Crossdressing und Darstellung anderer Ethnien im Living History

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Bei der Darstellung anderer Ethnien sehe ich deutlich mehr Fallstricke und Grenzen als bei beim ersten Thema
Wo zieht man da die Grenze? Und diese Frage ist nicht provokant gemeint, sondern ganz offen und ehrlich. Wenn ein Deutscher einen Norwegischen Wikinger darstellt, wird das grundsätzlich als unproblematisch erachtet. Obwohl Deutschland und Skandinavien zwei verschiedene Regionen in Europa sind. Gleiches, wenn beispielsweise ein Engländer einen Römer darstellen möchte. Auch das ist allgemein akzeptiert, trotz der räumlichen Distanz und der unterschiedlichen Nationen. Warum (echtes Interesse und ganz wertungsfrei) gibt es dann Vorbehalte, wenn ein Europäer einen American Native oder einen Samurai darstellen will? 'Darf' man nur dann eine Darstellung wählen/ausüben, wenn eine ausreichende optische Ähnlichkeit vorhanden ist?
 
Bei der Darstellung anderer Ethnien sehe ich deutlich mehr Fallstricke und Grenzen als bei beim ersten Thema
Wo zieht man da die Grenze?Und diese Frage ist nicht provokant gemeint, sondern ganz offen und ehrlich.
Wobei es da ja durchaus medial sehr präsente Gruppierungen gibt, die ja mittlerweile viele Zugeständnisse bekommen, die letzteren Puntk dann als cultural appropriation sehen würden. Das ist halt leider der Punkt wo mir diese Gruppen gewaltig gegen den Strich gehen. Erstens: Negierung der historischen Lebensrealität und nicht Reflexion, Diskurs und Anerkennung der Sachverhalte sondern gewissermaßen eine Tilgung der ganzen Historie - was mMn faschistisch ist. Zweitens: mit zweierlei Maß messen. Da gibts dann die xte historische Streamingdienst Adaption irgendeines 17Jh Stoffes, wo die Hälfte der Perücken tragenden Darstellerriege schwarz sind. Auf der anderen Seite werden Leute angegangen, die an Halloween einen mexikanischen Hut tragen oder sich Rastas machen lassen. Die Genderdimension hat gewisse Schnittpunkte mit der Ethnienfrage, aber an sich sind das getrennte Themen.
 
Interessant wäre für mich auch hier ein Feedback eines geborenen Natives, welches ich aber akt. leider nicht habe.
Frag mal bei den Mandan-Darstellern in Leipzig-Taucha nach... die nehmen ihr Hobby sehr ernst, besuchen die Nachkommen des Stamms immer mal wieder und ich weiß von mind. einem, den der Stamm sogar ehrenhalber als Mitglied aufgenommen hat. Was der eine allein für einen äußerst exakt von USA-Stamm gefertigten Kopfschmuck bezahlt hat, treibt mir immer noch den Schweiß aus.... - Der heute immer mal wieder aufkommende Vorwurf der kulturellen Aneignung ist schnell ein Totschlagsargument... mir persönlich ist es wichtig, wie ernsthaft man als nachahmender Darsteller an die Sache geht. Dazu gehört auch, dass das erstellte Kostüm nicht missbraucht wird (z.B. zum Fasching) und die Riten (z.B. Tänze) als "rituell" und damit für die Betreffenden als hochsymbolisch begriffen wird... und somit mit Respekt und Erklärung vorgeführt und nicht im Suff am Lagerfeuerchen veralbert wird. Ich hab also nix gegen ... - Japaner, die schottische Tänze im Kilt tanzen - Franzosen, die im Kimono eine japanische Teezeremonie nachempfinden lassen - Deutsche, die mit Stetson und Chaps Westerntänze aufführen bzw. Koreaner, die im Tutu entsprechend der europäische Ballettkultur tanzen solange sie die Sache nicht verballhornen oder anders respektlos behandeln.
 
Wo zieht man da die Grenze?
Genau das ist die spannende Frage! Habe ich mir schon oft gestellt, stelle ich mir immer noch (ein Grund für meine Teilnahme an diesem Thread) und habe keine allumfassende Antwort darauf. Ich denke aber, dass man das nicht pauschal beantworten kann sondern sich Fallspezifisch im Rahmen der entsprechenden Darstellung genau überlegen sollte.
'Darf' man nur dann eine Darstellung wählen/ausüben, wenn eine ausreichende optische Ähnlichkeit vorhanden ist?
Definitiv nicht, leider hast du in meinem Zitat genau diesen Satz weg gelassen ;-)
Bei der Darstellung anderer Ethnien sehe ich deutlich mehr Fallstricke und Grenzen als bei beim ersten Thema. Deswegen würde ich aber nicht sagen das es nicht möglich wäre, im Gegenteil
Historische Darstellung ist für mich neben Neugier, Experimentierfreude und Lebens-Ausgleich vor allem ein Baustein gegen das Vergessen. Das kann die eigene Vergangenheit sein, das sollten auch andere Zeiten und Kulturen sein.
 
Das mit der Ethnie ist wohl auch kuturabhängig. Die Sami reagieren wohl recht empfindlich wenn man Teile Ihrer Kleidung zB in die gängige Mode kopieren mag. Der ethnische Ursprung der Skjoldehamn Leiche ist immer noch ungeklärt, möglicherweise ist sie Samischer Herkunft. Ich habe die Kleidung nachgearbeitet, weil es für mich reizvoll war eine Komplettaussattung ist Originalgröße nachzuarbeiten die ich tragen kann. Bei 1,58m bekomme ich in der Regel keine Kleidung von der Stange, man weiß nicht viel, nicht einmal das Geschlecht steht wirklich fest, der Treand geht jedoch dazu das die Person weiblich und um die 50 Jahre alt und knapp 1,60m groß war. Es passt also so vieles, weil ich in diesem Alter bin und die gleiche Größe habe. Getragen habe ich die Kleidung bisher auschließlich im Museum und die Belegmappe ist immer griffbereit.
 
Für mich ist es ganz wichtig, zwischen Darstellung und Darsteller zu unterscheiden, solange keine konkreten historischen Gegebenheiten realitätsgetreu wiedergegeben werden. Und der Fokus sollte in diesem Hobby klar auf der Darstellung liegen. Ich schließe mich dahingehend @Schnazel an, dass der Darsteller nicht mehr als eine Möglichkeit ist, die Darstellung zu präsentieren. Eine lebendige, sprechende Kleiderpuppe, um es so zu sagen. Und hierbei sollte es vollkommen egal sein, wie die Kleiderpuppe aussieht. Eine gute Darstellung ist eine gute Darstellung, ungeachtet dessen auf welchem Weg sie präsentiert wird. Wenn eine Frau eine ausgezeichnete Männerdarstellung trägt, ist es genau das: Eine ausgezeichnete Männerdarstellung. Sie wäre genauso gut an einer Schaufensterpuppe oder an einem Mann. Wenn wir uns zu sehr auf das "dahinter" konzentrieren, verlieren wir den Blick für das hier Wesentliche. Und wenn man es doch tun will, dann bitte in aller Konsequenz. Kriegerdarstellungen nur mit entsprechender körperlicher Fitness, Adelsdarstellungen nur mit entsprechendem Grundbesitz und Gefolge, etc. Wir merken hoffentlich alle, wohin das führt - es wird absurd. Und es würde ein Gros aller Darsteller aus dem Hobby ausschließen. Die Diskussion ist im Grunde dieselbe wie die über moderne medizinische Hilfsmittel. Ob man eine Brille braucht oder nicht sucht man sich in der Regel nicht selbst aus, genauso wenig wie sein Geschlecht oder seine ethnische Herkunft. Lasst die Leute doch machen, das bricht doch keinem einen Zacken aus der Krone. Solange die Darstellung, die präsentiert wird gut ist, passt doch alles. Und dann lasst doch einen Mann auch eine Frauendarstellung machen. Ist doch in Ordnung. (Ich meine, es laufen ja auch genug Leute mit einer Pferdedarstellung herum, wenn man auf "Gürtel"beschläge oder Wildschweinhauer achtet.) PS: Vielleicht habe ich eine sehr festgefahrene Meinung, aber gerade die FrüMi-Szene hat definitiv ihre rechten Problemchen, was auch der Grund ist, warum ich mich immer mehr aus dem LH-Umfeld zurückziehe.
 
PS: Vielleicht habe ich eine sehr festgefahrene Meinung, aber gerade die FrüMi-Szene hat definitiv ihre rechten Problemchen, was auch der Grund ist, warum ich mich immer mehr aus dem LH-Umfeld zurückziehe.
Denke das hängt stark damit zusammen, was ich oben angesprochen habe. Identifikation gepaart mit Projektionsfläche und Realitätsflucht.
 
Klingt vielleicht blöd ... liegt in meinen Augen im Frümibereich auch ein bissle am RCF ... Altersschnitt ist sehr gering ... (jetzt ohne Wertung)
Identifikation gepaart mit Projektionsfläche und Realitätsflucht
... trifft es da glaube ich ... Ist mir persönlich halt hauptsächlich in der "Wikingerszene" aufgefallen ... Frühere Zeitstellung und auch spätere eher weniger ...
 
es trifft auch die Germanen schon weil es von Adolf und Co progagiert wurde. Für einige gilt das AFM Oerlinghausen deshalb immer noch als heiliger Boden und das ist der Grund dafür warum man sich so sehr im Museum gegen diese Strömung stark macht.* Aber nun geht es echt vom Thema weg. Bevoir wir hier wieder in Streit und Diskusionen versumpfen - können wir zurück zum Thema bitte ? *Wer nun Buchtipp haben mag, schreibt mir gerne eine PN.
 
Alles in Allem eine "heikle" Sache. Nun: Ich kann noch so Fan von Eskimos sein "oder Inuit oder wie immer genannt", Egal wie sehr ich mich damit beschäftige etc. Ich werde nie einer sein. Ich kann einiges zeigen, erklären etc. No Problem. Will ich mich in einen verwandeln, ist der Grat der reinen Kostümierung sehr schmal. Ebenso käm uns ein Pygmäe, der jetzt noch so begeistert ist, in Lederhosentracht, schräg rüber. Kann er machen, ist seine eigene Sache. Aber er wird nie ein Urbayer sein. Wenns um eine Darstellung in öffentlichem Kontext geht, etwas fraglich. Nimmt man es hier nicht mit jedem kleinsten Detail genau, obs stimmig ist, aus der Zeit, von dem Ort ........ Bin ja manchmal auch in anderen Welten unterwegs. Z.B. Einladungen bei Western Hobbyisten . Habe persönliche Indianische Bekannte, oder Natives oder wie auch immer, finde da manches auch cool etc. ( weiss auch aus praktischer Erfahrung wie man einen Bison abhäutet. Draussen am Boden, ein Mann ein Messer etc.) Niemals würde ich als mich Indianer in Szene setzen. Etwas darüber berichten, vorzeigen: No Problem. Ok hab den Vorteil: Ich BIN Falkner. Ich BIN Jäger, Ich BIN selber mittelalt, lol. Ich BIN Erec Widemare von Ellingkofen. Einfach alte Schreibweise. Von daher kann ich persönlich vertreten was ich mache. Never würde ich aber z.B. den ollen Friedrich II irgendwo darstellen wollen. Zu viel Respekt vor dem Mann. ( ausser Gage stimmt, lol ) Klar für manchen ergibt sich da eine Zwickmühle. Aber könnte ja schlecht z.B. mit 150 cm einen langen Kerl der Preussen rüberbringen, als schwarzer, einen mittelalterlichen mitteleuropäischen Burgherren darstellen, als Mann die Jungfrau von Orleans bringen etc . Ist nun mal halt so, egal wie toll ich die finde. Alle Genders, Gesinnungen etc. in Ehren. Aber ein 2m Transhühne, geht einfach nicht als Batseba durch. ein kleiner Südeuropäer ist als Karl der Grosse nicht so top, Ein bleicher, des Reitens unkundiger ist als Dschingis Chan irgendwie fehl am Platz. Gehts um eine Fantasy Veranstaltung: Egal. Da kann jeder als Waldstrat rumhüpfen wie er will. Da dürfen die Elfenohren bis an die Decke reichen. Kann auch cool sein. Aber eigentlich gibts doch reichlich Möglichkeiten seine " Rolle" zu finden , wos dann auch passt. Niemandem will ich den Spass vergraulen !!! Privat ist alles immer ok. Gehts an öffentliche Darstellung, sollte es schon ein bisschen passen. Klamotten, Ausrüstungsgegenstände etc , sind nicht alles. Ergibt halt Aufwand und Grenzen. Aber der wird ja, wenns um Gewebe und Aehnliches geht, auch nicht gescheut. Hab zwar kein Pferd, aber Reiten kann ich, und alles was ich sonst den Leuten vermitteln will auch. Ok , Gefolge könnt ich noch was gebrauchen. Aber Leibeigene findet man heutzutage einfach schwer. Falls irgendwelche Ausdrücke nicht der heutigen political correctness entsprechen, sorry.
 
Ebenso käm uns ein Pygmäe, der jetzt noch so begeistert ist, in Lederhosentracht, schräg rüber.
Als der in schönstem ortsüblichen Dialekt seine Brezeln anpreisende Verkäufer dann im HB ins Sichtfeld trat, erheiterte mich das durchaus: Schmucke bayerische Tracht und... seine Familie kam ganz sicher aus einem Land, das sehr, sehr (!) weit südlich der Landeshauptstadt liegt. :D
 

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