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Kinder-Spielzeug um 1300 - und im gesamten Mittelalter

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    • Hm, spontan: "Windradlanzen", Peitschenkreisel, Steckenpferde, Holzwaffen so ziemlich jeder Art....und noch mehr. Muss nachschauen, bin grade aufgestanden und verschlafen
      Ich treib mich irgendwie überall rum:

      ig-mim.de
      gesta-treverorum.de
      zeitenhandel.de
      facebook.de/zeitenhandel
      minuskelblog.blogspot.de/
      facebook.com/minuskelblog
    • Murmeln, die auch Nüsse sein konnten, Schnurrer (aus Knochen), Bälle (aus Leder, Fund zB. in Schleswig) Knöchelchen (Knickelbones) gab es mindestens seit den Römern und gibt es bis heute in Plastik.

      Für die Kleinsten gab es Rasseln, es gibt schöne erhaltene aus Pingsdorfer Keramik. Gelesen habe ich auch vom getrockneten Gänsehals, der ineinander gesteckt und mit einigen kleinen Steinchen gefülllt wurde.

      Erwachsene wie Kinder haben wohl gerne gekegelt, anfangs mit Kegelknochen, später mit gedrechselten Holzkegeln wie wir sie heute kennen.

      Es gibt ein schönes Gemälde aus dem SpäMi auf dem ganz viele spielende Kinder abgebildet sind. Mir fällt nur gerade nicht ein wo ich danach suchen soll.

      Vorstellbar finde ich das Kinder mit allem gespielt haben, das sich zweckentfremden ließ. So wie heute auch noch, wenn man sie lässt.
      Neue Seite mit Blog : zeitensprung-handweberei.de
    • Eine Abbildung aus dem Spätmittelalter zeigt Kinder, die mit einer Schweineblase als eine Art Luftballon spielen. Im Hintergrund quälen Kinder Katzen und Hunde (was natürlich nicht die beste Art des Spielens darstellt) . Ein anderes Bild zeigt Kinder, die Hüte aus Binsen basteln und tragen.
      IMPERARE SIBI MAXIMUM IMPERIUM EST.
      Die größte Herrschaft ist es, sich selbst zu beherrschen.
      Seneca, Epistulae Morales 113, 30
    • Ein sehr hübsches Büchlein ist "Allerley Spielerey".
      Dort sind allerhand Spiele für Erwachsene und Kinder beschrieben - Ball- und Fangspiele, Würfel- und Brettspiele etc. (mit Anleitung zum Herstellen) und beispielsweise auch eine Art "Dosenstelzen": zwei Holzblöcke, im obenren Drittel quer durchbohrt. Durch die Bohrung wird eine feste Schnur gezogen und die Enden verknotet. Man steibt auf die Blöcke, zieht die Schnur mit der Hand stramm und "stelzt" dann so los.
      Ich mache niemals den gleichen Fehler zweimal.
      Schließlich gibt es noch so viele zur Auswahl!
    • In Wien wurde ein Keramik-tierchen gefunden, recht einfach geformt und mittlerweile kopflos, vermutlich ein Pferd. Zu der Zeit vielleicht noch nicht, aber später wurden die Kruselerpüppchen modern. Puppen allgemein sind sicher nicht falsch. Murmeln aus Ton gibts auch Funde in.... Konstanz glaub ich. Und dann noch Miniatur/Puppengeschirr.
      Sichel und Pflug - mein kleines Steinzeit-Projekt

      Mitglied der Wienischen Hantwërcliute, Handwerksdarstellungen aus Wien um 1350

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    • Kinder-Spielzeug

      Hallo,
      neben den bereits genannten Beispielen fallen mir als weitere Holzspielzeuge noch Holzreifen zum Reifentreiben ein, Rindenboote, Holztiere auf Rädern. Eine Art Propeller findet sich unter den Nowgorod-Funden.
      Pfeifchen oder Flöten aus Ton, Knochen oder Holz (schonen vielleicht nicht die Nerven der Eltern :whistling: )
      Bei den angesprochenen Keramiktieren finden sich zumeist Pferdchen (auch mit Reiter), aber auch andere Haustiere wie Enten, Widder, Hunde sind mir geläufig.

      Beim Ausprobieren von Seifenblasen (siehe auch Doris Fischer "Spielen wie im Mittelalter") gab es zwar eine grandiose Schweinerei, aber alle beteiligten Kinder von 3 bis 10 Jahren hatten einen Mordspaß.

      Viele Grüße Aleidis
    • Hallo

      Vielen Dank für eure ausführlichen Antworten.

      Oh ja, in Sachen zweckentfremden sind Kinder Weltmeister! Aktuell wird gerade aus einer Decke, der Sofalehne und der Heizung unter dem Fenster eine Löwenhöhle gebaut - und das seit etwa 2 Wochen täglich. Die Höhle wird am Abend abgebaut weil Töchterchen die Decke zum schlafen braucht - und am nächsten Morgen wieder neu gebaut.

      Murmeln haben wir in Massen, aber die sind halt aus Glas. Solche aus Ton müsste ich wohl selber machen. Ob die wohl schön rund bleiben beim trocknen?

      Steckenpferde haben wir bereits mehrere - zwei sind noch von mir. Dass die fürs Mittelalter taugen bezweifle ich allerdings. steckenpferde.ch/Steckenpferde.htm
      Ich durfte als Kind bei der Entwicklung "mithelfen" - die Rössli wollten auf Haltbarkeit, Stabilität und "Spielbarkeit" getestet werden was uns sehr gefreut hat. Meine Schwestern und ich haben je zwei Steckenpferde aus dieser Zeit - mittlerweile sind es 25 Jahre - und jetzt spielen meine Kinder mit denen von mir. Als Dankeschön fürs Rössli testen haben meine Kinder jedes ein Steckenpferd bekommen - gratis!
      Vielleicht schaff ich es ja die Frau an Mittelaltermärkte zu lotsen.

      Musikinstrumente wie Trommeln, Flöten und ähnliches sind natürlich lässig für die Kinder. Allerdings möchten wir ja nicht unsere Mitreisenden zur Weissglut treiben weil die Kinder "Musik" machen im Zug.

      Beim Propeller weiss ich glaub was ihr meint. Eigentlich ein Stab mit 2 oder 4 "Flügeln" oben dran. Der Stab wird zwischen den Händen gedreht und so angetrieben - und schwupp landet das Ding auf dem Dach oder was weiss ich wo.

      Beim Holzreifen zum Reifentreiben müssten wir wohl einen Wagner haben oder ein altes Rad von einem kaputten Leiterwagen oder so.
      Allerdings ist mir jetzt grad in den Sinn gekommen, dass vielleicht auch ein Hulahop-Reif etwas sein könnte. Töchterchen wünscht sich schon lange so ein Ding und einen aus Holz aufzutreiben sollte ja nicht so schwer sein. Was meint ihr dazu?

      Hm, einen Peitschenkreisel hab ich glaub sogar noch irgendwo. Ich müsste mal im Keller schauen ob der noch da ist.

      Spielzeugwaffen haben wir bereits - Schwert und Schild hat sich Töchterchen vor 2 Jahren gewünscht.

      Seifenblasen geben wirklich eine mega Sauerei - und sind sehr lässig für die Kinder. Meine Tante hat vor vielen Jahren für meinen Cousin und mich Seifenlauge gemacht, in Becher gefüllt und jedem einen Strohhalm gegeben - wer macht die Grösten und Besten? Es gibt ein Foto davon auf dem Cousin und ich breitbeinig da stehen und mit dem Strohhalm in die Seifenlauge pusten - die Becher sind mit grossen Blasen gefüllt und am überlaufen.

      Figuren aus Ton würden glaub nicht lang überleben, jene aus Holz allerdings schon.

      Von dem Büchlein "Allerley Spielerey" hab ich schon mal gehört. Weiss jemand von euch grad wo ich es bekommen kann?

      Ideal wären Spielsachen zum mitnehmen. Mittelaltermärkte können für Kinder langweilig sein und da sollte schon etwas zum spielen mit kommen. Da wir in keiner Gruppe sind müssen es also eher kleinere Sachen sein.
      Ich habe zwar vor einen Leitewagen zu kaufen damit wir all die Sachen die wir für die Reise brauchen mit nehmen können, aber ob ich einen passenden finde kann ich noch nicht sagen. Ich bin auf der Suche danach und hab kürzlich einen Laden entdeckt der gar nicht so weit weg von uns ist...

      Gehabt euch wohl
      Zauberin
      Zauberhafti Grüess us dä Schwiiz wünscht Zauberin mit 5.Klass-Zauberschüelerin und 2.Klass-Zauberschüeler
    • Hallo

      Ja, die Steckenpferdchen sind wunderschön. Da sie Handarbeit sind ist auch der Preis gerechtfertigt. Und wer grad keines im Angebot findet kann auch seine Wünsche sagen und sie macht das Steckenpferd ganz nach euren Vorstellungen.
      Ich habe als Kind eines ihrer "Experiment"-Rössli bekommen. Ein Zirkuspferd mit einem Loch im Kopf damit der Federbüschel rein gesteckt werden kann und mit offenem Maul - ein Einzelstück das sie nie mehr so gemacht hat. Einen Federbüschel hab ich leider keinen mehr, aber wenn die Kinder grösser sind wird es wohl wieder einen geben.
      [Blockierte Grafik: http://www.bilder-hochladen.net/files/thumbs/8f66-bx-d1f2.jpg]
      Rechts die Rössli von mir (Zirkusrössli mit Ohrenkappe), links die neuen von den Kindern.
      Damit es mittelalterlich wird müssten wir es ja einfach aus Holz machen was nicht allzu schwierig ist.

      Das mit dem Reifen aus einem Haselstecken ist eine tolle Idee! Kommt dazu, dass wir im Garten einen Haselbusch haben den wir im Herbst geschnitten haben. Im April wird zwar das Holz gehäckselt, aber bis dann kann ich ja gut einen der Haselstecken holen. Momentan lassen wir den Haufen noch liegen - vielleicht hat ja ein Igel darin überwintert und den möchten wir nicht stören.

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    • Ulf schrieb:

      Titel: Allerley Spielerey -Spielen wie im Mittelalter-
      Autoren: Gisela Muhr, M. Gross
      Verlag: Regionalia Verlag

      ... schöne Spiele. ABER: So gut wie keine seriösen Quellen im Anhang. Buch bietet m.M.n. spielbare Interpretationen von Spielen im Bruegel-Gemälde und ein paar Spiele, die unsere Urahnen im 19./20. Jhdt. spielten.
      Ich bin kein direkter Rüpel, aber die Brennnessel unter den Liebesblumen. immergut: Karl Valentin
    • Da ich gerade Ernst Schuberts Alltag im Mittelalter neben mir liegen habe, habe ich dort mal hinein geschaut und den Absatz zum Spielzeug kurz zusammengefasst. Schubert führt folgende Spielsachen auf, von denen einige ja auch schon genannt wurden:

      Für Säulinge gab es Beißringe z.B. aus getrocknetem Gänsehals, Rasseln (z.B. ein zu einem Ring geformter Geflügelafter mit eingefüllten Steinchen) und Klappern.
      Kleinkinder benutzten die Sprunggelenke eines Schafs oder Zehenknochen eines Rinds als Würfel und Kegel oder eine mit Erbsen gefüllte Schweinsblase als rasselnden Ball. Daneben gab es kleine Figuren aus Ton und bunt glasierter Irdenware sowie Murmeln als Nebenprodukte von Töpfereien. Mädchen spielten mit Holzpuppen und Spielzeuggeschirr. Zu den Jungen schreibt Schubert leider nichts.
      Kinder aus höheren Schichten besaßen auch Tiere aus Kupfer und Messing oder bunt bemalte Steckenpferde.
      Das Miteinanderspielen der Kinder machte ebenfalls einen großen Teil ihrer Freizeit aus. Bezeugt sind z.B. Plumpsack, Hüpfspiele und Blindekuh.
      Generell sollte auch immer bedacht werden, dass Kinder im Mittelalter etwa ab dem 7. Lebensjahr als erwachsen angesehen wurden, eine Kindheit im heutigen Sinne gab es ja nicht.

      Ist auf jeden Fall ein interessantes Thema, das zu einer näheren Beschäftigung anregt.
      Grey, recumbent tombs of the dead in the desert places, standing-stones on the vacant wine-red moor, hills of sheep, and the homes of the silent vanished races, and winds, austere and pure.

      beautifulcastles.de - Burgen und Schlösser
    • Hallo

      Aleidis schrieb:

      Eine Art Propeller findet sich unter den Nowgorod-Funden
      Du meinst so was, oder? commons.wikimedia.org/wiki/File:Taketombo.JPG (Quelle: wikipedia)

      Das Säuglingsalter haben wir ja bereits hinter uns. Junior ist mit 2 1/2 Jahren grad noch im Kleinkindalter (zumindest mittelalterlich gesehen) wo es vielleicht auch einfache Holztiere zum spielen gab für die Jungs. Vermutlich werden sie auch kämpfen geübt haben - je nach Stand mit Holzschwerter oder einfachen Stecken.
      Später werden sie versucht haben den Vater zu imitieren und sind so automatisch in dessen Gewerbe rein gerutscht...
      Ähnlich ist es wohl den Mädchen ergangen. Die Spiele änderten sich je älter sie wurden, die Mutter wurde nach gemacht, kleinere Geschwister gehütet und schon sind sie mitten in der Einführung zur Hausfrau gewesen...

      Bewegungsspiele wie Fangen, Verstecken, Blinde Kuh und ähnliches sind ja immer noch aktuell. Vielleicht in abgeänderter Form und mit veränderten Regeln, aber es gibt sie immer noch. Allerdings braucht es da mehr als einen kleinen Bruder der 3 Jahre jünger ist.

      Das Büchlein werde ich mir sicher mal anschauen. Manchmal versteckt sich zwischen vielen nicht unbedingt brauchbaren Sachen etwas ganz gutes das passt.


      Ich könnte mir auch vorstellen, dass es Bauklötze aus Holzresten vom Tischler gegeben hat. Halt nicht so schön regelmässig wie heute, aber sicher auch stapelbar. Der Drechsler hat vielleicht aus Holzresten Kugeln mit Löchern gemacht die aufgefädelt werden konnten.


      Kinder experimentieren gerne und haben viel Fantasie!
      Heute wurden mir wieder mal Pfannendeckel und Kochlöffel stibitzt... Im Mittelalter wird es nicht viel anders gewesen sein - man hat genommen was grad da war und damit was weiss ich was gemacht. Decken und Stühle werden zu Höhlen, aus Mami's Stoffresten können Schnüre geknotet oder Kleider für die Puppe gebastelt werden, eine alte Spindel kann zum Kreisel werden, das Webschiffchen zum Wagen, eine leere Fadenspule zur Figur...



      Vielleicht wurde ja auch bereits "Verkleiden" gespielt?
      Ich weiss noch wie wir als Kinder mit alten Kleidern und Mutters Stöckelschuhen "noble Damen" gespielt haben.


      Oh, jetzt hab ich grad mein kleines Murmel-Büchlein gefunden! Vielleicht findet sich ja hier noch ein Hinweis wie Murmeln im Mittelalter gemacht wurden und was damit gespielt wurdel

      Gehabt euch wohl
      Zauberin
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