Wikinger um 950 in Haithabu

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So, hier nochmal ne Komplettansicht (ohne Hose^^) : [threadclosed][/threadclosed] Hier sind auch mal meine selbstgemachten Wendeschuhe:
 
:D Meine Oma hat mir gestern ein Fotoalbum geschenkt, mit ganz vielen Kinderfotos von mir. Wir haben früher oft ganz viele Reisen unternommen, und die sind da nun alle abgelichtet. Darin habe ich dieses Bild gefunden: Ein echter Reenactor fängt früh an :wiki1 Lg, Sartir
 
Liebe Wikinger-Darsteller, ich habe im I-Net keine Hinweise auf wikingerzeitliche Bruoche und Beinlinge gestoßen... eher auf Aussagen wurde im 12., 13., 14. Jahrhundert getragen... Die Thorsberghosen dageben werden spätestens auf das 4. Jh. datiert. Unter Berücksichtigung des Stoffbedarfes für eine Bruoche und der skandinavischen Temperaturen kann ich Beinlinge und Bruoche als übliche Bekleidung statt der Thorsberghose nicht wirklich nachvollziehen. Gibt es Literatur die diese Frage wissenschaftlich nachvollziehbar klärt? Wenn ja, werde ich mir gerne Bruoche und Beinlinge zulegen, hört sich bequem an...
 
Also zunächst gibt es als Fund den Oberteil eines Beinlings / einer Gamasche im Hafen von Haithabu. Zu finden in: Hägg, Inga: Die Textilfunde aus dem Hafen von Haithabu. Berichte über die Ausgrabungen in Haithabu 20. Neumünster 1984. Im gleichen Buch findest Du übrigens auch den Fund eines Schrittteils einer Hose im Thorsberg-Stil. So arg unpraktisch erscheint mir ein Beinling übrigens nicht unbedingt, auch nicht wenn es kalt ist. Wenn man lange Kittel annimmt, beispielsweise bis zum Knie, dann kann ein Beinling bis Mitte Oberschenkel durchaus ausreichend und sogar praktischer sein, weil er viel einfacher zu konstruieren ist und einen geringeren Stoffverbrauch aufweist als eine Hose im Thorsbergstil. Außerdem müssen Beinlinge weit im Norden ja nicht zwangsläufig mit einer Bruche getragen worden sein von den unsagbar weiten Ausmaßen, wie man sie auf Abbildungen weiter südlich im Mittelalter kennt. Da es da oben keine Unterhosenfunde gibt, soweit ich weiß, könnten die ja durchaus enger und stoffsparender geschnitten gewesen sein, wenn es überhaupt welche gab.
 
Genau wie Arché schreibt. Es wurden Teile eines Beinlings gefunden, das eine Art Strumpf gewesen sein könnte. Eine Bruche wurde in Haithabu meines Wissens nicht gefunden.
 
So, nachdem der Rechteckmantel nun gefärbt ist (ist eher ein Ziegelorange geworden, aber trotzdem schick, finde ich) und ich die Fibel endlich dranbekommen habe ist dies meine (vorerst) Marktkleidung. Die nächsten Projekte sind jetzt die Obertunika und die Thorsberghose, damit ich mich von allen "Stangenprodukten" trennen kann.
 
So, das letzte Stangenprodukt fliegt jetzt weg ;) Die Thorsberghose ist soweit fertig. Alles versäumt (@Arché: Diesmal sogar richtig ;) ) Der Stoff dazu war ein Diamantköper, den ich mit Walnussschalen braun gefärbt habe (siehe meine Galerie unter Färbereien) Hier mal in Einzelteilen: fertige Vorderseite: fertige Rückseite: Und auch nochmal im angezogenen Zustand: Das einzige Problem sind jetzt nur noch die Füßlinge. Habt ihr eine Idee, wie man die macht? Wo sitzt die Naht, wie sieht der Schnitt aus? Dazu habe ich bisher noch keine genaueren Infos gefunden. Lg, Sartir
 
Schick - und ziemlich... stramm ^^ Zu den Füßlingen: Das Schnittmuster nach "Schlabow - Textilfunde der Eisenzeit in Norddeutschland. Neumünster 1976.", dass man überall im Internet findet, kennst Du ja sicher. (siehe z.B. +++ gelöscht wegen fehlender Quelle +++ ) Lustig finde ich übrigens, dass Schlabow schreibt, dass die Füßlinge wohl noch nicht so geglückt seien, da die Naht direkt unter dem Fuß, also unter der Sohle liegt. Allerdings wird das mit der Naht unter der Sohle soweit ich weiß ja noch elendig lange gemacht, wenn auch der Fußteil im Detail jeweils anders ausgeformt sein mag. Da ich es selbst noch nicht gemacht habe und die "Anleitungen", die ich kenne, sich alle vor den Füßlingen aus verschiedenen Gründen gedrückt haben (diesbezüglich: cool, dass Du welche ranmachen magst!) kann ich nur sagen, was ich machen würde: Ich täte das Schlabowmuster nehmen und direkt an meinen Fuß anpassen. Also: Maße für den Spannteil/Oberseite der Füßlinge von der Hose abnehmen und nach unten hin sehr reichlich Stoff überlassen. Dann an das Hosenbein nähen und die Sohle offenlassen. Dann anziehen und in der Sohle passgenau an deinen Fuß heften, bzw. jemanden heften lassen und schließlich zunähen. Vielleicht vorher noch mit groben Heftstichen und Billigstoff testen, wenn man paranoid ist, wie ich und immer Sorge hat, den schönen Stoff zu verhunzen...
 
In einigen Dissertationen wird darauf eingegangen, dass die Thorsberghose vermutlich eine Reiterhose war. Macht Sinn, da die Nähte so liegen, dass sie nicht zwischen Bein und Pferd scheuern. Da die Naht der Füßlinge unter der Sohle verläuft, muss dies wohl auch unangenehm beim Laufen sein, wird dementsprechend bei Fußgängern weggelassen. Und ja, eine Thorsberghose sitzt rlativ stramm.
 
Ich hab an meinen Beinlingen nach Fund Moscevaja Balka auch die Naht unten, ist aber kein Problem, drückt und scheuert nicht. Dachte Anfangs auch, dass das Probleme geben würde, aber die Naht "läuft sich ein, wird also plattgedrückt. Gilt sowohl bei denen aus Wolle wie auch aus Leinen.
 
Ich hab Schlabow nur paraphrasiert, weil ich die Textstelle amüsant fand - unbequem sind die Nähte in der Sohle nämlich wirklich nicht. Und wie gesagt, die Nahtlage unter der Sohle, ebenso wie die Naht auf der Hinter- statt Innenseite des Beines ist ja, schaut man sich Hosen- und Beinlingsfunde an, die absolute Regel. Diese Konstruktion muss also nicht unbedingt etwas mit Reiterkleidung zu tun haben, selbst wenn die Thorsberghose die Hose eines Reiters gewesen sein mag.
 
Ah ok, auf dem Link sieht man das schön, wie die Füßlinge vernäht sind. Dann werde ich das wohl auch so machen, mit der Naht unter dem Fuß. Danke!
 
Schick - und ziemlich... stramm ^^ Zu den Füßlingen: Das Schnittmuster nach "Schlabow - Textilfunde der Eisenzeit in Norddeutschland. Neumünster 1976.", dass man überall im Internet findet, kennst Du ja sicher. (siehe z.B. +++ gelöscht wegen fehlender Quelle +++ ) ...
Um welchen Link handelte es sich denn hier? Lieben Gruß Ollie
 
Arche hats eh schon erwähnt; bei allen Fußteilen von Hosen und Strümpfen und Beinlingen der Antike und Teilen des Frühmittelalters laufen die Nähte über die Sohle, das war offensichtlich überall gängige Praxis von den Alpen bis zum Altai und von hallstattzeitlichen Socken bis ottonischen und byzantinischen Kleriker- und Fürstenbeinlingen. Auch die Nähte laufen bei sämtlichen Hosenfunden auf der Rückseite oder wandern spätestens beim Tragen selbiger am Oberschenkel nach hinten. Trotzdem halte ich es für nicht wirklich haltbar das wikingerzeitliche Fragment als Thorseberghose anzusprechen nur weil es ebenfalls einen Zwickel im Schritt hatte. Da liegen dann doch einige Jahrhunderte und Kulturwechsel zu viel dazwischen.
 
Schaut gut aus. Wann kann ich bestellen? :D Ich kenn die Hose ja live quasi seit der Geburt, aber mit den Füsslingen sieht sie noch besser aus. Bin mal auf deine ersten Berichte gespannt, wie sie sich so im Alltag bewährt.
 

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