Hilfe für Darstellung eines Ritters niederen Adels 1406-1414 gesucht!

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Tobias von Blumberg

Guest
Hallo zusammen, meine Kopf raucht!!! :help Ich befinde mich mitten in der Recherche für meine Darstellung. Aber am Besten stelle ich mich erstmal vor. Ich heisse Tobias und bin Neueinsteiger im Mittelalter. Ich plane die Darstellung eines Ritters niederen Adels, um genauer zu sein möchte ich ein Mitglied der Herren von Blumberg (Süddeutschland nahe der schweizer Grenze) darstellen. Dieses ausgestorbene Adelsgeschlecht wurde bereits 1275 als Ritteradel erwähnt. Meine Darstellung soll zwischen 1406 und 1414 angesiedelt sein. Ausserdem möchte ich mich erstmal "zivil" kleiden ! Habe mich eingehend mit den Bildern des Konstanzer Konzils beschäftigt, das regional und zeitlich von der kleidung zu meiner Figur passt. Kleidung: Leinenhemd Schecke mit langen Ärmeln Bruche mit Beinlingen Ledergürtel schwarze spitzzulaufende LederStiefel oder Halbstiefel Hier nun ein paar Fragen: Beinling an Schecke oder an Gürtel der Bruche angenestelt? Beinlinge mit Schamkapsel oder ohne? Kann man sein Adelswappen auch auf die Schecke sticken, war das üblich? Habe keine Nachweis dazu gefunden. Sonstige Tipps zur Kleidung ? Puhhhh, das wurde jetzt länger als gedacht. Aber ich würde mich freuen wenn ihr mir helfen könnt! Gruss Tobias Hier noch ein Link meiner ungefähren Vorstellung der Kleidung (Herr vorne in blau mit grünem Beinlingen): http://es.wikipedia.org/wiki/Archivo:Meister_der_Chronik_des_Konzils_von_Konstanz_001-cropped.jpg
 
Hallo Tobias, am Wochenende (dieses Wochenende um den 29.10) ist eine Burgbelebung auf der Meersburg, da sind um die 50 Gewandete, denen du sicherlich gerne Löcher in den Bauch fragen darfst :) Komm doch einfach mal vorbei und sprich mit uns, bitte komm aber nicht in Gewandung. (das kann dann kommen, wenn man dich kennengelernt hat und du eingeladen wirst :) Am Samstag findest du mich wohl in der Nähe der Küche :) oder frag dich einfach nach Rosi durch :) viele Grüsse und vielleicht bis am Samstag Rosi/Hummelchen
 
Hallo Rosi, vielen dank für den Tipp. Leider ist das Wochenende schon verplant, sodass ich nicht kommen kann. :heul Aber vieleicht hast du mir ja trotzdem ein paar Tipps? Viele Grüsse vom "schwäbischen Meer" Tobias
 
Moin Tobias, da hast Du Dir eine etwas exotische Zeit ausgesucht ;) Gibt nicht viele Leute, die das zur Zeit machen. Ad hoc fallen mir da jetzt nur die Hamburger Elvelüüt, die More Majorum aus Freiburg und zwei Südtiroler Gruppen ein: DIe Gesellschaft des Elefanten und Niedertor . An die kann man sich auch gut wenden, die sind alle sehr nett (und sprechen deutsch). Mit dem Konstanzer Meister bist Du mit einer Entstehungszeit um 1440 schon in der speziellen Mode des 15. Jhdts. Um 1400 - 1420 bist Du aber eigentlich noch in den Modelinien des späten 14. Jhdts. Da wären für Dich vielleicht als Quellen auch die Wenzelsbibel oder die "Tres Riches Heures" der Limburger Brüder interessant. Es wäre jetzt auch nicht ganz unwichtig, wo Du Dich ansiedelst. Z.B. hat die burgundische Mode zu dieser Zeit durchaus durch die verwandtschaftlichen Verbindungen nach Böhmen ausgestrahlt während Restdeutschland noch etwas weiter zurück lag. Aus meiner Erfahrung mit dem 14. Jhdt. würde ich Dir - auch wenn Dein Darstellungsziel mal ein Niederadeliger sein soll - erstmal empfehlen mit einfacherer Ausstattung anzufangen, um sich an die doch recht schwierigen und auf Körper geschnittenen Schnitte (gerne auch mal mit gepolsterter Taubenbrust) anzunähern. Von den Auswüchsen der burgundischen Mode gar nicht erst zu reden ... Wen Du Dir Andreas Darstellung eines Patriziers um 1400 ansiehst oder Anders junger Kaufmann um 1380 kannst Du Dir vielleicht schon vorstellen, in welche Richtung Dein Niederadeliger gehen sollte, wobei Anders jetzt ohne Houppelande o.ä. daherkommt udn Andreas eher konservativ gekleidet ist. Hier nun ein paar Hinweise zu Deinen Anfangsfragen: Beinlinge: Entweder am Bruchengürtel bis nach oben an der Seite mit zwei Nesteln befestigt oder alternativ und etwas progressiver am Wams innen - hierbei aber beachten, dass die Befestigung um einiges niedriger auf der Hüfte liegt als später im 15. Jhdt. Die "traditionelle" Befestigung der Beinlinge kommt zwar noch vor ist aber höher angesetzt und eher bei den niederigen Ständen zu finden. Schuhe - müsstest Du mal durch die Fundkataloge sehen. Da sollte es einiges geben. Afaik gibt´s da bei den Konstanz-Funden einiges zu, die befinden sich aber bei mir z.Zt. in irgendeiner Kiste im Keller ;) Spitze ist durchaus angesagt, ich weiß nur nicht, wie lang die wurden. Soweit ich die Wenzelsbibel im Kopf habe, konnte das durchaus schon recht lang sein ohne echte Schnabelschuhe zu sein. Vielleicht sich erstmal einfachere Halbschuhe besorgen und dann weiter recherchieren ... Hemd aus Leinen, Bruche auch - Bruche wahrscheinlich in der "Boxershorts-Form". Darüber ein Wams - jetzt kommt´s drauf an, wo Du Dich für den Anfang entscheidest. Da gibt es extrem lange Wämser mit zu Trompeten auslaufenden Ärmeln mit extremen Knöpfungen im Adelsbereich. Da gibt es die sogenannten "Grand Assiette" Schulterkontrukte, Fütterungen im Brustbereich etc. Das konnte recht extrem werden. Dazu eine passende Stoffauswahl. Hier mal ein polnisches Beispiel von Lorifactor, dass für einen niederigen Adeligen passend wäre, eher gegen 1380 - 1390 angesiedelt. Über dem Wams käme gerade um 1400 die Houppelande, eine weite Jacke, mit teilweise extremen Ärmeln - engelsflügel, heftige Zaddelungen inklusive. Die Mode um 1400 hat nichts ausgespart, da ist das spätere 15. Jhdt. schon wieder recht moderat gegen. Last but not least Kopfbedeckungen - Gugel ist durchaus noch tragbar, teilweise auch mit extremen Zaddelungen. Dazu z.B. ein Chaperon oder ein anderer Hut. Gürtel ist halt so eine Sache - gerade zu dieser Zeit wurde vom Adel, wie im letzten Bild gezeigt, gerne der Dupsing, der schwere Prachtgürtel, getragen. Immerhin ist das eine der wenigen Zeiten, in denen man gelegentlich auch mal Glöckchen am Gürtel tragen kann ... Wie auch immer: eine interessante und spannende Zeit, modisch sehr abwechslungsreich, jedoch hier in Deutschland kaum bespielt. Mein Vorschlag wäre, wenn Du DIch für die Zeit interessierst, erstmal vorsichtig mit einer etwas einfacheren Klamotte anzufangen, da Du Dich später ärgern wirst, die teuren Stoffe verschnitten zu haben. Es gibt einige sehr gute Darsteller dieser Zeit udn die gesagten Gruppen helfen sicher gerne weiter. Hoffe, das gibt Dir mal einen Einstieg und viel Spaß im Hobby Thorsten P.S.: Immerhin hast Du in Sachen Rüstungen schon eine gute Auswahl auf der Churburg ;)
 
Hallo Thorsten, erstmal vielen Dank für diese tollen Tipps!!! :allah Ich denke auch, das ich die Kleidung erstmal schlichter halten werden, da die Herren von Blumberg eher konservativ und ländlicher geprägt waren. Ich denke ich werde über der Bruche mit Beinlingen einen längeren Wams ohne Jacke darüber tragen. Ähnlich beschreibt es Sarah Thursfield in dem Buch "Mittelalterliches Schneidern". Dazu Lederstiefel mit Spitzen, ähnliche Abbildung beim Konstanzer Konzil. Ich denke die grösste Herausforderung an meine Nähkünste wird der Figurbetonte Wams sein. Spannend wird es auch noch den richtigen Stoff zufinden, der mich auch nicht finanziell ruiniert. Also nochmals danke, Gruss Tobias
 
Hallop Tobias, also ich stelle eine angestellten Jäger bzw. Bogenschützen in dieser Zeit dar. Die Herren von Blumberg kenne ich jketzt leider nicht aber das mit der Schecke ist in Ordnung. Bruche und Beinlingen müssen nicht ungedingt sein denn in dieser Zeit gab es auch schon die eine oder andere Variante an Hosen. Bei einem meiner Gewandungen trage ich z,.B. eine Schmalschlitzhode mit Schamkapsel die an einer Weste oder am Wams befestigt ist. (nicht das Avatar-Bild) Für die Zeit gibt es ein paar gute Bücher die ich Dir empfeheln kann. Wenn Du Dich dafür interessiert melde Dich doch dann kann ich Dir mal die Titel und evtl .die ISBNs geben. Wir haben in unserem Verein 5 leute die diese Zeit darstellen. Also soviel zu den bedenken von "Thorsten_P" :) Wenn Du evtl Fragen hast melde DIch doch kur per PN. Grüße TvH
 
Moin Tobias, Eines noch, ich habe den Sarah Thursfield Band auch und so sehr ich ihn als Grundlage für die Erarbeitung von Schnitten mag, für die Zeit musst Du einiges anpassen, da funzen die Schnitte nicht 100%. Schau Dir lieber zur Sicherheit noch einmal Bildmaterial an. Eine gute Quelle sind auch die Fresken des Schlosses Runkelstein (castel roncolo). Da ist auch eine gute Vorstellung wie das adelige Leben zu dieser Zeit aussah. Dann wirst Du auch feststellen, dass der Konstanzer Meister als Quelle nicht so richtig taugt - der Kleidungsstil ist schon weit im 15. Jhdt.. Was Rüstungen angeht, so schau am besten bei der Churburg - die Herren von Matsch waren nämlich auch "Provinz" und dementsprechend etwas zurück (wenn sie auch gute Beziehung zu den Mailänder Schmieden hatten). Auf die Jacke - in Deinem Fall wäre es wahrscheinlich eine Houppelande - würde ich auf keinen Fall verzichten wollen. Die Houppelande gehörte halt einfach dazu und gerade ein Adeliger würde selten ohne aus dem Haus gehen. Entgegen der Aussage von Thomas kenne ich aus der Zeit um 1400 keine Schamlatz-, bzw. Schamkapsel(noch später)-Hosen. Ich würde bei Beinlingen die Variante dann mit der Befestigung an der Seite nehmen. Es schlossen sich zwar um diese Zeit so langsam die Beinlinge zu Hosen, doch sind die angesprochenen Elemente eher ab der zweiten Hälfte des 15. Jhdt. en vogue. Thomas, welche Gruppe um 1400 seid Ihr denn? Bis denn Thorsten Gerade noch eine nette Abbildung eines Schachzabelbuches gegen Ende des 14. Jhdts. gefunden: http://www.mercatura-hanseatica.de/Kaufmann_schachzabelbuch_1400.jpg - das würde auch in die Richtung gehen.
 
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Hallo Thomas, vielen dank für dein Angebot. Werde gerne darauf zurückkommen!! @Thorsten: Werd mir das mit der Houppelande nochmal überlegen. Danke nochmal für deine Hilfe! Gruss Tobi
 

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