut Leichenteilen gestanden und du glaubst tatsächlich das hätte keine Exzentriker hervorgebracht? Es gibt bei U-tube eine wirklich gute Doku über die Kreuzzüge in der beschrieben wird wie halbverhungerte Ritterheere Osmanische Dörfer überfallen und dort alles Abschlachten was läuft und athmet. Und weil die paar mageren Ziegen das Heer nich satt bekam wurden im Anschluss die Leichen der getöteten Männer Frauen und Kinder über offenem Feuer geröstet und verspeist. http://www.youtube.com/watch?v=DlUDrqp_Q-E&feature=PlayList&p=68DBA3F408A24176&index=0&playnext=1 Und diese Ereignisse sollen keine Exzentriker hervorgebracht haben? Ich glaube das Mittelalter war eine Zeit voller Freaks und Exzentriker, und der brummige Ritter der partout nicht auf seine Streitaxt verzichten will ist noch einer der sympathischsten.
 
Die Ausgangsfrag war doch wohl, was er auf Reisen dabei hatte (Krieg, Audienz, Privatreise...etc) In keinem der Fälle wird er ohne Waffen losgezogen sein oder? Schliesslich ist die Waffe eines Ritters eines seiner wichtigsten Statussymbole gewesen. Ach ja, Luter gehört hier durchaus rein, denn er ist Bestandteil meiner Argumentation in Bezug auf dein Vorwurf es Gäbe keine Exzentriker im MA. Sowohl Luther als auch Friedrich III waren Extrentriker aus Sicht des Papstes und der damaligen Gesellschaft. Davon Abgesehen befinden sie sich in guter Gesellschaft denn die meisten grossen Persönlichkeiten der Geschichte waren Exzentriker: Leonardo da Vinci, Galileo Galilei, Ghandi, Jesus (unter Vorbehalt da nicht Belegt), die Gebrüder Wright usw....alles Exzentriker aus der Sicht Ihrer jeweiligen Zeit und Gesellschaft. Sicher hatten sie alle ihre Feinde und viele die Sie belächelten aber Sie hatten auch alle ihre Befürworter und Gönner.
 
Zuletzt bearbeitet:
Die Ausgangsfrage war doch wohl, was er auf Reisen dabei hatte (Krieg, Audienz, Privatreise...etc)
Ausgang:
Was hatte eigentlich ein Ritter dabei, wenn er auf Reisen war? Zum Kriegseinsatz, zu einem Besuch, zu einer Audienz.... Habe im Forum nichts entsprechendes gefunden, lediglich die militärische Ausrüstung. Aber hatte er auch was anderes dabei? Z.B. Bücher, die Bibel evtl. ....
Ach ja, Luter gehört hier durchaus rein…
Luther = ein dem Augustinerorden angehörender Mönch und Professor der Theologie = kein Ritter
… in Bezug auf dein Vorwurf es Gäbe keine Exzentriker im MA.
Hab ich nie gesagt. Geri, eine Diskussion über Exzentriker, ganz gleich zu welcher Zeit, ist sicherlich interessant, aber sie gehört hier wirklich nicht rein. Mach doch ein neues Thema auf.
 
Was genau willst du eigentlich, geri? Das Waffenarsenal beinhaltete verschiedenste waffen für jedes gusto, und die erhaltenen Bildquellen zeigen auch oft genug, wie Ritter mit anderen Waffen, als dem Schwert arbeiten. Gerade im 14. und 15. Jhdt. wurden durch die neuen Rüstungen Rabenschnabel und andere "Dosenöffner" beliebt. aber auch schon vorher finden sich Beile, Streitkolben und im 13. Jhdt. der Malchus, als Alternative zum schwert. Im geschlossenen Anritt ist die Lanze natürlich einfach die einzige Waffe, die Sinn macht. Aber ein abgesessener Ritter, der entweder an der Erstürmung eines festen Platzes teilnimmt, oder auf offenem Feld die Formation des Fußvolks verstärkt, bedient sich natürlich ganz nach gusto aus den Stangenwaffen seiner Zeit und Region. Das hat hier aber auch niemand in Abrede gestellt. Amsonsten schliesse ich mich meinen Vorrednern an: Wenn dich das Thema Exzentriker im Mittelalter interessiert, mach doch bitte einen neuen thread auf. Der hier war bislang so schön sachlich...
 

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